Ingenieur in der Ausbildung zum Thema Flüchtlingspolitik; Quelle: iStock.com/SolStock

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Zugang zu Ausbildung und Arbeit erleichtern

Die Bundesregierung hat auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zahlreiche Maßnahmen verabredet, um die Zuwanderung von Schutzsuchenden zu reduzieren, ohne das Grundrecht auf Asyl in Frage zu stellen. Damit Flüchtlinge bessere Ausbildungschancen und eine klare Perspektive haben wurde nach dem Integrationsgesetz von 2016 Mitte 2019 das Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung verabschiedet. Beide Gesetze fördern einerseits die Integration der Menschen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt und verpflichten sie andererseits zu eigenen Integrationsbemühungen („fördern und fordern“). Es wurden auch Erleichterungen für Unternehmen geschaffen, die Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen wollen. Von besonderer Bedeutung ist die sogenannte 3+2 Regelung, mit der geduldete Flüchtlinge die Sicherheit erhalten, für die Zeit ihrer Ausbildung und unmittelbar danach in Deutschland bleiben zu dürfen. Dies ist ein wichtiger Schritt für mehr Rechtssicherheit und Verfahrensvereinfachungen für Flüchtlinge und Ausbildungsbetriebe. Das Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung fasst die Regelungen über die Ausbildungsduldung klarer, weitet sie auf Helferberufe aus und schafft außerdem mit der Beschäftigungsduldung einen gesicherten Status für gut integrierte Geduldete. Weitere Informationen zur 3+2 Regelung sind hier und zur Beschäftigungsduldung sind hier abrufbar.

Willkommenslotsen unterstützen Unternehmen bei der Integration von Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit

Als eine Maßnahme der Allianz für Aus- und Weiterbildung wurden sogenannte Willkommenslotsen eingerichtet. Der damalige Bundesminister Sigmar Gabriel und der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, gaben im Dezember 2015 den Startschuss für das Programm. Derzeit sind rund 95 Willkommenslotsen an 83 Kammern und anderen Organisationen der Wirtschaft bundesweit im Einsatz.

Die Willkommenslotsen helfen bei der Besetzung von freien Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit Geflüchteten. In diesem Kontext beraten sie Unternehmen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, Fragen zu Sprachförderung, Aufenthaltsstatus, Qualifikationsbedarf sowie zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Sie stehen auch nach einer erfolgreichen Stellenbesetzung als Ansprechpartner für die Unternehmen zur Verfügung. Das erfolgreiche Programm wurde 2018 evaluiert. Die Richtlinie für die Willkommenslotsen wurde aufgrund der Erkenntnisse der Evaluation in der ersten Jahreshälfte 2019 überarbeitet und an die aktuellen Herausforderungen angepasst. Am 11. September 2019 wurde die Verlängerung der Richtlinie für weitere vier Jahre im Bundesanzeiger bekannt gegeben.

2019 haben die Willkommenslotsen insgesamt rund 6.300 Unternehmen individuell beraten. In dieser Zeit konnten rund 2.300 Ausbildungsplätze und rund 760 Arbeitsplätze besetzt werden. Hinzu kamen rund 650 Einstiegsqualifizierungen als Vorbereitung auf einen Ausbildungsplatz.

Die Willkommenslotsen haben das erste Halbjahr 2020 pandemiebedingt genutzt, um neue Kommunikationsformen mit Unternehmen und Bewerbern zu etablieren. Die Integration von Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit erfährt in der Corona-Pandemie eine neue Aktualität und Relevanz, da viele Unternehmen bezüglich Neueinstellungen aktuell eher zurückhaltend sind.

NETZWERK „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“: Über 2500 Unternehmen. Ein Netzwerk. Neue Wege.

Im März 2016 wurde das NETZWERK "Unternehmen integrieren Flüchtlinge" vom BMWi und der DIHK ins Leben gerufen. Inzwischen ist das NETZWERK deutschlandweit der größte Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für die Beschäftigung von Geflüchteten engagieren. Das NETZWERK zählt bundesweit über 2.500 Mitgliedsunternehmen, ein Großteil davon sind kleine und mittlere Unternehmen.

