Weibliche Ingenieurin bei der Arbeit

© iStock.com/zoranm

Um im internationalen Innovationswettlauf bestehen zu können, brauchen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Forschungseinrichtungen, deren Forschungs- und Entwicklungsarbeit (FuE) sich konkret an ihren Bedürfnissen orientiert und deren Ergebnisse schnell und effizient transferiert und umgesetzt werden können. Damit Unternehmen im vorwettbewerblichen Stadium Zugang zu praxisorientierter Forschung erhalten, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die themenoffene und branchenübergreifende Programmlinie "Industrieforschung für Unternehmen" eingerichtet.

Die Programmlinie umfasst die beiden Förderprogramme "Richtlinie über die Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung – IGF" und "Richtlinie zur FuE-Förderung gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen - Innovationskompetenz (INNO-KOM)"

I. Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF)

Der Produktentwicklung vorgelagerte Forschung ist für KMU wichtig, um mit neuen Trends mithalten zu können. Allerdings können sie die Finanzierung oft nicht selbst leisten. Das Programm setzt hier an.

Aus dem Kreis der Unternehmen werden gute Projektideen den Forschungsvereinigungen vorgeschlagen, die in der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen Otto von Guericke e.V. (AiF) zusammengeschlossen sind. Eine Fachjury bewertet unter anderem, ob der Vorschlag Innovationspotenzial für die gesamte Branche enthält. Forschungseinrichtungen bearbeiten die erfolgreich ausgewählten Projekte in Zusammenarbeit mit einem projektbegleitenden Ausschuss, in dem vor allem KMU vertreten sein müssen. Dieses Gremium wirkt lenkend und beratend bei dem Projekt mit und sorgt gleichzeitig für den Ergebnistransfer. Insgesamt sind 20.000 Unternehmensbeteiligungen bei den 1.600 laufenden IGF-Vorhaben zu verzeichnen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) stellt im Rahmen der IGF aktuell rund 169 Millionen Euro für herausragende Forschungsprojekte und die Netzwerkbildung zwischen mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen bereit. In den nächsten Jahren soll das Fördervolumen auf mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr steigen.

Das wesentliche Kennzeichen der IGF ist die Zusammenarbeit von Unternehmen in der vorwettbewerblichen Forschung: Die Forschungsergebnisse der Projekte sind für alle beteiligten Unternehmen und Akteure gleichermaßen zugänglich. Sie dürfen nicht zu einseitigen Wettbewerbsvorteilen einzelner Unternehmen führen.

Durch den Zugang zu praxisnahen Forschungsergebnissen wird die technologische Leistungsfähigkeit der mittelständischen Wirtschaft gestärkt und die technologische Entwicklung in den beteiligten Branchen und Technologiefeldern gefördert. Zudem soll eine dauerhafte Forschungskooperation von Forschungseinrichtungen und Unternehmen in branchenweiten oder branchenübergreifenden Netzwerken geschaffen werden.

Die speziellen Fördervarianten CORNET (vernetzt Forschungsaktivitäten auf internationaler Ebene durch länderübergreifende Projektkooperation), PLUS (mit flankierten Vorhaben der Grundlagenforschung oder zur Umsetzung in Verfahren, Produkte und Dienstleistungen) und Leittechnologien für KMU (mehrteilige Forschungsprojekte von verschiedenen Forschungsvereinigungen an mehreren Forschungseinrichtungenstellen) erweitern die Forschungsmöglichkeiten der IGF.

Weiterhin kann die IGF aktuelle Entwicklungen aufgreifen, wie zum Beispiel Projekte, die in engem Zusammenhang mit der Energiewende stehen. Die Fördermöglichkeiten der Forschungsallianz Energiewende richten sich an Unternehmen industrieller Wertschöpfungsketten mit direktem Energiebezug.

Die administrative Begleitung des Programms erfolgt durch die AiF. Unter ihrem Dach sind 100 Forschungsvereinigungen zusammengeschlossen, deren Mitglieder - über 50.000 Unternehmen - aus nahezu allen Wirtschaftszweigen des verarbeitenden Gewerbes kommen. Die AiF ist auch Ansprechpartner für etablierte Unternehmen sowie Start-ups, die am AiF-Innovationsnetzwerk interessiert sind.

II. FuE-Förderung gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen - Innovationskompetenz (INNO-KOM)

Gemeinnützige externe Industrieforschungseinrichtungen sind wichtige Forschungs- und Technologiepartner für den innovativen Mittelstand. Sie bieten anwendungsorientierte technische Lösungen für Unternehmen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), und sind Initiatoren von Forschungs- und Entwicklungs-Kooperationen und Netzwerken des innovativen Mittelstands.

Das Programm INNO-KOM unterstützt die innovative Leistungsfähigkeit dieser Einrichtungen und stärkt damit nachhaltig die Innovationskraft der Wirtschaft in strukturschwachen Regionen im gesamten Bundesgebiet. Dafür stehen in 2018 77 Millionen Euro zur Verfügung.

INNO-KOM leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Schaffung eines umfassenden und innovationsorientierten Fördersystems für strukturschwache Regionen.

Gefördert werden:

  • Vorhaben der Vorlaufforschung (Modul VF): Grundlagenforschung mit Fokus auf industrielle oder kommerzielle Anwendungsbereiche,
  • Marktorientierter Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von der Detailkonzeption bis zur Fertigungsreife (Modul MF) und
  • Investitionsmaßnahmen zur Verbesserung der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur (Modul IZ): Ausgaben für investive Maßnahmen zur Verbesserung der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur.

Forschungseinrichtungen, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, können bis 31. Dezember 2021 Anträge beim Projektträger EuroNorm GmbH stellen. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Förderprogramms, Forschungsergebnisse und im Innovationskatalog.