Dr. Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz

Dr. Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz

© BMWi / Susanne Eriksson

Das beste am Reden ist, dass man die Maske abnehmen kann. Lieber Herr Minister – sagt man jetzt Minister a. D. Peter Altmaier, liebe Frau Grunewald, liebe scheidenden und kommenden Staatssekretäre, liebe Frau Robert, sehr geehrter Herr von Böhmer und die Vertreter der Jugend- und Ausbildungsvertreterinnen, liebe Kolleginnen in Berlin und in Bonn. Ich weiß gar nicht, in welche Kamera ich gucken soll, das muss irgendwo ja übertragen werden. Kann mal einer winken? Ah, da. Ins rote Licht, also sehr geehrte Damen und Herren in den verschiedenen Standorten in Bonn und in Berlin, sehr geehrte Damen und Herren, die in den klassischen Bereichen des Hauses in der Wirtschaftspolitik unterwegs und diejenigen, die in den Energie- und Klimaabteilungen arbeiten, eben vor allem liebe Damen und Herren, die aus dem BMU jetzt mit der Verstärkung des Klimaschutzes zu diesem Haus kommen, ich bin geehrt und freue mich gleichzeitig, hier reden zu dürfen, mich vorstellen zu dürfen, einen Teil meines Teams vorstellen zu dürfen und vielleicht drei, vier Sätze sagen zu dürfen zu dem, was uns erwartet.

Vor allem möchte ich sagen, dass wir dann ab jetzt Kollegen sind. Ich weiß, klar, es gibt Staatssekretärinnen und Staatssekretäre und es gibt einen Minister und es gibt Referentinnen und Referenten, es gibt Auszubildende – aber Kollegialität in einem normativen Sinn heißt, dass wir es gemeinsam machen müssen, dass wir aufeinander hören müssen, den Teamgedanken, den Frau Grunewald eben dargestellt hat, leben müssen. Und das ist mein fester Vorsatz, es zumindest zu probieren und das Haus so zu führen, dass wir die unterschiedlichen Sichtweisen zusammenführen zu einer neuen gemeinsamen Stärke. Es wird ein paar formale Veränderungen geben, die ich mir ausgedacht habe, vor allem will ich sagen, dass ich ein Minister sein möchte, der immer ein offenes Ohr hat, ein offenes Ohr für die politischen und sofern das möglich ist bei 2.300 Kolleginnen und Kollegen, auch persönlichen Anliegen, und da, wo ich nicht erreichbar bin, wird es Menschen geben, die das dann für mich aufnehmen können. Ein offenes Ohr heißt aber eben auch, dass jemand sprechen muss, sonst ist das Ohr quasi taub. Und deswegen, hoffentlich wird es so kommen und Sie werden es erleben, werden Rücksprachen, das Gespräch, die Debatte im Ministerbüro und am Ministertisch am Ende das entscheidende Steuerungs- und Lenkungsinstrument des Wirtschafts- und Klimaschutzministeriums werden.
Ich weiß, dass ich der erste grüne Minister bin, der hier redet, und dass das Haus eine lange, ehrwürdige Tradition hat, die immer von verschiedenen politischen Farben auch mitgeprägt wurde. Ich will für mich sagen, dass Parteizugehörigkeit und Mitgliedschaft an sich erst einmal etwas Gutes ist. Bei aller politischen Debatte, die die Parteien miteinander haben, es zeugt ja davon, dass Menschen bereit sind, für ihre Kommune, für ihr Land, für ihre Stadt Verantwortung zu übernehmen, für ihre Überzeugungen und ihre Ideen Namen, Zeit, Energie herzugeben. Insofern spielt Parteimitgliedschaft für mich überhaupt gar keine Rolle, auf gar keinen Fall eine negative Rolle. Ich würde gerne hoffen, dass Sie Ihre Erkenntnisse, Ihre Voreinstellungen, Ihre Werte und Normen sogar nutzen in diesen Gesprächen, die wir führen werden, Ihre Meinung nicht hinter dem Berg zu halten. Widersprechen Sie mir. Sagen Sie mir, was Sie denken. Suchen Sie den Diskurs, so wie ich Ihnen widersprechen werde und Ihnen irgendwann mit meinen Fragen auf die Nerven gehen werde, und dann soll das bessere Argument gewinnen, nur geschlagen von dem noch besseren. So würde ich es gerne handhaben und so würde ich Kollegialität gerne leben.

