12.06.2019 - Online-Version - Schlaglichter der Wirtschaftspolitik

Schlaglichter der Wirtschaftspolitik Ausgabe Juni 2019

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I. Wirtschaftspolitische Themen und Analysen

Einleitung

Nationale Industriestrategie 2030: Gemeinsame Verantwortung von Wirtschaft und Staat in Deutschland und Europa für einen starken Wirtschaftsstandort

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, hat am 5. Februar 2019 einen Entwurf für eine Nationale Industriestrategie 2030 vorgestellt. Ziel des Entwurfs ist es, Deutschland und Europa als Wirtschafts- und Technologiestandorte im internationalen Wettbewerb zu stärken. Ein intensiver Dialogprozess mit Industrie, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik ist in vollem Gange.

auf einen Blick

© zssp

Ziele

Es ist Zeit, die Wirtschaftspolitik wieder in das Zentrum der politischen Debatte zu rücken. Angesichts tiefgreifender technologischer und weltwirtschaftlicher Veränderungen muss die Diskussion darüber geführt werden, wie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden kann. Dabei geht es um die wirtschaftliche und technologische Führungsposition der deutschen und der europäischen Wirtschaft mit dem Ziel, Arbeitsplätze langfristig zu sichern und neue Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen zu schaffen.

Der Entwurf skizziert erstmals eine zusammenhängende und an grundsätzlichen Erwägungen orientierte Industriestrategie, die sich sowohl auf die nationale wie auch die europäische Ebene bezieht. Fundament sind die bewährten Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft. Im internationalen Rahmen bekennen wir uns zu offenen Märkten und einem regelbasierten multilateralen Handel. Wir setzen uns zugleich für ein Level Playing Field ein.

Handlungsfelder

Die Stärke der deutschen Wirtschaft mit ihrer international herausragenden Industrie beruht auf dem Miteinander von erfolgreichem Mittelstand und großen Unternehmen entlang gewachsener und hocheffizienter Wertschöpfungsketten. Die hohe Innovationskraft, gut ausgebildete und leistungsfähige Arbeitskräfte sowie die Dialogkultur zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kommen als wesentliche Erfolgsfaktoren hinzu. Darauf gilt es aufzubauen: Für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze der Zukunft ist ein dynamisches Innovationsumfeld in Deutschland und Europa erforderlich. Zentrale Ziele der Industriestrategie sind die Stärkung von Schlüsseltechnologien, der Erhalt der technologischen Souveränität und die Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Dialogprozess

Mit dem Entwurf der Industriestrategie hat Bundeswirtschaftsminister Altmaier einen Stein ins Wasser geworfen und breite Wellen in Form einer intensiven Diskussion ausgelöst. In einem Dialogprozess mit relevanten Akteuren aus Industrie, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik werden Vorschläge zur nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland erörtert. Ein wichtiger Meilenstein war der Kongress zur Nationalen Industriestrategie am 6. Mai 2019 mit rund 70 Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden, Unternehmen, Gewerkschaften und Politik. Dabei wurden sachlich und konstruktiv Rahmenbedingungen, Schwerpunkte und konkrete Maßnahmen diskutiert. Alle Beiträge fließen in einen strukturierten Dialog ein. Im Anschluss an die Dialogphase soll die Strategie überarbeitet, innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und vom Bundeskabinett beschlossen werden (Regierungsstrategie).

Europäische Dimension

Eine wettbewerbsfähige Industrie ist Kernbestandteil deutschen und europäischen Wirtschaftens und eine wichtige Voraussetzung für ein prosperierendes, soziales, nachhaltiges und modernes Europa. Begleitend zum nationalen Prozess setzt sich die Bundesregierung daher für die rasche Erarbeitung und Verabschiedung einer EU-Industriestrategie mit konkreten Maßnahmen ein und wirbt in den übrigen Mitgliedstaaten für eine intensive Befassung mit industriepolitischen Themen. Die Nationale Industriestrategie 2030 bietet hierfür einen wichtigen Orientierungspunkt.

Kontakt: Pascal-Frederik Rogalla
Referat: Grundsatzfragen der Industriepolitik;
Bündnis Zukunft der Industrie

Mehr Transparenz für Online-Plattformen und Suchmaschinen

EU sorgt für verlässliche Regeln für Unternehmen bei der Nutzung von Online-Marktplätzen

Das Europäische Parlament hat am 17. April 2019 die Platform-to-Business-Verordnung beschlossen. Der Rat der Europäischen Union muss der Verordnung noch formal zustimmen. Die Verordnung fördert Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten. Reisebuchungsportale, App-Stores, Verkaufs- und Dienstleistungsplattformen in Europa müssen dafür sorgen, dass ihre Geschäftsbedingungen leicht zugänglich und verständlich sind.

Hohe Bedeutung von Online-Vermittlungsdiensten

Online-Vermittlungsdienste spielen für den elektronischen Geschäftsverkehr eine bedeutende Rolle. Nach Untersuchungen der Europäischen Kommission nutzen 42 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen Online-Marktplätze wie Amazon, Ebay, Booking oder HRS, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Online-Vermittlungsdienste bieten gerade für kleine und mittlere Unternehmen den Vorteil, mit wenig Aufwand einen großen Kundenkreis zu erschließen. Gleichzeitig verlieren die Unternehmen teilweise aber auch den direkten Kontakt zu ihren Kunden. Dadurch kann ein Abhängigkeitsverhältnis entstehen, das Missbrauchspotenzial birgt. Entfernt ein Online-Vermittlungsdienst etwa ein Produkt kurzfristig aus seinem Ranking, kann dies für den betroffenen gewerblichen Verkäufer und Nutzer der Plattform existenzbedrohend sein. Eine Umfrage der Europäischen Kommission hat ergeben, dass 50 Prozent der Unternehmen, die Online-Vermittlungsdienste nutzen, auf Probleme stoßen, von denen wiederum 38 Prozent ungelöst bleiben. Hierzu gehören zum Beispiel die unangekündigte Änderung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen, das unbegründete Auslisten oder Verändern des Rankings in den Suchergebnissen sowie Probleme bei der Durchsetzung der eigenen Rechte. Die Europäische Kommission schätzt, dass den betroffenen Unternehmen dadurch jährlich Verluste in Höhe von 1,27 bis 2,35 Milliarden Euro entstehen.

