Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Brigitte Zypries

© BMWi/Susanne Eriksson

Stuttgarter Zeitung (StZ): Frau Zypries, das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet gerade an einem Gesetzesentwurf zum Thema Mieterstrom. Was ist die Zielrichtung einer solchen Initiative?

Bundesministerin Zypries: Wir wollen die Mieter an der Energiewende besser beteiligen. Sie sollen etwas von der Förderung für erneuerbare Energien haben. Wenn ein Vermieter eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert hat, können künftig auch seine Mieter von dem Strom profitieren, der auf dem Hausdach produziert wurde. Bislang ist das für einen einzelnen Vermieter zu teuer. Das wollen wir verbessern.

StZ: Wer soll diesen so genannten Mieterstromzuschlag bezahlen? Bleibt es an den übrigen Stromkunden hängen?

Zypries: Die zusätzlichen Kosten für die anderen Stromverbraucher sind sehr überschaubar. An den Details arbeiten wir gerade, aber klar ist: Wir werden die Kosten in engen Grenzen halten. Ziel ist, das Gesetz noch vor der Bundestagswahl zu verabschieden.

StZ: Es gibt ja auch Kritik, beispielsweise vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der darauf verweist, dass Mieter in Gebäuden ohne Solaranlagen benachteiligt werden. Was sagen Sie denen?

Zypries: Andersherum wird ein Schuh draus: Wir wollen ja gerade, dass es attraktiv wird, seine Mieter zu beteiligen und in Photovoltaik zu investieren. Künftig hat auch eine Familie in einer Mietwohnung mitten in der Großstadt ganz persönlich etwas von der Erfolgsgeschichte Energiewende, nicht nur der Häuslebauer auf dem Land.

Das Gespräch führte Roland Pichler.

Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 07.03.2017, S. 14