Wenn es gelingt, dann ist Kollegialität der Sammelbegriff für Loyalität, für Integrität und für das Einstehen füreinander. Umgekehrt, so offen wir miteinander diskutieren wollen und den besten Weg suchen, würde ich darum bitten, dass nach außen wir geschlossen agieren, dass das, was Politik und auch ein Ministerium manchmal so unattraktiv macht, das Schlecht-übereinander-Reden, das Durchstechen nicht passiert. Die Offenheit nach innen und die Loyalität nach außen, das soll das Markenzeichen der nächsten vier Jahre werden und ich werde versuchen, meinen Beitrag dafür zu leisten, so gut ich es eben kann.

Ich weiß liebe Frau Robert, dass ich als grüner Minister und Herr Altmaier hatte noch mal mahnende Worte auf den Weg gegeben, besonders hohe Erwartungen zu erfüllen habe, was Gleichstellung angeht. Und ich will mich dieser Verantwortung stellen. Ich will die sieben Prozent mindestens schaffen, der Anteil von Frauen in Führungspositionen soll weiter gesteigert werden und ich weiß, dass das nicht nur Worte sein können, sondern diesen Worten auch Taten folgen müssen.

Sehr geehrte Damen und Herren, ein bisschen, ich habe es angesprochen und die Kolleginnen, die jetzt zu Ihnen kommen werden, stehen schon ein bisschen dafür, werde ich versuchen, die Leitungsebene umzustrukturieren. Ich bringe ein bisschen die Erfahrung mit, die ich in Schleswig-Holstein, als ich sechs Jahre lang dort Minister war, gesammelt habe. Neben den Staatssekretärinnen und Staatssekretären, die hier sitzen – ich weiß gar nicht, das können Sie jetzt vielleicht nicht sehen, aber ich kann sie sehen, die parlamentarische Staatssekretärin Franziska Brantner, Michael Kellner und Oliver Krischer sitzen hier und wenn von da aus eine Kamera käme, würden Sie sie sehen - sonst finden Sie die bestimmt auf irgendwelchen Homepages bald, und die kommenden verbeamteten Staatssekretärinnen und Staatssekretäre Anja Hajduk für den Bereich Z und Anja Hajduk wird auch gleichzeitig die Schnittstelle für die grüne Regierungsarbeit gegenüber dem Kanzleramt darstellen, Udo Philipp für die Bereiche Außenwirtschaft, Industrie und Digitalisierung, Sven Giegold für die Bereiche Europa, Mittelstand und Wirtschaftspolitik, und Patrick Graichen für die Energie- und Klimaschutzbereiche, sie werden das genauso leben, wie ich es eben gerade skizziert habe. Wir werden darüber hinaus die Kommunikationsabteilung aus der Linie, aus der L-Abteilung rausholen, und sie wird von Nicola Kabel als Stabsstelle geleitet werden, gleichzeitig als Sprecherin des Ministers, und Robert Heinrich sitzt hier, der auch die Koordinierungsreferate aus der Linie rausholen wird, sodass wir dann eine Art Ansprechstelle, Schnittstelle für das ganze Haus sind und so ist es gedacht, dass wir aus der Leitungsebene durchlässig mit dem Haus kommunizieren und eine Nahbarkeit dann auch in der formalen Struktur schaffen.

