18.09.2015 - Rede - Digitalisierung

Rede von Alain Caparos, CEO REWE Group, auf der Konferenz zur digitalen Transformation in Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität

Einleitung

Es gilt das gesprochene Wort!

  • Berlin

Sehr geehrter Herr Bundesminister Gabriel,
sehr geehrter Herr Präsident Schulz,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

das ist für mich als Franzose, als früherer Franzose, ich komme am Ende zu einer kleinen persönlichen Bemerkung - sehr schwer, das ist für mich immer, diese deutsche schöne Sprache mich ausdrücken muss, immer ein Auswärtsspiel.

Vielen Dank erst mal für die Gelegenheit, Ihnen heute Morgen die Sicht eines Einzelhändlers auf den digitalen Wandel darzustellen. Der Einzelhandel galt und gilt eventuell immer noch als eine relativ konservative Branche. Mancher würde sagen: nicht sehr innovativ und ohne grundlegende neue Konzepte. Wir gehören nicht zur kreativen Wirtschaft. Und das gilt vielleicht besonders für den Lebensmitteleinzelhandel. Ewiggestrige nennen uns ja manche. Wenn man sich aber anschaut, was beim Handel mit Lebensmitteln in den vergangenen 100 Jahren passiert ist, gibt es im Grunde nur drei große Innovationen: 1916 die Einführung des Selbstbedienungskonzepts; in den 50er Jahren die Etablierung des Discounts, in dessen Geburtsland wir leben; und in den 70er Jahren schließlich die Einführung von den so genannten Großflächen-Verbrauchermärkten. Damit ist - ich glaube - im Großen und Ganzen die Innovationsgeschichte des Lebensmittelhandels auch schon erzählt. Bis vor kurzem: Denn diese kurze Geschichte wird jetzt durch die Digitalisierung ein ganz neues Kapitel hinzugefügt.

Wie die Bundeskanzlerin vor einiger Zeit zu Recht festgestellt hat: Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Und wir sind als Lebensmittelhändler da keine Ausnahme. Als Einzelhandel sind wir längst inmitten der Veränderung, insbesondere im Bereich Non-food. Das ist heute Morgen schon zitiert worden. Denken Sie an Bücher, CD oder DVD, Kleidung und Elektrogeräte. Es ist zwar selbstverständlich geworden, solche Produkte auch online einzukaufen. 19 Prozent des gesamten Non-food-Umsatzes in Deutschland fielen 2014 auf den Online-Handel; 19 Prozent. Und die Medien sind voll mit Berichten über diese Folgen des Online-Booms für den stationären Handel, für Innenstädte, für die ländliche Region und für ihre Zukunftsbelebung. Nebenbei bemerkt: Der Tag, wo wir weniger Kioske haben, weniger Schuhgeschäfte, weniger Textilgeschäfte - wer soll für Vielfalt in den Innenstädten sorgen, wo wird dieser Sozialtreffpunkt noch stattfinden? Nach Schätzung des Kölner Instituts für Handelsforschung droht bis 2020 rund 45 Prozent Ladengeschäften das Aus. Wie exakt diese Zahl geschätzt werden kann, ist völlig Wurscht. The Trend is not our friend. Da führt nix dran vorbei.

Aber ich bin heute nicht hierhergekommen, um ein Klagelied anzustimmen. Das Gegenteil ist der Fall. Sondern ich bin überzeugt, dass der Handel im Allgemeinen und der Lebensmittelhandel im Besonderen die Digitalisierung als Zukunftschance begreifen muss und begreifen wird. Die B-to-C-Umsätze in E-Commerce in Deutschland kletterten allein im Jahr 2014 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf knapp 43 Mio. Euro netto. Damit erwirtschaftet der Online-Handel in Deutschland bereits 10 Prozent des gesamten Handels. Davor liegt in Europa nur Großbritannien mit E-Commerce-Erlösen in Höhe von 43 Mrd. Euro. Das entspricht einem Online-Anteil ca. von 13,5 Prozent. Es gibt in Deutschland keinen Nachteil und sehr kreativen Wettbewerb im Online-Geschäft. Und davon profitieren vor allem die Verbraucher durch neue Services, große Preistransparenz und entsprechend niedrige Preise. 51 Prozent der Deutschen sind bereits Online-Shopper - Tendenz steigend. Und es ist keineswegs so, dass es nur eine Verlagerung der Umsätze von stationärem Kanal zu Online-Vertriebskanal gibt, sondern durch die Digitalisierung entstehen viele, viele erfolgreiche Start-ups und vollkommen neue Dienstleistungen und Angebote. Und damit - meine Damen und Herren - neue Umsatzpotenziale, neue Chancen, Wachstumschancen und letztendlich auch neue Arbeitsplätze.

