Artikel - Europäische und internationale Energiepolitik

Die Nordsee-Energiekooperation

Einleitung

Windkrafträder im Meer

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Die Nordsee-Energiekooperation (engl. North Seas Energy Cooperation - NSEC) ist eine grenzüberschreitende Kooperation von aktuell 9 europäischen Staaten sowie der Europäischen Kommission. Neben Deutschland zählen Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen und Schweden zu den Mitgliedsländern. Im Fokus der Zusammenarbeit stehen der Ausbau der Offshore-Windenergie sowie der Netzinfrastruktur auf See.

Deutschland hat für das Jahr 2020 die Präsidentschaft der NSEC inne.

Schwerpunkte der deutschen Präsidentschaft der NSEC

Dem zügigen Ausbau von Offshore-Windenergie kommt eine Schlüsselrolle zu, um die ambitionierten Ziele der EU im Bereich der erneuerbaren Energien zu erreichen. Die Mitgliedsstaaten werden das Potenzial von Offshore-Windenergie jedoch nicht allein durch nationalen Ausbau heben können, sondern müssen hier zusammenarbeiten.

Die Priorität der deutschen Präsidentschaft im Jahr 2020 liegt daher auf dem Voranbringen gemeinsamer und hybrider Wind-Offshore-Projekte.

Das verstehen wir unter gemeinsamen und hybriden Wind-Offshore Projekten

Als „Hybrid-Projekte“ werden Wind-Offshore-Projekte bezeichnet, bei denen die Offshore-Windparks über einen Interkonnektor an mindestens zwei Mitgliedstaaten leitungstechnisch angebunden sind. Hierdurch wird neben dem Abtransport der im Windpark erzeugten Elektrizität auch der beiderseitige Stromaustausch ermöglicht.

Daneben sollen auch gemeinsamen Projekte berücksichtigt werden, die es Mitgliedstaaten mit geringen Ausbaupotentialen bzw. ohne Küstengewässer ermöglichen, über finanzielle Beiträge an einem europaweiten Ausbau von Offshore-Windenergie und den damit verbundenen Zielerreichungsmengen zu partizipieren.

Diese Vorteile können gemeinsame und hybride Projekte bringen

Gemeinsame und hybride Projekte haben potentiell positive Auswirkungen unter anderem auf:

Netzanbindungsleitungen, Stromhandel, Kosten, Flächenverbrauch, Naturschutz, Versorgungssicherheit, Zugang zu Fördermitteln, Beschäftigung, Akzeptanz und im Ergebnis auf die Erreichung der nationalen wie der europäischen Energie- und Klimaziele sowie die industrielle Wertschöpfung in Europa.

Das möchten wir konkret erreichen

Eckpunkte für ein „EU-enabling framework“ für gemeinsame und hybride Wind-Offshore-Projekte

Ziel der deutschen Präsidentschaft ist es, zusammen mit ihren Kooperationspartnern bestehende Barrieren für gemeinsame und hybride Wind-Offshore-Projekte abzubauen und Eckpunkte für gemeinsame europäische Rahmenbedingungen („EU-Enabling Framework“) zu erarbeiten.

Im Rahmen eines „Enabling Frameworks“ könnte zum Beispiel geklärt werden,

  • wie die Kosten (z. B. Netzanschlusskosten, Förderkosten für erneuerbare Energien) und der Nutzen (z. B. nationale Beiträge zum EU-Erneuerbaren-Ziel, Strompreiseffekte) gemeinsamer und hybrider Projekte zwischen den beteiligten Mitgliedstaaten aufgeteilt werden sollen,
  • wie Finanzierungsinstrumente auf EU-Ebene die Realisierung gemeinsamer und hybrider Wind-Offshore-Projekte unterstützen können oder
  • wie die EU-Strommarktregeln ausgestaltet werden können, damit sie für gemeinsame und hybride Wind-Offshore-Projekte förderlich sind.

Konkrete gemeinsame und hybride Wind-Offshore-Projekte

Außerdem hat es sich die deutsche Präsidentschaft zum Ziel gesetzt, die Entwicklung von konkreten gemeinsamen und hybriden Projekten mehrerer Mitgliedstaaten voranzubringen. Dabei gibt es bereits erste Konzepte für gemeinsame und hybride Wind-Offshore-Projekte in der Nordsee, z. B. den sog. „North Sea Wind Power Hub“ (ein gemeinsames Projekt von NDL, DEU und DNK). Diese Projekte sollen in den Arbeitsgruppen der Nordsee-Energiekooperation weiter konkretisiert und mögliche Barrieren am konkreten Projektbeispiel diskutiert und überwunden werden.

Ministertreffen am 6. Juli 2020 sowie im Dezember 2020 in Brüssel

Am 6. Juli fand ein Ministertreffen unter Vorsitz der deutschen Präsidentschaft statt, das vom Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier geleitet wurde. Als Ergebnis des Ministertreffens haben die Nordsee-Energieminister und die EU-Kommissarin für Energie eine gemeinsame Erklärung (PDF, 609 KB) verabschiedet. Darin verständigen sich die Ministerinnen und Minister für Energie und die EU-Kommissarin für Energie darauf, dass bestehende Hindernisse abgebaut werden sollten, um die beschleunigte Umsetzung von multinationalen hybriden Offshore-Windenergieprojekten sowie weiterer relevanter Projekte zu erleichtern. Die Kommission wird dazu aufgerufen, förderliche Rahmenbedingungen auf EU-Ebene („EU enabling framework“) zu entwickeln, die EU-Leitlinien für die Mitgliedstaaten zur Umsetzung von grenzüberschreitenden Projekten, angemessene Strommarktregeln sowie eine verbesserte und effiziente EU-Finanzierung umfassen. Daneben wollen die Nordsee-Anrainerstaaten ihre Flächen- und Netzplanung für die Nutzung von Offshore-Windenergie künftig noch besser koordinieren. Die Ministerinnen und Minister und die EU-Kommissarin baten die Arbeitsgruppen darum, ihre Arbeit fortzusetzen und die Fortschritte beim nächsten Ministertreffen vorzustellen. Dieses ist für Dezember in Brüssel am Rande des Energierats geplant.

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft ab Juli 2020

Die Befassung mit den europäischen Rahmenbedingungen für gemeinsame und hybride Wind-Offshore-Projekte ist auch ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020.

Teilnahme von Großbritannien an der NSEC

Mit dem Austritt von Großbritannien aus der EU am 31. Januar 2020 ist auch ein Ausscheiden Großbritanniens aus der NSEC verbunden. Die künftige Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien in Energiefragen, die auch Offshore-Wind in der Nordsee umfasst, wird derzeit zwischen der EU und GBR verhandelt. Die deutsche Präsidentschaft der NSEC begrüßt grundsätzlich ein Abkommen, das zukünftig eine enge Kooperation mit Großbritannien im Bereich Offshore ermöglicht.

Weiterführende Informationen

Pressemitteilungen

  • 30.09.2020 - Pressemitteilung - Erneuerbare Energien

    Ostsee-Anrainer forcieren Zusammenarbeit bei Offshore Windenergie

    Öffnet Einzelsicht
  • 06.07.2020 - Gemeinsame Pressemitteilung - Erneuerbare Energien

    Nordsee-Anrainerstaaten fordern europäische Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit im Bereich Offshore-Windenergie auf dem Weg zur Klimaneutralität

    Öffnet Einzelsicht
  • 04.12.2019 - Pressemitteilung - Europäische und internationale Energiepolitik

    Altmaier: Die Energiewende ist eine Modernisierungsstrategie für Europa

    Öffnet Einzelsicht

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