In Kürze
Weltwirtschaftliche Dynamik weiterhin gedämpft. Die konjunkturellen Folgen der Corona-Epidemie in China sind bislang nur schwer abschätzbar.

Die globale Konjunktur bleibt nach wie vor gedämpft. Im dritten Quartal 2019 wuchs die globale Wirtschaftsleistung in US-Dollar preis- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal um 0,6 % und damit in etwa so stark wie zuvor. Die weltweite Konjunktur wird durch zyklische Entwicklungen der globalen Industriekonjunktur sowie die Auswirkungen der Handelskonflikte und durch die geopolitischen Risiken gebremst.

Für das erste Quartal 2020 zeichnet sich eine weitere Abschwächung der weltwirtschaftlichen Dynamik ab. Die entwickelten Volkswirtschaften hatten zuletzt mit Ausnahmen eher ein moderates Wachstum gemeldet: Während die US-Wirtschaft im vierten Quartal mit 0,5 % immerhin ähnlich stark wie im Vorquartal wuchs, setzte sich in der EU die ganzjährig schwache Dynamik fort (+0,1 %).

In China grassiert derzeit der Corona-Virus. Im letzten Quartal des Jahres 2019 wuchs die chinesische Wirtschaft zwar noch mit 1,5 % gegenüber dem Vorquartal. Für das erste Quartal 2020 ist aber mit spürbaren Auswirkungen der Epidemie auf die chinesische Wirtschaftsleistung zu rechnen. Der Virus hat Ende Januar bereits erhebliche Teile der chinesischen Volkswirtschaft zum Erliegen gebracht. Besonders stark betroffen ist die Provinz Hubei. Auch wenn es gelingen sollte, die Epidemie in absehbarer Zeit einzudämmen und sie sich nicht auf andere Länder ausweitet, dürften die konjunkturellen Auswirkungen – je nach dem Ausmaß der Wirtschaftsbeziehungen mit China – auch bei den Handelspartnern spürbar werden.

In den übrigen Schwellenländern ist die Entwicklung zuletzt uneinheitlich verlaufen. Harte Daten liegen überwiegend aber nur bis zum dritten Quartal 2019 vor. Das Wachstumstempo in Brasilien hatte im dritten Quartal 2019 noch einmal zugenommen (+0,6 %), während sich die Dynamik in Indien mit +0,4 % nur leicht vom starken Einbruch im zweiten Quartal erholen konnte. Das russische BIP nahm demgegenüber mit einer leicht erhöhten Rate von 0,8 % zu.

Weltwirtschaftswachstum

Weltwirtschaftswachtum (Veränderung gegenüber Vorquartal in Prozent) Bild vergrößern

Weltwirtschaftswachtum (Veränderung gegenüber Vorquartal in Prozent)

© Weltbank, CPB Netherlands Bureau for Economic Policy

Mehr noch als die Weltwirtschaft steht der Welthandel durch die protektionistischen Tendenzen unter Druck. Im Jahr 2019 tritt der globale Handel bei geringen monatlichen Schwankungen weiterhin auf der Stelle. Dies gilt bis Stand November 2019, in dem der Handel im Vergleich zum Vormonat um 0,6 % zurückging. Damit liegt der Index weiterhin unterhalb seines Durchschnittsniveaus des Jahres 2018. Die globale Industrieproduktion befindet sich seit dem Frühjahr ebenfalls auf einem seitwärts gerichteten Trend. Stand November liegt ihr Ausstoß in etwa auf dem Niveau von vor einem Jahr. Am aktuellen Rand gibt es jedoch auch positive Signale. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit verbesserte sich im Vergleich zum Herbst und stieg im Januar 2020 erstmals seit April 2019 auf ein Niveau über 52 Punkte; die globale Industriekonjunktur könnte daher wieder etwas Fahrt aufnehmen.

