Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Wirtschaft hat im dritten Quartal leicht zugenommen. Das Wachstum bleibt aber weiterhin schwach. Die Indikatoren signalisieren noch keine konjunkturelle Erholung, aber die Geschäftsklimaindikatoren senden erste Hoffnungsschimmer.
  • Die Produktion in der Industrie ist tendenziell weiter rückläufig, die Bauproduktion bewegt sich auf hohem Niveau und die Dienstleistungen expandieren. Die industriellen Auftragseingänge lassen auf eine Bodenbildung hoffen.
  • Die deutschen Ausfuhren haben im dritten Quartal deutlich zugenommen, während die Einfuhren stagnierten.
  • Am Arbeitsmarkt erfolgte der Beschäftigungsaufbau konjunkturbedingt langsamer und die Arbeitslosigkeit hat sich von niedrigem Niveau aus leicht erhöht.

Die Konjunktur in Deutschland verläuft weiterhin gedämpft. Im dritten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung lediglich um 0,1 % gegenüber dem Vormonat an.[1] [2] Zuvor war sie im ersten Quartal 2019 unterstützt durch Sondereffekte aufwärts revidiert um 0,5 % gestiegen und im zweiten Quartal abwärts revidiert um 0,2 % zurückgegangen. Die deutsche Wirtschaft ist auch im dritten Quartal weiterhin gekennzeichnet durch einen Abschwung in der Industrie, dem eine florierende Baukonjunktur und solide wachsende Dienstleistungen gegenüber stehen. Auf der Verwendungsseite waren zunehmende private und staatliche Konsumausgaben, steigende Bauinvestitionen sowie ein positiver Wachstumsbeitrag des Außenhandels zu verbuchen. Die einschlägigen Konjunkturindikatoren deuten noch nicht auf eine grundlegende Veränderung der konjunkturellen Situation hin, es gibt aber erste leichte Hoffnungsschimmer. Von den Geschäftsklimaindikatoren, insbesondere den Erwartungskomponenten, kommen erste Anzeichen einer möglichen konjunkturellen Aufhellung. Hierzu würde eine Verbesserung des außenwirtschaftlichen Umfelds beitragen.

Die weltwirtschaftliche Dynamik wird weiterhin durch die Handelskonflikte und den Abschwung der globalen Industriekonjunktur gedämpft. Der Welthandel hat sich im Juli und August etwas belebt, sein Volumen ist aber weiterhin geringer als vor einem Jahr. Die globale Industrieproduktion tritt weiter mehr oder weniger auf der Stelle, wobei sich ein schwacher Anstieg in den aufstrebenden Volkswirtschaften und eine leichte Drosselung in den entwickelten Ländern in etwa ausgleichen. Derweil gab der zusammengesetzte globale Markit-Einkaufsmanagerindex im Oktober erneut nach, liegt dabei aber noch deutlich oberhalb seiner Wachstumsschwelle. Der Teilindex für die Industrie verbesserte sich allerdings den dritten Monat in Folge, weist aber noch ein niedriges Niveau auf. Angesichts der Indikatorenlage gehen die internationalen Organisationen für das laufende und kommende Jahr von einer zwar wenig dynamischen, aber weiterhin aufwärtsgerichteten Entwicklung der Weltwirtschaft aus. Eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China könnte dem Welthandel etwas neuen Schwung verleihen.

Die schwachen Impulse aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld dämpfen grundsätzlich auch den deutschen Außenhandel. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen sind von August auf September saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen dennoch um 1,7 % gestiegen. Im dritten Quartal ergab sich immerhin ein Plus von 1,1 %, das preisbereinigt noch etwas stärker ausgefallen sein dürfte. Mit einer merklichen Belebung der Ausfuhren in den kommenden Monaten rechnen die Unternehmen den ifo Exporterwartungen zufolge aber nicht. Die Importe von Waren und Dienstleistungen nahmen im September saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,8 % zu. Ungeachtet der robusten Binnenkonjunktur war im dritten Quartal lediglich Stagnation zu verzeichnen (+0,1 %). In realer Rechnung dürften die Importe in etwa auf dem Niveau des zweiten Quartals gelegen haben. Unter dem Strich ging im dritten Quartal damit vom Außenhandel ein spürbarer Impuls für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus.

Während die Baukonjunktur weiterhin floriert gibt es für die Industrie erste Anzeichen, die auf eine gewisse Stabilisierung hindeuten. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe insgesamt verringerte sich im September um 0,6 %. Während die Herstellung in der Industrie um 1,3 % abnahm, verzeichnete das Baugewerbe eine Zunahme um 1,8 %. Im Quartalsvergleich ging die Herstellung im Verarbeitenden Gewerbe nochmals um 1,1 % zurück. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes verzeichneten alle drei Hauptgruppen Rückgänge. Die Entwicklungen bei den vorlaufenden Indikatoren zeigen Anzeichen für eine Bodenbildung. Die industriellen Auftragseingänge erhöhten sich im September um 1,3 % und lagen damit um 0,7 % über ihrem durchschnittlichen Wert im dritten Quartal. Außerdem blicken die Industrieunternehmen laut ifo spürbar weniger pessimistisch in die nähere Zukunft. Die konjunkturelle Grunddynamik im Verarbeitenden Gewerbe bleibt aber vorerst schwach.

Die privaten Konsumausgaben sind eine verlässliche Stütze der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Im September stagnierten die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz, die etwa ein Drittel der privaten Konsumausgaben ausmachen, im Vormonatsvergleich nahezu (+0,1 %). Im gesamten dritten Quartal nahmen sie aber um 0,6 % zu. Die Neuzulassungen von Pkw erhöhten sich im dritten Quartal um 3,5 %. Auch die Umsätze des Kfz-Handels lagen in den vorliegenden Monaten Juli und August merklich über dem Umsatzdurchschnitt des Vorquartals. Das Geschäftsklima im Einzelhandel ist per saldo weiterhin positiv, auch wenn es im Oktober leicht nachgab.

Die seit Februar zu beobachtende Abschwächung des Beschäftigungsaufbaus setzte sich im September fort. Der Anstieg der Erwerbstätigkeit gegenüber dem Vormonat betrug saisonbereinigt nur 10.000 Personen. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr hat sich binnen 1 ½ Jahren auf 338.000 Personen (Ursprungzahlen) in etwa halbiert. Auch der Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung war im August mit einem Anstieg um saisonbereinigt 27.000 Personen gegenüber dem Vormonat eher gering. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich im Oktober um 6.000 Personen. In Ursprungszahlen ging sie im Zuge der Herbstbelebung aber auf rund 2,2 Mio. Personen zurück. Sie lag, wenn auch nur geringfügig, erstmals seit Ende 2013 über ihrem Vorjahresniveau. Die Unterbeschäftigung hingegen verringerte sich im Oktober um 4.000 Personen. Die Frühindikatoren signalisieren, dass sich der verlangsamte Beschäftigungsaufbau bei leicht steigender Arbeitslosigkeit fortsetzen dürfte.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Dezember-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 49. Kalenderwoche 2019 auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes vom 14. November 2019 zum Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal 2019.
[2] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 14. November 2019 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.