Die Austrittsregeln finden sich in Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union (EUV): Wenn ein Mitgliedsstaat aus der Europäischen Union austreten will, muss er den Europäischen Rat darüber informieren. Die Mitteilung der Austrittsabsicht durch die britische Regierung an den Europäischen Rat am 29. März 2017 markierte den Beginn der Verhandlungen für das Austrittsabkommen. Die Staats- und Regierungschefs der EU27 haben im Europäischen Rat (Art. 50 EUV) am 29. April 2017 Leitlinien beschlossen, die die wesentlichen Grundprinzipien der Verhandlungen festlegen; weitere Leitlinien hat der Europäische Rat (Art. 50 EUV) am 15. Dezember 2017 und 23. März 2018 beschlossen.

Nach intensiven Verhandlungen haben sich die Europäische Kommission und die britische Regierung im November 2018 auf ein Austrittsabkommen und eine politische Erklärung über den Rahmen für die zukünftigen Beziehungen geeinigt. Die Staats- und Regierungschefs haben bei einem Sondertreffen des Europäischen Rats (Art. 50 EUV) am 25. November 2018 zugestimmt. Am 17. Oktober 2019 haben sich die Verhandlungsführer auf ein leicht modifiziertes Paket geeinigt. Für das Inkrafttreten des Austrittsabkommens sind als nächste Schritte die Zustimmung beziehungsweise die formelle Ratifizierung durch das Europäische und das britische Parlament erforderlich. Das britische Parlament hat am 22. Oktober 2019 grundsätzlich für das innerstaatliche Umsetzungsgesetz gestimmt, jedoch den damit verbundenen Zeitplan abgelehnt. Das weitere Verfahren im Vereinigten Königreich nach den Parlamentswahlen am 12. Dezember 2019 ist Sache der britischen Regierung. Die Abstimmung im Europäischen Parlament wurde bis auf weiteres verschoben.

Für die Verhandlungen sieht Artikel 50 EUV einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren vor. Tritt innerhalb der zwei Jahre kein Austrittsabkommen in Kraft, finden die Europäischen Verträge auf das Vereinigte Königreich keine Anwendung mehr. Diese Zweijahresfrist kann der Europäische Rat allerdings einstimmig im Einvernehmen mit dem Vereinigten Königreich verlängern.

Dies kam bislang bereits dreimal zum Tragen: Am 21. März 2019 haben die Staats- und Regierungschefs der EU27 beim Europäischen Rat beschlossen, die Austrittsfrist bis zum 12. April zu verlängern. Am 10. April 2019 hat der Europäische Rat (Art. 50 EUV) die Austrittsfrist nochmals einstimmig und im Einvernehmen mit der britischen Regierung auf den 31. Oktober 2019 verlängert und am 28. Oktober 2019 entsprechend des Antrags der britischen Regierung nochmals bis zum 31. Januar 2020. Damit soll der britischen Politik mehr Zeit eingeräumt werden, sich über die wichtigen Fragen der Annahme des Austrittsabkommens und der Ausgestaltung des zukünftigen Verhältnisses innenpolitische Klarheit zu verschaffen. Sollte eine Ratifizierung nicht gelingen, könnte das Austrittsabkommen inklusive Übergangsphase nicht in Kraft treten, und der Austritt würde „ungeregelt“ erfolgen.

Während der Verhandlungen bleibt das Vereinigte Königreich rechtlich grundsätzlich vollwertiges Mitglied der EU. Seine Rechte und Pflichten als EU-Mitglied gelten fort und es nimmt mit Stimmrecht an den Beratungen im Rat teil – allerdings mit Ausnahme der Beratungen über den Austritt. Das Vereinigte Königreich muss sich auch weiter an EU-Recht halten und darf keine vom EU-Recht abweichenden Regelungen erlassen.