Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die konjunkturelle Erholung hat sich bis zuletzt fortgesetzt. Das intensive Pandemiegeschehen gefährdet den Aufholprozess der deutschen Wirtschaft. Die erneute drastische Reduzierung der sozialen Kontakte belastet im November die Konjunktur. Der Erholungsprozess dürfte sich aber fortsetzen, soweit die Eindämmung der Infektion erneut gelingt.
  • Die Industrieproduktion hat ihren Aufholprozess im September fortgesetzt. Einen hohen Anteil daran trägt die deutliche Erholung im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile. Die Auftragseingänge und das Geschäftsklima sprechen für eine Beibehaltung des Aufwärtstrends.
  • Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz zeigen nach der kräftigen Erholung im Mai eine Seitwärtsbewegung deutlich über dem Niveau vor der Krise. Die Zahl der monatlichen Pkw-Neuzulassungen privater Halter liegt nach wie vor über der Marke von 100.000 und damit ebenfalls über Vorkrisenniveau.
  • Auf den Arbeitsmarkt zeigten sich vor dem neuen Teil-Lockdown leichte Verbesserungen. Im Oktober nahm die Arbeitslosigkeit erneut ab und auch die Kurzarbeit ging weiter zurück. Die Erwerbstätigkeit stieg im September erneut.

Allgemeine Lage: wirtschaftliche Erholung gefährdet

Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich aus der Krise. Im dritten Quartal erhöhte sie ihre Wirtschaftsleistung um 8,2 % und damit auf nahezu 96 Prozent des Vorkrisenniveaus aus dem letzten Quartal 2019.[1] Vor allem die privaten Konsumausgaben, die Investitionen in Ausrüstungen und der Außenhandel lieferten starke Impulse. Der Aufholprozess hat sich bis zuletzt im Oktober fortgesetzt, angesichts des nationalen und globalen Pandemiegeschehens aber ab August verlangsamt. Die sich ab Spätsommer wieder stark ausbreitende Infektion machte für November zusätzliche Maßnahmen zur Reduzierung der sozialen Kontakte erforderlich. Die Konjunktur erfährt im November trotz der abgewogenen Maßnahmen durch die Einschränkungen vor allem der Konsummöglichkeiten einen Dämpfer. Solange die zusätzlichen Maßnahmen begrenzt bleiben können, spricht aber wenig dafür, dass der Aufholprozess im vierten Quartal insgesamt abbricht. Die Konjunkturindikatoren in Gänze haben sich jedenfalls, wenn auch mit einzelnen Abstrichen, bis zuletzt weiter aufgehellt.

Weltwirtschaftliche Erholung schreitet voran

Die Weltkonjunktur erholt sich weiter, steht jedoch noch im Schatten der Pandemie. Die globale Industrieproduktion wurde im August den vierten Monat in Folge hochgefahren. Die weltweite Erzeugung hat damit über 97 % des Vorjahresniveaus erreicht. Auch der Welthandel näherte sich mit einer weiteren Ausweitung im August dem Stand aus dem Vorjahr mit knapp 96 % weiter an. Die Stimmungsindikatoren sprechen für eine Fortsetzung des weltwirtschaftlichen Aufholprozesses. So erhöhte sich der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan / IHS Markit im Oktober auf 53,3 Punkte oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der IWF hat im gleichen Monat seine Prognose für die globale Wirtschaftsleistung auf -4,4 % für das Jahr 2020 aufwärtsrevidiert. Für das Jahr 2021 wird eine Erholung um 5,2 % erwartet. Der weitere Pandemieverlauf bleibt aber ein Risiko.

Exporte regenerieren sich weiter, Importe straucheln

Im September wurde erneut ein Anstieg der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen verzeichnet. Ihr Wert stieg saisonbereinigt und nominal um 1,5 % gegenüber dem Vormonat, nachdem er seit Mai bereits zugenommen hatte. Im Quartalsvergleich ergab sich damit im dritten Jahresviertel ein deutlicher Anstieg um 18 % gegenüber der Vorperiode. Die Waren- und Dienstleistungseinfuhren hingegen unterbrachen ihre Erholung im September und verringerten sich im Vergleich zum Vormonat geringfügig um 0,5 %. Für das dritte Quartal ergab sich trotz des aktuellen Rückgangs eine deutliche Erhöhung der Einfuhren um 11,2 %.

Das erstarkte Pandemiegeschehen spiegelt sich auch in den nationalen Frühindikatoren zur Außenwirtschaft wider. So haben die Lockdown-Maßnahmen wichtiger Handelspartner die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe im Oktober per Saldo deutlich gedämpft; sie lagen aber weiterhin im positiven Bereich. Die Auftragseingänge aus dem Ausland nahmen im September saisonbereinigt nach ihrer Aufholjagd über das Vorkrisenniveau hinaus erstmals wieder leicht gegenüber dem Vormonat ab (-0,8 %). Die Aussichten für den deutschen Außenhandel bleiben dennoch verhalten optimistisch. Im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung von Produktion und Nachfrage dürften sich auch Exporte und Importe allmählich auf ihr Vorkrisenniveau zurückarbeiten.

