Artikel - Wirtschaftsbranchen

Maritime Wirtschaft

Einleitung

Quelle: istockphoto.com/Fabian Wentzel

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Für ein außenhandelsorientiertes Land wie Deutschland ist eine leistungsstarke, international wettbewerbsfähige maritime Wirtschaft von hoher gesamtwirtschaftlicher Bedeutung. Der maritimen Wirtschaft kommt für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland und für die Sicherung von Wachstum und Beschäftigung eine Schlüsselrolle zu.

Ziel von Wirtschaft und Politik ist es deshalb, eine strukturell stark aufgestellte maritime Wirtschaft in Deutschland zu sichern, die ihre Potenziale ausschöpft.


Die maritime Wirtschaft gehört mit einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 50 Milliarden Euro zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Sie wird geprägt durch eine moderne, vielfach auf Hochtechnologie-Produkte spezialisierte Schiffbau- und Schiffbauzulieferindustrie mit überwiegend starken Positionen im weltweiten Wettbewerb, international führende Schifffahrtsunternehmen, insbesondere im Bereich der Containerschifffahrt, eine leistungsfähige Hafenwirtschaft und Logistik sowie eine innovative meerestechnische Industrie und renommierte maritime wissenschaftliche Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen.

Die Teilbereiche der maritimen Wirtschaft bleiben trotz eines schwierigen globalen Marktumfelds Zukunftsbranchen. Energiewende, Klima- und Umweltschutz, Rohstoffversorgung – zu diesen zentralen Zukunftsfragen kann die maritime Wirtschaft wichtige Antworten geben. Seeschifffahrt, Häfen, Schiffbau und Schiffbauzulieferindustrie, die Meerestechnik, die Offshore-Windenergie sowie maritime Forschung und Entwicklung gehören deshalb weiterhin zu den Kernbereichen unseres nationalen maritimen Interesses. Durch eine integrative maritime Politik sollen Beschäftigung, Wertschöpfung und Ausbildung gesichert und der maritime Standort Deutschland gestärkt werden.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundeskabinett am 11. Januar 2017 die vom damaligen Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, vorgestellte Maritime Agenda 2025 beschlossen. Mit der ressortübergreifenden Strategie setzt die Bundesregierung einen langfristig angelegten Rahmen für eine konsequente Zukunftspolitik zur Stärkung des maritimen Wirtschaftsstandortes Deutschland. Die Maritime Agenda 2025 wurde eng mit den Fachverbänden der maritimen Wirtschaft abgestimmt. Sie definiert in insgesamt neun Handlungsfeldern die Ziele und avisierten Maßnahmen der maritimen Politik. Einen Schwerpunkt bildet der Bereich Digitalisierung: So sollen unter anderem der Ausbau hochleistungsfähiger Breitbandanschlüsse, insbesondere auch in den Häfen, vorangetrieben und entsprechende Leuchtturmprojekte (unter anderem Echtzeitdienste in der Navigation) gefördert werden.

Die Bereiche der maritimen Wirtschaft, insbesondere der Schiffbau, die Seeschifffahrt und die Hafenwirtschaft sind aufs Engste mit der Weltwirtschaft und der Entwicklung des Weltseehandels verflochten. Die daraus resultierenden Interdependenzen machen sie im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen aber besonders empfindlich gegenüber weltwirtschaftlichen Veränderungen und Konjunkturschwankungen.

Entwicklung des deutschen Seeschiffbaus 2010 bis 2019 (in Milliarden Euro)

 20102011201220132014201520162017 2018 2019
Umsatz*7,54,65,15,06,45,15,4 5,95,15,7
Wert abgelieferter Seeschiffe 4,7 2,0 2,7 2,1 2,4 2,3 2,4 3,12,53,1
Export von Seeschiffen4,11,82,62,032,22,22,3 3,12,53,0
Exportquote Seeschiffe 87 % 92 % 97 % 99 % 92 % 97 % 99 % 99 %98%95%
Auftragsbestand Seeschiffe7,48,48,59,110,812,918,5 17,720,118,7
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt19.09818.35017.92816.72917.85418.04217.69217.94119.51020.335

Quelle: Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), *alle Werften (Binnen- und Seeschiffbau) ab 50 Beschäftigten

In den Marktsegmenten der hochkomplexen Passagier- und Kreuzfahrtschiffe, Yachten, modernen Fähren und weiterer Arten von Spezialschiffen konnten die deutschen Werften durch technologische Spitzenleistungen, ausgeprägte Systemkompetenz und hohe Flexibilität ihre guten Marktpositionen halten.