Ich freue mich, dass das Ministerbüro in den – ich nehme an für Sie bewährten – Händen von Nora Habib-Sadek weitergeleitet wird und ich auf dem Team aufbauen kann, das Peter Altmaier um sich gesammelt hat, sodass Sie auch sehen, dass hier keine Bilderstürmer kommen, sondern dass wir mit den Erfahrungen, die wir mitbringen, mit den politischen Programmen, die wir mitbringen, auf der Substanz, auf der ... auf dem Kenntnisreichtum, auf der Erfahrung des Hauses aufbauen wollen. Wir werden sicherlich weitere Schritte gehen, aber es sind ... sollen lernende Schritte sein. Die Abteilung L soll meiner Vorstellung nach zu einer Transformationspolitik-Abteilung weiterentwickelt werden. Ein paar Stellen, die ich als Vizekanzler mit in dieses Haus bringe, sollen nicht nur alleine der Leitungsebene zur Verfügung gestellt werden, sondern dem Haus als Ganzes, sodass diese Abteilung Transformationspolitik dann ein Bindeglied sein kann zwischen den klassischen Energie- und Klimaschutzabteilungen und den klassischen Wirtschafts- und industriepolitischen Abteilungen, aber gleichzeitig auch eine Art Übersetzungsabteilung in die gesellschaftliche Wirklichkeit sein soll oder zumindest werden kann, denn wir wissen ja, dass die Transformation natürlich erst mal als politisches Projekt gut zu beschreiben ist, ich gehe gleich noch mal ein bisschen darauf ein, aber in der gesellschaftlichen Realität natürlich ganz andere Fragen aufwirft. Das, was in Gesetzesentwürfen oder in Förderprogrammen gut aussieht, kann in bestimmten Regionen, Branchen, im ländlichen Raum zu elementaren Verwerfungen führen, kann soziale Fragen nach sich ziehen. Diese Fragen mitzubearbeiten, erscheint mir Grundbedingung des Erfolges zu sein für das, was wir gemeinsam in den nächsten vier Jahren und vielleicht ein bisschen darüber hinaus hinbekommen können. Ich weiß nicht, wer von Ihnen Skat spielt, aber beim Skat gibt es im Grunde zwei Typen von Skatspielerinnen oder Skatspielern, die einen können immer nur Grand, von oben herab, zack, die Buben, dann die Ässe, und die anderen gehen über die Dörfer, buchstäblich, sammeln erst die Karten ein und dann am Ende holt man den Erfolg rein. Ich glaube, dass die große Transformation, vor der wir stehen, ein Über-die-Dörfer-Gehen bedeutet, und zwar im buchstäblichen Sinne: Mit den Menschen reden, mit den Sozialpartnern, mit den Verbänden, mit den Umweltverbänden in das Gespräch kommen und diese politische Kultur auch zu leben. Dahin müssen wir kommen und das, was ich mitbringen kann, ist vielleicht diesen Weg ein Stück weit mit zu ebnen und das ist der Vorsatz, der sich dann auch über die Umgruppierung hoffentlich materialisiert und erweisen wird.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Transformation der größten Industrienation Europas, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt Richtung Klimaneutralität ist bei all den Krisen, die wir gegenwärtig zu bestehen haben, die wir sehen und die die deutsche Wirtschaft so hart getroffen ... hat. Und ich kann nur noch einmal danke sagen, wie schnell dann auch dieses Haus die Wirtschaftsprogramme, die Unterstützungsprogramme, die Überbrückungshilfen aufgestellt ... haben. Das hat halt viele Betriebe – und Betriebe ist schon wieder so ein politischer Begriff – vielen Menschen den Ruin erspart, hat Arbeitslosigkeit verhindert, hat dafür gesorgt, dass die wirtschaftspolitische Substanz in Deutschland erhalten geblieben ist. Darüber hinaus allerdings ist die Transformation der großen industriellen Kraft Deutschlands Richtung Klimaneutralität sicherlich die große strukturelle Aufgabe unserer Zeit, die große strukturelle Aufgabe dieser Partei und dieser Legislatur, aber darüber hinaus dieses Jahrzehnts. Und wo findet sie statt? Wo bündeln sich die Energien, wo bündeln sich aber auch oder wo treffen auch die Widersprüche aufeinander? Hier in diesem Ministerium, in diesem Haus. Das wird Debatten nach sich ziehen. Es ist aber auch eine wahnsinnige Chance, aufsetzend auf der ehrwürdigen Tradition dieses Hauses. Hier, wo die soziale Marktwirtschaft in Deutschland durchgesetzt wurde und damit der Wohlstand dieser Republik erfunden und geschaffen wurde, diese ordnungspolitischen Leitplanken weiterzuentwickeln und aus der sozialen eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft zu schaffen, das wird die große Aufgabe unserer Zeit sein.