Online-Suchmaschinen ebenfalls betroffen

Der Zugang zu Kunden kann in ähnlicher Weise durch Online-Suchmaschinen wie Google und Yahoo missbräuchlich erschwert werden. Endkunden nutzen Suchmaschinen häufig, um einen Marktüberblick zu erhalten. Wie weit oben die Angebote eines Unternehmens im Ranking einer Suchmaschine erscheinen, kann dabei die Kaufentscheidung des Endkunden maßgeblich beeinflussen.

Ziel und Maßnahmen der Platform-to-Business-Verordnung

Mit der nun verabschiedeten Platform-to-Business-Verordnung sollen gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten sowie Unternehmen, die über Online-Suchmaschinen gefunden werden möchten, ein verlässliches und vorhersehbares Geschäftsumfeld erhalten. Die Verordnung soll gewerbliche Nutzer vor plötzlichen und unbegründeten Kontensperrungen schützen und verpflichtet deshalb Online-Vermittlungsdienste, Kontensperrungen möglichst 30 Tage im Voraus anzukündigen und zu begründen. Gewerbliche Nutzer erhalten zudem die Gelegenheit, die Tatsachen und Umstände zu klären, die zu einer Kontensperrung geführt haben, so dass unberechtigte Kontensperrungen schnell rückgängig gemacht werden können. Online-Vermittlungsdienste und Online-Suchmaschinen müssen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zudem die wesentlichen Kriterien von Rankings offenlegen, damit für gewerbliche Nutzer nachvollziehbar wird, wie sie ihre Sichtbarkeit verbessern können. Vermittlungsdienste und Suchmaschinen müssen auch offenlegen, wenn sie eigene Produkte gegenüber Produkten von Dritten bevorzugen. Eine schnelle Lösung von Konflikten soll durch ein Beschwerdemanagementsystem erreicht werden, das Online-Vermittlungsdienste ihren gewerblichen Nutzern anbieten müssen. Die Rechte der gewerblichen Nutzer werden zudem durch ein Verbandsklagerecht gestärkt.

Handlungsbedarf für Unternehmen

Die Verordnung wird zwölf Monate nach ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt wirksam werden, also voraussichtlich ab Juni 2020. Anbieter von Online-Vermittlungsdiensten müssen bis dahin ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen anpassen und ein Beschwerdemanagementsystem einrichten. Die Transparenzpflichten gelten für alle ca. 7.000 Online-Plattformen in Europa. Kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanz in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro sind jedoch von der Pflicht, ein Beschwerdemanagementsystem einzurichten, befreit.

Bundesregierung begrüßt Platform-to-Business-Verordnung

Die Platform-to-Business-Verordnung ist ein wichtiger erster Schritt für mehr Fairness auf den Plattformmärkten. Die Bundesregierung begrüßt dabei, dass sich der schlanke Regulierungsansatz der Europäischen Kommission durchgesetzt hat. Dieser beschränkt sich im Wesentlichen auf Transparenzpflichten der Online-Vermittlungsdienste und Online-Suchmaschinen. Nicht in die Verordnung aufgenommen wurden hingegen härtere Regulierungselemente. Sie hätten das Verbot umfasst, eigene Produkte gegenüber Produkten von Dritten zu bevorzugen. Ein solches Gleichbehandlungsgebot, das für alle 7.000 Plattformen in der Europäischen Union anwendbar gewesen wäre, hätte kleine und mittelgroße Online-Plattformen unverhältnismäßig belastet und so die Marktmacht großer Online-Plattformen verfestigen können. Ziel ist es im Gegenteil, europäischen Plattformen Raum zum Wachsen zu geben. Sie sollen durch Partnerschaften und Bevorzugungen zu verlässlichen Bedingungen ihre Attraktivität gegenüber etablierten Plattformen steigern können. Davon unberührt bleibt die konsequente Aufsicht über marktmächtige Unternehmen, die im Kartellrecht sichergestellt bleibt.

Ausblick

Die EU-Kommission wird die Verordnung erstmals zum Jahresende 2021 evaluieren. Auf dieser Basis wird die EU-Kommission prüfen, ob es weitergehender Regelungen für ein faires und vorhersehbares Geschäftsumfeld bedarf. Um die weiteren Entwicklungen auf den Plattformmärkten genau beobachten zu können, hat die EU-Kommission ferner eine Expertengruppe ins Leben gerufen.

Kontakt: Fabienne Fuchslocher
Referat: Rechtsrahmen digitale Dienste, Medienwirtschaft

Steigende Steuereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden

Nach den Ergebnissen des 155. Arbeitskreises „Steuerschätzungen“ können Bund, Länder und Gemeinden für die Jahre 2019 bis 2023 mit kontinuierlich steigenden Steuereinnahmen rechnen. Auf Grund der weniger günstigen Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung und der zwischenzeitlich in Kraft getretenen Rechtsänderungen dürften die jährlichen Zuwächse bei den Steuereinnahmen allerdings niedriger ausfallen, als dies noch im Herbst 2018 erwartet wurde.

Frühjahrsprojektion als Grundlage der Steuerschätzung

Verbindliche Grundlage der aktuellen Steuerschätzung sind die volkswirtschaftlichen Kennziffern aus der Frühjahrsprojektion 2019 der Bundesregierung. Demnach dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2019 um 0,5 Prozent und im Jahr 2020 um 1,5 Prozent zulegen. In der mittleren Frist – zwischen den Jahren 2021 und 2023 – wird das Bruttoinlandsprodukt mit knapp 1¼ Prozent pro Jahr expandieren. Für die Schätzung der Steuereinnahmen ist vor allem das nominale Bruttoinlandsprodukt ausschlaggebend. Hierfür werden Veränderungsraten von 2,8 Prozent für das Jahr 2019, 3,5 Prozent für das Jahr 2020 sowie von je 3,0 Prozent für die Jahre 2021 bis 2023 erwartet. Die Bundesregierung geht davon aus, dass das Wachstum in allen Jahren von einer dynamischen Inlandsnachfrage getragen wird, die sich in der guten Arbeitsmarktlage, deutlichen Lohnsteigerungen und einer soliden Ausweitung des privaten Konsums zeigt.