Die deutschen Werften intensivieren ihre schiffbauliche Forschung und Entwicklung und Innovation mit dem Ziel, ihre Position in den Hightech-Segmenten des Passagier-, RoRo- und Spezialschiffbaus sowie des technologisch anspruchsvollen Standardschiffbaus weiter auszubauen.

Weiterführende Informationen

Die weitgehend mittelständisch geprägte deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie mit rund 400 Unternehmen und etwa 64.500 Beschäftigten erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro (2018: 10,7 Milliarden Euro). Die Exportquote lag 2019 bei 75 Prozent (2018: 73 Prozent). Die wichtigsten ausländischen Absatzmärkte der deutschen Schiffbauzulieferindustrie sind das europäische Ausland (31,4 Prozent) gefolgt von Asien (29,8 Prozent) mit China und Südkorea als den führenden Empfängerländern sowie Nordamerika (11,4 Prozent). In China und Südkorea wächst jedoch der Wettbewerbsdruck auf ausländische Zulieferer, da die Regierungen den Aufbau der jeweils eigenen Schiffbauzulieferindustrie zum strategischen industriepolitischen Ziel erhoben haben.

Die deutsche Schiffbauzulieferindustrie ist nicht nur an der Küste, sondern deutschlandweit vertreten. Bayern und Baden-Württemberg stehen mit je 24 Prozent des Branchenumsatzes bei den Bundesländern vorn, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (12 Prozent), Schleswig-Holstein (11 Prozent) und Hamburg (10 Prozent).

Neben der Pflege der traditionellen Absatzmärkte setzt die deutsche Schiffbauzulieferindustrie verstärkt auf die Erschließung neuer Absatzmärkte, insbesondere in den aufstrebenden Schwellenländern.

Gleichzeitig konzentriert die Zulieferindustrie ihr Engagement stärker auf wachstumsstarke Marktsegmente wie Personen- und Fährschifffahrt, Militär- und Behördenschiffe sowie weitere Spezialschiffsmärkte.

Ziel der deutschen Zulieferindustrie bleibt es, den technologischen Vorsprung durch Aufwendungen für Forschung, Entwicklung und Innovation weiter zu erhöhen. Besonderes Marktpotenzial besteht in umweltfreundlichen Produkten und Technologien, die auch dazu beitragen können, Energie effizienter einzusetzen und Betriebskosten zu senken. Eine stark zunehmende Bedeutung gewinnen die Digitalisierung sowie die Veränderungen rund um "Industrie 4.0", die sich sowohl in zukünftigen Fertigungsmöglichkeiten auswirken, als auch neue maritime Geschäftsfelder eröffnen, die aber auch große Herausforderungen für die Branche mit sich bringen, zum Beispiel bei den Themen Datenmanagement und Datensicherheit.

Kennziffern der deutschen Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie 1)

20102011201220132014201520162017 2018 2019

Umsatz

(Milliarden Euro)

11,111,511,611,711,911,711,110,610,711,1
Wachstum (Prozent)-6,73,51,01,01,72-5,3-4,41,13,9
Beschäftigte 72.00070.00068.00068.00067.00067.00065.00063.50063.0064.500

1) Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment and Systems

Weiterführende Informationen

Die Lage in der Seeschifffahrt wurde in den vergangenen Jahren maßgeblich durch ein Überangebot an Schiffsraum geprägt. Die hohe Zahl an Schiffsneubauten hat die Schifffahrtsmärkte zusätzlich belastet.

Die weltweite Containerschiffsflotte ist 2018 auf 5.286 Vollcontainerschiffe angewachsen (2017: 5.186 Schiffe). Bei den neu auf den Markt gekommenen Schiffen handelt es sich überwiegend um sehr große Containerschiffe, wohingegen vor allem kleinere Einheiten verschrottet werden. Dadurch ist die Tragfähigkeit der weltweiten Containerflotte auf knapp 22,2 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit; Zwanzig-Fuß-Standardcontainer) gewachsen. Die derzeit größte Kapazität für die Aufnahme von Containern besitzt die HMM Algeciras, welche 23.964 TEU laden kann.

