IPCEI

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Unter deutscher Ratspräsidentschaft wurde der Grundstein für ein weiteres „Important Project of Common European Interest“ – kurz IPCEI – im Bereich der Cloudinfrastruktur gelegt. Alle 27 Mitgliedstaaten haben in einer Gemeinsamen Erklärung vom 15. Oktober 2020 dargelegt, dass Daten in der Cloud künftig nach europäischen Regeln und Standards verarbeitet werden sollen. Demnach gibt es einen Bedarf für eine grundlegende, souveräne europäische Cloudinfrastruktur. Ein IPCEI-Projekt zum Aufbau der nächsten Generation von Cloud-Infrastrukturen und -Services in Europa – kurz IPCEI-CIS – wird seit Anfang 2021 zielstrebig entwickelt. Deutschland und Frankreich koordinieren gemeinsam diesen aufwändigen Prozess, dem sich inzwischen insgesamt elf Mitgliedstaaten angeschlossen haben. Das IPCEI-CIS ist dabei auch als Teil der Umsetzung der europäischen Industriestrategie zu verstehen – dies bekräftigten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire im Frühjahr 2021 in einem gemeinsamen Positionspapier.

Die Ausgangsituation ist bekannt: Derzeit wird der Markt für Cloud-Dienstleistungen von wenigen großen, Unternehmen aus Drittstaaten dominiert. Die europäischen Anbieter dagegen sind weitgehend fragmentiert. Insgesamt ist der Markt u. a. durch fehlende Skalierbarkeit, Interoperabilität und Transparenz von Angeboten gekennzeichnet. Dies schadet dem Wettbewerb und verhindert, dass die hohen Innovationspotenziale der europäischen Wirtschaft voll genutzt werden können.

Die Anforderungen der europäischen Industrie an eine Cloudinfrastruktur steigen kontinuierlich, z. B. ist Echtzeitfähigkeit in der Industrie oder beim autonomen Fahren zunehmend gefragt. Datensicherheit und Konformität mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung sind eine wichtige Voraussetzung für die Unternehmen. Lock-in-Effekte, also die langfristige und alternativlose Bindung an einen einzigen Anbieter, sollen vermieden werden. Darin spiegeln sich europäische Werte wieder, wie sie durch GAIA-X umgesetzt werden sollen. Mit dem IPCEI streben wir die schnelle Skalierung und Interoperabilität im industriellen Maßstab an – ein strategisches Ziel, von dem viel für Europa abhängt.

Darum geht es

  • Wir wollen in die digitale Souveränität Europas stärken. Daten müssen im Einklang mit den europäischen Werten und Standards generiert, durchsucht, abgerufen, verarbeitet und gemeinsam genutzt werden können. Das IPCEI-CIS wird daher auf GAIA-X aufbauen.
  • Das IPCEI wird völlig neue Maßstäbe setzen hinsichtlich Skalierbarkeit, Interoperabilität und Vertrauenswürdigkeit. Wenn Europa von der Neuorganisation der industriellen Wertschöpfungsnetzwerke langfristig volkswirtschaftlich profitieren will, ist der Aufbau eines grundlegend neuen Datenökosystems notwendig. In den kommenden Jahren wird der Umfang an Daten, die aus IoT (Internet-der-Dinge)-Geräten und Sensoren erzeugt werden, massiv ansteigen. Aus der Verarbeitung dieser Daten zusätzliche Wertschöpfung zu generieren, bietet die Chance, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit Europas zu steigern.
  • Die Zukunft gehört dem Edge-Cloud Computing. Mit der Edge werden künftig 80% der Daten beim Anwender, in der Produktion, im Sensor usw. anfallen und direkt verarbeitet werden. Heute sind dezentrale Edges und zentrale Clouds aber unzureichend verbunden und wenig interoperabel. Das führt zu erheblichen Verzögerungszeiten (Latenzen) bei der Verarbeitung von Daten und zu Einschränkungen der Anwendungen. Auf diese Entwicklungen wird das IPCEI-CIS ausgerichtet sein.
  • Das IPCEI-CIS wird die Energieeffizienz erhöhen und einen Beitrag zum „Green Deal“ erbringen. Allein die dezentrale Struktur der geplanten Infrastruktur birgt großes Energieeinsparungspotential, da die Verarbeitung von Daten zunehmend am Ort der Entstehung erfolgen kann. Aber es müssen auch weitere Energieeinsparungspotenziale erzielt werden.

Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn viele Mitgliedstaaten und Unternehmen an einem Strang ziehen. Es handelt sich um ein europäisches Projekt von hoher strategischer Relevanz. Das Instrument IPCEI bietet hier eine einmalige Chance, die verschiedenen Stärken von Mitgliedstaaten und Unternehmen in Europa zusammenbringen und eine hochleistungsfähige Cloudinfrastruktur für ganz Europa aufzubauen.

Aktueller Verfahrensstand

Derzeit erarbeiten die beteiligten Mitgliedstaaten gemeinsam mit der Europäischen Kommission die Rahmenbedingungen dieses komplexen Projektes. Parallel muss die Finanzierung gesichert werden. Deutschland hat für dieses Projekt einen Betrag in Höhe von 750 Mi. € aus den Mitteln des Europäischen Wiederaufbaufonds beantragt. Insgesamt erwarten wir, dass in Europa ein hoher einstelliger Milliardenbetrag aus öffentlichen und privaten Mittel investiert werden wird.

Ein Schwerpunkt der Koordinierung ist die Konkretisierung der Bereiche, die das IPCEI-CIS adressieren soll. Dies muss die Komplexität der notwendigen Maßnahmen und deren Ineinandergreifen abbilden, um das Ziel einer Cloudinfrastruktur der nächsten Generation zu erreichen zu können.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat am 5. Juli 2021 einen Aufruf zur Beteiligung am IPCEI-CIS bekanntgegeben.

Über das Förderinstrument IPCEI

IPCEI sind transnationale und wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse, die bestimmten Kriterien folgen. Sie leisten mittels gemeinsamer Investitionsanstrengungen kooperierender europäischer Unternehmen und unterstützt durch staatliche Förderung einen wichtigen Impuls zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Wirtschaft. Dabei handelt es sich um ein „integriertes“ Vorhaben, an dem in der Regel Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus mehreren EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind.