Seit dem Jahr 1995 unterstützt die Bundesregierung die deutsche Luftfahrtindustrie mit einem eigenständigen Luftfahrtforschungsprogramm (kurz: LuFo). Mit dem LuFo-Programm werden die Fördermittel langjährig und damit für die Industrie und Forschung planbar zur Verfügung gestellt.

Dabei werden Technologien gefördert, die sich für eine Anwendung im zivilen kommerziellen Markt eignen. Ziel ist eine umweltverträgliche, leistungsfähige, sicherere und passagierfreundliche Luftfahrt, in dem die deutsche Luftfahrtindustrie dauerhaft und wesentlich zur Wertschöpfung in Deutschland beiträgt und sich zusammen mit ihren europäischen Partnern als Vorreiterin eines zukunftsorientierten und nachhaltigen Luftverkehrssystem etabliert.

Die Technologie heutiger Luftfahrzeuge zeichnet sich durch hohe Komplexität und einen hohen Entwicklungsstand aus. Sie ist mit sehr langen Forschungs-, Entwicklungs- und Produktzyklen verbunden. Deshalb müssen heute Technologien erforscht werden, die in 10 bis 20 Jahren zum Einsatz kommen können.
Die hohe Forschungs- und Entwicklungsintensität und die strategische Rolle der Luftfahrtindustrie für die Gesamtwirtschaft gehen einher mit besonderen Wettbewerbs- und Marktbedingungen.

Die gezielte Projektförderung in industriegeführten Forschungsverbünden, zusammen mit den Forschungsaktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie einer Reihe bedeutender Großversuchsanlagen und Flugversuchsträger, bilden die tragenden Säulen einer leistungsfähigen nationalen Forschungsinfrastruktur. Ihr Erhalt und Ausbau ist notwendig, damit deutsche Unternehmen gemeinsam mit ihren europäischen Partnern ihre Technologiekompetenz sichern und technologisch auf Augenhöhe im internationalen Wettbewerb bestehen können.

Gleichzeitig sollen in dem Luftfahrtforschungsprogramm Technologien entwickelt werden, welche die Basis für das nachhaltige Luftfahrtsystem der Zukunft bilden. Nur ein integrierter Forschungsansatz über die klassischen Einzeldisziplinen hinweg, wie er in den Forschungsnetzwerken gelebt wird, bietet die Chance, die ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erreichen und gleichzeitig die technologische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Aktuell startet in 2019 das sechste nationale zivile Luftfahrtforschungsprogramm. Geplant sind drei Aufrufe (VI-1 bis VI-3).

Die Bekanntmachung des LuFo VI-1 (veröffentlicht im Bundesanzeiger vom 15.11.2019) finden Sie hier (PDF, 511 KB).

Themenschwerpunkte des Luftfahrtforschungsprogramms VI

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt mit dem ersten Aufruf des sechsten zivilen Luftfahrtforschungsprogramms ("LuFo VI- 1") Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Anwendung in der zivilen Luftfahrt in dem es insbesondere folgende Schwerpunkte setzt:

