22.01.2020 - Online-Version - Schlaglichter der Wirtschaftspolitik

Schlaglichter der Wirtschaftspolitik Ausgabe Februar 2020

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II. Konjunktur

Einleitung

In Kürze

Die deutsche Wirtschaft befindet sich konjunkturell im Abschwung, ihr Bruttoinlandsprodukt nahm im Jahr 2019 preisbereinigt dennoch um 0,6 % zu.

Zum Jahreswechsel gibt es erste Hoffnungsschimmer. Die Schwächephase in der Industrie ist zwar noch nicht überwunden. Stabilisierungstendenzen bei den Auftragseingängen und abschwellender Pessimismus bei den Geschäftserwartungen sind positive Signale. Die Hochkonjunktur im Baugewerbe setzt sich fort.

Die Indikatoren für den privaten Konsum senden für das vierte Qua´rtal gemischte Sigbale. Die verfügbaren Einkommen nehmen aber weiter kräftig zu.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiter robust, auch wenn die schwache Konjunktur am aktuellen Rand wieder stärker sichtbar wurde.

Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2019 das zehnte Jahr in Folge gewachsen. Die konjunkturelle Dynamik hat sich allerdings merklich verlangsamt. Dies ist insbesondere auf die Schwäche der Industrie zurückzuführen. Die gesamtwirtschaftliche Leistung nahm im Jahr 2019 um 0,6 % zu. [1] Dies war zwar etwas mehr als zuletzt erwartet, aber deutlich weniger als in den fünf vorangegangenen Jahren, in denen das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich etwa 2,0 % pro Jahr stieg. Der Beschäftigungstand erhöhte sich dennoch weiterhin recht kräftig um 400.000 Personen auf den Rekordstand von 45,3 Mio. Erwerbstätigen.

Bruttoinlandsprodukt

Bruttoinlandsprodukt (Veränderungen gegen Vorjahr in Prozent) Bild vergrößern

Bruttoinlandsprodukt (Veränderungen gegen Vorjahr in Prozent)

© StBA

 

Welthandel

Welthandel Bild vergrößern

Welthandel

© Macrobond, Central Netherlands Bureau for Economic Policy (CBP)

Schwächephase noch nicht überwunden

Zum Jahreswechsel hat die deutsche Wirtschaft ihre konjunkturelle Schwächephase noch nicht überwunden. Einer durch den gegenwärtig flauen Welthandel beeinträchtigten Industrie stehen nach wie vor mehrheitlich prosperierende Dienstleistungsbereiche sowie der Bausektor gegenüber. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich daher im zweiten Halbjahr 2019 nur wenig. Es zeichnen sich aber allmählich Besserungstendenzen ab. In der Industrie haben in den vergangenen Monaten die Auftragseingänge und die Umsätze begonnen, sich auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Gleichzeitig haben sich die Geschäftserwartungen wieder etwas aufgehellt. Dies spricht dafür, dass die Industriekonjunktur ihren Wendepunkt bald erreicht. Nach wie vor bleibt das außenwirtschaftliche Umfeld aber durch erhebliche Unwägbarkeiten geprägt. [2]

Weltwirtschaft ohne Schwung

Die Weltwirtschaft ist weiterhin durch den Abschwung der Industriekonjunktur nicht zuletzt aufgrund protektionistischer Politik geprägt. So ist die globale Industrieproduktion im Oktober gegenüber dem Vormonat leicht zurückgegangen und sank damit erstmals seit der Finanzkrise unter ihr Vorjahresniveau. Gleichzeitig zeichnet sich für den globalen Warenhandel trotz einer leichten Steigerung im Oktober für das Gesamtjahr ebenfalls erstmals seit zehn Jahren ein Rückgang ab. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit für die Weltwirtschaft schloss das Jahr 2019 zwar mit einer erneuten Steigerung ab, der Teilindex für die Industrie gab zuletzt jedoch leicht nach und lag nur noch knapp oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Angesichts der aktuellen Indikatorenlage gehen die internationalen Organisationen für das laufende und kommende Jahr von einer nur wenig beschleunigten, aber weiterhin aufwärtsgerichteten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Warenhandel