Das ist eine doppelte Verantwortung, die damit einhergeht, erstens das Projekt zu bestehen und zweitens die ökonomischen Prozesse so zu denken, dass nur das Rechnen der Summen am Ende nicht den Erfolg bringen wird. Wenn man Verluste und Gewinne zusammenzieht und die Zahl im Schwarzen landet, dann galt das ökonomisch häufig als erfolgreiche Wirtschaftspolitik. Wir wissen aber heute aus der Ökonomie, aus der Wirtschaftswissenschaft, aber wir wissen es eigentlich aus dem Privaten selbst, dass Menschen teilhaben wollen am Erfolg, erfolgreich sein wollen und dass dieses Erfolg-haben-Wollen die Bedingung dafür ist, dass ökonomische Transformation insgesamt nur gelingen kann. Wir haben dafür in dem Koalitionsvertrag ein paar Vorkehrungen getroffen, das Zusammenlegen von Klimaschutz-, Energie-, Wirtschafts- und Mittelstandspolitik ist eine davon. Die andere ist, dass die Investitionen in Deutschland auch durch öffentliche Investitionen noch einmal gehebelt werden sollen. Wir werden in den nächsten Jahren ein großes Investitionsvolumen an öffentlichem und an privatem Geld stemmen müssen, ja lostreten müssen. Politisch haben wir dafür einen Klima- und Transformationsfonds geschaffen, der mit vielen Milliarden aufgeladen ist und dann die Möglichkeit zur Verfügung stellt, dass das, was Politik, was der Staat leisten sollte, nämlich infrastrukturelle Voraussetzungen zu schaffen für Transformation, auch gewährleistet werden kann. Wir werden es also strukturieren müssen, hier in diesem Haus. Wir müssen dafür sorgen, dass das Geld einen Hebel hat, dass tatsächlich dann die ökonomischen Prozesse in den Gang kommen.

Dazu die große Transformation des industriellen oder des energiepolitischen Sektors, der Ausstieg, noch einmal beschleunigt, aus der Kohle, der Ausbau von erneuerbaren Energien, dann die Verkoppelung der Stromproduktion, der erneuerbaren Stromproduktion mit den anderen Sektoren, mit der Industrie, das wird im Kern die Arbeit der nächsten vier Jahre sein neben all den konkreten einzelnen Fragen, Krisen und Programmen, die gemeldet wurden. Ich habe in die Bücher reingeschaut. Ich weiß, wie breit die Aufgabe des Hauses ist, aber gemessen wird am Ende die große historische Aufgabe an dem Gelingen dieses Projektes und alle anderen Projekte, die wir haben, werden reinspielen in diese große Transformationsaufgabe.

