Leichtbau ist eine Konstruktionsphilosophie, die auf Reduzierung des Gewichts bei gleichzeitiger Verbesserung der Ressourceneffizienz sowie verbesserte beziehungsweise zusätzliche Funktionalitäten abstellt. Aufgrund der vielseitigen Ausprägungen und Anwendungsbereiche der Querschnittstechnologie Leichtbau ist ein ganzheitlicher und interdisziplinärer Ansatz erforderlich, der Leichtbaulösungen aus unterschiedlichen Perspektiven und Anwendungen zusammenbringt und weiterentwickelt.

An dieser Stelle setzt das Technologietransfer-Programm Leichtbau (TTP LB) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) an. Mit einem Fördervolumen in Höhe von 300 Millionen Euro wird der branchenübergreifende Wissens- und Technologietransfer unterstützt und Leichtbau als Zukunftstechnologie weiterentwickelt. Damit wird ein wichtiger Beitrag geleistet, den Industriestandort Deutschland, die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze zu sichern, die Innovationskultur auszubauen sowie Umwelt- und Klimaschutz zu befördern.

Eine wichtige Grundlage für die inhaltliche Ausgestaltung des TTP LB ist eine Ex-ante Evaluierung, die im Auftrag des BMWi durchgeführt wurde. Dabei wurde unter anderem eine Bestandsaufnahme der deutschen, europäischen und internationalen Förderlandschaft zum Thema Leichtbau vorgenommen und entsprechende Förderlücken identifiziert, die nun durch das TTP LB geschlossen werden sollen. Damit soll eine passgenaue Ergänzung zu bereits bestehenden Förderprogrammen sichergestellt werden. Den Abschlussbericht der Studie finden Sie hier.

Auch der interaktive Prozess zur Entwicklung einer Leichtbau-Strategie des BMWi hat entscheidende Impulse und Anregungen für die Erarbeitung des TTP LB beigesteuert.

Die Bekanntmachung des Technologietransfer-Programms Leichtbau (veröffentlicht im Bundesanzeiger vom 09. April 2020) finden Sie hier (PDF, 507 KB).

Warum wird gefördert?

Das BMWi unterstützt mit dem TTP LB Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsvorhaben im Leichtbau indem es insbesondere folgende Ziele verfolgt:

  • Der Leichtbau soll in die breite industrielle Anwendung getragen werden.
  • Innovations- und Wertschöpfungspotenziale des Leichtbaus sollen gehoben werden.
  • Branchen- und materialübergreifender Wissens- und Technologietransfer wird gefördert.
  • Es wird ein maßgeblicher Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaziele geleistet.

Was wird gefördert?

Im TTP LB sind die folgenden 5 Programmlinien ausgeschrieben:

1. Technologieentwicklung zur Stärkung der deutschen Wirtschaft im Leichtbau
Einen Förderschwerpunkt bilden neue Technologieentwicklungen als Treiber für nachhaltige Leichtbau-Lösungen. Dabei sollen konkrete Entwicklungsfragen zur Integration und Umsetzung in industrielle Produktionsprozesse im Vordergrund stehen. Darunter fallen die folgenden thematischen Schwerpunkte:

  • a) Digitalisierung und Automatisierung
  • b) Nachhaltigkeit und Recycling
  • c) Innovative Konstruktionsprinzipien

2. CO2-Einsparung und CO2-Bindung durch den Einsatz neuer Konstruktionstechniken und Materialien
Neue Konstruktionstechniken und der Einsatz neuer Werkstoffe in Verbindung mit innovativem, nachhaltigem Leichtbau eröffnen nicht nur enorme Einspar- und Produktverbesserungspotentiale, sondern können auch die Klima- und Umweltbelastungen deutlich verringern. Dazu fokussiert diese Programmlinie auf die Entwicklung und Anwendung neuer Verfahren und Materialien, die eine Einsparung von Treibhausgasemissionen beziehungsweise eine Bindung von CO2 unterstützen und somit zu einer emissionsarmen Industrie beitragen.

3. CO2-Einsparung durch Ressourceneffizienz und –substitution
Der effiziente Umgang mit Ressourcen verspricht ein erhebliches Potenzial zur Verringerung der Klima- und Umweltbelastungen. Im Leichtbau ist die Einsparung von Ressourcen schon beim Design als wesentliches Kriterium anwendbar. In dieser Programmlinie stehen die leichtbaubezogene Entwicklung ressourceneffizienter Verfahren entlang des gesamten Produktlebenszyklus und die Substitution treibhausgasintensiver Ressourcen im Mittelpunkt.

4. Demonstrationsvorhaben
Um neuen Technologien den Markteintritt zu erleichtern und Risiken bei der Skalierung und ersten industriellen Umsetzung abzufedern, wird die Realisierung von Demonstrationsvorhaben gefördert, die sich thematisch in die Programmlinien 1 - 3 einsortieren.

5. Standardisierung
Bei der Entwicklung neuer Leichtbau-Materialien und -Technologien (Produkte, Verfahren und Dienstleistungen) ist begleitend die Entwicklung von Normen und Standards sowie technischen Regelwerten für das Inverkehrbringen und die Verwendung (zum Beispiel Konformitätsbewertung) einschließlich der Sammlung beziehungsweise Festlegung von Materialkennwerten, gegebenenfalls Grenzwerten und Mess-Prüfmethoden notwendig. Entsprechende Projekte, die durch die Querschnittsfunktion des Themas Standardisierung sowohl den Transfer zwischen unterschiedlichen Branchen als auch zwischen den unterschiedlichen Disziplinen vorantreiben, können gefördert werden, wenn sie sich thematisch in die Programmlinien 1 - 3 einsortieren lassen.