Überblick über die wichtigsten Ergebnisse

Im Schätzzeitraum dürften die Steuereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden von 793,7 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf 908,4 Milliarden Euro im Jahr 2023 steigen (siehe Abbildung 1). Jeweils im Vergleich zum Vorjahr erhöhen sich damit die Steuereinnahmen im Jahr 2019 um 2,3 Prozent und im Jahr 2020 um 3,1 Prozent. Damit liegt die Entwicklung der Einnahmen in beiden Jahren unter dem Wachstum des nominalen BIP. Dahinter stehen umfangreiche steuerliche Entlastungen der Bürgerinnen und Bürger, beispielsweise das Familienentlastungsgesetz mit dem Abbau der kalten Progression. In den darauffolgenden Jahren (2021–2023) werden die Steuereinnahmen mit jeweils etwa 3,5 Prozent voraussichtlich wieder stärker zunehmen als das nominale BIP.

Die Aufteilung der Steuereinnahmen nach Gebietskörperschaften zeigt zunächst, dass alle staatlichen Ebenen mit kontinuierlichen Einnahmesteigerungen rechnen können. Allerdings wächst insbesondere in den beiden kommenden Jahren das Steueraufkommen der Länder und Gemeinden stärker als das des Bundes. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Bund in besonderem Maße die aus Steuerrechtsänderungen resultierenden Mindereinnahmen trägt. Dadurch dürften die Länder zusammen ab dem Jahr 2020 erstmals höhere absolute Steuereinnahmen verzeichnen als der Bund.

Ein Blick auf die Entwicklung der wichtigsten Steuerarten zeigt die zugrunde liegende konjunkturelle Einschätzung recht deutlich (siehe Abbildung 2). Der anhaltende Aufschwung am Arbeitsmarkt und der robuste private Konsum sorgen für überproportionale Aufkommenszuwächse bei der Lohn- und Umsatzsteuer. Die schwache Entwicklung der Unternehmens- und Vermögenseinkommen führt hingegen zu einer verhaltenen Entwicklung bei den gewinnabhängigen Steuern (veranlagte Einkommensteuer und Körperschaftsteuer).

Abbildung 1: Steuereinnahmen, Schätzung ab 2019 Bild vergrößern

Abbildung 1: Steuereinnahmen, Schätzung ab 2019

© Bundesministerium der Finanzen, Arbeitskreis "Steuerschätzungen"

Vergleich zur Steuerschätzung vom Oktober 2018

Für den Gesamtzeitraum 2019 bis 2023 wurden die Einnahmeerwartungen für Bund, Länder und Gemeinden insgesamt im Vergleich zur Steuerschätzung vom Oktober 2018 kumuliert um 124,3 Milliarden Euro gesenkt. Davon entfallen 10,9 Milliarden Euro auf das Jahr 2019 und 23,2 Milliarden Euro auf das Jahr 2020.

Die Abwärtsrevision der Einnahmeerwartungen geht auf zwei Faktoren zurück. Erstens haben sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der aktuellen Frühjahrsprojektion im Vergleich zur Herbstprojektion 2018 deutlich verschlechtert. Vor allem die außenwirtschaftliche Seite hat sich durch die Handelskonflikte, aber zum Beispiel auch durch den Brexitprozess weiter eingetrübt. Nach einem schwächeren Wachstum im laufenden Jahr rechnet die Bundesregierung für den weiteren Verlauf allerdings wieder mit einer höheren wirtschaftlichen Dynamik. Dadurch ergeben sich für den gesamten Schätzzeitraum Abwärtsrevisionen in Höhe von rund 74 Milliarden Euro. Der zweite Teil der niedrigeren Einnahmeerwartungen geht auf Steuerrechtsänderungen zurück, die bis zum Jahr 2023 zu kumulierten Mindereinnahmen in Höhe von 50 Milliarden Euro im Vergleich zu den Erwartungen aus der Oktoberschätzung führen. Mit 36,6 Milliarden Euro wird dabei der Großteil vom Bund getragen.

Mit Blick auf die Konsequenzen für die Haushaltsplanung von Bund, Ländern und Gemeinden überzeichnet der Vergleich der Steuerschätzungen von Mai 2019 und Oktober 2018 den Eindruck reduzierter Einnahmeerwartungen allerdings deutlich. Denn Grundlage für den Anfang März verabschiedeten Eckwertebeschluss zum Bundeshaushalt 2020 einschließlich der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2021 bis 2023 ist nicht das Ergebnis der Steuerschätzung vom Oktober, sondern eine aktualisierte Einschätzung der Einnahmeentwicklung vom Januar 2019, die wiederum auf der Jahresprojektion der Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht basiert. Im Vergleich dazu fallen die Mindereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden deutlich niedriger aus: Der Haushaltsentwurf berücksichtigt deutliche Abwärtskorrekturen der gesamtwirtschaftlichen Eckwerte bereits teilweise und die Steuerrechtsänderungen nahezu vollständig.

Abbildung 2: Geschätzte Entwicklung ausgewählter Steuerarten und des normalen BIP Bild vergrößern

Abbildung 2: Geschätzte Entwicklung ausgewählter Steuerarten und des normalen BIP

© Bundesministerium der Finanzen, basierend auf Zahlen des Arbeitskreises "Steuerschätzungen"

Kasten 1: Der Arbeitskreis "Steuerschätzungen"

Die 155. Sitzung des Arbeitskreises „Steuerschätzungen“ tagte auf Einladung der Finanzministerin von Schleswig-Holstein vom 7. bis 9. Mai 2019 in Kiel, um die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden für die Jahre 2019 bis 2023 zu prognostizieren.

Dem seit dem Jahr 1955 bestehenden Arbeitskreis „Steuerschätzungen“ gehören – unter dem Vorsitz des Bundesministeriums der Finanzen – das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, fünf Wirtschaftsforschungsinstitute, das Statistische Bundesamt, die Deutsche Bundesbank, der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Länderfinanzministerien und der Deutsche Städtetag an.