Für das Gesamtjahr 2020 geht der IWF von einem etwas höheren Wachstum als im Jahr 2019 aus, er korrigierte im Januar jedoch seine Prognose für das globale Wachstum um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3 % nach unten. Für 2021 erwartet er mit 3,4 % eine weitere minimale Belebung. Die Folgen der Corona-Epidemie sind hier allerdings noch nicht berücksichtigt. Die vielfältigen weiteren Risiken für die Weltwirtschaft bleiben ebenfalls bestehen, auch wenn sich im Handelsstreit zwischen den USA und China derzeit eine gewisse Annäherung andeutet.

USA: Dynamik derzeit stabil – Ausblick verhalten

Die Wirtschaftsleistung der USA wuchs im vierten Quartal 2019 mit einem preis- und saisonbereinigten Plus von 0,5 % ähnlich stark wie im Vorquartal. Der Gleichschritt ergab sich bei nahezu unverändert starken Impulsen vom Konsum und von den Investitionen sowie einem ähnlich negativen Außenbeitrag wie im dritten Quartal.

In Hinblick auf den Jahresauftakt senden die Indikatoren gemischte Signale: Die Industrieproduktion schloss bei einer Drosselung im Dezember (-0,3 %) mit einem schwachen Ergebnis für das vierte Quartal (-0,1 %). Der Markit Einkaufsmanagerindex hat sich allerdings seit Oktober 2019 von einem Niveau knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten auf über 53 im Januar deutlich verbessert. Dies war hauptsächlich durch die Dienstleistungen getrieben, bei denen sich der Index besonders stark entwickelte. Für das Verarbeitende Gewerbe fiel der Index dagegen in Dezember und Januar um 0,2 bzw. 0,5 Prozentpunkte. Die industriellen Auftragseingänge waren im Dezember zuletzt zwar um kräftige 1,8 % gestiegen, weisen aber im Quartalsvergleich für das vierte Quartal 2019 insgesamt einen Verlust von 0,6 % auf. Weiterhin positiv entwickelte sich dennoch der Arbeitsmarkt, wenn auch bei tendenziell abnehmender Beschäftigtenzunahme.

In seiner Projektion vom Januar geht der IWF von einer Zunahme des BIP in Höhe von 2,0 % im Jahr 2020 und von 1,7 % im Jahr 2021 aus. Derzeit deutet sich eine partielle Einigung im Handelsstreit mit China an. Wie es mit diesem Handelskonflikt und im Streit mit der EU weitergeht, bleibt aber noch abzuwarten.

Japan: Deutliche Abkühlung im dritten Quartal

Das japanische BIP stieg im dritten Quartal 2019 preis- und saisonbereinigt um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal und setzte damit das starke Wachstum des ersten (+0,6 %) und zweiten Quartals (+0,5 %) fort. Wachstumstreiber waren nach wie vor ein kräftiger privater und öffentlicher Konsum, während Impulse von der Auslandsnachfrage ausblieben. Hierzu dürften auch bilateral bestehende Handelskonflikte wie etwa mit Südkorea beigetragen haben.

Die Frühindikatoren zeichnen ein gedämpftes Bild der japanischen Konjunktur. Die Industrieproduktion musste im vierten Quartal 2019 mit einem Rückgang um 4,0 % erhebliche Verluste hinnehmen. Sowohl der Tankan-Index als auch der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit trübten sich derweil zum Ende des Jahres weiter ein. Erst im Januar verzeichnete der Index eine erste Erholung, die jedoch stärker von den Dienstleistungen getrieben war, während sich die Situation im Verarbeitenden Gewerbe kaum veränderte. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind seit Sommer 2018 überwiegend abwärts geneigt.

Der IWF erwartet ein Wachstum des japanischen BIP in Höhe von 0,7 % im Jahr 2020 und 0,5 % im Jahr 2021.

Euroraum/EU: Wachstum bleibt schwach

Im Euroraum blieb die Konjunktur im vierten Quartal 2019 verhalten. Nach einem Wachstum im dritten Quartal von 0,3 % verringerte sich dieses auf 0,1 % zum Jahresende. Auf EU-Ebene wuchs das BIP ebenfalls um 0,1 % nach zuvor 0,3 % im dritten Quartal.