Allerdings stellt sich im deutschen Lebensmitteleinzelhandel die Situation noch etwas anders dar. Denn 2014 wurde erst ein Prozent, ein Prozent des Gesamtumsatzes der so genannten FCMG - Fast Moving Consumer Goods - in Deutschland im Internet getätigt. Im Vergleich zu den bereits erwähnten Non-Food-Kategorien und zum Online-Handel insgesamt ist das Geschäft mit Lebensmittelhandel im Netz also noch eine Nische hier in Deutschland. Eine Nische - ja, aber wir betrachten das als eine Chance.
Frankreich und Großbritannien sind in dieser Hinsicht bereits viel weiter. Dort liegt der Online-Anteil im Lebensmittelmarkt schon heute bei fünf oder sechs Prozent. Aber ich bin davon überzeugt: Die Situation in Deutschland wird sich ändern. Und die Frage, die sich stellt oder die sich stellen, sind: Wie schnell wird dieser Wandel stattfinden? Und wie weitreichend wird er sein?

Es gibt Studien, die sagen, dass in 2020, das heißt übermorgen, ein Online-Marktanteil im Lebensmittelhandel von zehn Prozent stattfinden wird. Ich persönlich halte das für nicht besonders realistisch. Aber wer weiß? Wir wissen: Prognosen sind schwierig; vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Es kommt jedenfalls entscheidend darauf an, welche Dynamik das Online-Geschäft mit Lebensmitteln entwickelt, wenn neue große Player in den Markt eintreten. Wir dürfen mit Sicherheit davon ausgehen, das Amazon mit seinen Lebensmittelanbietern Amazon Frisch und die Vorstufen für die Spezialisten Prime Now und Prime Pantry nach Deutschland kommen wird. Sie haben schon Grundstücke gekauft; sie bauen schon Infrastruktur und sie werben im Moment massiv ab. Und das wird eine gewaltige Bewegung in den Markt bringen. Ich habe was gehört heute vom Bundeskartellamt; Herr Mund wird sich freuen; kommt Bewegung in dieses Konzentrationsthema.

Sie müssen eins wissen: Amazon macht weltweit einen Umsatz von ca. 90 [Milliarden US-Dollar] seit 20 Jahren und macht einen Verlust von 240 Mio. [US-Dollar] Seit 20 Jahren hat Amazon keinen einzigen Euro verdient.

In Deutschland - ich weiß nicht, ob Sie das wissen - 11,9 Mrd. sagen wir 12 Mrd. Umsatz - schon. Deutschland ist für Amazon der zweite Markt in der Welt. Und in der Kundenwahrnehmung ist Amazon der freundlichste und beste Händler in Deutschland. Da muss man tief atmen. Und das ist einmalig in der Geschichte von der deutschen Wirtschaft, wollte ich fast sagen. Wir regen uns auf als Händler. Durch diese Preissenkung, die sie alle gern sehen, aber wir kämpfen erst mal nicht mit jemand, der kein Geld verdienen will. Und das ist natürlich ein Super-GAU. Wir regen uns auf, dass die Albrecht-Familie die Preise senkt. Wir regen uns auf, dass die Familie Schwarz die Preise runtersetzt. Aber er/sie investieren nur in die Preise das Geld, das sie irgendwo verdient haben. Und wir kämpfen gegen ein Phänomen, der im Endeffekt nur eins im Kopf hat: Marktanteil, Marktanteil, Marktanteil. Und sie haben kurz von Zalando gesprochen heute Morgen. Zalando verdient auch kein Geld. Aber in der Zeit, wo sie kein Geld verdienen, gehen sehr viele Fachgeschäfte kaputt. Sie haben die Schaufenster von der Innenstadt ins Wohnzimmer gebracht. Ihre Frauen bestellen fünf Paar Schuhe, behalten vielleicht eins, schicken vier zurück. Was ist bequemer?

