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Einleitung

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Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft definiert sich zunehmendem durch die Qualität ihrer Infrastruktursektoren Verkehr, Energie, Telekommunikation, Post und Logistik. Ein leistungsstarker Postmarkt hat erhebliche gesamtwirtschaftliche Auswirkungen und ist auch für die Verbraucher von hoher Bedeutung. Deshalb ist es erforderlich, die Potenziale aller hier beteiligten Akteure im Markt optimal zu nutzen.

Die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung wirkt sich weiterhin positiv auf die Postmärkte aus. Deren erfreuliche Entwicklung aus dem Jahr 2013 setzte sich auch im Jahr 2014 fort. Über alle Bereiche (Brief, Kurier, Express, Paket) hinweg wurden im Jahr 2014 rund 28,8 Mrd. Euro umgesetzt. Das sind 2,5 Prozent mehr als im Jahr 2013 (28,1 Mrd. Euro).

Die hohen Zuwachsraten im Onlinehandel (E-Commerce) sorgen wie auch schon in den Vorjahren für überdurchschnittliche Wachstumsraten im Kurier-, Express- und Paketmarkt. Allerdings stagniert der Briefmarkt aufgrund der zunehmenden Kommunikation in Form elektronischer Medien. Im europäischen Vergleich befindet sich das Sendungs- und Umsatzvolumen jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau.

Im Jahr 2014 wurden mit einer Stückzahl von 15,9 Mrd. rund 1,4 Prozent weniger Briefsendungen befördert als im Vorjahr. Die Umsätze blieben stabil und lagen im Jahr 2014 bei 8,6 Mrd. Euro mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Marktanteil der Deutschen Post AG im Briefbereich betrug im Jahr 2014 betrug rund 88 Prozent. Ihre Wettbewerber haben ihren Marktanteil bei 12 Prozent stabilisiert.

Im Kurier-Express-Paketdienst ( KEP-Sektor ) herrscht deutlicher Wettbewerb, hier sind mehrere Anbieter mit eigenen Zustellnetzen bundesweit aktiv. Die Unternehmen der Branche beförderten 2,7 Mrd. Sendungen im Jahr 2014, das sind 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 4,0 Prozent auf 19,3 Mrd. Euro. Auch weiterhin ist hier eine sehr positive Entwicklung zu erwarten.

Nachfrageorientierter Strukturwandel

Wie weite Teile der Gesamtwirtschaft befinden sich auch die Postmärkte in einem anhaltenden Prozess der Veränderung. Das geänderte Kommunikationsverhalten der Verbraucher wirkt sich unmittelbar auf die Nachfrage nach Postdienstleistungen aus. Elektronische Kommunikationsformen wie E-Mails und Soziale Netzwerke oder der elektronische Versand von Rechnungen durch Geschäftskunden verdrängen den klassischen Brief und beeinflussen so maßgeblich die Marktentwicklung.

In der Summe sind die Menge der versandten Briefe in Deutschland in den letzten Jahren vor allem durch Zuwächse bei den Massensendungen (Werbepost etc.) leicht gestiegen. Auch zukünftig wird die Mehrzahl dieser Sendungen von Geschäftskunden auf dem Postweg an die Empfänger zugestellt werden. Trotz leichter Rückgänge bei Privatkundenbriefen wird der Briefmarkt damit wesentlicher Bestandteil des Postsektors bleiben.

Gleichzeitig profitieren die Anbieter von Postdienstleistungen vom wachsenden Online-Handel. Die intensive Nutzung des Versandhandels und von Auktionsplattformen hat zu einem weiteren Anstieg bei Paketsendungen an private Empfänger geführt. Neben den rein nationalen Entwicklungen werden die Postmärkte auch von der Globalisierung der Wirtschaftsbeziehungen beeinflusst. Aufgrund der international hochgradigen Arbeitsteilung gewinnen grenzüberschreitende Transport- und Verteilnetzwerke in den Postmärkten immer stärker an Bedeutung. Für Wettbewerber auf den deutschen Postmärkten ergeben sich hieraus weitere Wachstumschancen durch steigende Sendungsmengen aus dem internationalen Marktumfeld.

