GAIA-X ist gekennzeichnet durch die folgenden Kernelemente:

  1. Wir wollen für Europa, seine Staaten, seine Unternehmen und seine Bürgerinnen und Bürger die nächste Generation einer Dateninfrastruktur schaffen.
  2. Diese muss höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügen und Innovationen fördern. Wir verstehen diese Infrastruktur als Wiege eines Ökosystems, in dem Daten und Dienste verfügbar gemacht, zusammengeführt und vertrauensvoll geteilt werden können.
  3. Das Konzept stellt den akuten Bedarf und Mehrwert für die Anwender in den Fokus, die Anwendungsbeispiele illustrieren das.
  4. Das vorliegende Konzept ist als Vorschlag an Europa zu verstehen. Wir gehen diesen Weg gemeinsam mit Partnern aus Europa, allem voran Frankreich, und der EU-Kommission.
  5. Ambitioniertes Ziel ist es, die Idee 2020 in feste Formen zu gießen und Ende des Jahres erste Anwendungsfälle laufen zu haben.

Wir brauchen das Projekt aus drei wesentlichen Gründen:

  1. Datensouveränität: Die existierenden Cloud-Angebote werden von außereuropäischen Anbietern mit schnell skalierenden Infrastrukturen, hoher Marktmacht und großen Kapitalreserven dominiert. Gleichzeitig erleben wir wachsende internationale Spannungen und Handelskonflikte. Europa muss sich gegen zunehmende Abhängigkeiten wappnen und auf Dauer digital souverän agieren können.
  2. Datenverfügbarkeit: Wir brauchen eine Dateninfrastruktur, auf der wir vertrauensvoll, sicher und transparent Daten austauschen und verarbeiten können. Nur so können wir die skalierenden Vorteile großer Datenbestände in Europa nutzen.
  3. Innovation: Wir brauchen ein digitales Ökosystem, das innovative Produkte schafft und mit dessen Hilfe Unternehmen und Geschäftsmodelle aus Europa heraus weltweit wettbewerbsfähig skalieren können. Die Grundlage dafür liefert GAIA-X.

Die vernetzte Dateninfrastruktur ist:

  1. Dezentral: „Projekt GAIA-X“ vernetzt zentrale und dezentrale Infrastrukturen zu einem homogenen System.
  2. Sicher, vertrauenswürdig und souverän: Ziel ist die Schaffung eines modular aufgebauten, sicheren, vertrauenswürdigen und nutzerfreundlichen Verbundsystems von bestehenden Cloudanbietern und deren Angeboten, das den souveränen Umgang mit Daten und Anwendungen (Algorithmen) gewährleistet.
  3. Transparent: Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren von Markttransparenz, breitem Zugang zu maßgeschneiderten Angeboten und den daraus resultierenden Handlungsoptionen.
  4. Offen: Die Dateninfrastruktur basiert auf einem Open Source-Ansatz.
  5. Basis eines Ökosystems: Das auf Grundlage der Infrastruktur entstehende Ökosystem stärkt sowohl die digitale Souveränität der Nachfrager von Cloud-Dienstleistungen als auch die Skalierungsfähigkeit und Wettbewerbsposition europäischer Cloud-Anbieter. Es befördert Innovationen und ermöglicht einen einfachen Zugang zu neuen digitalen Technologien.

Durch die Umsetzung von GAIA-X soll kein Konkurrenzprodukt zu bereits existierenden Angeboten (zum Beispiel von Hyperscalern) geschaffen werden. Vielmehr sollen durch GAIA-X verschiedene Elemente über offene Schnittstellen und Standards miteinander vernetzt werden, um Daten zu verknüpfen und eine Innovationsplattform zu schaffen. Dabei steht das Projekt allen Interessierten gegenüber offen, seien es große Industrieunternehmen, KMUs oder Start-ups. Als starker Erfolgsfaktor in der digitalen Ökonomie stehen dabei stets die Anwender im Mittelpunkt.

Der Staat hat ein gesamtwirtschaftliches Interesse: er hat ein Sicherheits- und Souveränitätsbedürfnis, und er muss die Weichen stellen, damit Deutschland auch in der Zukunft innovativ und wettbewerbsfähig ist. Mit dem Projekt „GAIA-X“ soll die infrastrukturelle Grundlage dafür geschaffen werden. Allerdings müssen sich, um eine derart komplexe Struktur aufzubauen, zahlreiche Akteure – sowohl von Anbieter- als auch Nutzerseite – zusammenfinden. Die beteiligten Ministerien haben als Impulsgeber und neutrale Mittler die Zusammenarbeit unter diesen Akteuren angeschoben, die außerhalb des Projektes GAIA-X bislang nicht stattgefunden hat.

Darüber hinaus tritt der Staat in der digitalen Welt nicht nur als Regulierer auf, sondern auch als Anwender. Für Anwendungen in der öffentlichen Verwaltung spielen Sicherheit, Verlässlichkeit, Vertrauen und Transparenz eine entscheidende Rolle. Anwendungen in der Wissenschaft sind vor allem auf eine hohe Leistungsfähigkeit der Infrastruktur und eine breite Datenverfügbarkeit angewiesen.

Ziel ist, das Projekt in feste Strukturen zu überführen. Um dies zu erreichen, soll bis Frühling 2020 eine Organisation mit Rechtsfähigkeit gegründet werden. Aufgabe dieser Organisation wird die Erarbeitung der technischen Lösung und des Regelwerks sein. Ein Proof of Concept soll bis Ende 2020 erfolgen. Interessierte europäische Partner sind eingeladen, das Projekt mit uns gemeinsam weiterzuentwickeln. Wir freuen uns, dass die französische und die deutsche Regierung diesbezüglich bereits eine enge Zusammenarbeit beschlossen haben.

Weitere Hintergrundmaterialien und Informationen zum Projekt GAIA-X sind auf der Homepage www.daten-infrastruktur.de verfügbar. Unternehmen und Organisationen, die sich für die Mitwirkung am Projekt interessieren, können auch direkt über data-infrastructure@bmwi.bund.de mit den Verantwortlichen in Kontakt treten.

Das Projekt ist auf Initiative der Leitungsunternehmen der Plattform Industrie 4.0 erwachsen. Hierzu gehören das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung, sowie von Unternehmensseite SAP, Telekom, Bosch, Siemens, Festo und Schunk.

Im Zuge der konkreten Ausarbeitung des Projektkonzepts sind weitere Partner von Anbieter- und Anwenderseite hinzugezogen worden, um das Projekt mit fachlicher Expertise zu bereichern und weiterzuentwickeln.

Am Projekt haben eine Vielzahl von Unternehmen und Organisationen mitgewirkt. Hierzu gehören Technologieunternehmen – sowohl große Konzerne als auch kleine und mittlere Unternehmen –, die aus Anbieterperspektive einen technologischen Vorschlag erarbeitet haben. Für den Erfolg des Projekts ist auch und besonders die anwendergetriebene Nachfrage nach der Infrastruktur entscheidend. Deshalb haben unterschiedliche Unternehmen zum Beispiel aus Industrie, dem Gesundheitssektor und der Verwaltung das Projekt mitgestaltet. Auch Verbände und bestehende Initiativen wie die International Data Spaces Association und Trusted Cloud wurden eng mit einbezogen.

Das Projekt fokussiert vor allem auf die Erfordernis einer europäischen Lösung, die natürlich international anschlussfähig sein soll. Auch außereuropäische Partner sind uns willkommen, insofern sie unsere Werte und Ziele - Datensouveränität und Datenverfügbarkeit - teilen.