Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

© iStock.com/blackred

  • Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal 2019 deutlich gewachsen. Die starke Binnenwirtschaft trotzte der unruhigen globalen Konjunktur. Während die Wertschöpfung in den Dienstleistungsbereichen teilweise stark ausgeweitet wurde, ging sie im Produzierenden Gewerbe zurück.
  • Die Erzeugung in der Industrie ist im ersten Quartal geringfügig gesunken, die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe schwächten sich deutlich ab. Die konjunkturellen Perspektiven bleiben hier gedämpft. Das Baugewerbe verzeichnete hingegen Produktionszuwächse.
  • Die Einkommen steigen, unterstützt durch die Fiskalpolitik, und sorgen für eine rege Konsumnachfrage der privaten Haushalte.
  • Der Arbeitsmarkt zeigt sich robust: Die Erwerbstätigkeit nimmt weiter zu, die Arbeitslosigkeit ab. Die Dynamik dürfte sich aber etwas abschwächen.

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlich gewachsen. [1] Zuvor hatte sie im zweiten Halbjahr 2018, auch aufgrund von Sondereffekten, mehr oder weniger stagniert. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich im ersten Quartal um 0,4 % [2]. Die starke Binnenwirtschaft trotzte im ersten Quartal dem gegenwärtig unruhigen außenwirtschaftlichen Umfeld. In den binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleistungsbereichen wurde die Wertschöpfung teilweise kräftig ausgeweitet. Im stärker exportorientierten Produzierenden Gewerbe ging sie zurück. Auf der Nachfrageseite zeigten sich die Verbraucher zu Jahresbeginn außerordentlich konsumfreudig. Und die Unternehmen investierten nach Aussage des Statistischen Bundesamtes trotz ihrer gedämpften Geschäftsaussichten kräftig. Sowohl die Exporte als auch die Importe wurden ausgeweitet. Ihre Schwächephase hat die deutsche Wirtschaft mit dem guten Einstieg in das Jahr aber noch nicht überwunden. Dies dürfte erst nachhaltig erfolgen, wenn sich das außenwirtschaftliche Umfeld wieder etwas aufhellt und die Verunsicherung, verursacht insbesondere durch die Handelskonflikte, abnimmt. Gegenwärtig signalisieren die vorausschauenden Indikatoren noch eine merklich gedämpfte Industriekonjunktur.

Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit in einer Schwächephase. Der Welthandel geht seit November tendenziell zurück. Die globale Industrieproduktion war zuletzt ebenfalls sowohl in den entwickelten Volkswirtschaften als auch in den Schwellenländern rückläufig. Der Stimmungsindikator IHS Markit PMI für die globale Industrie ist seit einem Jahr abwärtsgerichtet. Im April 2019 fiel er auf den niedrigsten Stand seit Juni 2016. Das ifo Weltwirtschaftsklima hat sich für das zweite Quartal 2019 zwar verbessert, bleibt aber unterkühlt. Angesichts dieser Indikatorenlage und der Häufung globaler Risiken gehen die internationalen Organisationen von einer weniger dynamischen, aber weiterhin aufwärtsgerichteten globalen Entwicklung aus.

Die gegenwärtig gedämpften Signale aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld spiegeln sich in den deutschen Ausfuhren wider. Zwar nahmen die Exporte von Waren und Dienstleistungen im März saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,8 % zu. Im Quartalsvergleich ergab sich jedoch ein schwaches Wachstum von 0,8 % bei nahezu stabilen Ausfuhrpreisen. Die Unternehmen gehen, gemessen an den ifo Exporterwartungen, weiterhin von keiner deutlichen Belebung aus. Insgesamt deuten die Indikatoren auf eine verhaltene Entwicklung der Ausfuhren in den kommenden Monaten hin. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen im März saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,1 %. Im Quartalsvergleich ergab sich ein geringfügiges Plus von 0,1 %. Die Einfuhrpreise waren jedoch merklich niedriger als im Vorquartal, sodass die Importe preisbereinigt deutlicher zugelegt haben dürften.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im März um 0,5 %. Dabei erhöhte sich Erzeugung sowohl in der Industrie (+0,4 %) als auch im Baugewerbe (+1,0 %). Im ersten Quartal insgesamt ergab sich gegenüber dem Vorquartal damit ein Produktionszuwachs im Produzierenden Gewerbe von 0,5 %. Während das Baugewerbe eine kräftige Zunahme der Erzeugung von 3,9 % verzeichnete, meldete die Industrie eine leichte Abnahme um 0,1 %. Innerhalb der Industrie konnte der Kfz-Bereich seine Produktion um 0,4 % ausweiten, in arbeitstagebereinigter Rechnung wurde das Vorjahresniveau aber immer noch deutlich unterschritten. In den kommenden Monaten dürfte die Industriekonjunktur gedämpft bleiben, worauf die Entwicklung z.B. von Auftragseingangs- und Stimmungsindikatoren hindeutet. Zwar nahmen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im März gegenüber dem Vormonat um 0,6 % zu. Im ersten Quartal kam es gegenüber dem vierten Quartal 2018 jedoch zu einem kräftigen Auftragsminus von 4,1 %. Die Inlandsorders nahmen um 2,6 % ab und die Aufträge aus dem Ausland um 5,2 %. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich im April ein weiteres Mal ein. Die Hochkonjunktur im Baugewerbe dürfte hingegen anhalten.

Im ersten Quartal 2019 haben die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) kräftig um 1,7 % zugelegt, obwohl sie im März leicht um 0,2 % abnahmen. Auch die Kfz-Zulassungen der privaten Halter erholten sich im ersten Quartal von der WLTP-bedingten Flaute im zweiten Halbjahr 2018. Insgesamt dürften sich die privaten Konsumausgaben im ersten Quartal 2019 daher spürbar erhöht haben.

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt hält an. Der Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit lag im März mit saisonbereinigt 33.000 Personen etwas unter dem monatlichen Durchschnitt der zwölf Vormonate. Im Zuge der Frühjahrsbelebung stieg die Beschäftigung nach den Ursprungszahlen auf 44,9 Mio. Personen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Februar mit 48.000 Personen verlangsamt zu. Die Frühindikatoren deuten insgesamt auf einen moderateren Personalaufbau in den Unternehmen hin. Im April sank die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 12.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen ging sie auf 2,23 Mio. Personen und die Arbeitslosenquote auf 4,9 % zurück. Die Arbeitsmarktpolitik trug zum Rückgang der Arbeitslosigkeit bei, was sich in einem leichten Anstieg der Unterbeschäftigung ausdrückte. Die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt im Trend spürbar ab; der Vorjahresstand wurde um knapp 13 % unterschritten. Die Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen bleibt eine Herausforderung.

----------------------------

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juni-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich am Ende der 22. Kalenderwoche 2019 auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

----------------------------

[1] Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2019 vom 15. Mai 2019.
[2] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 15. Mai 2019 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.