Dem leicht gedrosselten Tempo im Euroraum liegt eine etwas abnehmende Dynamik in wichtigen Mitgliedstaaten zugrunde. So trugen vor allem eine rückläufige Wirtschaftsleistung in Frankreich (-0,1 %) und in Italien (-0,4 %) zu einer leicht schwächeren Konjunktur bei.

Die Frühindikatoren deuten am aktuellen Rand keine deutliche Belebung an. Für die Industrieproduktion im vierten Quartal zeichnet sich nach dem leichten Auf und Ab im Sommer bisher eine Seitwärtsbewegung auf dem tiefsten Stand seit April 2017 ab. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe verbuchten im November wieder einen Rückgang (-0,5 %), nachdem in den Vormonaten noch leichte Zuwächse zustande kamen. In der Quartalsbetrachtung setzte sich im dritten Quartal 2019 der Negativtrend, der seit Beginn des Jahres besteht, abgeschwächt weiter fort (-0,5 %). Auch der Economic Business Climate Indicator der Europäischen Kommission sowie der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit sind seit dem Sommer kaum von der Stelle getreten. Zuletzt im Januar ergaben sich hier zumindest leichte Aufhellungen, wobei der Teilindex für die Industrie aber noch immer unterhalb der Wachstumsschwelle lag.

Der IWF geht in seiner Prognose von einem BIP-Anstieg im Eurogebiet von 1,3 % im Jahr 2020 und 1,4 im Jahr 2021 aus. Insbesondere für 2021 bleibt der Brexit-Prozess und die abschließende Aushandlung des Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien ein Risikofaktor für die europäische Konjunktur.

Wachstum der grössten Volkswirtschaften der Welt

Wachstum der grössten Volkswirtschaften der Welt (saison- und preisbereinigte Veränderung gegenüber Vormonat in Prozent) Bild vergrößern

Wachstum der grössten Volkswirtschaften der Welt (saison- und preisbereinigte Veränderung gegenüber Vormonat in Prozent)

© BEA, Eurostat, CaO, NBS

China: Wachstumsverlangsamung setzt sich fort. Folgen des Corona-Virus noch nicht abschätzbar

Nach offiziellen Angaben folgte das Wachstum in China im vierten Quartal 2019 einem leicht aufwärts gerichteten Trend. So stieg das chinesische BIP um 1,5 % gegenüber dem Vorquartal in etwa so stark wie im dritten Quartal. Im Vorjahresvergleich nahm die chinesische Wirtschaftsleistung im Schlussquartal um 6,0 % zu.

Für das erste Quartal zeichnet sich indes ein düsteres Bild ab. Während die Indikatoren bis Dezember und Januar noch eine Seitwärtsbewegung oder sogar leichte Zuwächse anzeigen, ist mit einem deutlichen Einbruch der chinesischen Wirtschaftsleistung infolge der Corona-Epidemie zu rechnen. Der Anstieg der Wertschöpfung in der Industrieproduktion fiel im Dezember gegenüber November mit +0,6 % noch recht deutlich aus. Der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit verlor aber im Januar bereits an Punkten und eine Beschleunigung des Abwärtstrends kann für den Februar erwartet werden.

Im Handelskonflikt mit den USA zeichnete sich zuletzt eine Annäherung ab. So wurde im Januar das Phase 1 Abkommen unterzeichnet und auch die Handelsstatistiken hatten zum Ende des Jahres 2019 einen Anstieg vermeldet. So stiegen die Exporte im Dezember um kräftige 7,4 % gegenüber dem Vorjahr, während sich die Importe um 16,2 % ausweiteten. Infolge der aktuellen Corona-Krise sollte aber auch im Außenhandel mit Einbußen im ersten Quartal 2020 gerechnet werden.

Der IWF rechnet in seinem Januar-Update mit einem verlangsamten BIP-Wachstum in China von 6,0 % im Jahr 2020 und 5,8 % im Jahr 2021, hat hierbei die Corona-Krise aber noch nicht berücksichtigen können. Sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen vergleichbar mit der SARS-Epidemie im Jahre 2003 ausfallen, könnte das chinesische BIP im laufenden Jahr um etwa einen Prozentpunkt weniger expandieren als bisher angenommen.

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