Für jede Einzelsteuer erstellen jeweils acht Mitglieder des Arbeitskreises unabhängige Schätzvorschläge, die nach dem Konsensprinzip in eine gemeinsame Schätzung überführt werden. Auf Basis dieser Schätzung werden dann die auf Bund, Länder, Gemeinden und EU entfallenden Einnahmen ermittelt.

Seit Bestehen des Arbeitskreises übernimmt der Bund das Ergebnis für die Steuereinnahmen des Bundes in den Haushaltsplan und seit dem Jahr 1968 in die mittelfristige Finanzplanung. Zudem sind die Ergebnisse der Steuerschätzung Teil der finanzwirtschaftlichen Projektionen der Bundesregierung, die dem Stabilitätsrat vorgelegt werden.

Kontakt: Charlotte Senftleben und Till Strohsal
Referat: Beobachtung, Analyse und Projektionen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Wirtschaftspolitische Termine des BMWi

Juni 2019
06.06.Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe (April)
07.06.Produktion im Produzierenden Gewerbe (April)
07.06.Telekommunikationsministerrat
13.06.Pressemeldung des BMWi zur wirtschaftlichen Lage
13./14.06.Eurogruppe/ECOFIN
20./21.06.Europäischer Rat
25.06.Energieministerrat
25.06.Kohäsionsministerrat
Ende JuniSchlaglichter (Newsletter und Veröffentlichung auf Website)
Juli 2019
04./05.07.Informeller WBF-Rat (Helsinki, Finnland)
05.07.Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe (Mai)
08.07.Produktion im Produzierenden Gewerbe (Mai)
08./09.07.Eurogruppe/ECOFIN
15.07.Pressemeldung des BMWi zur wirtschaftlichen Lage
24.07.ECOFIN (Haushalt)
Ende JuliSchlaglichter (Newsletter und Veröffentlichung auf Website)
August 2019
06.08.Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe (Juni)
07.08.Produktion im Produzierenden Gewerbe (Juni)
14.08.Pressemitteilung des BMWi zur wirtschaftlichen Lage
Ende August 2019Schlaglichter (Newsletter und Veröffentlichung auf Website)


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Der Monatsbericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist nicht nur als Druckexemplar, sondern auch im Online-Abo als elektronischer Newsletter verfügbar. Sie können ihn unter der nachstehenden Internet-Adresse bestellen: www.bmwi.de/abo-service

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Grafik des Monats

Die Arbeitskosten steigen in Deutschland stärker als in anderen Industrieländern – die Arbeitsproduktivität hält nicht mit

Entwicklungen der realen Bruttoanlageninvestitionen von 2015 bis 2018* Bild vergrößern

*Die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten ergeben sich, wenn man die angefallenen Arbeitskosten ins Verhältnis zur Arbeitsproduktivität setzt. Sie sind ein Indikator für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

© OECD Productivity Statistics

Weiterführende Informationen

  • Die deutsche Wirtschaft zeigt weiterhin ein gemischtes Bild. Während die mehr binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleistungs- und Bauwirtschaft kräftig expandieren, befindet sich das global ausgerichtete Verarbeitende Gewerbe weiterhin in einer konjunkturellen Schwächephase
  • Die Erzeugung in der Industrie ist im ersten Quartal geringfügig gesunken, die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe schwächten sich deutlich ab. Die konjunkturellen Perspektiven bleiben hier gedämpft. Das Baugewerbe verzeichnete hingegen Produktionszuwächse.
  • Die Einkommen steigen, unterstützt durch die Fiskalpolitik, und sorgen für eine rege Konsumnachfrage der privaten Haushalte.
  • Der Arbeitsmarkt zeigt sich robust: Die Erwerbstätigkeit nimmt weiter zu, die Arbeitslosigkeit ab. Die Dynamik dürfte sich aber etwas abschwächen.

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlich gewachsen.1 Zuvor hatte sie im zweiten Halbjahr 2018, auch aufgrund von Sondereffekten, mehr oder weniger stagniert. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich im ersten Quartal um 0,4 Prozent.2 Die starke Binnenwirtschaft trotzte im ersten Quartal dem gegenwärtig unruhigen außenwirtschaftlichen Umfeld. In den binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleistungsbereichen wurde die Wertschöpfung teilweise kräftig ausgeweitet. Im stärker exportorientierten Produzierenden Gewerbe ging sie zurück. Auf der Nachfrageseite zeigten sich die Verbraucher zu Jahresbeginn außerordentlich konsumfreudig. Und die Unternehmen investierten nach Aussage des Statistischen Bundesamtes trotz ihrer gedämpften Geschäftsaussichten kräftig. Sowohl die Exporte als auch die Importe wurden ausgeweitet. Ihre Schwächephase hat die deutsche Wirtschaft mit dem guten Einstieg in das Jahr aber noch nicht überwunden. Dies dürfte erst nachhaltig erfolgen, wenn sich das außenwirtschaftliche Umfeld wieder etwas aufhellt und die Verunsicherung, verursacht insbesondere durch die Handelskonflikte, abnimmt. Gegenwärtig signalisieren die vorausschauenden Indikatoren noch eine merklich gedämpfte Industriekonjunktur.

Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit in einer Schwächephase. Der Welthandel geht seit November tendenziell zurück. Die globale Industrieproduktion war zuletzt ebenfalls sowohl in den entwickelten Volkswirtschaften als auch in den Schwellenländern rückläufig. Der Stimmungsindikator IHS Margit PMI für die globale Industrie ist seit einem Jahr abwärtsgerichtet. Im April 2019 fiel er auf den niedrigsten Stand seit Juni 2016. Das ifo Weltwirtschaftsklima hat sich für das zweite Quartal 2019 zwar verbessert, bleibt aber unterkühlt. Angesichts dieser Indikatorenlage und der Häufung globaler Risiken gehen die internationalen Organisationen von einer weniger dynamischen, aber weiterhin aufwärtsgerichteten globalen Entwicklung aus.