Welthandel (in Milliarden Euro, kalender-und saisonbereinigt) Bild vergrößern

Welthandel (in Milliarden Euro, kalender-und saisonbereinigt)

© Zahlungsbilanzstatistik BBk

Ausfuhren ohne Impulse


Bei schwachen Impulsen aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld haben sich die deutschen Ausfuhren zuletzt seitwärts bewegt. Ihre Aussichten bleiben verhalten. Die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen sind im November saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen im Vergleich zum Vormonat zwar kräftig um 3,8 % zurückgegangen. Im Zweimonatsvergleich ergab sich dennoch ein geringer Zuwachs von 0,1 %, der bei stabilen Ausfuhrpreisen in realer Rechnung ähnlich ausfallen dürfte. Die ifo Exporterwartungen vom Dezember 2019 spiegeln mit ihrem leicht positiven Saldowert die optimistischste Erwartungshaltung seit zehn Monaten wider. Auch die Importe von Waren und Dienstleistungen haben sich im November saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen im Vergleich zum Oktober deutlich verringert (-2,5 %) und sind auch im Zweimonatsvergleich leicht zurückgegangen (-0,3 %). 

Aussenhandel*
2.Q.3.Q.Sep.Okt.Nov.
Warenhandel und Dienstleistungen (Zahlungbilanzstatistik)
Veränderungen gegen Vorperiode in % (saisonbereinigt)
Ausfuhr-1,11,01,61,2-3,8
Einfuhr-0,40,22,00,0-2,5
Aussenhandel mit Waren nach Ländern (Außenhandelsstatistik)
Veränderungen gegen Vorjahr in % (Ursprungswerte)
Ausfuhr-1,31,64,62,1-2,9
Eurozone-0,80,64,9-0,6-2,3
EU Nicht-Eurozone-6,31,36,62,2-2,7
Drittländer0,92,63,24,7-3,5
Einfuhr1,1-0,62,2-0,1-1,6
Eurozone3,2-1,23,11,1-0,7
EU Nicht-Eurozone-0,73,65,91,40,6
Drittländer-0,7-2,3-1,5-2,6-4,2

*Angaben in jeweiligen Preisen
Quellen: StBA, BBk

Erster Hoffnungsschimmer in der Industrie

Die Industrie konnte ihre konjunkturelle Schwächephase noch nicht beenden. Allerdings gibt es Stabilisierungstendenzen bei den Auftragseingängen und der Pessimismus bei den Geschäftserwartungen nimmt seit einigen Monaten ab. Die Industriekonjunktur dürfte sich daher in den kommenden Monaten etwas aufhellen. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe insgesamt stieg im November nach einem schwachen Vormonat um 1,1 %. Die Erzeugung in der Industrie und im Baugewerbe nahm um 1,0 % bzw. 2,6 % zu. Die Energieproduktion sank um 0,8 %. Im Zweimonatsvergleich Oktober/November gegenüber August/September wurde die Herstellung im Produzierenden Gewerbe aber noch um 0,7 % eingeschränkt. Innerhalb der Industrie bremsten insbesondere die Kfz-Industrie und der Maschinenbau (-4,3 % bzw. -2,5 %). Die Auftragseingänge wiesen im Zweimonatsvergleich insgesamt ein minimales Plus aus, wobei die Impulse aus dem Euroraum kamen. Die Geschäftserwartungen verbessern sich seit Spätsommer. Das Baugewerbe befindet sich weiter in der Hochkonjunktur.

Industrie
Veränderung gegen Vorzeitraum in %
(Volumen, saisonbereinigt)
2.Q.3.Q.Sep.Okt.Nov.
Produktion
Insgesamt-1,7-1,1-1,3-1,41,0
Vorleistungsgüter-2,7-1,9-1,10,9-0,5
Investitionsgüter-1,3-0,4-1,6-4,22,4
Konsumgüter-1,0-1,4-0,81,50,5
Umsätze
Insgesamt-1,6-1,1-1,20,1-0,5
Inland-2,2-1,0-1,4-0,70,5
Ausland-1,1-1,2-0,90,9-1,4
Auftragseingänge
Insgesamt-1,2-0,91,00,2-1,3
Inland-4,2-0,41,7-3,01,6
Ausland1,0-1,00,62,4-3,1
Vorleistungsgüter-2,4-1,0-1,30,70,2
Investitionsgüter-0,9-0,62,4-0,3-2,1
Konsumgüter2,3-2,31,50,90,0

