Die Studie „Öffentliche Vergabe in Deutschland – Strategische Ansatzpunkte zum Wohl der Menschen und für wirtschaftliches Wachstum“ zeigt die Bedeutung der öffentlichen Beschaffung in Deutschland. Die öffentliche Hand ist einer der wichtigsten Marktteilnehmer der deutschen Wirtschaft: Die OECD schätzt, dass etwa 35 Prozent der deutschen Staatsausgaben in die öffentliche Auftragsvergabe gehen – ein dreistelliger Milliardenbetrag, der etwa in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und andere Bereiche fließt. Dabei ist es der Studie zufolge Deutschland in den letzten Jahren gelungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der öffentlichen Beschaffung umfassend zu modernisieren. Klar geregelte Vergabeverfahren sorgen für mehr Wettbewerb und Transparenz – sowohl auf Seiten der Auftraggeber wie auch der Bieter. Bei der strategischen und nachhaltigen Beschaffung und der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen ist der deutsche Rechtsrahmen beispielhaft.

Dennoch gibt es der Studie zufolge in den untersuchten Bereichen ungenutztes Potenzial in der Beschaffungspraxis: Insbesondere im Bereich Digitalisierung und Professionalisierung sowie intelligenter Bedarfsplanung müssen die Gestaltungsspielräume des Vergaberechts aufgegriffen und in der praktischen Anwendung noch besser als bisher genutzt werden. Damit stützen die OECD-Handlungsempfehlungen zwar die bereits initiierten Projekte, doch besteht weiterer Handlungsbedarf. Ihrer Vorbildfunktion entsprechend sollte die öffentliche Hand auch die Potenziale der nachhaltigen Beschaffung besser ausschöpfen. So kann der öffentliche Einkauf auch einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten.

Eine wichtige Empfehlung der Studie ist es außerdem, die Vergabe in Deutschland stärker zu zentralisieren. Da eine moderne Beschaffung genaue Marktkenntnis und technisches Know-how voraussetzt, bietet es sich an, Kompetenzen und Beschaffungsaktivitäten zu bündeln. Wenn der Bedarf verschiedener Stellen zentral erfasst und die Aufträge gebündelt vergeben werden, mindert das Kosten und bürokratischen Aufwand.

Auch hat Deutschland im Bereich der digitalen Auftragsvergabe Nachholbedarf. In vielen anderen OECD-Ländern wird ein wesentlich größerer Anteil der öffentlichen Aufträge digital gesteuert. Eine zunehmende Digitalisierung der Vergabe und eine stärkere Vernetzung der elektronischen Vergabesysteme auf Bund-, Länder- und Kommunalebene hätten dabei den Vorteil, dass sich Daten leichter sammeln und vergleichen ließen. Mit diesen Daten könnte dann die Vergabepraxis stetig optimiert werden.

Zudem sollte Deutschland in die Professionalisierung seiner Beschafferinnen und Beschaffer investieren. Die OECD-Studie rät dazu, in Weiterbildung zu investieren und – wie in anderen Ländern bereits der Fall – die Tätigkeit des Beschaffers mit einem eigenständigen Berufsbild aufzuwerten.

Die gesamte Studie finden Sie hier.