In Kürze
Nach der leichten Erholung im vierten Quartal 2020 war die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland im ersten Quartal 2021 von steigenden Infektionszahlen und den damit einhergehenden Maßnahmen und Einschränkungen 
geprägt, was vor allem den privaten 
Konsum stark belastete. Dementsprechend kam 
es zu einem deutlichen Rückgang des BIP. Die wirtschaftliche Aktivität sank kalender- und saisonbereinigt um 1,8 % gegenüber dem Vorquartal. Nach dem Einbruch im zweiten Quartal 2020 von 9,7 % hatte sich das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Halbjahr zunächst sehr kräftig, dann etwas langsamer erholt (+8,7 % bzw. +0,5 %). Für das Gesamtjahr 2020 ergab sich ein Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um insgesamt 4,8 %.

Die Abnahme der Bruttowertschöpfung zeigte in den einzelnen Wirtschaftsbereichen ein differenziertes Bild: Zwar legte die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe leicht zu, allerdings kam es in den Dienstleistungen und witterungsbedingt auch im Baugewerbe zu kräftigen Rückgängen. Auf der Verwendungsseite gab es bedingt durch Schließungsmaßnahmen eine deutliche Verminderung des privaten Konsums. Stabilisierend wirkten dagegen der Staatskonsum und 
die Bauinvestitionen.

Insgesamt steht das Jahresanfangsquartal 2021 erneut im Zeichen der Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung. Das Verarbeitende Gewerbe zeigt sich bislang robust. Die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung treffen in erster Linie die Dienstleistungsbereiche, die in der Folge entsprechend deutliche Rückgänge verzeichneten. Das Baugewerbe war geprägt durch Sondereffekte infolge des kalten Jahresanfangs. Am aktuellen Rand haben sich zuletzt allerdings die Stimmungsindikatoren über alle Wirtschaftsbereiche hinweg wieder deutlich erholt.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen ist die Einschätzung der Bundesregierung für das laufende Jahr 2021 im Rahmen der Frühjahrsprojektion vom 27. April von 3,5 % weiterhin realistisch. Darin wurden die fortbestehenden Einschränkungen im ersten und Teilen des zweiten Quartals bereits berücksichtigt und auch eine gedämpfte wirtschaftliche Entwicklung unterstellt.

Das Statistische Bundesamt hat am 25. Mai 2021 detaillierte Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2021 veröffentlicht. Demnach sank das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP im vierten Quartal mit einer Veränderungsrate von -1,8 % gegenüber dem Vorquartal. Für die deutsche Wirtschaft bedeutete dies eine Unterbrechung der Erholung, nachdem sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2020 zurückgekämpft hatte. Mit der aktuellen Veröffentlichung wurde die erste Einschätzung des BIP-Wachstums im Rahmen der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts vom 30. April 2021 minimal abwärtskorrigiert.

Bruttowertschöpfung steigt im Verarbeitenden Gewerbe leicht, Dienstleister leiden unter Pandemie-Massnahmen

Insgesamt ist die Bruttowertschöpfung im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Schlussquartal 2020 um 0,8 % zurückgegangen. Die Diskrepanz zum Rückgang des Bruttoinlandsprodukts wird auf der Entstehungsseite über den Saldo aus Gütersteuern und -subventionen erklärt. Dieser ist im Quartalsvergleich um 10,4 % gesunken. Im Einzelnen stieg die Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe zwar leicht um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Die Dienstleistungsbereiche verzeichneten aber infolge der verhängten Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen einen Rückgang um insgesamt 0,7 %. Innerhalb des Dienstleistungssektors waren insbesondere die Bereiche Handel (-4,9 %) und das Gastgewerbe (-2,5 %) betroffen. In der Landwirtschaft kam es zu einem Wertschöpfungsrückgang um 3,8 %.
Die Bruttowertschöpfung im Baugewerbe ging im ersten Quartal witterungsbedingt um deutliche 4,9 % zurück und war damit maßgeblich verantwortlich für den Rückgang im gesamten Produzierenden Gewerbe um -1,0 %.

Infografik
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Außenhandel und Bauinvestitionen wachsen – Konsum geht weiter zurück

Im ersten Quartal 2021 kam es zu einer differenzierten wirtschaftlichen Entwicklung: Die privaten Konsumausgaben gingen infolge der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung um -5,4 % gegenüber dem Vorquartal zurück. Gleichzeitig kam es durch die anziehende Weltkonjunktur zu einem Wachstum des Außenhandels. Die Exporte legten um 1,8 % zu, während die Importe um noch kräftigere 3,8 % expandierten. Die Bruttoanlageinvestitionen nahmen nur um insgesamt 0,3 % zu. Zurückzuführen war dies auf den Anstieg der Bauinvestitionen, die um 1,1 % zulegten. Hierbei ist zu beachten, dass die Bauinvestitionen verwendungsseitig u. a. auch Architektur- und Planungsleistungen enthalten, die auf der Entstehungsseite im Dienstleistungssektor verortet sind. Die Investitionen in Ausrüstungen und sonstige Anlagen gingen um 0,2 % und 1,6 % zurück.

Arbeitsmarkt robust trotz Pandemie

Im Durchschnitt waren im ersten Quartal rund 44,4 Millionen Menschen beschäftigt. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit sank gegenüber dem Vorquartal um rund 44.000 Personen. Damit wirkten sich die Maßnahmen auch auf dem Arbeitsmarkt aus. Insgesamt wurde die Beschäftigung auch im ersten Vierteljahr durch den Einsatz von Kurzarbeit gestützt. So erhöhten sich die Kurzarbeitszahlen im ersten Quartal erneut (auf rund 3,3 Mio. Personen im Februar), erreichten aber nicht die hohen Werte aus dem Frühjahr 2020. Das Arbeitsvolumen, welches die Kurzarbeit berücksichtigt, fiel um rund 4 % niedriger aus als im 1. Quartal des Vorjahres. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität – gemessen als preisbereinigtes BIP 
je Erwerbstätigenstunde – ist dagegen um rund 2,3 % gestiegen, da die Arbeitsstunden stärker zurückgingen als das BIP.
Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,1 % zu. Die Arbeitnehmerentgelte gingen dagegen um 0,4 % zurück. Stützend auf die Einkommenssituation der privaten Haushalte wirkten die monetären Sozialleistungen, in diesem Bereich sind vor allem die Leistungen im Rahmen des Kurzarbeitergelds hervorzuheben. Angesichts der erneuten Einschränkung der Konsummöglichkeiten stieg auch die saisonal bereinigte Sparquote der privaten Haushalte im ersten Quartal deutlich auf 23,2 %. Sie war bereits während der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr 2020 sprunghaft auf 20,3 % gestiegen, aber im zweiten Halbjahr wieder gefallen (17,7 % im vierten Quartal). Im Jahr 2019 betrug die Sparquote durchschnittlich 10,9 %. Die privaten Haushalte haben somit im ersten Vierteljahr zugunsten des Sparens ihren Konsum auch mangels an Konsummöglichkeiten eingeschränkt, diese Mittel stehen im weiteren Verlauf des Jahres für eine Erholung des privaten Konsums zur Verfügung.