Quellen: StBA, BBk


Produktion im produzierenden Gewerbe nach Wirtschaftszweigen

Produktion im produzierenden Gewerbe nach Wirtschaftszweigen (Voumenindex (2015 = 100, saisonbereinigt)) Bild vergrößern

Produktion im produzierenden Gewerbe nach Wirtschaftszweigen (Voumenindex (2015 = 100, saisonbereinigt))

© StBA, BBk

Konsum bleibt verlässliche Stütze

Die privaten Konsumausgaben bleiben eine verlässliche Stütze der Binnenkonjunktur. Hierzu tragen der hohe Beschäftigungsstand sowie die merkliche
Erhöhung der verfügbaren Einkommen bei. Diese waren im dritten Quartal 2019 um 3,4 % höher als vor einem Jahr. Im Jahresschlussquartal dürften die privaten Konsumausgaben den aktuellen Indikatoren zufolge allerdings vorübergehend eine langsamere Gangart einschlagen. Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz haben sich nach schwachem Start in das vierte Quartal im November zwar um 2,1 % erhöht. Im Durchschnitt liegen sie aber leicht unter dem Niveau des dritten Quartals. Die Neuzulassungen von Pkw stiegen insgesamt im vierten Quartal um 0,8 %. Die Zulassungen der privaten Halter, die für den privaten Konsum maßgeblich sind, waren hingegen rückläufig. Das Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal nicht verändert und bleibt per saldo positiv und spürbar oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Das Preisklima ist weiterhin relativ ruhig. Die Inflationsrate lag im Jahr 2019 bei 1,4 % nach 1,8 % im Vorjahr. Für den nachlassenden Preisauftrieb spielten rückläufige Kraftstoffpreise eine wichtige Rolle.

Verbraucherpreisindex
Veränderung in %


gg. Vormonat


gg. Vorjahresmonat

Nov.Dez.Nov.Dez.
Produktion
Insgesamt-0,80,51,11,5
Insgesamt ohne Energie und Nahrungsmittel
(Kerninflation)
-0,90,61,61,7
Nahrungsmittel0,50,61,82,1
Pauschalreisen-28,121,11,73,6
Energie-0,1-0,1-3,7-0,1
Dienstleitungen-1,50,91,81,8
Insgesamt (saisonbereinigt)0,10,2--

Quellen: StBA, BBK

Einzelhandelsumsatz (ohne Handel mit Kfz)

Einzelhandelsumsatz (ohne Handel mit Kz) ( Volumenindex 2015 = 100, saisonbereinigt) Bild vergrößern

Einzelhandelsumsatz (ohne Handel mit Kz) ( Volumenindex 2015 = 100, saisonbereinigt)

© StBA, BBk

Weiterhin robuster Arbeitsmarkt

Die gedämpfte Konjunktur machte sich am aktuellen Rand wieder deutlicher auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Erwerbstätigkeit wurde im November
gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt nur geringfügig um 13.000 Personen ausgeweitet. Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung war im Oktober (+41.000 Personen) allerdings wie bereits im Vormonat recht kräftig. Im Verarbeitenden Gewerbe (-9.000 Personen) und dabei insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie sowie der Stahlindustrie ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Oktober allerdings merklich zurück. Die Arbeitslosigkeit ist tendenziell leicht aufwärtsgerichtet, sie nahm im Dezember saisonbereinigt um 8.000 Personen zu. Nach den Ursprungszahlen (2,23 Mio. Personen) wird der Vorjahresstand um 18.000 Personen überschritten. Auch die Unterbeschäftigung hat sich leicht um 6.000 Personen erhöht. Konjunkturelles Kurzarbeitergeld wurde im Oktober etwas mehr als in den Vormonaten von 84.000 Personen in Anspruch genommen. Die Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lagen im November bei unverändert 49.000 Personen. Die Frühindikatoren zeigen einen robusten Arbeitsmarkt an, haben sich aber insgesamt etwas verschlechtert. Sie lassen einen nur noch moderaten Beschäftigungsaufbau und eine geringfügig steigende Arbeitslosigkeit erwarten.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (in 1000)

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (in 1000) Bild vergrößern

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (in 1000)

© BA, IAB, BBk

Arbeitsmarkt
Arbeitslose (SGB III)
3.Q.4.Q.Okt.Nov.Dez.
in Mio. (Ursprungszahlen)2,2762,2042,2042,1802,227
gg. Vorjahr in 1.000-3440-618
gg. Vorperiode in 1.000*21-57-148
Arbeitslosenquote5,04,84,84,84,9
Erwerbstätige (Inland)
2.Q.3.Q.Sep.Okt.Nov.
in Mio. (Ursprungszahlen)45,245,445,545,645,6
gg. Vorjahr in 1.000435353348344304
gg. Vorperiode in 1.000*4644284113
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
2.Q.3.Q.Aug.Sep.Okt.
in Mio. (Ursprungszahlen)33,433,633,633,934,0
gg. Vorjahr in 1.000571509479527499
gg. Vorperiode in 1.000*88107266341

*kalender-und saisonbereingte Angaben
Quellen: BA, StBA, BBk

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[1] Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 15. Januar 2020.
[2] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 15. Januar 2020 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.

In Kürze
Der Nowcast für das saison- und kalenderbereinigte Wachstum des BIP im ersten Quartal 2020 beträgt -0,03 % (Stand 15. Januar).[1]

Für das vierte Quartal 2019 prognostiziert das Modell eine Wachstumsrate von -0,01 %.

Das Prognosemodell ermittelt als Nowcast für das saison- und kalenderbereinigte Wachstum des BIP im ersten Quartal 2020 eine Rate von -0,03 %. Der Nowcast ist eine rein technische Prognose, bei der es sich weder um die Prognose des BMWi noch um die offizielle Projektion der Bundesregierung handelt. Das amtliche Ergebnis für das erste Quartal 2020 wird vom Statistischen Bundesamt in seiner Schnellmeldung am 15. Mai 2020 veröffentlicht.

In der aktuellen Ausgabe der Schlaglichter der Wirtschaftspolitik wird zum ersten Mal der Nowcast für das erste Quartal veröffentlicht (Abb. 1, blaue Linie). Beim Datenstand zum Redaktionsschluss (15. Januar) liegen noch keine Informationen zur Produktion oder Exporten für die Monate des laufenden Quartals vor. Zu diesem frühen Prognosezeitpunkt ist die Prognoseunsicherheit daher besonders hoch. Aufgrund noch fehlender harter Daten sind umfragebasierte Stimmungsindikatoren besonders wichtig.

Seit der ersten Schätzung am 1. Januar schwankt der Nowcast für das erste Quartal 2020 um die Nulllinie. In den meisten Fällen entsprachen die veröffentlichten Daten in etwa den vom Modell vorhergesagten Werten, sodass es zu wenigen Überraschungen und damit nur zu geringen Änderungen der Prognose kam. Eine Ausnahme stellte zum Beispiel die Entwicklung im Einzelhandel dar, die am 6. Januar veröffentlicht wurde. Durch die positive Überraschung wurde der Nowcast um etwa 0,04  Prozentpunkte aufwärtsrevidiert.

Neben dem laufenden Quartal prognostiziert das Modell auch das abgelaufene vierte Quartal des Jahres 2019, da das amtliche Ergebnis für dieses Quartal erst am 14. Februar bekanntgegeben wird. Der Nowcast für das vierte Quartal liegt derzeit bei -0,01 % (Abbildung 1, hellblaue Linie). Für dieses Quartal liegen bereits Informationen zur Produktion, den Auftragseingängen und den Exporten für die ersten beiden Monate vor. Mit der zunehmenden Anzahl an harten Daten, die in die Prognose einfließen, nimmt die Unsicherheit des Nowcast ab.

Der Nowcast für das vierte Quartal 2019 hat sich im Zeitablauf stetig verbessert und seit Mitte November stabilisiert. Lediglich der Rückgang der Industrieproduktion (Veröffentlichung am 6. Dezember) sorgte für eine Abwärtskorrektur des Nowcast, die aber später wieder kompensiert wurde.