Das heißt: Ich bin überzeugt, im Moment im Lebensmittelhandel wird auch dieser Trend sich fortsetzen. Nur Niemand traut sich wirklich, die ganze Sache in Bewegung zu setzen. Und wenn es keine Möglichkeit gibt, online seine Produkte zu bestellen, wird es auch keine Nachfrage geben. So einfach ist das. Aber umgekehrt ist auch klar: Da wo es gute Online-Angebote für Lebensmittel geben wird, verbunden natürlich mit einem Super-Service, dort gibt es auch eine wachsende Nachfrage. Das ist ein bisschen die Umkehrung dessen, was wir im ersten Semester der Wirtschaftswissenschaften gelernt haben, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Aber das ist wirklich die Realität. Das ist die Wirklichkeit, in der wir uns im Moment bewegen müssen.

Wir in der REWE Group spüren das mit unserem Lieferservice sehr deutlich. Seit November 2013 bis heute haben wir die Zahl der Städte, die von uns beliefert wird, von 10 auf 70 Städte erhöht; und das mit großem Erfolg. Wir spüren die Nachfrage. Damit erreicht unser Online-Lebensmittelgeschäft mittlerweile schon jetzt ein Drittel der deutschen Bevölkerung. Das heißt: Online funktioniert wunderbar, aber Ertrag ist noch sehr, sehr weit. Und übrigens: Die meisten Bestellungen werden auch hier in Berlin im großen Ballungszentren gemacht. Das heißt, wenn ich das in einem Satz zusammenfassen darf. Der Online-Handel ist in Deutschland bereits ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig, und der Lebensmitteleinzelhandel wird durch die Digitalisierung ebenfalls einen weitreichenden Wandel erleben; auch mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung.

Die Herausforderung, die mit diesem Wandel unseres Geschäfts verbunden sind, möchte ich in drei Punkten skizzieren:

Erstens
Erfolgreiche Händler morgen müssen in Zukunft eine doppelte Infrastruktur haben - stationär und online. Und wir müssen diesen so genannten Omni-Channel-Umsatz beherrschen. Übrigens: Sie wissen, dass wir auch in Reisen tätig sind. Wir machen sieben Mrd. Umsatz mit unseren Reisen und wir haben diesen Trend voll erkannt. Wer von Ihnen nicht seine Flüge per Internet oder seinen Urlaub im Internet bucht. Wir haben 2.000 Reisebüros allein in Deutschland, und wir stehen da vor der sehr großen Herausforderungen. Es gibt nur einen Kunden. Er kann online und er kann offline sein.

Zweitens
Um diesen digitalen Umbrüchen gerecht zu werden, müssen Händler noch viel mehr Expertisen in einer ganz, ganz neuen Welt; und diese relevante Disziplin Aufbau, Prozess, Logistik.

Drittens
Deutsche Unternehmen brauchen im Wettbewerb des Online-Geschäfts faire und verlässliche Rahmenbedingungen gerade auch gegenüber internationalen Playern. Die Diskussion am Nachmittag zum Thema Handel wird diese Punkte wieder aufgreifen und vertiefen. Aber ich möchte an dieser Stelle kurz - nur kurz - einige Stichworte dazu geben.

Zunächst zur doppelten Infrastruktur: Ich bin überzeugt, dass der stationäre Handel auch in Zukunft für den Kunden eine ganz, ganz wichtige spielen wird. Unsere Analysen belegen, dass nur wenige Verbraucher ausschließlich auf den Online-Vertriebskanal setzen werden. Sondern Konsumenten müssen sowohl stationäre Filiale aus auch das Internet zur Information, zur Beratung und zum Kauf. Insofern - das ist auch eine Fantasie vom Händler - insofern ist auch die Gefahr des Beratungsdiebstahls sehr, sehr gering. Es ist also tatsächlich nicht so, dass Verbraucher in großem Umfang ihre Beratung in stationären Märkten quasi klauen und dann aber anschließend online einkaufen. Die GFK hat 2014 festgestellt, dass nur 1,6 Prozent der Online-Umsätze im deutschen Handel nach vorheriger Offline-Information erfolgten. Für den Lebensmittelhandel im Besonderen möchte ich hinzufügen: Selbst wenn wir in 2020 zehn Prozent der Umsätze online gemacht wird, bleiben noch 90 Prozent, die wir bewältigen müssen. Was bedeutet für ein Unternehmen wie wir mit unseren 350.000 Kollegen? Es bedeutet vor allem, dass wir, um erfolgreich zu sein, in Zukunft diese Doppelstruktur mit stationären Märkten und Online-Angeboten aufbauen müssen. Wir müssen attraktive Märkte - und wenn ich von Attraktivität spreche, spreche ich nicht nur von Standorten, von Einrichtungen - aber wir müssen viel mehr Wert legen - und das ist nicht unbedingt unsere Stärke - in der Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Wir kämpfen heute in der Rekrutierung mit Audi, mit Burda und wir müssen diese Jobs sexy machen und dieser Job muss auch fair bezahlt werden. Und wir müssen alle Anstrengungen einbringen, dass die Leute besser verdienen und besser behandelt werden. Ohne das werden wir unsere Daseinsberechtigung nicht mehr haben. Und vor allem: Wir müssen diese beiden Vertriebskanäle in eleganter Weise zu einem echten Omni-Channel-Angebot verknüpfen. Wir müssen lernen, lernen, lernen, unser Geschäft nicht mehr von den Vertriebskanälen her zu denken und zu gestalten, sondern wir müssen - und das ist banal, wenn man Händler ist - die Brille noch einmal ansetzen von den Kunden, von dieser neuen Zielgruppe, die im Endeffekt bequem diese zwei Vertriebskanäle nutzen wollen - offline und online.