Wenn ich das politisch, wirtschaftspolitisch umreißen soll, dann würde ich das, was wir vorhaben, einen idealistischen Pragmatismus nennen. Idealistisch, weil es natürlich eine Zielvorgabe gibt und, das darf ich sagen, eine sehr hochgesteckte Zielvorgabe. Peter Altmaier hat es eben gerade gesagt und hat es auf seine besondere Art in einer Ehrlichkeit ausgesprochen, die politisch einfach ungewöhnlich ist. Lieber Peter Altmaier, Sie sagten „wir waren damals noch nicht so weit“, die amtierende Bundesregierung war noch nicht so weit zu sehen, wie dringlich die Aufgabe von Klimaneutralität ist und dann mit Anlaufschwierigkeiten haben wir die Gesetze dann nachgeschärft. Nun sind die Gesetze da und sie sind jetzt schon, ohne dass die Zahlen nachgeschärft wurden, und Sie wissen, dass einige Kritiker sagen, das reicht alles noch nicht, um auf den 1,5-Grad ... zu kommen, sie sind natürlich jetzt schon immens. Bis 2030, so sagt es das Gesetz, das die Große Koalition verabschiedet hat, müssen die CO2-Emissionen auf 65, minus 65 Prozent gesenkt werden, und 2040 dann minus 88 Prozent. Das heißt, das ist fast alles. Das sind 90 Prozent und die zehn Prozent machen den Kohl am Ende nicht fett. Gut, wenn wir sie auch haben, aber die 90 Prozent, die sind entscheidend dafür, dass wir die Klimaneutralität erreichen können in knapp 18 Jahren. In knapp18 Jahren, die wir Zeit haben. Und das ist, wie Sie alle wissen, politisch im Grunde morgen. Deswegen brauchen wir den Idealismus, dass es gelingen kann. Wir brauchen aber vor allem auch ein pragmatisches Vorgehen, nicht ein dogmatisches Vorgehen. Ich will für mich und für die kommenden oder jetzt schon berufenen Staatssekretärinnen und Staatssekretäre sagen, dass die ideologische Debatte nicht die Handschrift der nächsten vier Jahre werden soll, sondern der Erfolg, der Output, das, was umsetzungsstark ist, das soll gemacht werden. Und die Instrumente müssen so gemixt werden, dass wir möglichst erfolgreich sind an der Stelle. Deswegen halte ich Debatten darüber, ob es mehr oder weniger Staat geben soll, ob mehr reguliert oder dereguliert werden soll, eigentlich für Fehl am Platze. Die sind natürlich interessant. Aber am Ende ist das das richtige Instrument, das zum möglichst großen Erfolg führt, dass das Geld, das große Geld, das bereitgestellt wird, verausgabt wird, dass wir schneller planen, schneller bauen, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Land noch einmal erhöhen. Denn die Wettbewerbsfähigkeit, das ist die Tradition dieses Hauses, und sie ist die Bedingung dafür, dass wir erfolgreich sein können, die Kreativität der Märkte. Den Mut, was Neues zu wagen, dass Können belohnt wird, dass große Industrieunternehmen sich wandeln, dass neue Unternehmen in Konkurrenz durchaus zu den großen wieder an dem Markt erstehen, das hat dieses Land stark gemacht, ein hochkompetitiver Wettbewerbsraum, den zu schaffen, das wird die deutsche Volkswirtschaft, das wird die europäisch Wirtschaft stärken. Dafür allerdings braucht es natürlich dann, sonst wäre es kein idealistischer Pragmatismus, klare Zielvorgaben, klare Rahmenbedingungen und das wiederum wird hier geleistet werden müssen. Das, was den Erfolg bringt, die große Krise unserer Zeit zu bewerkstelligen, kleiner zu machen bzw. zu überwinden, das wird belohnt werden müssen an den Märkten und entsprechend der Wandel von der sozialen zur ökologisch-sozialen Marktwirtschaft, die externalisierten Kosten nicht als heimliche Gewinne in den Unternehmen zu lassen, sondern durch Regeln oder Bepreisung dafür zu sorgen, dass sich die ganze Kreativität des Marktes dem Ziel der Klimaneutralität richtet und so wir Prosperität, Reichtum, Wohlstand mit dem Schutz der planetaren Grenzen verbinden können. Wenn wir das schaffen, werden wir gemeinsam Geschichte schreiben. Dann werden wir Geschichte geschrieben haben. Und wenn wir dann im Jahr 2040 zurückblicken und tatsächlich sagen, Deutschland ist in den Jahren des Anlaufs der letzten Legislatur und dann mit dieser Legislatur tatsächlich den großen Schritt gegangen, hat gezeigt, wie eine große Volkswirtschaft gleichzeitig aus Atom- und Kohlestrom aussteigen kann, und trotzdem die Märkte der Zukunft erfolgreich mitbespielen kann, Wohlstand und gute Arbeit im Land gehalten wurden, das erfolgreich zu bestehen, das wird dann tatsächlich ein kleiner Schriftzug in dem Geschichtsbuch dieser Republik sein, an dem wir dann schreiben können.

Sehr geehrte Damen und Herren, diese Erneuerung des Wettbewerbsgedankens, dieses Sich-auf-einen-Instrumentenmix-Einlassen, das wird unsere Arbeit prägen. Wir sind darauf angewiesen, ich bin darauf angewiesen, dass Sie mit Ihrer Kenntnis, mit Ihrem Wissen, mit Ihrem Idealismus, aber auch mit Ihrem Pragmatismus mir helfen, uns helfen, diesen Weg zu gehen.

