Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die deutsche Wirtschaft tritt weiter mehr oder weniger auf der Stelle. Es gibt aber erste Signale, die ein Ende des Abschwungs in der Industrie und damit eine allmähliche konjunkturelle Belebung der Gesamtwirtschaft wahrscheinlicher machen.
  • Die Produktion in der Industrie ist tendenziell weiter abwärtsgerichtet, während sich bei den Auftragseingängen eine Stabilisierung andeutet. Die Bauproduktion unterliegt monatlichen Schwankungen, bewegt sich aber auf hohem Niveau.
  • Die Indikatoren für den privaten Konsum senden zu Beginn des vierten Quartals zurückhaltende Signale. Die verfügbaren Einkommen nehmen aber weiter zu.
  • Die deutschen Ausfuhren haben sowohl im Oktober als auch im gesamten dritten Quartal deutlich zugenommen.
  • Der Arbeitsmarkt hat sich trotz der schwachen Konjunktur zuletzt wieder günstiger entwickelt.

Die deutsche Wirtschaft tritt den Indikatoren zufolge auch im Jahresschlussquartal mehr oder weniger weiter auf der Stelle. Es zeichnen sich aber erste Hoffnungsschimmer ab. Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung nur wenig um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal angestiegen. [1] Bei den Dienstleistungen und dem Baugewerbe setzt sich das vornehmlich binnenwirtschaftlich getriebene Wachstum verlässlich fort. Die Industrie leidet aber weiterhin unter der globalen Investitionsschwäche, die nicht zuletzt durch die Handelskonflikte ausgelöst wurde. Sie dürfte produktionsseitig ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht haben. Ihre Auftragseingänge und Umsätze haben sich aber in den vergangenen Monaten auf niederem Niveau stabilisiert. Gleiches gilt für das Geschäftsklima, bei dem sich die Erwartungen im Oktober und November etwas aufgehellt haben. Nicht zuletzt haben sich die Ausfuhren seit Jahresmitte belebt. Dies alles deutet darauf hin, dass sich die Industriekonjunktur allmählich stabilisiert und ab dem Jahreswechsel sogar wieder leicht anziehen könnte. Natürlich bleiben die Unwägbarkeiten angesichts des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds hoch und es ist insofern abzuwarten, inwieweit sich die noch zarten positiven Signale festigen.

Die Weltkonjunktur ist weiterhin durch die Handelskonflikte und eine schwache globale Industriekonjunktur geprägt. Der Welthandel hat sich Stand September noch nicht belebt, sein Volumen liegt nach wie vor unter dem des Vorjahres. Auch die globale Industrieproduktion zeigt bei regionalen Unterschieden und monatlichen Schwankungen insgesamt noch keine Zeichen der Belebung. Der zusammengesetzte globale Markit-Einkaufsmanagerindex verbesserte sich im November etwas. Hierbei verzeichneten sowohl der Teilindex für die Industrie als auch für die Dienstleistungen Anstiege. Vor dem Hintergrund der aktuellen Indikatorenlage gehen die internationalen Organisationen für das laufende und kommende Jahr von einer zwar wenig dynamischen, aber weiterhin aufwärtsgerichteten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Trotz der wiederholt schwachen Impulse aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld haben sich die deutschen Ausfuhren zuletzt positiv entwickelt. Die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen sind im Oktober saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen im Vergleich zum Vormonat um 1,1 % gestiegen. Im Zweimonatsvergleich ergab sich sogar ein Zuwachs von 1,8 %. Dennoch rechnen die meisten Unternehmen den ifo Exporterwartungen zufolge nicht mit einer deutlichen Belebung der deutschen Ausfuhren in den kommenden Monaten. Von Oktober auf November hatten sich die Erwartungen sogar geringfügig verschlechtert. Die Importe von Waren und Dienstleistungen haben sich im Oktober saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen im Vergleich zum September minimal mit -0,1 % verringert, sind aber im Zweimonatsvergleich ebenfalls deutlich gestiegen (+1,7 %). Bei leicht fallenden Einfuhrpreisen dürften die Importe real sogar noch deutlicher zugenommen haben.

In der Industrie hält die konjunkturelle Schwäche an, während die Baukonjunktur bei monatlichen Schwankungen weiterhin auf hohen Touren läuft. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe insgesamt verringerte sich im Oktober um 1,7 %. Die Erzeugung in der Industrie und im Baugewerbe nahm um 1,7 % bzw. 2,8 % ab. Die Energieerzeugung verzeichnete eine Zunahme um 2,3 %. Im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August wurde die Herstellung im Produzierenden Gewerbe um 1,1 % eingeschränkt. Innerhalb der Industrie schlugen insbesondere Produktionsrückgänge in der Kfz-Industrie und im Maschinenbau zu Buche (-2,9 % bzw. -2,2 %). Die Entwicklungen bei den vorlaufenden Indikatoren zeigen Anzeichen einer Bodenbildung. Bei den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe und dem ifo Geschäftsklima waren in den zurückliegenden Monaten Seitwärtsbewegungen zu beobachten.

Die privaten Konsumausgaben sind im dritten Quartal um 0,4 % gestiegen und waren damit eine verlässliche Stütze der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Hierzu trug vermutlich die merkliche Erhöhung der verfügbaren Einkommen im dritten Quartal bei. Diese waren um 3,1 % höher als vor einem Jahr. Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz, die etwa ein Drittel der privaten Konsumausgaben ausmachen, sind im Oktober gegenüber September auf hohem Niveau um 1,9 % zurückgegangen. Auch im Zweimonatsvergleich ergab sich ein Minus von 0,9 %. Die Neuzulassungen von Pkw erhöhten sich nach einem Aufwuchs im Vormonat im November um weitere 8,6 % und waren damit leicht überdurchschnittlich. Das Geschäftsklima im Einzelhandel ist per saldo positiv und hat sich im November spürbar verbessert. Die Verbraucherpreise sanken im November um 0,8 % gegenüber dem Vormonat, wozu der saisonbedingte Preisrückgang bei Pauschalreisen wesentlich beitrug. Die Inflationsrate blieb mit 1,1 % stabil. Insbesondere deutliche Preisrückgänge bei Kraftstoffen wirkten dämpfend auf die jährliche Preissteigerungsrate. Die Kerninflationsrate erhöhte sich leicht auf 1,6 %.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich im Oktober etwas robuster als in den Vormonaten. Der Anstieg der Erwerbstätigkeit gegenüber dem Vormonat lag saisonbereinigt bei 30.000 Personen, der Zuwachs war zuletzt im Februar etwas größer. Im Vergleich zum Stand vor einem Jahr (+320.000 Personen, Ursprungzahlen) wird aber deutlich, dass das Arbeitskräfteangebot mehr und mehr ausgeschöpft ist. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im September mit einem Anstieg um saisonbereinigt 70.000 Personen gegenüber dem Vormonat mit dem höchsten Anstieg im laufenden Jahr zu. Die Arbeitslosigkeit sank im November um 16.000 Personen und fiel nach den Ursprungszahlen auf unter 2,2 Mio. Personen. Auch die Unterbeschäftigung verringerte sich leicht um 7.000 Personen. Die Frühindikatoren senden unterschiedliche Signale; sie signalisieren einen Beschäftigungsaufbau in Dienstleistungsbereichen, aber Einschränkungen in der Industrie. Die Arbeitslosigkeit könnte geringfügig steigen.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 13. Dezember 2019 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.