Von bundesweiten Veranstaltungen über Webinare bis hin zu Publikationen mit aktuellen und praxisrelevanten Informationen – das NETZWERK bietet seinen Mitgliedern eine Vielzahl an Möglichkeiten, um von folgenden Angeboten zu profitieren:

  • Know-how zu Rechtsfragen, Fördermöglichkeiten und Ansprechpartnern
  • Praxis-Tipps zur Integration von geflüchteten Menschen in Ausbildung und Beschäftigung
  • Erfahrungsaustausch und Kooperation sowie gute Beispiele aus dem betrieblichen Alltag
  • Sichtbarkeit unternehmerischen Engagements auf Veranstaltungen und in der Presse

Laut Mitglieder-Kurzumfrage wurden im Jahr 2019 mehr als 5.100 Beschäftigungen im NETZWERK geschaffen, davon mehr als 1.000 Ausbildungsverhältnisse und Einstiegsqualifizierungen:

Wie viele Geflüchtete beschäftigten Sie auf den jeweiligen Positionen? Bild vergrößern

Wie viele Geflüchtete beschäftigten Sie auf den jeweiligen Positionen?

Das NETZWERK arbeitet sowohl auf Bundes- als auch auf regionaler Ebene mit verschiedenen Akteuren sowie engagierten IHKs und HWKs zusammen. Die Mitgliedschaft und Nutzung aller Angebote ist kostenlos.

Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: "So gelingt die Integration von Flüchtlingen"

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) bietet kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) umfassende Informationen zur Fachkräftesicherung. Dabei spielt auch die Integration von Flüchtlingen in den Unternehmen eine wichtige Rolle. Unter dem Motto "Flüchtlinge integrieren, Fachkräfte gewinnen" stellt das KOFA allen interessierten Unternehmen ein umfangreiches Dossier mit Wegweisern, Handlungsempfehlungen, Videos und Praxisbeispielen zur Verfügung. In einer repräsentativen Erhebung zum Engagement von Unternehmen bei der Integration von Flüchtlingen, die das KOFA im September 2020 veröffentlicht hat, zeigte sich, dass die Integration zunehmend nachhaltig gelingt. So stieg der Anteil Geflüchteter in regulärer Beschäftigung seit 2017 um mehr als 50 Prozent und inzwischen bildet bereits jedes zehnte Unternehmen im Rahmen der dualen Ausbildung Geflüchtete aus. Die Studie ist auf der Internetseite des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung abrufbar.

Integration: Mehr Geflüchtete in Ausbildung und Beschäftigung

Knapp jedes vierte Unternehmen in Deutschland beschäftigt Geflüchtete. Das sind 429.000 Unternehmen, rund 18.000 mehr als noch vor drei Jahren. Zugleich stieg der Anteil Geflüchteter in regulärer Beschäftigung um mehr als 50 Prozent, während die Anzahl der Praktika zurückgegangen ist. Inzwischen bildet bereits jedes zehnte Unternehmen Geflüchtete im Rahmen einer dualen Ausbildung aus. Die Integration gelingt somit zunehmend nachhaltiger. Allerdings sind mangelnde Deutschkenntnisse immer noch das Haupthemmnis für die Einstellung und die zentrale Herausforderung im Arbeitsalltag. Dies belegt eine neue repräsentative Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

BQ-Portal: Das Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen

Darüber hinaus können Unternehmen mit dem vom BMWi geförderten bq-Portal auf Deutschlands umfangreichste Wissens- und Arbeitsplattform zu ausländischen Berufsqualifikationen zurückgreifen. Das Portal bietet Beschreibungen von 96 Berufsbildungssystemen weltweit und knapp 4.200 ausländischen Berufsprofile, die dabei helfen, die Qualifikation von Bewerbern besser einzuschätzen. Mithilfe unserer Ländersteckbriefe können sich Interessierte einen ersten Überblick zu den jeweiligen Flüchtlingsherkunftsländern verschaffen: Dort gibt es Informationen zum Bildungsstand, zur Zuwanderung nach und Integration in Deutschland und Europa, den wichtigsten Charakteristika der jeweiligen Berufsbildungssysteme sowie Erfahrungsberichte über die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen im Rahmen des Anerkennungsverfahrens.

