Die Corona-Pandemie hat die global aufgestellte Wirtschaft unerwartet getroffen: Die Unterbrechung zahlreicher Lieferketten führte in vielen Branchen auch zum Stillstand der nationalen Produktion.

Während Groß- und international agierende Unternehmen meist über das nötige Wissen und die notwendigen Kontakte verfügen, um ihre Lieferketten anzupassen oder neu aufzusetzen, stehen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor einer gigantischen Herausforderung. Je kleiner das Unternehmen, desto kleiner sind meist sein Netzwerk und Wissenspool und desto abhängiger ist es von einzelnen Lieferanten.

Kurz erklärt

Ein Cluster ist ein Zusammenschluss mehrerer Akteure, die Wissen und Erfahrungen austauschen, ein gemeinsames Netzwerk aufbauen und Kooperationen entwickeln und umsetzen. Der Zusammenschluss kann geografischer und/oder thematischer Natur sein. Das BMWi versteht unter dem Begriff „Cluster“ mehrheitlich regionale Innovationscluster, also eine geografische Ballung von Unternehmen. Diese Cluster vereint zwar in den meisten Fällen auch ein gemeinsamer Themenschwerpunkt, entscheidend ist jedoch die regionale Nähe.

Um den eigenen Größennachteil auszuglei chen, schließen sich viele KMU daher immer häufiger zu kleinen Wissensnetzwerken, sogenannten Clustern, zusammen. Auch größere Unternehmen, Forschungs und andere Einrichtungen können Teile solcher Cluster sein, die in der Regel geografisch verortet und an einem Themenschwerpunkt orientiert sind. www.bmwi.de/regional-vernetzt erfolgreich-durch-die-krise

Von Clustern profitieren

Ein erfolgreiches Cluster bringt den beteiligten Akteuren zahlreiche Vorteile. So können Cluster ein Netzwerk mit unterschiedlichen Wissensträgern wie in einem international agierenden Groß unternehmen aufbauen, ohne dass gleichzeitig die typisch trägeren Strukturen einer Großorganisation auftreten. Das Netzwerk sorgt für einen effizienten Transfer von Wissen zwischen allen Mitgliedern, insbesondere aus der Wissenschaft in die Praxis. Dies begünstigt letztendlich auch die Innovations fähigkeit und Krisenresilienz der einzelnen Clustermitglieder.

Best Practices können durch Cluster und deren Netzwerke schnell geteilt und von Unterneh men adaptiert werden. Das macht Cluster zu einem wirkungsvollen Hebel, um neue Technologien und Prozesse in Unternehmen zu bringen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) nutzt die Stärken von Clustern bereits seit langem in der Innovations- und Industriepolitik. Jüngste Beispiele sind:

  • Die Richtlinie zur Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen für die Batteriezellfertigung
  • Die Förderung von Modellprojekten zur Entwicklung zukunftsweisender Clusterkonzepte und neuartiger Geschäftsmodelle im Rahmen des Programms „go-cluster"
  • Der Förderrahmen „Zukunftsinvestitionen Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie“

Die drei Programme tragen mithilfe von Clusternetzwerken dazu bei, die deutsche Wirtschaft effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Kräfte bündeln, Wachstum heben

Qualifiziertes Personal für die Batterie-Industrie

Die BMWi-Fördermaßnahme zur beruflichen Qualifikation in der Batterie-Industrie startete im Juli 2021 und flankiert die Initiative der „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) zur Batteriezellfertigung. Gemeinsam mit 11 weiteren EU-Mitgliedsstaaten sowie der Europäischen Kommission wurden jüngst zwei Großvorhaben zum Thema Batterien im Rahmen des Beihilferechtsinstruments der IPCEIs ins Leben gerufen. Das BMWi fördert unter den beiden IPCEIs insgesamt 16 Batterie-Projekte in Deutschland mit knapp 3 Mrd. Euro. Für die Qualifizierung stellt das BMWi bis zu 40 Mio. Euro zur Verfügung. www.bmwi. de/die-elektromobilitaet-boomt

Qualifizierung soll den Übergang in die Batteriebranche erleichtern.

Aufgrund des Markthochlaufs der Elektromobilität wird die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften entlang der Wertschöpfungskette der Batterieproduktion in den kommenden Jahren in Deutschland und der Europäischen Union stark ansteigen. Daher müssen Lern- und Lehrkonzepte der beruflichen Qualifizierung durch die Integration fachspezifischer Inhalte gezielt auf- und ausgebaut sowie ganzheitlich auf die Bedarfe der wachsenden Batterieindustrie ausgerichtet werden.

Bislang fehlen in der dualen Ausbildung und der beruflichen Weiterbildung spezifische Qualifizierungsmaßnahmen mit Bezug zur Batterieproduktion. Dabei erfordert gerade diese aufgrund ihrer anspruchsvollen Produktionsumgebung hoch qualifiziertes, spezifisch ausgebildetes Personal.

Gleichzeitig werden weite Teile der Automobilzuliefererindustrie in den kommenden Jahren vom Strukturwandel betroffen sein, woraus ein zusätzlicher Bedarf an Umschulung und Weiterqualifizierung resultiert. Die Fördermaßnahme des BMWi hat zum Ziel, qualifizierten Arbeitskräften den Übergang in die Batteriebranche zu erleichtern. Um dies zu erreichen, werden branchenspezifische und regional ausgerichtete Kompetenzverbünde, sog. „Batterie-Kompetenz-Trios“ aufgebaut, die sich jeweils aus mindestens einer wissenschaftlichen Einrichtung, einem Bildungsträger und einem Innovationscluster mit thematischem Schwerpunkt im „Ökosystem Batterie“ zusammensetzen.