Die gegenwärtig gedämpften Signale aus dem weltwirtschaft­lichen Umfeld spiegeln sich in den deutschen Ausfuhren wider. Zwar nahmen die Exporte von Waren und Dienstleistungen im März saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,8 Prozent zu. Im Quartalsvergleich ergab sich jedoch nur ein schwaches Wachstum von 0,8 Prozent bei nahezu stabilen Ausfuhrpreisen. Die Unternehmen gehen, gemessen an den ifo Exporterwartungen, weiterhin von keiner deutlichen Belebung aus. Insgesamt deuten die Indikatoren auf eine verhaltene Entwicklung der Ausfuhren in den kommenden Monaten hin. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen im März saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,1 Prozent. Im Quartalsvergleich ergab sich ein geringfügiges Plus von 0,1 Prozent. Die Einfuhrpreise waren jedoch merklich niedriger als im Vorquartal, sodass die Importe preisbereinigt deutlicher zugelegt haben dürften. Der Leistungsbilanzüberschuss fiel im ersten Quartal mit 66,6 Milliarden Euro um 3,4 Milliarden Euro höher aus als im Vorjahresquartal.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im März um 0,5 Prozent. Dabei erhöhte sich die Erzeugung sowohl in der Industrie (+0,4 Prozent) als auch im Baugewerbe (+1,0 Prozent). Im ersten Quartal insgesamt ergab sich gegenüber dem Vorquartal ein Produktionszuwachs im Produzierenden Gewerbe von 0,5 Prozent. Während das Baugewerbe eine kräftige Zunahme der Erzeugung von 3,9 Prozent verzeichnete, meldete die Industrie eine leichte Abnahme um 0,1 Prozent. Innerhalb der Industrie konnte der Kfz-Bereich seine Produktion um 0,4 Prozent ausweiten, in arbeitstagebereinigter Rechnung wurde das Vorjahresniveau aber immer noch deutlich unterschritten. In den kommenden Monaten dürfte die Industriekonjunktur gedämpft bleiben, worauf die Entwicklung z. B. von Auftragseingangs- und Stimmungsindikatoren hindeutet. Zwar nahmen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im März gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent zu. Im ersten Quartal kam es gegenüber dem vierten Quartal 2018 jedoch zu einem kräftigen Auftragsminus von 4,1 Prozent. Die Inlandsorders nahmen um 2,6 Prozent ab und die Aufträge aus dem Ausland um 5,2 Prozent. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich im April ein weiteres Mal ein. Die Hochkonjunktur im Baugewerbe dürfte hingegen anhalten.

Die privaten Konsumausgaben haben sich im ersten Quartal 2019 spürbar erhöht. Im ersten Quartal 2019 legten die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) kräftig um 1,7 Prozent zu, obwohl sie im März leicht um 0,2 Prozent abnahmen. Auch die Kfz-Zulassungen der privaten Halter erholten sich im ersten Quartal von der WLTP-bedingten Flaute im zweiten Halbjahr 2018.

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt hält an. Der Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit lag im März mit saisonbereinigt 33.000 Personen etwas unter dem monatlichen Durchschnitt der zwölf Vormonate. Im Zuge der Frühjahrsbelebung stieg die Beschäftigung nach den Ursprungszahlen auf 44,9 Millionen Personen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Februar mit 48.000 Personen verlangsamt zu. Die Frühindikatoren deuten insgesamt auf einen moderateren Personalaufbau in den Unternehmen hin. Im April sank die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 12.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen ging sie auf 2,23 Millionen Personen und die Arbeitslosenquote auf 4,9 Prozent zurück. Die Arbeitsmarktpolitik trug zum Rückgang der Arbeitslosigkeit bei, was sich in einem leichten Anstieg der Unterbeschäftigung ausdrückte. Die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt im Trend spürbar ab; der Vorjahresstand wurde um knapp 13 Prozent unterschritten. Die Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen bleibt eine Herausforderung.


Konjunktur auf einen Blick*
Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt, Produktion und Auftragseingang in der Industrie sowie ifo Geschäftserwartungen

*zentrierte gleitende 3-Monats-Durchschnitte bzw. Quartale, saisonbereinigt, Veränderungen gegenüber Vorperiode in v. H. bzw. Salden bei ifo Bild vergrößern

*zentrierte gleitende 3-Monats-Durchschnitte bzw. Quartale, saisonbereinigt, Veränderungen gegenüber Vorperiode in v. H. bzw. Salden bei ifo

© StBA, BBk, ifo Institut

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[1] Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2019 vom 15. Mai 2019.
[2] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 16. Mai 2019 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.

12.06.2019 - PDF -

Publikation: Schlaglichter der Wirtschaftspolitik (Ausgabe 06/2019): Überblick über die wirtschaftliche Lage

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Mit dem Wirtschaftsnetzwerk Afrika unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie deutsche Unternehmen beim Markteintritt

Afrikas Volkswirtschaften wachsen überdurchschnittlich, die Chancen für deutsche Firmen sind vielfältig – dennoch wagen immer noch vergleichsweise wenige deutsche Mittelständler den Schritt auf den südlichen Kontinent. Mit dem neuen Wirtschaftsnetzwerk Afrika wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Unternehmen künftig noch stärker dabei unterstützen, Geschäftschancen zu nutzen, und den Markteintritt aktiv begleiten. Was dahinter steckt – und wie deutsche Unternehmen von den Angeboten profitieren können.

Wirtschaftsnetzwerk Afrika

© FrankRamspott

Die afrikanischen Volkswirtschaften sind 2018 durchschnittlich um 3,5 Prozent gewachsen. Entscheidend für ein nachhaltiges Wachstum und einen dauerhaften Anstieg der Beschäftigung sind vor allem ein Ausbau des internationalen Handels und ein deutlicher Anstieg an Investitionen. Für deutsche Unternehmen bieten sich vielfältige Möglichkeiten, ihre Expertise in Afrika einzubringen und Geschäftschancen zu nutzen. Dennoch zögern viele deutsche Mittelständler nach wie vor, den Schritt nach Afrika zu wagen – zu riskant sei das Unterfangen, zu unsicher die Finanzierung von Projektvorhaben. Der Markteintritt in Länder außerhalb Afrikas ist für Unternehmen oft einfacher und naheliegender. Hier ist auch die Politik gefragt: Laut einer Umfrage von Germany Trade & Invest wünschen sich deutsche Unternehmen unter anderem eine stärkere politische Flankierung von Projekten und mehr politische Präsenz der Bundesregierung in Afrika1.

Lücken füllen, Synergien nutzen

Um Unternehmen künftig noch besser beim Markteintritt zu unterstützen, baut das BMWi seit Anfang des Jahres 2019 das Wirtschaftsnetzwerk Afrika auf. Ziel dieses Netzwerkes ist es, die etablierten Akteure der deutschen Außenwirtschaftsförderung noch enger zu vernetzen und Unternehmen dadurch ein gebündeltes Unterstützungsangebot mit maßgeschneiderten Beratungsinstrumenten anzubieten.

Akteure bzw. institutionelle Elemente des Wirtschaftsnetzwerkes sind zum Beispiel die Auslandshandelskammern, die bundeseigene Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI), das BMWi-Markterschließungsprogramm, die Exportinitiativen des BMWi sowie auf Afrika fokussierte Verbände, Vereine und staatlich geförderte Einrichtungen sowie die deutschen Auslandsvertretungen. Für den Aufbau des Wirtschaftsnetzwerks wurde im BMWi für ein Jahr eine Task Force eingesetzt. Im zweiten Halbjahr 2019 wird im BMWi eine Geschäftsstelle zur Koordinierung der Aufgaben des Wirtschaftsnetzwerks eingerichtet.

Mit der Gründung des Wirtschaftsnetzwerks trägt das BMWi zur Umsetzung des von Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 30. Oktober 2018 angekündigten Entwicklungsinvestitionsfonds (EIF) für Afrika bei. Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika bildet dabei die dritte Säule dieses Fonds. Die erste Säule ist AfricaConnect, ein durch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) verwalteter Fonds zur Finanzierung deutscher Investitionen in Afrika. Mit dem Fonds AfricaGrow – der zweiten Säule des EIF von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden afrikanische Unternehmen finanziell unterstützt.

Wie profitieren Unternehmen vom Wirtschaftsnetzwerk?

Mit dem Wirtschaftsnetzwerk Afrika unterstützt das BMWi deutsche Unternehmen dabei, konkrete Geschäftschancen in Afrika zu identifizieren und zu prüfen. Berücksichtigt werden Faktoren wie die allgemeine Marktentwicklung, politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie das Wettbewerbsumfeld vor Ort. Auf Basis der ermittelten Opportunitäten werden Unternehmen gezielt auf Geschäftschancen in Afrika aufmerksam gemacht. Neu ist, dass das Wirtschaftsnetzwerk direkt auf Unternehmen zugeht und sein Beratungs- und Unterstützungsangebot pro-aktiv anbietet. Es steht Unternehmen zudem offen, sich eigeninitiativ mit Geschäftsideen an das Wirtschaftsnetzwerk Afrika zu wenden.

Interessierten Unternehmen bietet das Netzwerk eine Erstberatung zu Maßnahmen der Außenwirtschaftsförderung und der Entwicklungszusammenarbeit an. Bei Bedarf werden die Unternehmen für eine vertiefte Beratung an andere Stellen weitergeleitet, zum Beispiel zur Projektfinanzierung, zu Business-Case-Berechnungen sowie zu Zoll- und Rechtsfragen. Auch Markterkundungs- oder Geschäftsanbahnungsreisen nach Afrika mit Kontaktvermittlung vor Ort sind Teil des Angebots.

Über den gesamten Beratungsprozess hinweg stellt das BMWi Unternehmen einen dauerhaften Ansprechpartner aus der Geschäftsstelle des Wirtschaftsnetzwerks Afrika an die Seite. Diese sogenannten „Afrika-Partner“ begleiten die Unternehmen von der Projektidee bis zur Umsetzung des Vorhabens und darüber hinaus und stellen sicher, dass sich die Unternehmen zu jedem Zeitpunkt gut beraten fühlen und die verschiedenen Förderinstrumente und -maßnahmen bestmöglich nutzen können.

Der regionale Fokus des Wirtschaftsnetzwerks liegt auf den derzeit zwölf Ländern des Compact-with-Africa (CwA): Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Im Sommer 2019 startet die Initiative mit drei Pilotprojekten in Äthiopien (Textil-, Bekleidungs- und Ledersektor), Ghana (Lebensmittelverarbeitungstechnik und -logistik) und Marokko (Gesundheitswirtschaft). Im Rahmen der Pilotierung werden Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in den drei genannten Regionen identifiziert und geprüft. Passende Unternehmen werden vom Wirtschaftsnetzwerk angesprochen, über die Zielmärkte und -branchen informiert sowie umfassend hinsichtlich einer möglichen Investition beraten. Begleitete Geschäftsanbahnungsreisen in die drei Länder runden das Angebot ab.

Netzwerkpartner werden gestärkt

Im Rahmen des Netzwerkes werden nicht nur die projektbezogenen Beratungsangebote gestärkt, sondern auch die grundlegende Beratungs- und Unterstützungsstruktur der vom BMWi geförderten Partner des Wirtschaftsnetzwerkes erweitert. In Afrika wird das Netz der Auslandshandelskammern (AHK) ausgebaut. Noch 2019 sollen neue AHK-Standorte in Äthiopien und in Côte d’Ivoire entstehen. Länderübergreifende Branchenkompetenzzentren und Regionalmanager für ausgewählte Länder, in denen es keinen AHK-Standort gibt, ergänzen das Beratungsangebot zusätzlich.