Allianz für Aus- und Weiterbildung: Gebündelte Kompetenz

Bereits im Herbst 2015 haben sich die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung (Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Wirtschaftsverbände BDA, BFB, DIHK und ZDH, von Gewerkschaften und Ländern) auf zentrale Schritte zur Integration Geflüchteter in Ausbildung und Arbeit verständigt. Mit der am 26. August 2019 unterzeichneten neuen Erklärung haben sich die Allianz-Partner auf zentrale Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen verständigt, um möglichst alle Menschen zu einem qualifizierten Berufsabschluss zu bringen. Dabei sehen die Allianz-Partner in der praxisnahen, dualen Ausbildung ein großes Integrationspotenzial für Geflüchtete sowie ein zu behebendes Fachkräftepotenzial für Unternehmen. Die Allianzpartner setzen sich daher weiterhin für eine bundesweit einheitliche, integrationsfreundliche Anwendung der 3+2-Regelung ein, die Rechtssicherheit für Betriebe und deren Auszubildende mit Fluchthintergrund schafft. Arbeitsmarktpolitisch sinnvoll erachtet die Allianz die Öffnung der Ausbildungsförderung für all diejenigen Geflüchteten, die eine Ausbildung absolvieren und dabei der Unterstützung bedürfen. Die Allianz setzt sich überdies für eine verbesserte Sprachförderung Geflüchteter ein. Erfahrungen bei der Ausbildung Geflüchteter wird die Allianz bündeln, um deren Ausbildungsbeteiligung von der Vorbereitung bis zum qualifizierten Abschluss nachhaltig zu verbessern. Der Bund unterstützt die Vermittlung in Ausbildung unter anderem durch das Programm „Willkommenslotsen“ (siehe oben). Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite der Allianz für Aus- und Weiterbildung.

Modellprojekt „Gemeinsam in die Ausbildung“

Von November 2016 bis Ende 2018 förderte das BMWi das Modellprojekt „Gemeinsam in die Ausbildung“. Geflüchtete und deutsche Jugendliche wurden hier gemeinsam auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet (zum Beispiel durch berufsvorbereitenden Unterricht, Sprachkurse sowie Praktika) passgenau in einen Handwerksbetrieb vermittelt und im ersten Ausbildungsjahr begleitet. Seit 2019 erfolgt im Rahmen einer Folgeförderung die weitere Ausbildungsbegleitung der jungen Menschen und der Ausbildungsbetriebe bis zum Erwerb des Ausbildungsabschlusses an den Projektstandorten Duisburg und Recklinghausen Das Projekt verfolgt neben dem Ansatz der „doppelten Integration“ die Betreuung aus einer Hand und unter einem Dach und soll einen Beitrag zur Überwindung des Fachkräftemangels in Handwerksberufen leisten. Die wissenschaftliche Begleitforschung durch das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP GmbH) bestätigt, dass der erprobte Ansatz zu einem erfolgreichen Modell für die Integration von Geflüchteten und weiteren Zielgruppen mit Einstiegshemmnissen werden kann. Die im Rahmen des Modellvorhaben identifizierten Erfolgsbedingungen bieten interessante Anknüpfungspunkte für einen Transfer des GidA-Modells (PDF, 1 MB) auf andere Branchen, Zielgruppen und Regionen.

Informationen und Unterstützung für Helfende in Deutschland

2015 und 2016 sind mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Integration der Menschen, die längerfristig bei uns bleiben werden, kann nur mit Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gelingen.

Wie hilft Deutschland in der Flüchtlingskrise? Was tun wir gegen Fluchtursachen? Und wie hilft Europa? Die Bundesregierung bietet auf der Themenseite "Migration und Integration" ein umfassendes Informationsangebot zu vielfältigen Fragestellungen und Themen.