Die deutsche Handelsflotte besteht aus 1.942 Schiffe (Stand 30.06.2020). Davon fahren 305 Schiffe unter deutscher Flagge.

Im Bereich Containerschifffahrt verfügt Deutschland über rund 14,4 Prozent der weltweiten Containerschifffahrtskapazitäten nach TEU und liegt damit auf Platz zwei. Aufgrund der Überkapazitäten, vor allem bei Containerschiffen, stagnieren die Fracht- und Charterraten in den meisten Bereichen auf einem niedrigen Niveau.

Die Zurückhaltung wichtiger Banken in der Schiffsfinanzierung und der daraus resultierende Mangel an Fremdkapital hat die Lage insbesondere für kleine und mittlere Charterreedereien in Deutschland zusätzlich verschärft.

Gemeinsam mit den Bundesländern hat die Bundesregierung im Jahr 2016 mit einem Gesamtpaket Rahmenbedingungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Flagge geschaffen. Dazu gehören 100 Prozent Lohnsteuer-Einbehalt, eine passgenaue Erstattung der Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Sozialversicherung und eine Anpassung der Nationalitätenvorgaben in der Schiffsbesetzungsverordnung. Darüber hinaus werden Ausbildungszuschüsse für Schiffsmechanikerinnen und -mechaniker (32.000 Euro), Nautische Offiziersassistentinnen und -assistenten (16.000 Euro) sowie Technische Offiziersassistentinnen und -assistenten (21.000 Euro) gezahlt. Das Gesamtpaket ist geprägt von dem Gedanken, qualitativ hochwertige Ausbildung und Beschäftigung am deutschen Schifffahrtsstandort zu erhalten und damit maritimes Know-how in Deutschland zu sichern.

Mittelfristig sind die Aussichten für die Seeschifffahrt trotz der bestehenden Herausforderungen gut. Der steigende Welt- und Weltseehandel und das künftig deutlich abgeschwächte Flottenwachstum dürften zu einer Annäherung von Angebot und Nachfrage nach Schiffsraum und einer sukzessiven Markterholung führen.

Weiterführende Informationen

Allgemeines

Die deutschen See- und Binnenhäfen zählen zu den besten Umschlagplätzen der Welt. Sie sind als Logistikdienstleister und Wachstumsmotoren für die gesamte Volkswirtschaft von herausragender Bedeutung. Ohne die Leistungen der Häfen wäre Deutschlands Rolle als eine der führenden Exportnationen in der Welt nicht möglich. Nahezu jeder Wirtschaftszweig ist auf funktionierende Häfen und gut ausgebaute Infrastrukturen angewiesen. Häfen sind Hightech-Standorte mit attraktiven Arbeitsplätzen. Sie haben große regional- und gesamtwirtschaftliche Bedeutung und benötigen hochqualifizierte Arbeitskräfte.

In deutschen Häfen werden für Frachtumschlag und Hafendienstleistungen 36.000 Personen beschäftigt. Hinzu kommen 124.000 Beschäftige der hafenabhängigen Transportkette und für die hafenabhängige Industrie 1,35 Millionen Beschäftige. Damit sind insgesamt von den circa 45 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland 1,5 Millionen von der Hafenwirtschaft abhängig, also jeder dreißigste Erwerbstätige in Deutschland. Zählt man noch die Beschäftigten hinzu, die durch die Investitionen entstehen, sind es am Ende sogar 1,7 Millionen Beschäftigte, deren Arbeitsplätze durch die Häfen gesichert werden.

Die deutschen Häfen können ihre hervorragende Wettbewerbsposition nur halten, wenn es auch weiterhin gelingt, die Umschlagkapazitäten bedarfsgerecht zu erweitern und die zunehmenden Spitzenlasten durch große Containerschiffe abzufangen. Die Häfen müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter erhöhen, zum Beispiel durch Ausbau und Modernisierung der Suprastrukturen, Vernetzung der IT-Systeme der an den Logistikketten beteiligten Akteure sowie Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte. Automatisierung und digitale Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur auf Straße, Schiene, Wasserwegen und im Luftverkehr werden die Grundlage für globale Logistikketten bilden. Hierzu gehört auch die Verbesserung der Hafenlogistik und die Entwicklung innovativer Seehafentechnologien, um unter anderem die deutschen See- und Binnenhäfen wettbewerbsfähiger zu machen, die Umschlagsleistungen der Hafenterminals zu erhöhen sowie die digitale Infrastruktur und Hafentechnologien für den Umwelt- und Klimaschutz zu verbessern. Mit dem Förderprogramm für innovative Hafentechnologien (IHATEC), den geplanten digitalen Testfeldern in den Häfen und weiteren Förderinstrumenten unterstützt der Bund die Häfen. Auf dem Weg zum sauberen Hafen 4.0 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) 2019 das Förderprogramm IHATEC bis 2025 verlängert. Rund 11 Millionen Euro stehen für die Forschung und Entwicklung innovativer Lösungen für See- und Binnenhäfen jährlich bereit.

