Strompreise für Haushaltskunden setzen sich aus Kosten für Beschaffung und Vertrieb des Stroms sowie Entgelte für die Netznutzung zusammen. Dazu kommen staatlich veranlasste Bestandteile. Auch wenn die genannten Bestandteile als "staatlich veranlasst" beschrieben werden, fließen solche Zahlungen überwiegend nicht in den "Staatshaushalt". Sie dienen unterschiedlichen Zwecken und werden auf verschiedene Weise veranlasst. Ganz konkret bedeutet das für die einzelnen staatlich veranlassten Bestandteile folgendes:

1. EEG-Umlage

Die EEG-Umlage finanziert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie stellt die finanziellen Mittel zur Verfügung, mit denen der Strom aus Wind-, Solar- und Biomasseanlagen vergütet wird. Damit hat sie den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien erst möglich gemacht, weil sie seit über 15 Jahren für eine sichere Finanzierungsbasis sorgt.

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten Betreiber von Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen, für die Dauer von 20 Jahren festgelegte Vergütungssätze für den erzeugten und eingespeisten Strom von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB). Der am Markt erzielbare Erlös für diesen Strom liegt oft unter den festgelegten Vergütungssätzen. Die Differenz zwischen den Ausgaben für Vergütungszahlungen und den Einnahmen aus Vermarktungserlösen werden auf die Stromverbraucher verteilt. Die hieraus resultierende Größe ist die EEG-Umlage.

Betreiber größerer Erzeugungsanlagen erneuerbarer Energien mit einer Leistung von mehr als 100 kW müssen seit dem Jahr 2014 ihren Strom selbst vermarkten und am Strommarkt verkaufen. Die ÜNB zahlen an diese keine Festvergütung mehr, sondern nur noch eine Marktprämie für jede eingespeiste Kilowattstunde. Die Marktprämie gleicht die Differenz zwischen dem so genannten anzulegenden Wert (früher Einspeisevergütung) und dem durchschnittlichen Börsenstrompreis – korrigiert um erzeugungstechnologische Besonderheiten – aus.

Der anzulegende Wert wird seit dem Jahr 2017 für große Erzeugungsanlagen (Photovoltaik, Wind an Land jeweils größer als 750 kW; Biomasse größer als 150 kW sowie Wind auf See) nicht mehr staatlich festgelegt, sondern in Auktionen wettbewerblich ermittelt. Dabei gilt: Je niedriger der geforderte anzulegende Wert, desto wahrscheinlicher der Förderzuschlag – und desto geringer die Marktprämienzahlungen. Diese entfallen komplett, wenn der durchschnittliche Börsenstrompreis den anzulegenden Wert erreicht oder sogar übertrifft. Dies führt zu deutlich sinkenden Förderkosten.

Manche Teile des Stromverbrauches, z. B. in der Industrie, sind aus Wettbewerbsgründen von der Zahlung der EEG-Umlage teilweise befreit. Diese teilweise Befreiung ist notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen zu erhalten und die Abwanderung dieser Industrien in Länder mit geringeren Klimaschutzstandards zu verhindern (sog. Carbon Leakage). Die teilweise Befreiung kann unterschiedlich hoch ausfallen, je nachdem wie energieintensiv die Unternehmen produzieren. Rund 2.000 Unternehmen des produzierenden Gewerbes profitieren jedes Jahr von dieser Regelung. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen zahlt allerdings die volle EEG-Umlage. Die Wirtschaft (Industrie sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen) trägt mit knapp der Hälfte zur Finanzierung des EEG bei, private Haushalte mit rund einem Drittel und öffentliche Einrichtungen tragen den Rest.

Jeweils spätestens zum 15. Oktober eines Jahres legen die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber die Höhe der EEG-Umlage für das Folgejahr fest. Hierfür erstellen sie unter Einbeziehung anerkannter Forschungsinstitute eine wissenschaftlich gestützte Prognose zu ihren erwarteten Ausgaben (Vergütungs- und Marktprämienzahlungen) und ihren voraussichtlichen Einnahmen aus dem Verkauf des EEG-Stroms an der Strombörse.

