Mit dem Wirtschaftsnetzwerk Afrika unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie deutsche Unternehmen beim Markteintritt

Afrikas Volkswirtschaften wachsen überdurchschnittlich, die Chancen für deutsche Firmen sind vielfältig – dennoch wagen immer noch vergleichsweise wenige deutsche Mittelständler den Schritt auf den südlichen Kontinent. Mit dem neuen Wirtschaftsnetzwerk Afrika wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Unternehmen künftig noch stärker dabei unterstützen, Geschäftschancen zu nutzen, und den Markteintritt aktiv begleiten. Was dahinter steckt – und wie deutsche Unternehmen von den Angeboten profitieren können.

Wirtschaftsnetzwerk Afrika

© FrankRamspott

Die afrikanischen Volkswirtschaften sind 2018 durchschnittlich um 3,5 Prozent gewachsen. Entscheidend für ein nachhaltiges Wachstum und einen dauerhaften Anstieg der Beschäftigung sind vor allem ein Ausbau des internationalen Handels und ein deutlicher Anstieg an Investitionen. Für deutsche Unternehmen bieten sich vielfältige Möglichkeiten, ihre Expertise in Afrika einzubringen und Geschäftschancen zu nutzen. Dennoch zögern viele deutsche Mittelständler nach wie vor, den Schritt nach Afrika zu wagen – zu riskant sei das Unterfangen, zu unsicher die Finanzierung von Projektvorhaben. Der Markteintritt in Länder außerhalb Afrikas ist für Unternehmen oft einfacher und naheliegender. Hier ist auch die Politik gefragt: Laut einer Umfrage von Germany Trade & Invest wünschen sich deutsche Unternehmen unter anderem eine stärkere politische Flankierung von Projekten und mehr politische Präsenz der Bundesregierung in Afrika1.

Lücken füllen, Synergien nutzen

Um Unternehmen künftig noch besser beim Markteintritt zu unterstützen, baut das BMWi seit Anfang des Jahres 2019 das Wirtschaftsnetzwerk Afrika auf. Ziel dieses Netzwerkes ist es, die etablierten Akteure der deutschen Außenwirtschaftsförderung noch enger zu vernetzen und Unternehmen dadurch ein gebündeltes Unterstützungsangebot mit maßgeschneiderten Beratungsinstrumenten anzubieten.

Akteure bzw. institutionelle Elemente des Wirtschaftsnetzwerkes sind zum Beispiel die Auslandshandelskammern, die bundeseigene Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI), das BMWi-Markterschließungsprogramm, die Exportinitiativen des BMWi sowie auf Afrika fokussierte Verbände, Vereine und staatlich geförderte Einrichtungen sowie die deutschen Auslandsvertretungen. Für den Aufbau des Wirtschaftsnetzwerks wurde im BMWi für ein Jahr eine Task Force eingesetzt. Im zweiten Halbjahr 2019 wird im BMWi eine Geschäftsstelle zur Koordinierung der Aufgaben des Wirtschaftsnetzwerks eingerichtet.

Mit der Gründung des Wirtschaftsnetzwerks trägt das BMWi zur Umsetzung des von Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 30. Oktober 2018 angekündigten Entwicklungsinvestitionsfonds (EIF) für Afrika bei. Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika bildet dabei die dritte Säule dieses Fonds. Die erste Säule ist AfricaConnect, ein durch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) verwalteter Fonds zur Finanzierung deutscher Investitionen in Afrika. Mit dem Fonds AfricaGrow – der zweiten Säule des EIF von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden afrikanische Unternehmen finanziell unterstützt.

Wie profitieren Unternehmen vom Wirtschaftsnetzwerk?

Mit dem Wirtschaftsnetzwerk Afrika unterstützt das BMWi deutsche Unternehmen dabei, konkrete Geschäftschancen in Afrika zu identifizieren und zu prüfen. Berücksichtigt werden Faktoren wie die allgemeine Marktentwicklung, politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie das Wettbewerbsumfeld vor Ort. Auf Basis der ermittelten Opportunitäten werden Unternehmen gezielt auf Geschäftschancen in Afrika aufmerksam gemacht. Neu ist, dass das Wirtschaftsnetzwerk direkt auf Unternehmen zugeht und sein Beratungs- und Unterstützungsangebot pro-aktiv anbietet. Es steht Unternehmen zudem offen, sich eigeninitiativ mit Geschäftsideen an das Wirtschaftsnetzwerk Afrika zu wenden.

Interessierten Unternehmen bietet das Netzwerk eine Erstberatung zu Maßnahmen der Außenwirtschaftsförderung und der Entwicklungszusammenarbeit an. Bei Bedarf werden die Unternehmen für eine vertiefte Beratung an andere Stellen weitergeleitet, zum Beispiel zur Projektfinanzierung, zu Business-Case-Berechnungen sowie zu Zoll- und Rechtsfragen. Auch Markterkundungs- oder Geschäftsanbahnungsreisen nach Afrika mit Kontaktvermittlung vor Ort sind Teil des Angebots.

Über den gesamten Beratungsprozess hinweg stellt das BMWi Unternehmen einen dauerhaften Ansprechpartner aus der Geschäftsstelle des Wirtschaftsnetzwerks Afrika an die Seite. Diese sogenannten „Afrika-Partner“ begleiten die Unternehmen von der Projektidee bis zur Umsetzung des Vorhabens und darüber hinaus und stellen sicher, dass sich die Unternehmen zu jedem Zeitpunkt gut beraten fühlen und die verschiedenen Förderinstrumente und -maßnahmen bestmöglich nutzen können.