Leicht gesagt, meine sehr geehrten Damen und Herren, REWE ist eine alte Dame - 1927 geboren. Und das ist sehr schwer, diese Kultur, diese stationäre Kultur zu verzahnen mit jungen Wilden, die keine Stempelkarte wollen, keinen Betriebsrat, keine Gewerkschaft - Entschuldigung, Frau Nützenberger - und dass sie sich entfalten. Und wir haben die andere Garde, die Geld verdient. Die sagen: Was soll das? Das wird wieder gut gehen. Das ist in Köln öfter der Spruch; wird immer wieder gut gehen.

Das heißt: wir müssen massiv investieren. Und Sie wissen, dass im stationären Handel, besonders in dem Lebensmittelhandel haben wir nicht unbedingt ein Wertschöpfungs- oder ein Ertragskraft. Warum haben wir dies nicht diese Ertragskraft? Weil wir im Endeffekt immer auf nur eins setzen. Das ist kulturell in Deutschland so. Wir setzen nur auf den Preis und das ist unser Problem. Wenn ich in einem kleineren Kreis wäre, würde ich von Inkontinenz des Handels reden. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Das heißt ganz konkret, meine Damen und Herren, wir machen Milliarden Geschäft, und wir verdienen kaum Geld. Und wir kämpfen noch dazu mit Online-Playern, die kein Geld verdienen wollen, die nur Marktanteile; und die von der Börse getragen werden. Das ist das Umfeld, wo wir uns im Moment bewegen. Und ich glaube, meine Damen und Herren, das ist auch ein Thema: Als Händler muss man Kopf, Bauch und Herz haben. Jetzt probiere ich, mich da runter zu bewegen. Das ist nicht so ein Wirtschaftsfaktor, diese Supermärkte. Die Supermärkte haben eine soziale Funktion zunehmend. Wir merken das immer mehr, dass die Leute, die zu uns kommen, könnten vielleicht bestellen. Aber sie suchen den Kontakt. Sie suchen die Nähe. Sie suchen das Gespräch. Und das ist eine Sache, die unsere Politiker nicht aus den Augen verlieren. Und zugleich müssen wir dieses verdammte Online-Geschäft beherrschen. Das heißt: Wir müssen investieren, um den Zug nicht zu verpassen. Wir hatten eine Elektro-Kette ProMarkt bei uns. Wir haben gesagt: Vergiss es. Der Online wird nix werden. Ja, wir haben geschlossen. So einfach ist das. Das heißt: Einen Zug zu verpassen kann man sich das leisten, der zweite wird kritisch.

Das heißt: Ich bin überzeugt, dass wir unseren Job besser machen müssen. Das ist wirklich ein Change Process, den ich noch nie in meiner Karriere erlebt habe. Wir müssen Themen einbringen zur Maschinenoptimierung, Social Media Communication, digitale Transformation unseres Medienansatzes. Wir geben fast 700 Mio. pro Jahr für Werbung, so genannte Handzettel, die Sie in Ihre Mülleimer jede Woche schmeißen. Und jetzt stellen wir fest, dass diese Medien - selbst TV - nicht mehr das erste Medium für bestimmte Zielgruppen. Das heißt, wir müssen doppelt investieren, um die gleiche Zielgruppe oder genügend Leute zu erreichen. Und diese ganze Disziplin, das ist nicht unbedingt als Händler, das ist uns nicht in die Wiege gelegt worden. Das ist keine angeborene Fähigkeit.