Im Jahr 2020 beträgt die EEG-Umlage 6,756 ct/kWh. Das sind fünf Prozent mehr gegenüber dem Jahr 2019 (6,405 ct/kWh). Die EEG-Umlage steigt damit erstmalig wieder, nachdem sie zwei Jahre in Folge gesunken war. Weitere Informationen zur EEG-Umlage 2020 finden Sie in unserem Info-Blatt (PDF, 397 KB).

2. KWKG-Umlage

Die KWKG-Umlage ist mit dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK-Gesetz) im Jahr 2002 eingeführt worden.

KWK-Anlagenbetreiber haben bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen einen Anspruch auf Zahlung bestimmter Zuschläge für erzeugten KWK-Strom. Außerdem regelt das KWK-Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen Zuschläge zur Förderung von Wärme- und Kältenetzen sowie Wärme- und Kältespeichern. Die Zahlungspflichten für solche Zuschläge treffen unmittelbar zunächst den jeweiligen Netzbetreiber. Über einen Belastungsausgleich werden die Kosten über die Übertragungsnetzbetreiber auf die Umlagezahler gewälzt. Der normale Haushaltskunde etwa zahlt die KWKG-Umlage über seiner Stromrechnung im Rahmen der Netznutzungsabrechnung.

Im Jahr 2020 beträgt die KWKG-Umlage bei der Belieferung von Haushaltskunden 0,226 ct/kWh (2019: 0,280 ct/kWh, 2018: 0,345 ct/kWh, 2017: 0,438 ct/kWh, 2016: 0,445 ct/kWh).

3. § 19 Abs.2 StromNEV-Umlage

Letztverbraucher können unter bestimmten Voraussetzungen ein individuelles Netzentgelt gemäß § 19 Abs. 2 Satz 1 bzw. Satz 2 Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) erhalten.

Die Betreiber von Übertragungsnetzen sind verpflichtet, nachgelagerten Betreibern von Elektrizitätsverteilernetzen entgangene Erlöse zu erstatten, die aus solchen individuellen Netzentgelten resultieren. Die Übertragungsnetzbetreiber haben diese Erstattungen sowie eigene entgangene Erlöse untereinander auszugleichen. Die sich so ergebenden entgangenen Erlöse werden als Aufschlag auf die Netzentgelte als sog. § 19 StromNEV-Umlage anteilig auf alle Letztverbraucher umgelegt. 

Im Jahr 2019 beträgt die Umlage bei der Belieferung von Haushaltskunden 0,305 ct/kWh (2018: 0,370 ct/kWh, 2017: 0,388 ct/kWh, 2016: 0,378 ct/kWh).

4. Offshore-Netzumlage nach § 17f EnWG

Die Offshore-Netzumlage wurde im Jahr 2013 eingeführt, um verlässliche Rahmenbedingungen beim Ausbau der Offshore-Windenergie auch in Bezug auf Entschädigungsfragen zwischen Netzbetreiber und Anlagenbetreiber zu schaffen. Die Netzbetreiber können nach § 17f des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) die Kosten für geleistete Entschädigungszahlungen bei Verzögerungen oder Störung der Netzanbindung von Offshore-Anlagen geltend machen. Für eine faire Lastenverteilung wurden umfangreiche Eigenanteile der Betreiber von Offshore-Windparks und der Übertragungsnetzbetreiber bei Schadensfällen eingeführt. Zudem wird der Zeitraum, für den die Offshore-Windparks eine Entschädigung erhalten, genau diesen Offshore-Windparks zum Ende der Förderlaufzeit nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz wieder abgezogen.

Ab dem Jahr 2019 fließen erstmalig auch die Kosten der Offshore-Netzanbindung in die Umlage ein und werden nicht mehr über die Netzentgelte refinanziert. Diese Kosten sind also nicht mehr Bestandteil der Netzentgelte, wodurch die Netzentgelte entlastet wurden. Die Kosten werden jetzt über die Umlage transparent als eigenständiger Kostenfaktor ausgewiesen.

Im Jahr 2019 beträgt die Umlage bei der Belieferung von Haushaltskunden 0,416 ct/kWh.

5. § 18 AbLaV-Umlage

Die Umlage für abschaltbare Lasten wird ab dem 01.01.2014 von Letztverbrauchern erhoben und dient zur Deckung von Kosten abschaltbarer Lasten zur Aufrechterhaltung der Netz- und Systemsicherheit.

