Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

© iStock.com/blackred

  • Der Aufschwung setzt sich fort. Die Bundesregierung erwartet in ihrer Herbstprojektion für dieses und das kommende Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von jeweils 1,8 %.
  • Die Erzeugung des Produzierenden Gewerbes wird im laufenden Quartal durch Sondereffekte gedämpft. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen nach zwei schwachen Monaten an, der Auftragsbestand ist weiterhin sehr hoch. Das Baugewerbe befindet sich in der Hochkonjunktur.
  • Die Entwicklung von Einkommen und Konsumnachfrage der privaten Haushalte bleibt aufwärtsgerichtet. Auch die Stimmung im Handel ist gut.
  • Die Erwerbstätigkeit steigt weiter kräftig und die Arbeitslosigkeit geht spürbar zurück. Strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt bleiben aber Herausforderungen.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter im Aufschwung. Die Bundesregierung erwartet gemäß ihrer Herbstprojektion [1] eine Expansion der gesamtwirtschaftlichen Leistung im laufenden und im kommenden Jahr von preisbereinigt jeweils 1,8 %. [2] Dabei wird die solide konjunkturelle Grunddynamik angesichts des schwierigeren außenwirtschaftlichen Umfelds vor allem durch die solide Binnenwirtschaft gestützt. Überlagert wird dies allerdings durch vorübergehende Produktionsanpassungen bei Herstellern von Personenkraftwagen und ihren Vorleistern. Dies ist Folge der Umstellung auf den neuen Abgastestzyklus WLTP, der ab 1. September verbindlich ist und einen Zulassungsstau bei Pkw-Typen auslöste. Der Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung wird dadurch im dritten Quartal etwas gedämpft. Mit der allmählichen Auflösung des Zulassungsstaus dürfte sich die Konjunktur im vierten Quartal wieder beschleunigen. Die jüngsten Indikatoren für die Industrie und für die Gesamtwirtschaft sprechen allesamt dafür, dass der Aufschwung der deutschen Wirtschaft auf einem soliden Fundament steht. Wichtige binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte entfalten unverändert ihre Wirkung: Die Beschäftigung und Einkommen erhöhen sich weiter kräftig. Insbesondere in den Dienstleistungsbereichen nimmt die Wertschöpfung weiter zu und die Bauwirtschaft boomt. Für das kommende Jahr sind kräftige Impulse durch die Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu erwarten.

Aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld kommen gegenwärtig geringere Impulse. Hierauf weisen Indikatoren für den globalen Handel und die globale Industrieproduktion hin. Bei unterschiedlicher Entwicklung in den Schwellenländern kommt die etwas verlangsamte Dynamik der industriellen Erzeugung vor allem aus den entwickelten Volkswirtschaften. Der gegenwärtig schwache Welthandel geht demgegenüber auf geringere Handelsströme der Schwellenländer insbesondere in Asien zurück. Der IHS Markit Global Composite PMI gab im September den dritten Monat in Folge nach und der ifo Index zum Weltwirtschaftsklima verschlechterte sich für das dritte Quartal 2018 erneut. Vor diesem Hintergrund gehen die internationalen Organisationen in ihren jüngsten Prognosen weiter von einer zwar positiven, aber gegenüber früheren Einschätzungen abgeschwächten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Unter dem schwierigeren außenwirtschaftlichen Umfeld leiden grundsätzlich auch die deutschen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen. Im August gingen die Exporte saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen leicht um 0,6 % zurück. Im stabileren Dreimonatsvergleich erhöhten sich die Ausfuhren nominal deutlich um 1,0 %, preisbereinigt dürfte er jedoch etwas geringer ausfallen. Die ifo Exporterwartungen sind weiterhin abwartend niedrig und deuten noch nicht auf eine deutliche Belebung der Ausfuhren hin. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen waren von März dieses Jahres bis Juli aufwärtsgerichtet. Im August nahmen sie saisonbereinigt um 1,8 % ab. Im Dreimonatsvergleich betrug der Anstieg der Importe 3,6 %. Auch preisbereinigt dürften sie sich deutlich positiv entwickelt haben.

Im Produzierenden Gewerbe hat sich der Produktionsrückgang der beiden Vormonate im August merklich verlangsamt, obwohl die eingangs erwähnten Sondereffekte in der Kfz-Industrie noch Einfluss hatten. Die Erzeugung in der Industrie nahm im August dennoch lediglich um 0,1 % ab, im Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni verringerte sich der Produktionsausstoß jedoch um 2,2 %. Die Produktion im Baugewerbe wurde im gleichen Zeitraum um 0,7 % eingeschränkt. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen nach Rückschlägen in den beiden Vormonaten im August demgegenüber um 2,0 % zu, bei kräftigen Auftragszuwächsen in der Kfz-Industrie. Allerdings lagen die Bestellungen im Zweimonatsvergleich bei einem Rückgang um 1,9 % noch deutlich im Minus. Hier dürfte sich auch weiterhin die geringere Dynamik des Welthandels und die gestiegene Unsicherheit durch die Handelskonflikte bemerkbar machen. Dennoch dürfte sich die Industriekonjunktur mit der allmählichen Auflösung des Zulassungsstaus im vierten Quartal erholen. Die seit Februar auf den höchsten Wert gestiegenen Geschäftserwartungen zeugen von Zuversicht. Das sehr gute Auftragspolster mit einer Reichweite von 5,6 Monaten gibt Sicherheit. Das Baugewerbe arbeitet nahe seiner Kapazitätsgrenzen, sein Boom dürfte anhalten.

Die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts und kräftige Lohnzuwächse sorgen dafür, dass der private Konsum eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur bleibt. Die Bundesregierung erwartet in ihrer Herbstprojektion eine Ausweitung der privaten Konsumausgaben um 1,6 % im laufenden und um weitere 2,0 % im kommenden Jahr. Am aktuellen Rand deuten die Umsätze im Einzelhandel auf eine etwas langsamere Gangart hin, nach einem schwachen Start ins dritte Quartal sanken sie im August erneut geringfügig um -0,1 %. Die Umsätze im Kfz-Handel gingen im Juli ebenfalls zurück. Durch die Zulassungsprobleme bei Pkw sind auch die Neuzulassungen privater Kfz im September stark zurückgegangen (-32,8 % im Vergleich zum Vormonat). Für eine positive Entwicklung des privaten Konsums in den kommenden Monaten sprechen neben dem Anstieg der Einkommen die Stimmungsindikatoren. Sowohl das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel als auch das Konsumklima der Verbraucher haben sich im September verbessert.

Am Arbeitsmarkt hält die positive Entwicklung an. Die Erwerbstätigkeit erhöhte sich im August saisonbereinigt um 31.000 Personen; auf Jahresfrist betrug der Anstieg 1,3 %. Im Juli lag der Zuwachs bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit 77.000 Personen über dem Niveau der letzten Monate. Auch wenn sich die Frühindikatoren im September unterschiedlich entwickelten, signalisieren sie eine anhaltend starke Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften. Die Zahl der Arbeitslosen sank im September saisonbereinigt um 23.000 Personen; in Ursprungszahlen verringerte sie sich nach dem Ende der Ferienzeit auf 2,26 Mio. Personen. Langfristige Herausforderungen bleiben die Eindämmung der Langzeitarbeitslosigkeit und die Stärkung der Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen.

----------------------------

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der November-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich am Ende der 44. Kalenderwoche 2018 auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

----------------------------

[1] Herbstprojektion 2018 der Bundesregierung vom 11. Oktober 2018.
[2] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 12. Oktober 2018 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter und kalender- und saisonbereinigter Daten.