Der regionale Fokus des Wirtschaftsnetzwerks liegt auf den derzeit zwölf Ländern des Compact-with-Africa (CwA): Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Im Sommer 2019 startet die Initiative mit drei Pilotprojekten in Äthiopien (Textil-, Bekleidungs- und Ledersektor), Ghana (Lebensmittelverarbeitungstechnik und -logistik) und Marokko (Gesundheitswirtschaft). Im Rahmen der Pilotierung werden Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in den drei genannten Regionen identifiziert und geprüft. Passende Unternehmen werden vom Wirtschaftsnetzwerk angesprochen, über die Zielmärkte und -branchen informiert sowie umfassend hinsichtlich einer möglichen Investition beraten. Begleitete Geschäftsanbahnungsreisen in die drei Länder runden das Angebot ab.

Netzwerkpartner werden gestärkt

Im Rahmen des Netzwerkes werden nicht nur die projektbezogenen Beratungsangebote gestärkt, sondern auch die grundlegende Beratungs- und Unterstützungsstruktur der vom BMWi geförderten Partner des Wirtschaftsnetzwerkes erweitert. In Afrika wird das Netz der Auslandshandelskammern (AHK) ausgebaut. Noch 2019 sollen neue AHK-Standorte in Äthiopien und in Côte d’Ivoire entstehen. Länderübergreifende Branchenkompetenzzentren und Regionalmanager für ausgewählte Länder, in denen es keinen AHK-Standort gibt, ergänzen das Beratungsangebot zusätzlich.

Auch die GTAI baut ihre Präsenz in Afrika mit zwei neuen Standorten in Marokko und Côte d’Ivoire sowie mit drei zusätzlichen Reisekorrespondenten aus. Die Beratungskompetenz im Inland wird unter anderem durch einen virtuellen Africa Business Guide erweitert, den die GTAI im Auftrag des BMWi zurzeit erstellt (die Seite www.africa-business-guide.de befindet sich im Aufbau). Der Africa Business Guide dient Unternehmen als erste digitale Anlaufstelle für Wirtschaftsfragen rund um Afrika. Er wird unter anderem Auskunft zu aktuellen Entwicklungen und wichtigen Branchen in den jeweiligen Ländern geben. Außerdem werden wichtige Rechts- und Zollfragen adressiert und Expertenmeinungen wiedergegeben. Als Partnernetzwerk bietet der Guide darüber hinaus einen kompakten Überblick zu den Unterstützungs- und Förderangeboten der deutschen Außenwirtschaftsförderung.

Auch im Markterschließungsprogramm legt das BMWi 2019 einen starken Fokus auf Afrika: Es werden insgesamt 30 Afrika-Projekte durchgeführt; doppelt so viele wie im Vorjahr. Zusätzlich wird das Auslandsmesseprogramm (AMP) des Bundes in Afrika erweitert. Mit zusätzlichen Mitteln aus der Afrika-Initiative konnten 34 Messebeteiligungen für 2019 in das AMP aufgenommen werden (2018: Beteiligungen an 14 Messen). Das BMWi engagiert sich damit insgesamt bei Messen in 16 Staaten auf dem afrikanischen Kontinent.

Erweiterung der Export- und Investitionsgarantien

Die Bundesregierung hat darüber hinaus die Konditionen der staatlichen Exportkredit- und Investitionsgarantien verbessert. Bei den Exportkreditgarantien wurden für Geschäfte mit öffentlichen Bestellern unter anderem in Côte d’Ivoire, Senegal und Benin die Schadens-Selbstbehalte von Unternehmen von zehn auf fünf Prozent gesenkt. Bei ausreichenden Reformfortschritten sollen weitere afrikanische Länder einbezogen werden.

Bereits im Jahr 2018 konnte eine Steigerung des Deckungsvolumens in Afrika erreicht werden: Für Lieferungen und Leistungen wurden Exportkreditgarantien in Höhe von 1,8 Milliarden Euro (2017: 1,1 Milliarden Euro) übernommen. Damit stieg das Deckungsvolumen deutlich. Der Anteil Afrikas am gesamten Deckungsvolumen erhöhte sich damit auf neun Prozent (2017: 6,3 Prozent).

Bei den Investitionsgarantien kann der Selbstbehalt von Unternehmen bei geeigneten Projekten in den Ländern des Compact-with-Africa künftig von fünf auf 2,5 Prozent gesenkt werden. Zudem entfällt bei Export- und Investitionsgarantien für CwA-Länder künftig die Antragsgebühr für bestimmte Geschäfte.

Unternehmen, die sich über das Wirtschaftsnetzwerk Afrika informieren möchten, Anregungen haben oder sich für eine Teilnahme an einem der Pilotprojekte interessieren, können sich bei der Task Force Wirtschaftsnetzwerk Afrika melden.

Kontakt:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Referat Außenwirtschaftsförderung
Task Force Wirtschaftsnetzwerk Afrika
Scharnhorststr. 34–37, 10115 Berlin
Tel: 030-18 615-6344
www.bmwi.de
wirtschaftsnetzwerk-afrika@bmwi.bund.de

Kontakt: Jenny Eberhardt
Referat: Außenwirtschaftsförderung, Task Force
Wirtschaftsnetzwerk Afrika

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[1] Studie „China in Afrika“, Ausgabe 2018, Herausgeber: Germany Trade & Invest.

Der Entwicklungsinvestitionsfonds für Afrika der Bundesregierung

  1. Säule – AfricaConnect (BMZ):
    Fonds zur finanziellen Förderung deutscher Investitionen in Afrika durch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)
  2. Säule – AfricaGrow (BMZ):
    Fonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Unterstützung afrikanischer Unternehmen
  3. Säule – Wirtschaftsnetzwerk Afrika (BMWi):
    Partnernetzwerk der Akteure der deutschen Außenwirtschaftsförderung mit maßgeschneiderten Unterstützungsangeboten für deutsche Unternehmen www.bmwi.de