  • Verbreiterung der industriellen Basis der gesamten Luftfahrtbranche zur Sicherung und Erweiterung der Wertschöpfung am Standort Deutschland;
  • Entwicklung von (hybrid-)elektrischen Antriebssystemen als möglicher Wegbereiter für disruptive Flugzeugkonfigurationen mit geringstem ökologischem Fußabdruck;
  • Etablierung der Luftfahrtbranche als Leitmarkt für Industrie 4.0/ KI Anwendungen und Schaffung von Leitanbietern für vernetzte Produktionssysteme für Luftfahrtanwendungen;
  • innovative Wartungs- und Instandsetzungsprozesse für den gesamten Produktlebenszyklus von Luftfahrtsystemen. Unterstützung des Paradigmenwechsels von festen zu bedarfsorientierten Wartungsaktivitäten;
  • Einbindung von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) und der automatisierten Verarbeitung großer Datenmengen (Big Data) in Luftfahrtanwendungen. Besondere Bedeutung hat hierbei der Aspekt der Nachvollziehbarkeit der mit diesen Methoden gewonnenen Ergebnisse (XAI: Explainable Artificial Intelligence) ohne den das Potenzial von KI- Systemen in sicherheitskritischen Anwendungen in der Luftfahrt nicht ausgeschöpft werden kann;
  • Erhalt und Ausbau der Fähigkeit der deutschen Ausrüster- und Zulieferindustrie, um Luftfahrzeugsysteme und deren Komponenten in ihrem komplexen Zusammenwirken auf Gesamtluftfahrzeugebene bewerten und auslegen zu können (Gesamtsystembewertungsfähigkeit);
  • verstärkte Erschließung des weltweiten Wachstumspotenzials der Luftfahrtbranche durch engere Zusammenarbeit in Forschungs- und Technologieverbünden mit europäischen und vor allem internationalen Partnern (Internationalisierung);
  • Weiterentwicklung und Validierung von innovativen Simulations- und Entwurfsverfahren für Luftfahrzeuge und die Erweiterung dieser Fähigkeiten auf die vollständige Kette intelligent vernetzter Entwicklungs-, Fertigungs- und In- standsetzungsverfahren (virtuelles Produkt) und virtuell gestützte Schulungs- und Ausbildungssysteme;
  • Abdecken der gesamten Innovationskette von der grundlagenorientierten Forschung über den Schwerpunkt der industriellen, anwendungsorientierten Forschung bis hin zur technologischen Risikominimierung in anwendungsnahen Demonstrationsvorhaben;
  • Ausbildung von qualifizierten Nachwuchskräften im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zur Sicherung des Wachstumspotenzials der gesamten Luftfahrtbranche;
  • Steigerung der Akzeptanz der Luftfahrt in der Bevölkerung durch umweltfreundliche, lärmreduzierende, innovative Technologien.

In der Bekanntmachung werden die folgenden Programmlinien ausgeschrieben:

Programmlinie "Ökoeffizientes Fliegen und disruptive Technologien"

Im Rahmen dieser Programmlinie fördert das BMWi Initiativen und Vorhaben der Wissenschaft zur akademischen Erforschung von Technologien mit einem Anwendungszeitraum von 2025-2050. Gefördert wird das gesamte technologische Themenspektrum aller Disziplinen der Luftfahrt. Übergreifendes Forschungsziel ist dabei eine wesentliche Verringerung des Ressourcenverbrauchs und der Erhalt der Sicherheit in der Luftfahrt. Förderfähig sind Themen aus dem Bereich der Grundlagenforschung. Vorhaben können bis zu dem Punkt gefördert werden, an dem ein technologisches Konzept und dessen Anwendung sicher beschrieben sind.

Programmlinie „KMU“

Im Rahmen dieser anwendungsorientierten Programmlinie fördert das BMWi innovative kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Luftfahrtbranche. Eingereichte Ideen stehen jedoch nicht mit anderen Programmlinie im Wettbewerb. Damit soll interessierten KMU Gelegenheit gegeben werden, in für sie attraktiven Produktnischen aktiv zu werden.

Programmlinie "Technologie"

Gegenstand dieser Programmlinie sind Vorhaben der angewandten Forschung, die sich folgenden Themenbereichen zuordnen lassen: innovative, umwelt- und ressourcenschonende sowie kosteneffiziente Fertigungs-, Wartungs- und Instandsetzungsprozesse für alle Luftfahrzeuge, auch Drehflügler mit ihren spezifischen Herausforderungen. Die Themenbereiche sind in der Bekanntmachung näher beschrieben.
Verbundführer können neben original equipment manufacturer (OEM) auch Zulieferer und/oder KMU sein.