Anbieter von Abschaltleistung aus abschaltbaren Lasten können im Rahmen der Verordnung zu abschaltbaren Lasten an Ausschreibungen teilnehmen und ihre Abschaltleistung den Übertragungsnetzbetreibern anbieten. Hierfür werden sie von den Übertragungsnetzbetreibern vergütet.

Die Übertragungsnetzbetreiber gleichen ihre Kosten untereinander aus und finanzieren sie über eine Umlage auf alle Letztverbraucher in gleicher Höhe pro Kilowattstunde. Die Umlage wird einmal jährlich neu festgelegt und zum 1. Januar angepasst. Für das Jahr 2019 beträgt die Umlage 0,005 ct/kWh (2018: 0,011 ct/kWh, 2017: 0,006 ct/kWh, 2016: 0 ct/kWh).

Eine Neuregelung der Verordnung ist am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten.

6. Konzessionsabgabe

Konzessionsabgaben sind Entgelte für die Nutzung kommunaler Wege, die von den Netzbetreibern an die Kommunen entrichtet werden. Die konkrete Höhe richtet sich nach dem Wegenutzungsvertrag zwischen Gemeinde und Netzbetreiber; die Höchstgrenze wird durch die Konzessionsabgabenverordnung (KAV) vorgegeben.

Die Höchstgrenzen der Konzessionsabgabe für die Belieferung von Tarifkunden richtet sich gemäß § 2 Abs. 2 KAV nach der Einwohnerzahl der Kommunen und reichen von 1,32 ct/kWh bei Gemeinden bis 25.000 Einwohnern bis zu 2,39 ct/kWh bei Gemeinden mit über 500.000 Einwohnern. Laut Monitoringbericht 2018 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt betrug die Konzessionsabgabe bei der Belieferung von Haushaltskunden durchschnittlich 1,61 ct/kWh (2017: 1,62 ct/kWh, 2016: 1,65 ct/kWh).

7. Stromsteuer

Mit dem Stromsteuergesetz wurde 1999 eine Steuer auf Elektrizität neu eingeführt. Sie soll der Förderung klimapolitischer Ziele durch einen sparsameren Umgang mit Elektrizität sowie zur Absenkung und Stabilisierung des Rentenbeitragssatzes dienen. Das Steueraufkommen wird zum Teil zur Reduzierung der Beitragssätze für die Sozialversicherung genutzt.

Die Steuer entsteht durch die Entnahme von Strom aus dem Versorgungsnetz zum Verbrauch oder durch den Verbrauch selbst erzeugten Stroms. Wer Steuerschuldner ist, richtet sich danach, wer den Strom leistet oder erzeugt und wer ihn entnimmt. In der Regel wird Strom durch einen Letztverbraucher dem Versorgungsnetz entnommen. Steuerschuldner ist in diesem Fall der Versorger, d.h. der Stromlieferant. Steuerschuldner kann auch der Eigenerzeuger sein. Die Steuer wird von der Zollverwaltung verwaltet und fließt dem Bundeshaushalt zu.

Die Stromsteuer für die Belieferung von Haushaltskunden beträgt 2,05 ct/kWh.

8. Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass Leistungen, die Unternehmer gegenüber ihren Kunden erbringen, der Umsatzsteuer unterliegen. Der Leistungsbegriff des Umsatzsteuergesetzes 1994 erfasst sowohl Warenlieferungen als auch Dienstleistungen. Die Umsatzsteuer als solche kommt nur bei dem Letztverbraucher, also dem Konsumenten, zum Tragen. Das liefernde oder leistende Unternehmen übt lediglich die Funktion eines Treuhänders aus: Es nimmt von den Kunden die Umsatzsteuer ein und muss diese, da nur Unternehmer die Umsatzsteuer schulden, in der Folge an das Finanzamt abführen.

Die Umsatzsteuer ist eine Gemeinschaftssteuer, deren Aufkommen nach den Schlüsseln des Finanzausgleichsgesetzes auf Bund, Länder und Gemeinden verteilt wird.

Die Umsatzsteuer für Strom beträgt 19 Prozent und wird auf die Gesamtsumme aus Erzeuger- und Vertriebsanteil, Netzentgelten sowie den sonstigen staatlich veranlassten Preisbestandteilen erhoben.