Die Batterie-Kompetenz-Trios sollen Qualifikationsbedarfe identifizieren und darauf aufbauend berufliche Qualifikationsprofile und -maßnahmen sowie Lehr- und Lernmedien konzipieren, erproben und evaluieren. Darüber hinaus sollen sie möglichst viele KMU auf regionaler Ebene in den Weiterbildungsverbund einbinden, sie über ihre Qualifizierungsangebote informieren und neue Austausch und Informationsformate schaffen. Die Förderung soll so einen Beitrag leisten, europaweit anwendungsfähige Qualifizierungsprofile für den Batteriebereich zu etablieren.

Kräfte bündeln, Wachstum heben

Neue Geschäftsmodelle dank „go-gluster

Im Rahmen des Programms „go-cluster" fördert das BMWi Modellprojekte zur Entwicklung zukunftsweisender Clusterkonzepte und neuartiger Geschäftsmodelle. Im Mittelpunkt jedes Clusters steht dabei eine Clustermanagement-Organisation (CMO). Sie übernimmt die administrativen Aufgaben und organisiert den Austausch der einzelnen Mitglieder. Je besser die CMO arbeitet, desto besser können sich alle Mitglieder auf die Kernaufgaben des Clusters konzentrieren: das Vernetzen und den Wissensaustausch.

CMO finanzieren sich hauptsächlich durch Veranstaltungen, Mitgliedsbeiträge und Förderungen, teilweise auch institutioneller Art. Durch die Corona-Pandemie hat sich die finanzielle Situation vieler CMO jedoch deutlich verschärft. Da keine Veranstaltungen durchgeführt werden konnten, ist für viele Cluster ein relevanter Finanzierungsanteil weggebrochen. Die Hauptaufgabe der Cluster, die Vernetzung, konnte aufgrund der Pandemie nicht mehr physisch erfolgen. Viele Cluster stehen dadurch nun vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen gleichzeitig neue Geschäftsmodelle entwickeln und die herkömmliche Form der Vernetzung den neuen Gegebenheiten anpassen.

34 Förderanträge sind von einer Jury bewertet und priorisiert worden.

Um die Cluster in dieser Situation zu unterstützen, hat das BMWi eine neue Förderbekannt machung veröffentlicht. Diese schafft Anreize für die CMO, alternative Geschäftsmodelle zu testen, neue Clusterservices für ihre Mitglieder zu entwickeln oder das Cluster durch einen Vorausschauprozess resilienter aufzustellen. Damit soll die Finanzierung deutscher Cluster breiter aufgestellt und die Unterstützungsleistungen für deutsche KMU erweitert werden.

Antragsberechtigt waren die 84 Mitglieder des Förderprogramms „go-cluster“. Bis zum Bewerbungsstichtag am 31.05.2021 sind insgesamt 34 Förderanträge eingegangen, die anschließend von einer Jury nach inhaltlichen Kriterien bewertet und priorisiert wurden. Die hohe Zahl an Anträgen zeigt, dass die Förderbekanntmachung den Bedarf der CMO getroffen hat. Rund die Hälfte der Anträge wurde bereits oder wird in den nächsten Tagen bewilligt. Viele Vorhaben sind bereits gestartet. Sie betreten in den nächsten 12 Monaten ganz bewusst Neuland, um die Mehrwerte für ihre Clustermitglieder weiter zu erhöhen. Ein Cluster baut beispielsweise ein nachhaltiges Lieferantenmanagement nach dem deutschen Nachhaltigkeitskodex auf. Ein anderes Cluster entwickelt ein Innovationsradar, mit dessen Hilfe die Mitglieder das Potenzial aktueller und zukünftiger Technologien ermitteln und resilienter auf zukünftige Entwicklungen reagieren können. Ein drittes Cluster richtet eine Servicestelle ein, die Mitglieder bei der Bewertung, Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle unterstützt, die auf Daten und Künstlicher Intelligenz basieren.

Während die Antragsfrist für die Förderbekanntmachung im Rahmen von „go-cluster“ bereits abgelaufen ist, können für die Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen für die Batteriezellfertigung noch elektronisch Anträge eingereicht werden. Hier läuft die Frist bis zum 3.11.2021.

Cluster in der Fahrzeugindustrie

Auch in der Fahrzeugindustrie spielen Cluster eine immer wichtigere Rolle: Einen zentralen Bestandteil des Förderrahmens „Zukunftsinvestitionen Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie“, der im März 2021 veröffentlicht wurde, bildet die Förderrichtlinie „Regionale Innovationscluster zur Transformation der Fahrzeugindustrie“. Damit sollen Cluster gefördert werden, die den regionalen Transformationsprozess der Fahrzeugindustrie maßgeblich befördern und als Katalysatoren begleiten. Projektskizzen können hier noch bis zum 31.12.2022 eingereicht werden.

MEHR ZUM THEMA

Ansprechpartner für das Förderprogramm „Richtlinie zur Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen für die Batteriezellenfertigung“ ist der Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH batteriezellfertigung@vdivde-it.de
+49 (0) 30/31 00 78-325

Ansprechpartner für das Förderprogramm „go-cluster“ ist der Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH info@go-cluster.de
+49 (0) 30/31 00 78-387

Weitere Informationen zum Förderrahmen „Zukunftsinvestitionen Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie“ unter www.kopa35c.de

KONTAKT

ERIC MISCHKE
Referat: Industrieforschung für Unternehmen, Innovationsberatung

DR. TIM SCHULZE
Referat: Neue Antriebstechnologien, Elektromobilität und Umweltinnovationen

schlaglichter@bmwi.bund.de