Seehäfen

Die Seehäfen sind für die außenhandelsorientierte deutsche Volkswirtschaft sowie für Beschäftigung und Wertschöpfung am maritimen Standort Deutschland unverzichtbar.

Insgesamt werden die Umschlagvolumina der 19 größten deutschen Seehäfen nach einer Schätzung aus dem Jahr 2014 von 269 Millionen Tonnen in 2010 auf circa 468 Millionen Tonnen in 2030 steigen. Umschlagprognosen zeigen für die deutschen Seehäfen einen anhaltenden Wachstumstrend von durchschnittlich 2,8 Prozent jährlich.

Der Hafen Hamburg ist der größte Seehafen Deutschlands. Etwa 117 Millionen Tonnen Güter wurden hier im Jahr 2019 umgeschlagen, das sind 40 Prozent des gesamten Seegüterumschlags Deutschlands. Gemessen am Containerumschlag ist der Tidehafen nach Rotterdam und Antwerpen der drittgrößte Hafen Europas. Der zweiterfolgreichste Seehafen Deutschlands 2019 war Bremerhaven mit einem Güterumschlag von knapp 48 Millionen Tonnen, gefolgt von Wilhelmshaven mit etwa 23 Millionen umgeschlagenen Tonnen Gütern.

Die drei erfolgreichsten Häfen Deutschlands – Hamburg, Bremerhaven sowie Wilhelmshaven – befinden sich an der Nordsee. Der Güterumschlag der Nordseehäfen Deutschlands nahm im Jahr 2018 zu und belief sich auf ein Gesamtgewicht von rund 250,7 Millionen Tonnen. Der Hafen Bremerhaven ist vor allem im Umschlag von Autos und Gütern für die Offshore-Windenergieindustrie erfolgreich. Wilhelmshaven ist der führende Hafen Deutschlands im Ölimport.

Im Jahr 2018 belief sich der Güterumschlag aller Ostseehäfen auf ein Gesamtgewicht von rund 55 Millionen Tonnen. Der größte Ostseehafen ist Rostock mit einem Güterumschlag von knapp 20 Millionen Tonnen und 643.000 Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen.

Der 2012 eröffnete JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist der einzige deutsche Tiefwasserhafen. Der Hafen bietet mit einer 1.750 Meter langen Kaje und acht der weltweit größten Containerbrücken ideale Vorrausetzungen, tideunabhängig Großcontainerschiffe der neuesten Generation mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 Metern abzufertigen.

Mit Abstand wichtigster Handelspartner des größten deutschen Seehafens ist China. Im Hamburger Hafen betrug 2019 der Containerumschlag mit China 2,64 Millionen TEU. Stark angezogen hat der Handel mit den USA von 140.000 TEU auf 580.000 TEU (plus 314,2 Prozent), welche somit auf Rang zwei aufsteigen. Weitere wichtige Handelspartner sind Singapur (0,4 Millionen TEU), Russland (0,4 Millionen TEU), Schweden (0,3 Millionen TEU), Südkorea (0,26 Millionen TEU) und Finnland (0,24 Millionen TEU).

Weiterentwicklung des Nationalen Hafenkonzeptes

Zusammen mit den Bundesländern arbeitet die Bundesregierung an der Umsetzung des Hafenkonzepts und stimmt sich in gemeinsamen Gesprächsrunden zu den relevanten Themen auf europäischer und internationaler Ebene ab. Das 2016 weiterentwickelte und beschlossene Nationale Hafenkonzept 2015 hat zum Ziel, die Häfen auch zukünftig in die Lage zu versetzen, die wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen zu meistern. Es soll die Wettbewerbsfähigkeit der See- und Binnenhäfen als Drehscheiben des nationalen und internationalen Warenaustauschs verbessert werden. Außerdem sollen mehr Güter auf Schienenwege und Wasserstraßen verlagert werden. Das Nationale Hafenkonzept soll so dazu beizutragen, die Klima- und Umweltziele der Bundesregierung zu erreichen.

