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Artikel - Wirtschaftliche Entwicklung

Wirtschaftliche Entwicklung und Konjunktur

Einleitung

Durch die Corona-Pandemie geraten die Weltwirtschaft und mit ihr die deutsche Volkswirtschaft in eine Rezession. Das zeigt die Frühjahrsprojektion 2020, die Ende April veröffentlicht wurde. Für das Jahr 2020 rechnet die Bundesregierung mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent (preisbereinigt). Für das Jahr 2021 wird im Zuge des Aufholprozesses ein Zuwachs in Höhe von 5,2 Prozent erwartet.

Die Bundesregierung prognostiziert unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie dreimal im Jahr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Als Teil des Jahreswirtschaftsberichts veröffentlicht die Bundesregierung im Januar die Jahresprojektion. Die Frühjahrs- und Herbstprojektionen bilden die Grundlage für die Schätzungen des Steueraufkommens im Arbeitskreis "Steuerschätzungen". Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen orientieren sich bei der Aufstellung ihrer Haushalte an den projizierten gesamtwirtschaftlichen Eckwerten. Auch die Meldungen an die Europäische Union im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes werden auf Grundlage der Projektionen erstellt.

Die Bundesregierung projiziert die Wirtschaftsentwicklung in der kurzen und mittleren Frist sowie das Produktionspotenzial. Diese Schätzungen sind Grundlage für die Berechnung der Obergrenze der jährlichen Nettokreditaufnahme nach der Schuldenregel gemäß den Artikeln 109 und 115 des Grundgesetzes. Frühere Projektionen finden Sie im Archiv.

Die aktuelle Schätzung aus der Frühjahrsprojektion 2020 können Sie hier einsehen.

Eckwerte der Frühjahrsprojektion 2020

Veränderung des Bruttoinlandsproduktes (preisbereinigt)201920202021
Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent
Bruttoinlandsprodukt [1]0,6-6,35,2
Konsumausgaben privater Haushalte [2]1,6-7,46,5
Konsumausgaben des Staates2,63,71,3
Bruttoanlageinvestitionen2,6-5,03,5
- darunter Ausrüstungen 0,6-15,18,7
- Bauten3,9-1,01,1
- Sonstige Anlagen2,72,02,5
Vorratsveränderung und Nettozugang an Wertsachen (Impuls)-0,90,00,0
Inlandsnachfrage1,0-4,54,6
Exporte 0,9-11,67,6
Importe1,9-8,26,5
Außenbeitrag (Impuls) [3]-0,4-2,10,8
Preisentwicklung:
Konsumausgaben privater Haushalte [2]1,30,31,4
Bruttoinlandsprodukt2,21,71,5
Erwerbstätige (Inland)0,9-0,80,4
nachrichtlich:
Verbraucherpreisindex1,40,51,5
absolute Werte in Mio. Personen
Erwerbstätige (Inland)45,344,945,0
Arbeitslose (BA)2,272,622,46

[1] Im Jahr 2020 beträgt das kalenderbereinigte Wachstum -6,7 % und die Jahresverlaufsrate beträgt -5,5%:
[2] Einschließlich der Organisationen ohne Erwerbszweck;
[3] Absolute Veränderung des Außenbeitrags in Prozent des BIP des Vorjahres (=Beitrag zur Zuwachsrate des BIP).

Kennzahlen zur Frühjahrsprojektion der Bundesregierung

-6,3
Symbolicon für Wachstumskurve

Prozent Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
2020 gegenüber Vorjahr

-11,6
Symbolicon für Lastenwagen

Prozent Rückgang der Exporte
2020 gegenüber Vorjahr

-7,4
Symbolicon für Geld

Prozent Rückgang der privaten Konsumausgaben
2020 gegenüber Vorjahr

370
Symbolicon für Arbeiter

Tausend weniger Erwerbstätige
2020 gegenüber Vorjahr

Aktuelle Lage

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2020

Nach der Lockerung von Infektionsschutzmaßnahmen im In- und Ausland hat eine spürbare Erholung der deutschen Wirtschaft eingesetzt. Der Erholungsprozess steht aber erst am Anfang. Die Kapazitäten sind noch deutlich unterausgelastet. Die Industrieproduktion hat ihren Tiefpunkt überschritten. Die gestiegenen Auftragseingänge deuten auf eine anziehende Produktion in den kommenden Monaten hin. Risiken bestehen jedoch insbesondere in der sich nur sehr leicht belebenden Nachfrage aus dem Nicht-Euroraum. Die Pandemie-bedingte Belastung nimmt auch am Arbeitsmarkt weiter ab. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt im Juni mit +69.000 Personen gegenüber dem Mai deutlich schwächer aus als in den Vormonaten. Ersten Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren im Mai etwa 6 Mio. Personen in Kurzarbeit nach 6,8 Mio. Personen im April. Die Frühindikatoren haben sich nach dem Einbruch in den Vormonaten wieder etwas erholt.

