Flagge des Vereinigten Königreiches

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Das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt hat in Verbindung mit einem umfassenden Freihandelsabkommen deutlich geringere Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland, der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich als in einem Szenario ohne Freihandelsabkommen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine heute veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Die Studie zeigt auch, dass sich die Auswirkungen des Brexits auf das deutsche BIP bereits realisiert haben, da der Handel mit dem Vereinten Königreich in Erwartung des Brexits seit geraumer Zeit rückläufig ist.

Bundesminister Altmaier: „Die Einigung auf ein umfassendes Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ohne Zölle und ohne Kontingente ist für die Wirtschaft in Deutschland, der EU und im Vereinigten Königreich ein gutes Signal. Die Studie zeigt, dass ein Verbleib des Vereinigten Königsreichs im EU-Binnenmarkt noch immer die wirtschaftlich beste Lösung gewesen wäre. Sie zeigt aber auch: Deutsche Unternehmen haben sich bereits auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt eingestellt. Die unmittelbaren Effekte des Brexits auf die zukünftigen Handelsverflechtungen mit dem Vereinigten Königreich dürften geringer ausfallen, als vielfach befürchtet.“

Das BMWi hatte das ifo-Institut, München, in Kooperation mit dem Institut für Weltwirtschaft, Kiel, mit der Aktualisierung der Studie „Ökonomische Effekte eines „Brexit“ auf die deutsche und europäische Wirtschaft“ aus dem Jahr 2017 beauftragt. Die Studie untersucht die wirtschaftlichen Auswirkungen des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU in zwei Szenarien: mit einem tiefen und umfassenden Abkommen über das zukünftige Verhältnis sowie ohne ein Abkommen. Die Studie bietet auch eine deskriptive Analyse der Handels- und Wertschöpfungsverflechtungen sowie deren Veränderungen seit dem Brexit-Referendum 2016.

Das zugrunde gelegte Szenario eines umfangreichen Abkommens wurde noch im Vorfeld des kürzlichen Abschlusses der Verhandlungen entwickelt. Danach wird das reale Bruttoinlandsprodukt langfristig durch den Brexit in Deutschland um 0,14 Prozent (entspricht rund 4,9 Milliarden Euro), in der EU um 0,16 Prozent und im Vereinigten Königreich um 0,95 Prozent sinken. Ohne ein Abkommen hätte der Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt im Vereinigten Königreich langfristig bei -3,37 Prozent, in Deutschland bei -0,53 Prozent und in der EU bei -0,62 Prozent gelegen.

Die Ergebnisse der Studie deuten zudem darauf hin, dass sich deutsche Unternehmen bereits zum Teil aus dem Markt des Vereinigten Königreichs zurückgezogen haben. So zeigt die Studie, dass der deutsche Handel mit dem Vereinigten Königreich schon seit einigen Jahren rückläufig ist. Die EU-27 und Drittländer wie China und die USA haben demgegenüber für die deutsche Wirtschaft als Absatzmarkt an Bedeutung gewonnen. Die Studie zeigt zudem, dass keine starken Lieferabhängigkeiten deutscher Produzenten vom Vereinigten Königreich bestehen und dass der deutsche Handel recht diversifiziert ist.