Bedeutung der Häfen für den Ausbau der Offshore-Windenergie

In der Wertschöpfungskette der Offshore-Windenergie nehmen Häfen eine zentrale Stellung ein. Für den Bau von Offshore-Windparks sind Häfen der Knotenpunkt, den alle Anlagenteile passieren müssen. Dabei geschieht in den Häfen weit mehr als die Verladung der Einzelteile von LKW, Binnenschiffen oder Zügen auf hochseetaugliche Spezialschlepper. Im Hafen werden viele Anlagenteile produziert, zwischengelagert oder teilmontiert. Zudem sind Offshore-Häfen die Basis für Spezialschiffe, die für den Transport und die Montage der Anlagen auf See benötigt werden. Sie sind Ausgangspunkt für Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Ausbau von Landstrom in deutschen See- und Binnenhäfen

Durch die Nutzung von fossilen Schiffsdieseln zur Stromerzeugung während der Liegezeit tragen Schiffe in Häfen maßgeblich zu Treibhausgas-, Luftschadstoff- und Lärmemissionen bei. Durch die Versorgung mit Landstrom aus erneuerbaren Energien können je nach Schiffstyp und Liegezeit beträchtliche Emissionsreduzierungen erreicht werden.

Am 10. Oktober 2019 hat der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, gemeinsam mit den fünf Küstenländern und den Seehafenstädten Kiel und Rostock ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, in dem ein Maßnahmenpaket zur Förderung von Landstrom festgehalten wurde. So werden unter anderem Investitionen und Förderprogramme der Länder für Landstromanlagen in See- und Binnenhäfen mit 176 Millionen Euro aus dem Energie- und Klimafonds von der Bundesregierung kofinanziert. Für Seeschiffe soll unter anderem die EEG-Umlage im Wege einer neuen Besonderen Ausgleichsregelung auf 20 Prozent begrenzt werden.

Weiterführende Informationen

Die Meerestechnik ist ein wichtiger und hochinnovativer Teil der maritimen Wirtschaft in Deutschland. Sie ist ein dynamischer Bereich mit hoher Leistungsfähigkeit vor allem auf den Gebieten der Offshore-Technik zur Öl- und Gasgewinnung und der Offshore-Windenergie. Für weitere Bereiche wie Unterwassertechnik, Umwelt- und Sicherheitstechnik, Aqua- und Marikultur oder Verfahren zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen am Meeresboden bestehen ebenfalls gute Marktaussichten. Deutsche meerestechnische Unternehmen haben bislang insgesamt nur einen geringen Weltmarktanteil, besitzen aber ein erhebliches technisches Know-how und Innovationspotenzial, das aufgrund steigender Anforderungen (zum Beispiel an die Umweltverträglichkeit von Bohrungen in immer größeren Meerestiefen nach Öl und Gas) immer wichtiger wird.

Am 24. August 2011 hat die Bundesregierung deshalb den Nationalen Masterplan Maritime Technologien (NMMT) beschlossen, um unter anderem meerestechnische Aktivitäten auf Bundes- und Länderebene besser zu koordinieren und zu vernetzen.

Weiterführende Informationen

Unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin ist die Nationale Maritime Konferenz (NMK) die zentrale Veranstaltung der Bundesregierung zur Unterstützung der deutschen maritimen Wirtschaft. Sie bietet rund 800 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden, Gewerkschaften und Politik eine Plattform zum konstruktiven Dialog. Seit dem Jahr 2000 findet sie alle zwei Jahre statt und hat sich als branchenumspannende Veranstaltungsreihe zu einem wichtigen Impulsgeber am Standort Deutschland etabliert und bewährt. Die Organisation obliegt dem Maritimen Koordinator der Bundesregierung, der sie gemeinsam mit dem Bundesland und der Kommune des Veranstaltungsortes ausrichtet.

Hafen zum Thema Maritime Wirtschaft; Quelle: istockphoto.com/Fabian Wentzel

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