Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stelllt die Frühjahrsprojektion 2019 vor

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stelllt die Frühjahrsprojektion 2019 vor

© BMWi/Andreas Mertens

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich seit Mitte des vergangenen Jahres abgekühlt. Die gute Nachricht ist - wir werden diese Schwächephase perspektivisch wieder überwinden. Die Bundesregierung rechnet mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 % in diesem und 1,5 % im nächsten Jahr. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich ebenso wie die Löhne positiv; das führt durch die Entlastungen bei Steuern und Abgaben zu steigenden Einkommen der Menschen. Wir investieren auf Rekordniveau in Infrastruktur, Bildung und Forschung und setzen auf Zukunftstechnologien wie die Künstliche Intelligenz. Dennoch muss uns die aktuelle Schwächephase der deutschen Wirtschaft ein Weckruf sein. Deshalb arbeite ich dafür, die Wettbewerbsbedingungen und steuerlichen Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen zu verbessern, die Sozialausgaben langfristig unter 40 % zu halten, andere Ministerien zu deutlichen Beiträgen zum Bürokratieabbau zu ermuntern und zügig eine steuerliche Forschungsförderung einzuführen. Wir sollten hierbei keine Zeit verschwenden.“

Die Startrampe in das Jahr 2019 ist flach, wegen der Sonderprobleme durch die neunen WLTP- Zulassungstests für Pkw und das Niedrigwasser im Rhein im vergangenen Jahr. Auch die globale Abschwächung aufgrund der Handelskonflikte und des Brexit-Prozesses wirken sich negativ aus. Wichtige Auftriebskräfte im Inland sind aber intakt: Die positive Arbeitsmarktentwicklung führt in Verbindung mit höheren Löhnen sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben zu merklich steigenden verfügbaren Einkommen der Bürgerinnen und Bürger. Damit ist die Grundlage für eine dynamische Konsumnachfrage gelegt. Die Bauwirtschaft boomt und die Umsetzung des Koalitionsvertrags liefert weitere Impulse. Die Binnenwirtschaft bleibt eine tragende Säule der deutschen Konjunktur. Die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt hält an. Die Beschäftigung dürfte bis zum Jahr 2020 auf knapp 45 ¾ Millionen Personen steigen und damit so hoch liegen wie noch nie zuvor. Gleichzeitig fällt die Arbeitslosenquote auf den historischen Tiefstand von 4,6 %. Aufbau von Erwerbstätigkeit und Abbau von Arbeitslosigkeit werden sich allerdings etwas verlangsamen.

Weitere Einzelheiten der Projektion:

  • Die internationalen Organisationen korrigieren ihre Wachstumserwartungen zwar nach unten. Die Weltwirtschaft dürfte im Projektionszeitraum aber wieder etwas an Schwung gewinnen. Für die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen werden vorerst relativ moderate Zuwächse erwartet.
  • Die Importe werden aufgrund der starken Inlandsnachfrage deutlicher ausgeweitet. Beim Außenhandel ist daher – rein rechnerisch – im Jahr 2019 mit einem spürbar negativen Wachstumsbeitrag zu rechnen.
  • Der Leistungsbilanzüberschuss sinkt kontinuierlich und wird bis zum Jahr 2020 auf 6,4 % zurückgehen.
  • Die deutschen Unternehmen investieren zurückhaltender in Maschinen und Anlagen als im vergangenen Jahr. Angesichts gut ausgelasteter Kapazitäten sind ihre Investitionsausgaben aber nach wie vor spürbar aufwärts gerichtet.
  • Die Bauinvestitionen bleiben aufgrund der hohen Nachfrage und der niedrigen Zinsen rege. Die öffentlichen Bauinvestitionen werden ebenfalls in diesem und dem kommenden Jahr deutlich gesteigert. Die Baubranche kämpft allerdings zunehmend mit Kapazitätsengpässen, die sich auch in steigenden Baupreisen bemerkbar machen.
  • Die öffentliche Hand gibt mit der Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen kräftige konjunkturelle Impulse.
  • Im Zuge der konjunkturellen Verlangsamung und relativ niedriger Rohölpreise verringert sich die Inflationsrate in diesem Jahr auf 1,5 % (2020: +1,8).

Die gesamtwirtschaftlichen Eckwerte der Frühjahrsprojektion bilden die Grundlage für die Steuerschätzung vom 7. bis 9. Mai 2019 in Kiel. Als gemeinsamer Orientierungsrahmen dienen sie der Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.

Eckwerte der Frühjahrsprojektion 2019

Veränderung des Bruttoinlandsproduktes (preisbereinigt) [1]201820192020
Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent, soweit nicht anders angegeben
Bruttoinlandsprodukt1,40,51,5
Konsumausgaben privater Haushalte [2]1,01,21,6
Konsumausgaben des Staates1,02,01,8
Bruttoanlageinvestitionen2,62,22,8
- darunter Ausrüstungen 4,22,03,0
- Bauten2,42,73,0
- Sonstige Anlagen0,41,41,7
Vorratsveränderung und Nettozugang an Wertsachen (Impuls) [3]0,6-0,30,0
Inlandsnachfrage1,91,21,8
Exporte 2,02,03,0
Importe3,33,84,0
Außenbeitrag (Impuls) [3]- 0,4- 0,6- 0,2
Preisentwicklung:
Konsumausgaben privater Haushalte [2]1,61,41,7
Bruttoinlandsprodukt1,92,32,0
Erwerbstätige (Inland)1,31,10,8
nachrichtlich:
Verbraucherpreisindex1,81,51,8
absolute Werte in Mio. Personen
Erwerbstätige (Inland)44,845,345,7
Arbeitslose (BA)2,342,202,11

[1] Bis 2018 vorläufige Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes; Stand: Februar 2019;
[2] Einschließlich der Organisationen ohne Erwerbszweck;
[3] Absolute Veränderung des Außenbeitrags in Prozent des BIP des Vorjahres ( = Beitrag zur Zuwachsrate des BIP).