Auch die GTAI baut ihre Präsenz in Afrika mit zwei neuen Standorten in Marokko und Côte d’Ivoire sowie mit drei zusätzlichen Reisekorrespondenten aus. Die Beratungskompetenz im Inland wird unter anderem durch einen virtuellen Africa Business Guide erweitert, den die GTAI im Auftrag des BMWi zurzeit erstellt (die Seite www.africa-business-guide.de befindet sich im Aufbau). Der Africa Business Guide dient Unternehmen als erste digitale Anlaufstelle für Wirtschaftsfragen rund um Afrika. Er wird unter anderem Auskunft zu aktuellen Entwicklungen und wichtigen Branchen in den jeweiligen Ländern geben. Außerdem werden wichtige Rechts- und Zollfragen adressiert und Expertenmeinungen wiedergegeben. Als Partnernetzwerk bietet der Guide darüber hinaus einen kompakten Überblick zu den Unterstützungs- und Förderangeboten der deutschen Außenwirtschaftsförderung.

Auch im Markterschließungsprogramm legt das BMWi 2019 einen starken Fokus auf Afrika: Es werden insgesamt 30 Afrika-Projekte durchgeführt; doppelt so viele wie im Vorjahr. Zusätzlich wird das Auslandsmesseprogramm (AMP) des Bundes in Afrika erweitert. Mit zusätzlichen Mitteln aus der Afrika-Initiative konnten 34 Messebeteiligungen für 2019 in das AMP aufgenommen werden (2018: Beteiligungen an 14 Messen). Das BMWi engagiert sich damit insgesamt bei Messen in 16 Staaten auf dem afrikanischen Kontinent.

Erweiterung der Export- und Investitionsgarantien

Die Bundesregierung hat darüber hinaus die Konditionen der staatlichen Exportkredit- und Investitionsgarantien verbessert. Bei den Exportkreditgarantien wurden für Geschäfte mit öffentlichen Bestellern unter anderem in Côte d’Ivoire, Senegal und Benin die Schadens-Selbstbehalte von Unternehmen von zehn auf fünf Prozent gesenkt. Bei ausreichenden Reformfortschritten sollen weitere afrikanische Länder einbezogen werden.

Bereits im Jahr 2018 konnte eine Steigerung des Deckungsvolumens in Afrika erreicht werden: Für Lieferungen und Leistungen wurden Exportkreditgarantien in Höhe von 1,8 Milliarden Euro (2017: 1,1 Milliarden Euro) übernommen. Damit stieg das Deckungsvolumen deutlich. Der Anteil Afrikas am gesamten Deckungsvolumen erhöhte sich damit auf neun Prozent (2017: 6,3 Prozent).

Bei den Investitionsgarantien kann der Selbstbehalt von Unternehmen bei geeigneten Projekten in den Ländern des Compact-with-Africa künftig von fünf auf 2,5 Prozent gesenkt werden. Zudem entfällt bei Export- und Investitionsgarantien für CwA-Länder künftig die Antragsgebühr für bestimmte Geschäfte.

Unternehmen, die sich über das Wirtschaftsnetzwerk Afrika informieren möchten, Anregungen haben oder sich für eine Teilnahme an einem der Pilotprojekte interessieren, können sich bei der Task Force Wirtschaftsnetzwerk Afrika melden.

Kontakt:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Referat Außenwirtschaftsförderung
Task Force Wirtschaftsnetzwerk Afrika
Scharnhorststr. 34–37, 10115 Berlin
Tel: 030-18 615-6344
www.bmwi.de
wirtschaftsnetzwerk-afrika@bmwi.bund.de

Kontakt: Jenny Eberhardt
Referat: Außenwirtschaftsförderung, Task Force
Wirtschaftsnetzwerk Afrika

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[1] Studie „China in Afrika“, Ausgabe 2018, Herausgeber: Germany Trade & Invest.

Der Entwicklungsinvestitionsfonds für Afrika der Bundesregierung

  1. Säule – AfricaConnect (BMZ):
    Fonds zur finanziellen Förderung deutscher Investitionen in Afrika durch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)
  2. Säule – AfricaGrow (BMZ):
    Fonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Unterstützung afrikanischer Unternehmen
  3. Säule – Wirtschaftsnetzwerk Afrika (BMWi):
    Partnernetzwerk der Akteure der deutschen Außenwirtschaftsförderung mit maßgeschneiderten Unterstützungsangeboten für deutsche Unternehmen www.bmwi.de

Weiterführende Informationen

Eine repräsentative Unternehmensbefragung liefert aufschlussreiche Ergebnisse

Nun sag, wie hältst du’s mit der Nachhaltigkeit? Im Rahmen des IAB-Betriebspanels wurden Unternehmen erstmals zu diesem Thema befragt.1 Die Ergebnisse sind ermutigend: Für mehr als die Hälfte aller Unternehmen hat ökologische Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert.

Ökologische Nachhaltigkeit hat einen hohen Stellenwert

© cyano66

Das IAB-Betriebspanel ist eine jährliche Wiederholungsbefragung von knapp 16.000 Unternehmen in Deutschland. Mit einem breit gefächerten Spektrum an Fragen werden Informationen zu betrieblichen Strukturen und Stimmungslagen gesammelt. Die große Stichprobe ermöglicht Auswertungen sowohl auf Länderebene als auch nach Wirtschaftszweigen.

Im Jahr 2018 wurden die Unternehmen auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstmals zum Thema Nachhaltigkeit befragt. Konkret wurde erhoben, wie wichtig ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz für die Geschäftstätigkeit der befragen Unternehmen sind. Dies ergänzt den Fragenkatalog, der bisher maßgeblich auf die ökonomische und soziale Situation von Unternehmen abstellt, um eine wichtige Dimension. Die genaue Fragestellung lautete „Wie wichtig sind ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz in Ihrer Geschäftstätigkeit im Vergleich zu anderen Unternehmen in Ihrer Branche?2

Für große Unternehmen hat das Thema Nachhaltigkeit einen wichtigeren Stellenwert

Eine erste Auswertung der Antworthäufigkeiten zeigt, dass für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) Nachhaltigkeit ein wichtiges oder sogar sehr wichtiges Thema ist. Weniger als 30 Prozent der Unternehmen schätzen Nachhaltigkeit als weniger oder gar nicht wichtig ein (siehe Abbildung 1).