Aus Sicht des BMWi dürfte sich der Ausblick für die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Quartal des laufenden Jahres etwas aufhellen. Steuerliche Entlastungsmaßnahmen dürften dem ohnehin schon solide expandierenden privaten Konsum weiteren Schub verleihen. Hinzu kommt die vorläufige Jahresrate für die Entwicklung des BIP von +0,6 % für das Jahr 2019, die jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurde. Die Rate deutet ein leicht positives Wachstum im vierten Quartal an. Dies spricht auch für eine etwas kräftigere Entwicklung im ersten Quartal.

Entwicklung des BIP Nowcast füer das vierte Quartal 2019 und das erste Quartal 2020

Entwicklung des BIP Nowcast füer das vierte Quartal 2019 und das erste Quartal 2020 Bild vergrößern

Entwicklung des BIP Nowcast füer das vierte Quartal 2019 und das erste Quartal 2020

© Now-Casting Economics Ltd.

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[1] Für nähere Erläuterungen zur Methode, den verwendeten Daten und der Interpretation des Modells siehe Senftleben und Strohsal (2019): „Nowcasting: Ein Echtzeit-Indikator für die Konjunkturanalyse“, Schlaglichter der Wirtschaftspolitik, Juni 2019, Seite 9–11, und Andreini, Hasenzagl, Reichlin, Senftleben und Strohsal (2020) „Nowcasting German GDP“, CEPR Working Paper No. 14323.

In Kürze
Entscheidung des EZB-Rats im Dezember belässt Zinsen unverändert auf niedrigem Niveau.
Inflation in der Eurozone stieg im Dezember auf ein Sechsmonatshoch von 1,3 %.

Expansive Geldpolitik wird weiter fortgesetzt…

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Seit März 2016 liegt der Hauptrefinanzierungssatz auf dem historischen Tiefstand von 0,0 %, während der Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25 % liegt. Für die Einlagefazilität fällt derweil ein Zins in Höhe von -0,5 % an, dieser wurde zuletzt im September 2019 von -0,4 % weiter heruntersetzen. Im November 2019 hat die EZB zudem damit begonnen, ihr Anleiheaufkaufprogramm neu aufzulegen. Die Nettozukäufe sind dementsprechend in den letzten zwei Monaten des Jahres 2019 um jeweils 24,1 und 15,4 Milliarden Euro gestiegen. Mit derzeit etwa 4,7 Billionen Euro fällt die Bilanz der EZB mehr als doppelt so hoch aus wie zu Beginn der Programme im Dezember 2014. Auf ein Enddatum für die Käufe legte sich die EZB bisher nicht fest.

Die nach wie vor sehr hohe Überschussliquidität von derzeit 1,77 Billionen Euro führt dazu, dass die Zinsen auf dem Interbankenmarkt nahe dem Einlagesatz liegen: Der besicherte Interbankenzins beträgt derzeit 0,52 %, der unbesicherte -0,39 %. Die Inflationsrate in der Eurozone liegt gemäß einer ersten Schätzung von Eurostat im Dezember 2019 mit 1,3 % auf dem höchsten Niveau seit Juni 2019. Die Kerninflation blieb mit ebenfalls 1,3 % auf dem Novemberniveau.
Die US-amerikanische Notenbank (Fed) zeigt sich ebenfalls zurückhaltend. Nach vier Zinserhöhungen im Jahr 2018 auf eine Spanne von 2,25 bis 2,5 % wurden 2019 wieder drei Zinssenkungen durchgeführt. Derzeit verharren die amerikanischen Leitzinsen auf einer Spanne von 1,5 bis 1,75 % und auch die letzte Sitzung des Federal Open Market Committee vom 10. Dezember 2019 brachte keine Änderung der amerikanischen Leitzinsen. Der Euro verbesserte sich im Vormonatsvergleich sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber dem japanischen Yen; im Dezember 2019 lagen die Notierungen für einen Euro bei durchschnittlich 1,11 Dollar bzw. 121 Yen. Der durchschnittliche Monatskurs des Euro gegenüber dem britischen Pfund nahm im vierten Monat in Folge ab. Momentan kostet ein Euro rund 0,85 Pfund. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den 56 wichtigsten Handelspartnern Deutschlands, wie sie die Deutsche Bundesbank errechnet, blieb im Dezember im Vergleich zum Vormonat unverändert; der effektive Wechselkurs belief sich auf 88,7.