Programmlinie „Intelligente Prozesstechnologien für Entwicklung, Fertigung, Betrieb und Instandhaltung (Industrie 4.0/Künstliche Intelligenz)“

Im Rahmen dieser anwendungsorientierten Programmlinie fördert das BMWi FuE-Vorhaben, welche digitale Technologien zur vertikalen, horizontalen und durchgängigen Integration von Daten für die spezifischen Herausforderungen in der Luftfahrt nutzbar machen. Betrachtet werden soll der Produktlebenszyklus von Luftfahrzeugen in seiner gesamten Breite von Entwicklung, Konstruktion über Produktion, Betrieb, Wartung, Instandsetzung und Verwertung in seiner ganzen Tiefe über alle Zulieferstufen hinweg.

Dabei sind die Besonderheiten der Luftfahrtindustrie zu berücksichtigen:

  • Hohe Sicherheitsanforderungen für den kompletten Lebenszyklus (Dokumentation, behördliche Auflagen etc.)
  • Entwicklung, Produktion, Service und Logistik sind weltweit sicherzustellen
  • Tiefgestaffelte Wertschöpfungskette mit geforderter hoher Flexibilität bei geringen Stückzahlen und hoher Produktkomplexität.

Programmlinie „(Hybrid-) elektrisches bemanntes Fliegen“

Im Rahmen dieser anwendungsorientierten Programmlinie fördert das BMWi FuE-Vorhaben, die sich Themen der bemannten elektrischen Luftfahrt von der urbanen Mobilität über Flugzeuge der allgemeinen Luft- fahrt bis hin zu Regional- und Kurzstreckenflugzeugen widmen. Das gemeinsame Ziel der Forschungsaktivitäten soll die Ermöglichung von elektrisch betriebenen Propulsoren für den Primärantrieb sein. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Entwicklung neuartiger Flugzeugkonfigurationen, um den speziellen Eigenschaften von elektrischen Antrieben gerecht zu werden. Ein weiterer Fokus soll sich mit Entwicklungen im Bereich des (hybrid-)elektrischen Antriebssystems, inklusive Energiespeicher, -management und -verteilersystem befassen. Systemintegrationsaspekte sollen bei den genannten Themen nicht außer Acht gelassen werden.

Förderfähig sind Themen aus dem Bereich der „Industriellen Forschung“, analog zu den Programmlinien KMU, Technologie und Industrie 4.0/KI. Partnerbeiträge von Wissenschaftseinrichtungen im Verbund müssen eigenständige Beiträge aus dem Bereich der Forschung sein, die in erster Linie dem Erwerb neuen Wissens dienen und veröffentlicht werden. Dienstleistungen (einschließlich Vertragsforschung) der Forschungseinrichtungeneinrichtungen sind im Unterauftrag der beteiligten Industriepartner zu beauftragen. Zur Teilnahme aufgerufen sind explizit auch KMU, die einzelne Bausteine (z. B. Teilprozesse und -systeme) zu den Themenschwerpunkten beitragen können.
Arbeiten im Rahmen dieser Programmlinie sollen von mindestens zwei Partnern im Verbund durchgeführt werden.

Programmlinie "Demonstration"

Mit dieser Programmlinie soll gezielt die Lücke zwischen industrieller Forschung und Technologieentwicklung und der Produktentwicklung geschlossen werden. Gefördert werden können Vorhaben, die bereits in relevanter, simulierter bzw. idealisierter Umgebung nachgewiesene Einzeltechnologien zu einem System oder einem relevanten Subsystem integrieren.

Vorhaben können bis zu einem Punkt gefördert werden, an dem ein integriertes Technologiekonzept in Einsatzumgebung unter realen operationellen Bedingungen demonstriert wurde, sofern sie unter die Definition „experimentelle Entwicklung“ des Unionsrahmens fallen und den TRL 8 nicht übersteigen.

Detailliertere Informationen sind der Bekanntmachung zu entnehmen.

Der Projektträger Luftfahrtforschung im DLR e.V. (PT-LF) wurde mit der Abwicklung der Fördermaßnahme beauftragt und nimmt die Projektskizzen/Anträge entgegen. Informationen sind auf der Internetseite des Projektträgers Luftfahrtforschung und -Technologie (PT-LF) enthalten. Auf der Webseite können Sie sich unter anderem über aktuelle Vorhaben und Ausschreibungen informieren.