Banken und auch Venture Capital Fonds sind bei der Finanzierung von jungen Unternehmen in der Frühphase häufig zurückhaltend. Eine Finanzierung durch Privatpersonen - insbesondere Business Angels - kann oftmals eine Lösung sein. Das ZEW hat sich mit finanzieller Unterstützung des BMWi nun erneut dem bisher kaum erforschten Privatinvestorenmarkt gewidmet und eine repräsentative Befragung von jungen Unternehmen der Gründungsjahrgänge 2015-2018 nach ihren Privatinvestoren durchgeführt. Die letzte ähnliche Datenerhebung durch das ZEW fand im Jahr 2013 statt. Damit liegen nun auch erstmals seit der Einführung des Förderprogramms "INVEST - Zuschuss für Wagniskapital" Statistiken zum Privatinvestorenmarkt vor.

Die Studie (PDF, 733 KB) zeigt auf, dass die Bedeutung von Privatinvestoren für die Finanzierung von jungen Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Der Anteil unter jungen Unternehmen mit einer Finanzierung durch Privatinvestoren liegt bei 7,5 Prozent und auch die von Privatinvestoren zur Verfügung gestellten Investitionssummen haben sich deutlich erhöht. So investieren im Durchschnitt ein oder gegebenenfalls auch mehrere Privatinvestoren 290.000 Euro in ein junges Unternehmen. Bei den Unternehmen der Gründungsjahrgänge 2009-2012 betrug die damalige durchschnittliche Investitionssumme eines Privatinvestors nur 83.000 Euro. Die Gesamtsumme des durch Privatinvestoren jährlich zur Verfügung gestellten Kapitals lag im Durchschnitt der Jahre 2015-2018 bei 2,779 Milliarden Euro und ist damit erheblich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2009-2012 mit 803 Millionen Euro angestiegen. Erfreulich ist, dass die meisten Unternehmen (73 Prozent) mit einer Privatinvestorenfinanzierung neben der finanziellen auch weitere Unterstützungsleistungen durch ihre Privatinvestoren erhalten. Die Anzahl der Privatinvestoren in Deutschland, die nicht aus dem Familien- und Freundeskreis der Unternehmensgründerinnen und -gründer stammen, wird auf 7.100 bis 14.100 geschätzt. Zusätzlich gibt es 34.800 Privatinvestoren, die zum Familien- und Freundeskreis der Gründerinnen und Gründer zählen.

Deutlich wird außerdem, dass das INVEST-Programm den Privatinvestorenmarkt erheblich belebt hat. Bei gut 28 Prozent der von einem Privatinvestor finanzierten Hightech-Unternehmen der Gründungsjahrgänge 2015-2018 wurde mindestens einer der Privatinvestoren durch INVEST gefördert. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Finanzierungsformen auch INVEST-förderfähig sind. Betrachtet man nur die von Privatinvestoren finanzierten Hightech-Unternehmen mit einer INVEST-förderfähigen Finanzierungsform (offene Beteiligungen und Wandeldarlehen), liegt der Anteil sogar bei 44 Prozent. Privatinvestoren mit INVEST-Förderung investieren auch größere Summen in Unternehmen als Investoren, die nicht durch INVEST gefördert wurden. Die Finanzierungssumme von INVEST-geförderten Investoren beträgt im Durchschnitt 998.000 Euro, während die Durchschnittssumme der Finanzierungen durch Privatinvestoren ohne INVEST-Förderung 844.000 Euro beträgt.