Industriekonjunktur weiter aufwärtsgerichtet

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe setzte ihre Erholung im September fort. Saisonbereinigt stieg die Gesamtproduktion im Produzierenden Gewerbe gegenüber August um 1,6 %. Für den Vormonat ist nach einer Datenrevision nun ebenfalls ein Plus zu verzeichnen (+0,5 %). Der Produktion wurde zuletzt sowohl in der Industrie als auch im Baugewerbe erhöht (+2,0 % bzw. +1,5 %). Maßgeblichen Anteil in der Industrie hatte der Kfz-Bereich mit einem Aufwuchs um 10,0 %. Bei Maschinenbauern und den Produzenten von Metallerzeugnissen fiel der Anstieg moderater aus (+2,7 % bzw. +3,1 %). In einzelnen Bereichen, wie der Metallerzeugung und –bearbeitung, wurde die Produktion auch etwas eingeschränkt (-0,6 %). Im dritten Quartal erhöhte sich die Produktion im Produzierenden Gewerbe um insgesamt 10,7 %. Die Industrie vermeldete eine Steigerung um 14,6 %, während der Ausstoß im Baugewerbe um 2,2 % abnahm. Im Kfz-Bereich kam es zu einem Anstieg um 69,6 %.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im September noch einmal um 0,5 % und damit den fünften Monat in Folge zu. Im Quartalsvergleich ergab sich ein Anstieg des Bestellvolumens um 29,1 %. Der Anstieg der Auslandsorders fiel deutlich kräftiger aus als der aus dem Inland. Insgesamt erreichten die Ordereingänge im September nahezu wieder ihr Niveau vor Ausbruch der Pandemie im vierten Quartal 2019.

Das Produzierende Gewerbe kämpft sich Schritt um Schritt zurück. In der Industrie lag die Produktion zuletzt bei rund 93 % des Vorkrisenniveaus im vierten Quartal 2019. Die Auftragseingänge und das Geschäftsklima sprechen für die Fortsetzung des Erholungsprozesses, auch wenn dieser Pfad angesichts des Pandemiegeschehens noch steiniger wird.

Einzelhandel zeigt nach kräftiger Belebung Seitwärtsbewegung

Das Vorkrisenniveau wurde bereits seit Mai deutlich übertroffen. Nach einer kräftigen Erholung im Mai zeigten die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz einen Seitwärtstrend auf hohem Niveau. Im September haben sie sich um 2,2 % verringert, nach Zuwächsen in den beiden Vormonaten. Der Handel mit Kfz nahm im August zwar ab (-3,9 %), nach zum Teil sehr kräftigen Steigerungen in den drei Vormonaten. Sein Vorkrisenniveau vom Februar übertraf er aber erneut spürbar. Die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter erhöhten sich von September auf Oktober nach zwei Rückgängen wieder (+2,3 %). Die Zahl der Neuzulassungen durch private Halter lag damit weiterhin über der Marke von 100.000 Pkw pro Monat.

Frühindikatoren lassen eine Fortsetzung der Erholung erwarten. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel gab im Oktober leicht nach, insgesamt überwiegen die positiven Einschätzungen aber weiterhin. Beim GfK Konsumklima wird für November im Zuge des aktuellen Pandemiegeschehens eine leichte Verschlechterung erwartet.

Die Verbraucherpreise sind im Oktober gegenüber dem Vormonat leicht um 0,1 % gestiegen. In den Vormonaten hatte die befristete Senkung der Steuern auf den Umsatz, die zu einem beachtlichen Teil an die Verbraucher weitergegeben wurde, spürbar preisdämpfend gewirkt. Zuletzt haben sich Waren, insbesondere Nahrungsmittel, wieder merklich verteuert. Die Inflationsrate, die Preisentwicklung binnen Jahresfrist, lag im Oktober unverändert bei -0,2 %. Eine niedrigere Inflationsrate war zuletzt im Januar 2015 gemeldet worden. Dabei sanken die Preise für Energieprodukte um 6,8 %. Bei Nahrungsmitteln (+1,4 %) hat die Teuerungsrate wieder etwas angezogen. Bei Dienstleistungen verharrte der Preisanstieg bei 1,0 %. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag im Oktober unverändert bei +0,5 %.

Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt weiter sichtbar - aber Verbesserungen

Seit dem Sommer zeigt sich der Arbeitsmarkt wieder etwas freundlicher. Die Beschäftigung nimmt leicht zu und die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung schwächen sich bei abflachender Kurzarbeit ab. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit stieg im September um 24.000 Personen, liegt aber noch um 1,5 % unter dem Höchstwert vom Februar vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt allerdings weiterhin nur langsam zu. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im August saisonbereinigt mit 29.000 Personen wieder etwas kräftiger. Die konjunkturelle Belebung zeigt sich auch in der sinkenden Kurzarbeit. In Anspruch genommen wurde sie im August von 2,6 Mio. Beschäftigten, das waren über 730.000 Personen weniger als im Juli. Die registrierte Arbeitslosigkeit sank im Oktober saisonbereinigt um 35.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen nahm die Arbeitslosigkeit auf 2,76 Mio. Personen ab. Der Vorjahresabstand hat sich auf +556.000 Personen verringert. Die umfragebasierten Frühindikatoren von IAB, ifo und der BA haben sich weiter verbessert, der aktuelle Teil-Lockdown ist dabei nur partiell eingeflossen.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 12. November 2020 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.