Thomas Jarzombek, Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Start-ups

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RP Online: Wie funktioniert das „Matching“?

Thomas Jarzombek: Grundsätzlich beteiligt sich der Staat (beziehungsweise die KfW Capital) nur an Finanzierungsrunden bei Start-ups, die bereits vor der Krise im Portfolio der Risikokapitalgeber waren. Bei diesen Finanzierungsrunden kann die KfW Capital bis zu 50 Prozent des Finanzierungsbedarfs des jeweiligen Investors übernehmen.

RP Online: Bekommen nur deutsche Risikokapitalgeber die Hilfsgelder?

Thomas Jarzombek: Nein. Entscheidend ist nicht der Investor, sondern das Investment. Heißt: „Das Investment muss in Unternehmen aus Deutschland gehen. Es geht uns darum, den Standort und die Start-ups zu stärken – und nicht die Investoren“, sagt Thomas Jarzombek, Start-up-Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums. Auch Risikokapitalgeber aus dem Ausland können damit Finanzierungsrunden gemeinsam mit der KfW Capital machen. Voraussetzung ist, dass sie bereits akkreditiert sind, also in der Vergangenheit schon mal gemeinsam mit der KfW oder auch dem europäischen Investitionsfonds EIF investiert haben. Andere Risikokapitalgeber, die das Programm in Anspruch nehmen wollen, müssen sich erst akkreditieren lassen, bis zu einer Summe von 12,5 Millionen Euro soll es ein vereinfachtes Verfahren geben.

RP Online: Wie soll verhindert werden, dass Investoren die Hilfsgelder missbrauchen?

Thomas Jarzombek: Die Vorschläge zum „Matching“ sind umstritten. Es gab im Vorfeld Befürchtungen, dass die Hilfen vom Staat dazu genutzt werden könnten, um Gelder von Investoren zu schützen. Für diese könne der Anreiz bestehen, besonders gute Investments ohne staatliche Hilfen abzuschließen, bei weniger guten jedoch KfW Capital mit ins Boot zu holen, um das eigene Risiko zu minimieren. Dieses Problem hat auch die Politik erkannt – und setzt daher auf eine sogenannte Andienungspflicht. „Die Andienungspflicht sorgt dafür, dass wir das Recht haben, bei allen Investments des Risikokapitalgebers mitzufinanzieren“, sagt Thomas Jarzombek.

RP Online: Welche Hilfen gibt es für Start-ups, die bislang kein Risikokapital bekommen haben?

Thomas Jarzombek: Bei kleineren Start-ups sollen die Förderinstitute der Bundesländer ihre bestehenden Programme aufstocken und dafür mit den entsprechenden Mitteln des Bundes ausgestattet werden. Die genauen Details sind noch unklar, darüber laufen momentan noch die Gespräche mit den Bundesländern. Weil nicht jedes Landesförderinstitut Risikokapital vergibt und unterschiedliche Förderprogramme hat, ist das Verfahren relativ zeitaufwendig.

RP Online: Wie schnell steht das Geld für Start-ups bereit?

Thomas Jarzombek: Die Bundesregierung geht davon aus, dass die ersten Gelder bereits im Mai an die Start-ups überwiesen werden können. Christoph Stresing, Geschäftsführer beim Bundesverband Deutsche Start-ups betont, dass Tempo wichtig sei: "Das beste Hilfsinstrument verfehlt seine Wirkung, wenn es zu spät kommt." Der Bundesverband hatte zuletzt Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, wonach vielen Start-ups schon bald das Geld ausgehen könnte.

RP Online: Warum braucht es überhaupt eigene Hilfsprogramme für Start-ups?

Thomas Jarzombek: Start-ups haben in der Regel kaum Chancen, Kredite von Banken zu bekommen, weil sie deren Risikoprüfung nicht bestehen würden. Start-ups haben noch keine gewachsenen Strukturen, meist keine Rücklagen und machen nur selten Gewinne. Deswegen holen sie sich einerseits Geld von Risikokapitalgebern. Auch der Staat hat daher schon vor Jahren entsprechende Instrumente wie den Hightech-Gründerfonds in Bonn geschaffen, um Start-ups zu fördern.

Quelle: RP Online vom 1. Mai 2020