Betrachtet man die Befragungsergebnisse nach Betriebsgröße, zeigt sich, dass Umweltschutz als umso wichtiger angesehen wird, je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen hat. In 65 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sind ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtig oder sehr wichtig. Nicht erfasst wurde, inwieweit dabei regulatorische Vorgaben aus dem Umweltrecht oder bei den börsennotierten Konzernen auch die OECD-Leitsätze für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung eine Rolle spielen. Bemerkenswert ist allerdings, dass Nachhaltigkeit auch in kleinen Betrieben eine große Rolle spielt – für etwa die Hälfte der befragten Betriebe ist das Thema wichtig oder sogar sehr wichtig.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich bei der Auswertung nach Betriebsalter: Nachhaltigkeit ist über alle Altersgruppen hinweg ein wichtiges Thema, selbst junge Start-ups liegen etwa im Durchschnitt.

Einige Unterschiede zeigen sich hingegen bei der Auswertung der Ergebnisse nach Ländern (siehe Tabelle 1). Betrachtet man die Nennung der beiden höchsten Kategorien (sehr wichtig und wichtig) zusammen, zeigt sich, dass Brandenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein deutlich über dem Durchschnitt liegen; in Bremen und Baden-Württem­berg wurden diese Antwortmöglichkeiten deutlich seltener genannt.

Abbildung 1: Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit in Unternehmen unterschiedlicher Größe (Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) Bild vergrößern

Abbildung 1: Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit in Unternehmen unterschiedlicher Größe (Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten)

© IAB-Betriebspanel 2018, eigene Berechnung.

Sehr wichtigWichtigWeniger wichtigNicht wichtigKeine Angabe
Total18,0634,8414,2114,0118,88
Schleswig-Holstein24,7331,4811,7915,1316,87
Hamburg14,7332,0021,7719,8411,65
Niedersachsen21,2734,8815,1813,5715,10
Bremen10,4730,9920,5528,739,26
Nordrhein-Westfalen12,1430,8616,6319,9020,47
Hessen12,7430,6914,9825,0116,58
Rheinland-Pfalz15,1437,9023,2214,149,60
Baden-Württemberg15,8326,7212,1811,3933,89
Bayern18,1235,2613,7012,3720,56
Saarland17,1632,7516,7616,2117,12
Berlin19,2933,5412,0915,8519,23
Brandenburg17,0441,5511,0211,5818,82
Mecklenburg-Vorpommern15,5229,349,8127,2018,13
Sachsen16,2731,9214,2822,3515,18
Sachsen-Anhalt18,5328,5312,6016,9322,97
Thüringen16,9636,1223,6223,959,34

Tabelle 1: Bedeutung der ökologischen Nachhaltigkeit in Unternehmen unterteilt nach Bundesländern

Erhebliche Differenzen nach Wirtschaftszweigen

Auch die Auswertung nach Wirtschaftszweigen ist aufschlussreich (siehe Abbildung 2). Sie zeigt, dass Nachhaltigkeit vor allem in der Land- und Forstwirtschaft einen hohen Stellenwert hat. In über 80 Prozent der Betriebe ist der Nachhaltigkeitsgedanke hier etabliert. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes, in dem insgesamt knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen Nachhaltigkeit für wichtig oder sehr wichtig halten, sticht insbesondere die Chemische Industrie heraus (80,5 Prozent). Die oft im Mittelpunkt der politischen Debatte stehende Automobilindustrie bewegt sich mit 55 Prozent in etwa im Mittelfeld aller befragten Unternehmen.

Im Dienstleistungssektor wird der Nachhaltigkeit dagegen ein vergleichsweise geringer Stellenwert eingeräumt. Nur etwas weniger als 50 Prozent der Unternehmen räumen ökologischer Nachhaltigkeit einen wichtigen Stellenwert ein. Zudem war der Anteil, der keine Angaben zu dem Thema machte, mit etwa einem Fünftel relativ hoch. Ausnahmen innerhalb der Dienstleistungen sind der Einzelhandel und der Kfz-Handel, wo 58 Prozent bzw. 63 Prozent der Unternehmen ökologische Nachhaltigkeit als wichtig bezeichnen. Möglicherweise spielen auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Kundenbedürfnisse in diesen Wirtschaftsbereichen eine besonders wichtige Rolle.

Abbildung 2: Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit nach Sektoren Bild vergrößern

Abbildung 2: Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit nach Sektoren

© IAB-Betriebspanel 2018, eigene Berechnung

Schlussfolgerungen

Für die Bundesregierung ist die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung (Nachhaltigkeit) grundlegendes Ziel und Maßstab des Regierungshandelns. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sind valide Daten unverzichtbar – die aktuelle Befragung im Rahmen des IAB-Betriebspanels liefert dafür eine erste gute Grundlage und mögliche Anknüpfungspunkte.

Die ersten Auswertungen zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit bereits jetzt in vielen Betrieben einen hohen Stellenwert genießt. In der Zukunft können die Daten genutzt werden, um eine Reihe weiterer interessanter Fragestellungen zu untersuchen, beispielsweise eine vertiefte Analyse regionaler Unterschiede. Durch die Nutzung der Daten auf Mikroebene könnte etwa der Zusammenhang zwischen Profitabilität und Nachhaltigkeit untersucht werden. Zudem deuten die ersten Ergebnisse darauf hin, dass nachhaltige Unternehmen häufiger als andere Schwierigkeiten haben, Fachpersonal zu finden. Auch dieser auf den ersten Blick widersprüchliche Befund bedarf einer näheren Untersuchung. Die Wissenschaft ist herzlich eingeladen, Fragen der Nachhaltigkeit mithilfe dieser neuen Datenbasis zu analysieren.

Der zunächst auf Probe eingeführte Fragenkomplex sollte dauerhaft in das IAB-Betriebspanel einfließen. Änderungen im Zeitablauf könnten dann zu einem wichtigen Indikator in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie werden.

Kontakt: Thomas Zuleger
Referat: Geschäftsstelle Ressortkoordination
Nachhaltigkeit

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[1] Lutz Bellmann, Theresa Koch: Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen (Veröffentlichung voraussichtlich 2019).
[2] In späteren Fragen wird teilweise auf den Branchenvergleich verzichtet.

Weiterführende Informationen

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