Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die deutsche Wirtschaft zeigt weiterhin ein gemischtes Bild. Der Dienstleistungsbereich und vor allem in der Bauindustrie läuft der Konjunkturmotor nach wie vor gut. Die Industrie befindet sich angesichts der gedrosselten Weltwirtschaft in einer konjunkturellen Schwächephase. Wichtige binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte sind aber weiterhin stark.
  • Die Erzeugung in der Industrie nahm im Februar leicht ab, bei den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe kam es aber zu einem kräftigen Minus. Das Baugewerbe meldet indes weiterhin deutliche Produktionszuwächse.
  • Die Einkommen steigen, unterstützt durch die Fiskalpolitik, kräftig und sorgen für eine rege Konsumnachfrage der privaten Haushalte.
  • Die Erwerbstätigkeit nimmt weiter zu, die Arbeitslosigkeit ab. Die Dynamik beim Aufbau der Beschäftigung dürfte sich auch aufgrund zunehmender Engpässe bei Fachkräften etwas abschwächen.

Die deutsche Wirtschaft zeigt weiterhin ein gemischtes Bild. Während die mehr binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleistungen und die Bauwirtschaft kräftig expandieren, befindet sich das global ausgerichtete Verarbeitende Gewerbe weiterhin in einer konjunkturellen Schwächephase. Das Auslaufen der Sondereffekte durch den neuen WLTP-Zulassungsstandard für Pkw und durch das Niedrigwasser des Rheins hat sich zwar positiv auf die Produktion ausgewirkt, es wird aber weiterhin deutlich weniger als in der ersten Jahreshälfte 2018 produziert. Gleichzeitig signalisieren die Auftragseingänge und die Geschäftserwartungen eine Fortsetzung der Schwächephase des Verarbeitenden Gewerbes. Diese dürfte aber im ersten Quartal durch die übrigen Wirtschaftsbereiche, die mehr als drei Viertel der Bruttowertschöpfung ausmachen, überkompensiert werden. Wichtige binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte sind weiterhin intakt. Die Beschäftigung und die Einkommen steigen und sorgen für eine Ausweitung der privaten Konsumausgaben. Hinzu kommen noch expansive fiskalische Maßnahmen, von denen neben den privaten Haushalten auch die staatlichen Konsumausgaben und Investitionen profitieren. Auf die etwas weitere Sicht sind die Weichen daher in Richtung Erholung gestellt. Die globale Wirtschaft wird ihre aktuelle Schwäche nach und nach überwinden und auch der heimischen Industrie wieder günstigere Absatzperspektiven bieten. [1] Allerdings bestehen weiterhin erhebliche Rückschlagsrisiken, insbesondere durch die Handelskonflikte oder dem ungeklärten Brexit.

Die Weltkonjunktur verläuft gegenwärtig gedämpft. Sowohl bei der globalen Industrieproduktion als auch beim Welthandel war zum Jahresende 2018 sogar eine rückläufige Entwicklung zu beobachten. Dies setzte sich im Januar 2019 bei der industriellen Erzeugung fort; der Welthandel blieb trotz leichter Belebung unter dem Vorjahresniveau. Der Stimmungsindikator IHS Markit PMI für die globale Industrie verharrte im März 2019 auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2016. Auch der ifo Index zum Weltwirtschaftsklima gab für das erste Quartal 2019 eine eingetrübte Stimmung insbesondere für die entwickelten Volkswirtschaften wieder. Angesichts der Indikatoren und der Ballung globaler Risiken gehen die internationalen Organisationen von einer weniger dynamischen, aber weiterhin aufwärtsgerichteten globalen Entwicklung aus.

Die derzeit fehlenden Impulse aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld schlagen sich auch in den deutschen Ausfuhren nieder. So nahmen die Exporte von Waren und Dienstleistungen im Februar saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,9 % ab. Im Zweimonatsvergleich ergab sich ein schwaches Wachstum um 0,3 %. Die Unternehmen gehen aber aktuell nicht von einer deutlichen Belebung aus. Die ifo Exporterwartungen spiegeln nach einer deutlichen Eintrübung im März die niedrigsten Erwartungen seit Herbst 2012 wider. Insgesamt deuten die Indikatoren auf eine verhaltene Entwicklung der Ausfuhren in den kommenden Monaten hin. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen sanken im Februar saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 1,6 %. Im Zweimonatsvergleich ergab sich ein geringfügig schwächeres Plus von 0,2 %.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im Februar um 0,7 % ausgeweitet. Dabei verlief die Industriekonjunktur aber weiterhin gedämpft. Ihre Produktion verringerte sich leicht um 0,2 % und lag damit um 0,6 % unter ihrem Niveau des vierten Quartals 2018. Das Baugewerbe hingegen konnte im Februar einen kräftigen Zuwachs von 6,8 % verbuchen. Im Zweimonatsvergleich Januar/Februar gegenüber November/Dezember stagnierte die Industrie nahezu (-0,1 %), der Kfz-Bereich meldete eine Abnahme um 1,0 %. Das Baugewerbe steigerte seine Erzeugung demgegenüber deutlich um 4,4 %. Der Ausblick für die Industrie bleibt sehr verhalten.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe verringerten sich im Februar gegenüber Januar kräftig um 4,2 %. Die Auslandsaufträge gingen sogar um 6,0 % zurück. Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich verringerten sich die Bestellungen insgesamt um 3,7 %. Dabei entwickelten sich die aus dem NichtEuroraum am ungünstigsten (-7,0 %). Auch die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe verschlechterte sich im März weiter. Die Industriekonjunktur dürfte somit, angesichts der rückläufigen Auslandsnachfrage und hoher internationaler Risiken, zunächst weiterhin gedämpft verlaufen. Die Baukonjunktur wird jedoch weiterhin sehr dynamisch bleiben.

Im vierten Quartal sind die privaten Konsumausgaben um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen und haben sich etwas vom Rückgang im dritten Quartal erholt. Im laufenden Quartal dürften sich die privaten Konsumausgaben beleben. Die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im Februar um 0,9 % gestiegen, nach einem Anstieg um 2,8 % im Januar. Im Februar 2019 setzte sich auch die positive Entwicklung der Neuzulassungen von Pkw bei privaten Haltergruppen in Richtung Normalisierung fort.

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt hält ungeachtet der konjunkturellen Abschwächung an. Allerdings zeichnet sich eine langsamere Gangart bei der Ausdehnung der Beschäftigung ab. Die Zunahme der Erwerbstätigkeit im Februar um 39.000 Personen liegt im monatlichen Durchschnitt der letzten zwölf Monate. Jahreszeitlich üblich stieg die Beschäftigung nach den Ursprungszahlen leicht auf 44,8 Mio. Personen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Januar mit 61.000 Personen so kräftig wie im Vormonat zu. Im März sank die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt nach einem kräftigen Rückgang im Februar um 7.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen ging sie auf 2,3 Mio. Personen und die Arbeitslosenquote auf 5,1 % zurück. Die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt im Trend spürbar ab; der Vorjahresstand wurde um knapp 12 % unterschritten. Die Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen bleibt eine Herausforderung.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Mai-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich am Ende der 17. Kalenderwoche 2019 auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 12. April 2019 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie kalender- und saisonbereinigter Daten.