Geldmarktsätze im Euroraum (in Prozent)

Geldmarktsätze im Euroraum (in Prozent) Bild vergrößern

Geldmarktsätze im Euroraum (in Prozent)

© Macrobond

Liquidität im Eurobankensystem

Liquidität im Eurobankensystem (in Milliarden Euro, Monatsdurchschnitte) Bild vergrößern

Liquidität im Eurobankensystem (in Milliarden Euro, Monatsdurchschnitte)

© EZB, Macrobond

… und hält Anleihenrenditen auf niedrigem Niveau

Die Umlaufrendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bewegt sich weiter im negativen Bereich und liegt momentan deutlich unter -0,2 %. Allgemein rangieren auch die Renditen auf Staatsanleihen der übrigen Euroländer weiterhin auf niedrigem Niveau. Die höchsten Zinsen fallen für griechische Staatsanleihen (1,42 %) sowie für italienische Staatsanleihen (1,35 %) an. Auch die Renditen auf Unternehmensanleihen verharren in der Eurozone auf sehr niedrigem Stand.Anleihen mit sehr guter Bonität (AA) und einer Laufzeit von zehn Jahren liegen derzeit bei etwa 0,04 %.

Wechselkurse

Wechselkurse (01.01.2019 = 100) Bild vergrößern

Wechselkurse (01.01.2019 = 100)

© Macrobond

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (Tageswerte in Prozent) Bild vergrößern

Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (Tageswerte in Prozent)

© Macrobond

Die derzeitige Zinsstrukturkurve für deutsche Bundesanleihen ist in der kurzen bis mittleren Frist invertiert und folgt in der langen Frist einem normalen Verlauf. Die Nachfrage nach Anleihen mit mittelfristiger Laufzeit scheint demnach größer als für kurz- und langfristige Laufzeiten zu sein. Vor drei Monaten war die kurz- und mittelfristige Invertierung noch ausgeprägter.

Zinsstrukturkurve (Bundesanleihen)

Zinsstrukturkurve (Bundesanleihen) (Rendite in Prozent) Bild vergrößern

Zinsstrukturkurve (Bundesanleihen) (Rendite in Prozent)

© BBk

Kreditwachstum hält an

Die derzeit schwache Konjunkturlage spiegelt sich gegenwärtig nicht in der Kreditvergabe wider. Im November 2019 lagen die Buchkredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften rund 5,7 % über dem Vorjahresniveau. Die Kreditvergabe an private Haushalte zieht weiter an und lag im November um 3,4 % über dem Vorjahreswert. Der stärkste Treiber dieser Entwicklung blieb weiterhin der Zuwachs bei den Wohnungsbaukrediten (+5,7 %), die durch das niedrige Zinsniveau und eine starke Nachfrage begünstigt werden.

Die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte stieg im November zum wiederholten Male und verzeichnete einen kräftigen Zuwachs von 4,9 % gegenüber Vorjahr. Das Kreditwachstum ist damit zum wiederholten Male deutlich stärker in Deutschland als im Euroraum (+3,4 %). Die Kreditvolumina für nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften wuchsen mit einer Rate von 5,7 % auch stärker in Deutschland als in der Eurozone (+3,4 %).

Der Zinsabstand für Unternehmenskredite innerhalb des Euroraums hat zuletzt wieder etwas abgenommen. Nichtfinanzielle ausländische Kapitalgesellschaften im Euroraum mussten im November um durchschnittlich 0,7 Prozentpunkte höhere Kreditzinsen zahlen als deutsche Unternehmen.

Die Geldmenge M3 des Euroraums wuchs im November 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 %. Der Anstieg ist hierbei maßgeblich durch das Wachstum der enger gefassten Geldmenge M1 getrieben, die im gleichen Zeitraum um 8,3 % gestiegen ist.

Buchkredite an nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften in Deutschland

Buchkredite an nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften in Deutschland (Veränderungen gegen Vorjahr in Prozent, Beiträge in Prozentpunkten, Ursprungszahlen) Bild vergrößern

Buchkredite an nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften in Deutschland (Veränderungen gegen Vorjahr in Prozent, Beiträge in Prozentpunkten, Ursprungszahlen)

© BBk