Dynamische Marktentwicklung

Die positive konjunkturelle Entwicklung in den meisten Industrie- und Dienstleistungsbranchen wirkt sich erkennbar auch auf die Postmärkte aus. Die überwiegende Zahl der Anbieter von Postdienstleistungen profitiert vom Wachstum der deutschen Wirtschaft. Das betrifft sowohl leichte Zuwächse bei der Geschäftspost durch verstärkte Werbemaßnahmen der Unternehmen als auch den Kurier-, Express- und Paketbereich, der infolge wachsender nationaler wie länderübergreifender Warenströme insgesamt höhere Sendungsaufkommen aufweist.

Wettbewerbschancen müssen genutzt werden

Überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnen die Märkte für Kurier- und Expressdienstleistungen wie auch der Markt für Paketdienstleistungen. Neben dem traditionellen Anbieter Deutsche Post AG sind in diesem Markt bereits seit längerem viele Wettbewerber aktiv und leisten einen wichtigen Beitrag für eine qualitativ hochwertige Versorgung im Interesse von Wirtschaft und Verbrauchern in Deutschland.

Der Markt für lizenzpflichtige Briefdienstleistungen ist auf dem Weg zu wettbewerblichen Strukturen. Es gibt etwa 600 am Markt aktiv tätige, vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen. 350 dieser Unternehmen erwirtschaften einen Umsatz von weniger als 100.000 Euro im Jahr. Insgesamt ist die Wettbewerbsintensität im Briefmarkt allerdings noch gering. Die Deutsche Post AG ist in einer dominanten Marktposition; im Privatkundenbereich verfügt das Unternehmen vier Jahre nach der vollständigen Marktöffnung nach wie vor über eine faktische Alleinstellung und auch im Geschäftskundensegment liegt der Marktanteil bei annähernd 88 %. Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Impulse für Wachstum zu setzen und die Entwicklungsmöglichkeiten des Sektors weiter zu verbessern. Mit der Erarbeitung einer umfassenden Wachstumsstrategie für den Postsektor werden insbesondere die Aktivitäten mittelständischer Unternehmen unterstützt und die Voraussetzungen für den E-Commerce verbessert.

Der Internethandel im europäischen Binnenmarkt kann durch eine weitere Optimierung der grenzüberschreitenden Paketdienste und einen stärkeren Preis- und Innovationswettbewerb – z. B. Tracking and Tracing-Möglichkeiten oder verbesserte Retourenlösungen - gefördert werden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt daher grundsätzlich die Absicht der Europäischen Kommission, im Rahmen der "Strategie für einen digitalen Binnenmarkt" noch bestehende Hindernisse für Unternehmen und Verbraucher in diesem Bereich abzubauen.

Ziel der Bundesregierung ist ein hochleistungsfähiger Post- und Logistiksektor, der einen bestmöglichen gesamtwirtschaftlichen Beitrag zu Beschäftigung und Wachstum leistet. Erreichbar ist dies nur durch einen funktionsfähigen Wettbewerb im nationalen und europäischen Postmarkt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie setzt sich deshalb nachdrücklich für faire Wettbewerbsbedingungen ein, die insbesondere auch kleinen und mittelständischen Unternehmen Wachstums- und Beschäftigungspotenziale in den Brief- und Paketmärkten eröffnen.

Im Rahmen einer im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie von der WIK-Consult GmbH und der ITA-Consulting GmbH erstellten Studie wurden Elemente einer Wachstumsstrategie für den deutschen Postsektor vorgeschlagen. Zielsetzung ist es hierbei, neue Entwicklungspotenziale für die Gesamtbranche aufzuzeigen sowie die Aktivitäten mittelständischer Unternehmen im Brief- wie auch im KEP-Sektor zu unterstützen und Maßnahmen für eine weitere erfolgreiche Entwicklung des E-Commerce zu entwickeln. Die Studie ist im Volltext (PDF: 1,4 MB) und in einer Kurzfassung (PDF: 425 KB) auf der Homepage von WIK-Consult abrufbar.

