Keyvisual zum Festakt 100 Jahre BMWi

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Das Wirtschaftsministerium wird morgen 100 Jahre alt. Heute werden mit einem Festakt im Beisein einiger ehemaliger Wirtschaftsminister an die Geschichte des Hauses erinnert und aktuelle wirtschaftspolitische Herausforderungen diskutiert.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „100 Jahre Wirtschaftsministerium zeigen eindrucksvoll, dass die Soziale Marktwirtschaft als Basis für die anhaltende wirtschaftliche Stärke Deutschlands funktioniert. In den Anfangsjahren in der Weimarer Republik war Wirtschaftspolitik eher Krisenmanagement. Heute ist sie ein Erfolgsmodell. Jede Zeit bringt dabei ihre eigenen Herausforderungen. Wir konkurrieren heute etwa mit großen Volkswirtschaften, die nicht allein auf den Markt vertrauen, sondern gezielt strategische Interessen verfolgen. Wir erleben eine Abkehr vom Multilaterismus – Wirtschaftsinteressen werden zunehmend ohne Rücksicht auf andere durchgesetzt. Auf diese Herausforderungen müssen Deutschland und Europa geeignete Antworten finden. Die Wirtschaftspolitik befindet sich in einer entscheidenden Phase. Mit dem von mir vorgestellten Entwurf einer Industriestrategie habe ich dazu eine Diskussion ins Rollen gebracht, die jetzt auch intensiv auf europäischer Ebene geführt wird. Denn es ist und bleibt Aufgabe des Bundeswirtschaftsministeriums – und des Bundeswirtschaftsministers – das Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft zu bewahren und es stets erneut, an den aktuellen Herausforderungen zu messen.“

An dem heutigen Festakt werden fünf ehemalige Bundeswirtschaftsminister teilnehmen. Zudem sprechen der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl, der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest und Bundesminister Peter Altmaier. In einer Podiumsdiskussion gehen Sascha Lobo, Frank Thelen, Karen Horn, Sabine Rau und Udo van Kampen zudem der Frage nach, wie viel Politik Wirtschaft heute braucht.

Am 21. März 1919 wurde das aus der Kaiserzeit stammende Reichswirtschaftsamt in das neue Reichswirtschaftsministerium überführt. Über das gesamte Jahrhundert hat die Wirtschaftspolitik die Entwicklung unseres Landes entscheidend mitgeprägt. Die ersten Jahre des neuen Ministeriums waren so unruhig wie die junge Weimarer Republik selbst. Kriegsfolgen und Reparationszahlungen, Hyperinflation, die Besetzung des Ruhrgebiets und schließlich die Weltwirtschaftskrise forderten Wirtschaft und Politik auf das Äußerste.

In den Jahren 1933 bis 1945 folgten die dunkelsten Kapitel der Geschichte des Reichswirtschaftsministeriums. Unter der nationalsozialistischen Diktatur war das Haus an den Massenverbrechen gegenüber der jüdischen Bevölkerung sowie in besetzten Gebieten beteiligt. Es trieb die rücksichtslose Arisierung der deutschen Wirtschaft voran und organisierte Zwangsarbeit insbesondere von Häftlingen in Konzentrationslagern. Die Aufarbeitung dieser Epoche bildete einen Schwerpunkt der Geschichtskommission des Wirtschaftsministeriums.

Als erster Wirtschaftsminister der jungen Bundesrepublik Deutschland prägte Ludwig Erhard von 1949 bis 1963 das Haus wie kein anderer. Erhard führte die Soziale Marktwirtschaft ein und verlieh dem Ministerium sein ordnungspolitisches Gewissen. Kernelemente seiner Politik waren die Abkehr von staatlicher Zwangswirtschaft und der Schutz des Wettbewerbs, flankiert durch einen sozialen Ausgleich. Dies ermöglichte das Wirtschaftswunder und bildet noch heute die Voraussetzung für Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das Bundeswirtschaftsministerium wurde in den vergangenen Jahrzehnten je nach den Herausforderungen der Zeit um einige Bereiche der Regierungspolitik erweitert: Unter Karl Schiller war es Anfang der 1970er Jahre auch Finanzministerium, um eine Globalsteuerung zu erreichen, die wir heute noch im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz finden. Nach den tiefgreifenden Umwälzungen durch die Wiedervereinigung war das Ministerium unter Wolfgang Clement auch für Arbeit zuständig. In dieser Zeit hat das Ministerium entscheidend dazu beigetragen, dass Deutschland fit für das 21. Jahrhundert gemacht wurde. Seit 2005 sorgt das Bundeswirtschaftsministerium mit Technologiepolitik für einen besseren Transfer der Forschung in die Wirtschaft. Seit 2013 steuert das Bundeswirtschaftsministerium zudem den Umbau der gesamten Energieversorgung Deutschlands.

Das Bundeswirtschaftsministerium zählt zu den ersten Ressorts, die sich der Aufarbeitung der eigenen Geschichte gestellt haben. Um zu erforschen, welche Rolle die Wirtschaftspolitik von 1919 bis 1990 spielte, hat Bundesminister Philipp Rösler im Jahr 2011 eine unabhängige Geschichtskommission berufen. Im Jahr 2016 legte die Kommission eine umfassende wirtschaftshistorische Aufarbeitung der Funktion und Wirkungsweise des Bundeswirtschaftsministeriums und seiner Vorgängerinstitutionen im geschichtlichen Zeitablauf vor.