Aber ich möchte gern wirklich noch ein Thema anbringen: Das größte Kaufhaus der Welt haben Sie jetzt in der Tasche. Sie können mit Ihrem iPhone alles, alles bestellen, alles kaufen. Und das ist noch eine Sache, die uns beschäftigen wird. Wir sind so weit, dass wir mit bestimmter Technik einen Kunden ansprechen können, der zum Wettbewerber im Moment läuft. Wir können den noch zehn Meter vor dem Wettbewerber auffangen und sagen: Warum gehst Du zu EDEKA, Aldi oder Lidl? Du könntest zu uns kommen. Wir wissen, was er kaufen wird. Wir können gezielt die Angebote machen, wo er sagt: Nee - Sie haben Recht, mein iPhone, ich gehe jetzt zu REWE - beispielsweise. Das ist Wahnsinn, was machbar ist. Wir können auch den Kunden in Supermärkte führen. Wir können den stoppen, wo wir wollen. Das heißt im Endeffekt: Wir sind in einem Umfeld. [Zwischenrufe] Ja, ja das geht auch. Das geht auch. Das wird kommen. [Zwischenrufe] Gern; ja, ich könnte noch stundenlang referieren. Das ist aber, der Moderator hat mir die Uhr gezeigt. Das heißt, ich werde jetzt auf jeden Fall aufhören.

Was wir im Handel brauchen, um den Wandel zu bewältigen, das ist - meine Damen und Herren - Mut, Mut, Mut, Mut zu Innovation, Mut zur Bereitschaft. Die Bereitschaft, uns zu ändern. Und, Herr Schulz, wir können auch ein Revolutionär sein mit 60, glauben Sie mir. Das ist nicht zu spät. Zweitens müssen wir sehr viel Geld, sehr, sehr viel Geld investieren. Drittens: Wir brauchen dringend faire und verlässliche Rahmenbedingungen im Wettbewerb. Dieser dritte Punkt ist verdammt wichtig. Wir müssen eine Reihe von Sachen, die wir im Moment nicht haben. Wir brauchen einfache Zugangsmöglichkeiten zu den Netzen; eine komplexe Architektur der so genannten Störhaftung kann uns allen nicht weiterhelfen. Aber im Wettbewerb, in dem wir stehen, müssen wir wirklich uns warm anziehen. Das ist mein Beitrag heute zu diesem Thema.
Das heißt: Aufpassen! Ich habe gerade gesagt: Der letzte, der atmet, hat überlebt. Und ich möchte gern einer von den Letzten sein.

Und ich kann Ihnen sagen: Ich habe Ihre Rede, Herr Präsident Schulz mit großer Aufmerksamkeit gehört und sehr viel Betroffenheit. Ich sage jetzt, warum: Ich habe auf dem Flug von Düsseldorf nach Berlin heute Morgen, da habe ich mir die Frage gestellt: Ist das noch dezent über digital zu reden, wenn man das Umfeld und dieses Europa sieht? Und ich kann Ihnen sagen, das war nicht geplant. Ich schäme mich - und das Wort ist nicht übertrieben - heute, Sie denken, dass ich Franzose bin, ich komme nachher dazu, zu sein. Ich bewundere die Geduld. Ich hätte die nicht. Und ich glaube, Sie sind ein Leuchtturm - Deutschland - im Moment. Und Hochachtung. Und wenn ich mein schönes Land sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Und wir haben gehört, dass dieser digitale Wandel wird nur europaweit gemacht werden. Und ich frage mich wirklich, ob wir eine gute Zukunft oder ein Schicksal haben. Das ist mein Thema.

Zweiter Punkt ganz schnell noch, versprochen: Ich bin seit einer Woche Deutscher geworden. Und ich werde am Wochenende das bei einem Freund von mir, der Landwirtschaftsminister ist in Frankreich, der Stéphane Le Foll, noch einmal sagen. Und wenn ich geschworen bin, das Grundrecht zu behalten, zu achten usw., das war eine wichtige Moment in meinem Leben. Ich gehöre jetzt zu Ihnen. Und ich kann Ihnen sagen: Ich habe verweigert die Bundesverdienstkreuz in Frankreich - Légion d'Honneur. Die Leute fragen mich alle sechs Monate: Warum willst Du das nicht? Jetzt haben sie die Antwort. Ich danke Ihnen.