ALLGEMEINE LAGE: KONJUNKTURELLER TIEFPUNKT IM APRIL, DANN ALLMÄHLICHE ERHOLUNG

Der konjunkturelle Tiefpunkt ist durchschritten. Nach einem beispiellosen Einbruch im April geht es im Mai wieder aufwärts. Die im letzten Monat veröffentlichten Konjunkturindikatoren senden zwei Signale: die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem spürbaren Aufholprozess, die Kapazitäten sind aber noch stark unterausgelastet.[1] Die Lockerungen von Infektionsschutzmaßnahmen im In- und Ausland lassen Nachfrage und Angebot wieder steigen. Die Industrie meldete für den Mai einen Produktionszuwachs von +10,3 Prozent gegenüber April. Im Bereich Kfz und Kfz-Teile erholte sich der Produktionsindex besonders stark. Laut VDA werden im Juni weitere Steigerungen verzeichnet; sowohl die Neuzulassungen (+18 Prozent) als auch die Produktion (+84 Prozent) legten gegenüber Mai zu. Der Blick nach vorn deutet auf eine weitere Verbesserung hin; der ifo- und PMI-Index sowie die Auftragseingänge sind aufwärtsgerichtet. Auch in Teilen des Dienstleistungssektors hat die Erholung eingesetzt. Dies zeigt zum Beispiel die Entwicklung im Einzelhandel (ohne Kfz), für den inzwischen die Umsatzzahlen für Mai vorliegen: Mit einem Plus von +13,9 Prozent fiel die Gegenbewegung zum April deutlich aus. In der zweiten Jahreshälfte entstehen weitere Anreize zum Konsum durch die befristete Senkung der Steuern vom Umsatz. Für das mittlerweile abgelaufene zweite Quartal dürfte das Statistische Bundesamt am 30. Juli allerdings trotz gesamtwirtschaftlicher Erholung eine deutlich negative Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts melden. Dies geht insbesondere auf den historisch einmaligen Einbruch im April zurück. Erst ab dem dritten Quartal werden für das Bruttoinlandsprodukt wieder positive Raten zu verzeichnen sein. Der Aufholprozess der deutschen Wirtschaft ist zwar dynamisch, steht aber erst am Anfang. Die Unterauslastung der Produktionskapazitäten ist noch hoch. Die Industrieproduktion befand sich im Mai erst bei etwa 75 Prozent des Niveaus vor Corona; in der Kfz-Branche waren es nur knapp 50 Prozent (laut VDA im Juni ca. 74 Prozent). Mit entscheidend für den weiteren Verlauf der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird auch sein, wie schnell sich die Auslandsnachfrage nach deutschen Gütern erhöht. Im Mai wurden die Warenexporte mit +11,6 Prozent (nominal) zwar kräftig gesteigert. Die Ausfuhren zu wichtigen Handelspartnern, die besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffen sind (z. B. Vereinigte Staaten und das Vereinigte Königreich), entwickeln sich aber schwächer als zu anderen Staaten (z. B. China). Auch bei den Auftragseingängen aus dem Ausland gibt es Unterschiede. Während die Aufträge aus der Eurozone für eine Verbesserung sprechen, unterstreichen die sich nur schleppend erholenden Bestellungen aus dem Nicht-Euroraum das Risiko der weltwirtschaftlichen Lage für die deutsche Konjunktur.

Lesen Sie hier mehr zur wirtschaftlichen Lage im Juli.

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Der monatliche Bericht "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" informiert über die aktuellen Themen der deutschen Wirtschaftspolitik. Mit Analysen und Grafiken bietet er einen kompakten Überblick über die gesamtwirtschaftliche Situation.

Um den Einsatz von Wasserstofftechnologien voranzubringen, hat die Bundesregierung im Juni die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Damit setzt sie sich zum ersten Mal quantitative Ziele für die Produktion von Wasserstoff und bringt Forschung, Entwicklung und Technologietransfer voran. In der aktuellen Ausgabe der Schlaglichter zeigen wir, wie die Wasserstoffstrategie die Energiewende voranbringen kann.

In weiteren Beiträgen beleuchten wir unter anderem die handelspolitischen Schwerpunkte der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und berichten über die Ergebnisse einer vom BMWi in Auftrag gegebenen Umfrage zur Betroffenheit deutscher Unternehmen durch die Corona-Pandemie. Darüber hinaus erörtern wir die Bedeutung von Innovationsclustern für den Mittelstand und berichten über das aktuelle Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats zum Thema Infrastruktur.

Zudem finden Sie wie immer ausführliche Informationen über die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland und der Welt, unter anderem unseren ersten BIP-Nowcast für das dritte Quartal.

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Weiterführende Informationen

Graph zum Thema Wirtschaftliche Entwicklung; Quelle: istockphoto.com/jxfzsy