Peter Altmaier hat es angesprochen und es wird irgendwann vielleicht wie eine kleine persönliche Legende zwischen uns sein: Ein heißer Sommertag im Jahr 2012 in Friedrichskoog, wo wir uns kennenlernten, er war damals Umweltminister, brach auf in eine Klimaschutztour durch Deutschland und da Friedrichskoog ... gut, ich wohne in Flensburg, für mich ist das schon fast Süden, aber für alle Menschen südlich der Elbe gehört das zum echten Norden, im Norden liegt begann seine Reise dort. Und wir diskutierten dort, was energiepolitisch notwendig ist, welche Chancen damals mein Bundesland, aber auch Deutschland hat, aber welche Herausforderungen dann dort auch passierten oder vor uns lagen. Jetzt, Herr Altmaier, zehn Jahre später scheiden Sie aus einem Amt aus, Frau Grunewald hat es gesagt, nach 27 Jahren in der Politik. 1994 als Bundesminister gewählt, dann in drei Ministerien politische Verantwortung übertragen und das mittlere Ministerium war das Kanzleramt in einer Zeit, wo Deutschland die 2015er-, 16er-Jahre politisch bestehen musste in einer politischen Aufheizung wie seit der deutschen Wiedervereinigung wahrscheinlich noch nicht gewesen, und hoffentlich angesichts der Corona-Pandemie nicht wieder passieren werden. Sie haben die Verantwortung getragen und, das darf ich als Politiker einer Partei sagen, die damals in der Opposition war, sagen: Sie haben sie grandios gemeistert in einer Zeit, wo die politische Nervosität so groß war, dass teilweise Kompass und Ordnung verlorengegangen sind, wo Wertevorstellungen und vielleicht auch das normative Korsett dieser Republik unter dem Populismus drohten übergewalzt zu werden, haben Sie, auch Sie als Person zusammen mit der Bundeskanzlerin Kurs und Richtung gehalten. Sie haben also diesem Land viel gegeben. Sie haben Deutschland gedient, wie es die Bundeskanzlerin mal gesagt hat, und scheiden jetzt aus diesem Amt aus. Vielleicht nachdenklich, wie ich Sie kennengelernt habe, und was Sie als Mensch besonders macht und auch zu einem besonderen Politiker gemacht hat, vielleicht auch ein bisschen ermüdet und erschöpft nach all den Jahren, wer würde es verdenken, aber hoffentlich auch mit einer Perspektive, dass die Zeit, die vor Ihnen liegt, eine gute wird. Sie haben mir ein Buch überreicht, das ich in meinen schlaflosen Nächten vielleicht wieder zum Schlaf finde. Ich habe Ihnen auch ein Buch mitgebracht, ich habe es jetzt auf Englisch genommen, es heißt auf Deutsch 1493, die Welt, die Kolumbus kreierte oder schuf. Mit dem besonderen Hintergedanken: Erstens ist es eines der besten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe, und zweitens handelt es eben von der Welt, die Kolumbus nicht entdeckte, sondern schuf. Die Entdeckung von Amerika war keine Entdeckung von Amerika, sondern sie war der Beginn der Globalisierung und sie war eine veränderte Welt, die danach entstanden ist. Jeder Schritt, den wir tun, und den auch Sie jetzt in dem nächsten Lebensabschnitt tun werden, wird zu einer Veränderung führen, insofern ein spannendes Buch in der Sache, aber eben auch ein Gedanke oder ein Festhalten dessen, was jedes Tun, das wir bewerkstelligen, auslöst mit der Welt. Und dann habe ich Ihnen mitgebracht, ich weiß gar nicht, ist wahrscheinlich ein bisschen albern, aber vielleicht passt es zu Ihrer Freiheit, ich weiß gar nicht, ob Sie so was tragen würden, aber als wir uns in Friedrichskoog trafen, schloss sich an die politische Diskussion über Energie und Klimapolitik eine kleine Wattwanderung an. Und wenn man dort oben an der Küste lebt und ein bisschen im Watt unterwegs ist, gibt es ja so ein großes ökologisches Problem neben der Klimaveränderung, das sind die ganzen Plastikmülleinträge, die es dort gibt. Und es gibt jetzt eine kleine Initiative, die aus den Fischernetzen – wenn man denkt, Fischernetze, was soll mir das denn – es ist wirklich so, dass die Schnüre der Fischernetze zu einem massiven Problem im Meer und im Naturschutz geworden sind, kleine Armbänder machen. Und es ist ein bisschen hippie, das gebe ich zu, aber ich bin ein Minister aus einer Hippie-Partei und vielleicht gehört zu der neugewonnenen Freiheit dazu, dass Sie auch solche Armbänder aus Schnüren aus alten Fischernetzen tragen, jedenfalls hat es einem guten Zweck gedient, und deswegen, lieber Peter Altmaier, mit aller Kraft und allen guten Wünschen und aller Dankbarkeit für all das, was Sie für Deutschland geleistet haben, viel Kraft, viel Zeit, alle guten Ideen und alles Gute für den nächsten Lebensabschnitt. Danke, dass Sie diese Übergabe so fair gestaltet haben, danke, dass Sie mir und uns dieses Haus übergeben, wir werden uns nach Kräften bemühen, gut auf es aufzupassen. Und ich hoffe, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Sie mir helfen, dieses Haus weiter gut zu gestalten und aus diesem Haus heraus das Beste für Deutschland leisten zu können. Vielen Dank.