Wer wird gefördert?

  • Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit einer Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland
  • Hochschulen und
  • Forschungseinrichtungen in Deutschland,
  • gemeinnützige Organisationen und Gebietskörperschaften und Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung.
    Die Förderung von Verbundprojekten mit ausländischen Partnern ohne Betriebsstätte in Deutschland ist möglich, wobei die ausländischen Partner ihre Aufwendungen ohne Bundeszuwendungen finanzieren müssen.

Wie wird gefördert?

Im Technologietransfer-Programm können insbesondere Beihilfen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, Forschungsinfrastrukturen, Innovationscluster, Innovationsbeihilfen für KMU sowie Prozess- und Organisationsinnovationen gefördert werden. Gemäß den förderpolitischen Zielen wird Grundlagenforschung von der Förderung ausgeschlossen. Die Zuwendungen werden als nicht rückzahlbare Zuschüsse gewährt.

Bemessungsgrundlage für Zuwendungen an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sind grundsätzlich die zuwendungsfähigen projektbezogenen Kosten. Nach BMWi-Grundsätzen wird eine angemessene Eigenbeteiligung der Unternehmen – grundsätzlich mindestens 50 Prozent der entstehenden zuwendungsfähigen Kosten – vorausgesetzt. Die Höhe der Eigenbeteiligung richtet sich nach der Marktnähe des Vorhabens und der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der erwarteten Ergebnisse sowie dem technisch-wissenschaftlichen Risiko der Entwicklung. Als mögliche Förderhöchstsätze gelten die Beihilfesätze der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung der Europäischen Union (AGVO):

große Unternehmenmittlere Unternehmenkleine UnternehmenVerbund mit mind. 1 KMU
Industrielle Forschung (TRL 3-4)50 %60 %70 %+15 %*1
Experimentelle Entwicklung (TLR 5-8)25 %35 %45 %+15 %
Durchführbarkeitsstudien50 %60 %70 %
Investitionen für Forschungsinfrastruktur50 %50 %50 %
Innovationscluster*250 %50 %50 %
Innovationen in KMU50 %50 %
Prozess- und Organisationsinnovationen15 %50 %50 %

*1 Beihilfen für industrielle Forschung können auf maximal 80 Prozent der beihilfefähigen Kosten erhöht werden.
*2 Beihilfen für Innovationscluster dürfen ausschließlich der juristischen Person gewährt werden, die den Innovationscluster betreibt (Clusterorganisation). Je nach Fördergebiet können dabei die Innovationsbeihilfen um 5 Prozent oder 15 Prozent erhöht werden.


Für die Beantragung der Förderung sind zunächst plausible Annahmen notwendig. Die Entscheidung über die Förderquote ist Ergebnis einer vertieften Einzelfallprüfung, die in der zweiten Verfahrensstufe auf Basis der eingereichten Antragsunterlagen erfolgt.

Bemessungsgrundlage für Hochschulen, Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben, die im Einzelfall mit bis zu 100 Prozent gefördert werden können. Für Einrichtungen der großen Wissenschaftsorganisationen (HGF, FHG, MPG, WGL) und andere Forschungseinrichtungen, bei denen eine kostenbasierte Bemessungsgrundlage zugelassen ist, sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Kosten in der Regel mit bis zu 80 Prozent förderfähig.

Darüberhinausgehende Gesamtförderquoten für Verbünde, Vorgaben zur Zusammensetzung der Konsortien oder ähnliche Beschränkungen gibt es im TTP LB nicht. Hinsichtlich der maximalen unternehmensbezogenen Zuwendungen sind die Schwellenwerte in Artikel 4 der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) zu beachten.

Wie wird die Förderung beantragt?

Das Antragsverfahren ist zweistufig (Skizze und Vollantrag) und wird über das elektronische Formularsystem „easy-Online“ abgewickelt. Weiterführende Informationen finden Sie hier.

Je Kalenderjahr sind regelmäßig zwei Stichtage zur Einreichung von Skizzen vorgesehen: 1. April und 1. Oktober. Erstmalig ist eine Skizzeneinreichung zum 1. Mai 2020 möglich. Aufgrund der aktuellen krisenbedingten Situation ist es auch möglich, Skizzen nach dem 1. Mai 2020 einzureichen, die dann ebenfalls bewertet werden.

Die Vorlage für die Projektskizze finden Sie hier als PDF (PDF, 102 KB) und als Word (DOC, 31 KB).

In Vorbereitung auf den nächsten Stichtag für die Einreichung von Projektskizzen am 1. Oktober 2020 wurden weiterführende Fragen zur Förderbekanntmachung und zum Antragsverfahren im Rahmen eines Webinars am 1. und 2. September 2020 beantwortet. Die Präsentation zum Webinar finden Sie hier als PDF (PDF, 909 KB).

Wer ist der Ansprechpartner?

Das BMWi hat den Projektträger Forschungszentrum Jülich GmbH – Projektträger Jülich mit der Abwicklung der Fördermaßnahme beauftragt. Bei Fragen zum Förderprogramm oder zur Antragstellung wenden Sie sich bitte direkt an den Projektträger Jülich.

Kontakt:
Forschungszentrum Jülich GmbH – Projektträger Jülich
Postfach 610247
10923 Berlin
E-Mail: bmwi-leichtbau@fz-juelich.de
Telefon: 030/20199-3622