Mit dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie initiierten Monitoring der Brief- und KEP-Märkte in Deutschland wird eine fundierte Grundlage für die weitere postpolitische Debatte auf nationaler und europäischer Ebene geschaffen. Das Monitoring soll eine bessere Marktübersicht für Anbieter, Politik und die interessierte Öffentlichkeit ermöglichen sowie die Leistungsfähigkeit der Branche dokumentieren. Zudem soll sie ihre Bedeutung für die deutsche Wirtschaft herausstellen. Außerdem bietet das Monitoring einen Rahmen für den offenen Dialog zwischen Branche und Politik.

Die Ergebnisse des Monitoringberichts 2015

Neben umfassenden Darstellungen zu Leistungs- Netz- und Nachfragestrukturen des deutschen Postdienstmarktes, teils auch in geographischer Differenzierung, geht das Monitoring im zweiten Teil auf aktuelle Themenfelder aus dem Briefdienst- und dem KEP-Bereich ein. Untersucht werden darin die Beschäftigungssituation im Brief- und KEP-Markt, der Digitale Binnenmarkt und grenzüberschreitende Sendungen, raumbezogene Auswertungen zur postalischen Infrastruktur 2015, der Einfluss der Digitalisierung auf die Post- und Citylogistik sowie  Wechselwirkungen zwischen E-Commerce und dem Einzelhandel. Die aus der Brief- und KEP-Branche erfolgten Reaktionen sowie die intensive Mitwirkung der Teilnehmer - an den im Rahmen des Projekts durchgeführten Branchenworkshops - lassen erkennen, dass dieses Projekt sehr positiv aufgenommen wurde.

Ausführlichere Berichte zu den Ergebnissen des Projektes (Monitoringbericht 2015) sind auf der Homepage von WIK-Consult GmbH im Volltext veröffentlicht.

Die Europäische Kommission veröffentlichte Ende 2012 das Grünbuch "Ein integrierter Paketzustellungsmarkt für das Wachstum des elektronischen Handels in der EU", in dem die Förderung des grenzüberschreitenden E-Commerce durch Optimierungen der Paketbeförderung thematisiert wurde. Die Kommission erklärte darin, Lösungsmöglichkeiten zu den in einigen europäischen Staaten identifizierten Problembereichen zu erarbeiten. Dazu gehören Preisgestaltung, mangelnde Verbraucherfreundlichkeit sowie eine unzureichende Interoperabilität der Zustellnetzwerke. Die Schlussfolgerungen aus der Diskussion um das Grünbuch wurden in der Roadmap for completing the single market for parcel delivery (Dezember 2013) dargestellt.

Diese Zielsetzungen wurden von deutscher Seite grundsätzlich unterstützt. Die Europäische Kommission initiierte ein Bündel dialogorientierter Lösungsansätze innerhalb der Paketdienstbranche. Die hierdurch angeregten Aktivitäten vornehmlich der europäischen Postuniversaldienstanbieter (auch der Deutschen Post AG) haben bereits deutliche Verbesserungen insbesondere bei der Interoperabilität erreicht.

Die Kommission hat nunmehr die "Strategie für einen digitalen Binnenmarkt für Europa" vorgelegt. Sie thematisiert darin den bereits im Grünbuch genannten Optimierungsbedarf bei grenzüberschreitenden Paketdiensten, dir weiterhin als wesentliches Hindernis für die Entwicklung des e-Commerce benannt wird. Angekündigt werden auch Initiativen für eine verstärkte Preistransparenz sowie intensivere Monitoring-Maßnahmen der nationalen Regulierungsbehörden. Der aktuelle Ansatz der Kommission wird seitens der Bundesregierung unterstützt, soweit regulierende Eingriffe in den Markt nicht erfolgen.

Pressemitteilungen

  • 20.01.2021 - Pressemitteilung - Wirtschaftsbranchen

    Eine tragfähige Rechtsgrundlage für das Briefporto und gestärkte Verbraucher und Wettbewerber im Post-Bereich

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  • 01.08.2019 - Pressemitteilung - Wirtschaftsbranchen

    Altmaier: „Wir wollen die Verbraucherrechte stärken und die Qualität von Postdienstleistungen verbessern.“

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