Rahmenrichtlinie über die europaweit einheitliche Energieverbrauchskennzeichnung von Produkten

Farbige Effizienzskalen machen den Energieverbrauch von Produkten sichtbar und erleichtern es Kunden europaweit, beim Kauf energieeffiziente Produkte zu wählen. Gleichzeitig sorgen die Effizienzskalen für mehr Wettbewerb zwischen den Herstellern, da potenzielle Kunden die angezeigte Energieeffizienz von Geräten bei der Kaufentscheidung stärker berücksichtigen.

Die Europäische Union legt bei der Vergabe von Effizienzklassen den europaweit einheitlichen Rahmen fest. Zentral ist dabei die EU-Rahmenrichtlinie 2010/30/EU (PDF: 798 KB) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die "Angabe des Verbrauchs an Energie und anderen Ressourcen durch energieverbrauchsrelevante Produkte mittels einheitlicher Etiketten und Produktinformationen".

Der Anwendungsbereich der Richtlinie umfasst grundsätzlich alle energieverbrauchsrelevanten Produkte. Damit sind nicht nur Haushaltsgeräte gemeint, sondern auch Produkte für gewerbliche Anwendungen (z. B. Gewerbliche Kühlgeräte) sowie Produkte, die zwar selber keine Energie verbrauchen, jedoch maßgeblichen Einfluss auf den Energieverbrauch haben (z. B. Wärmeschutzfenster).

Umsetzung der Rahmenrichtlinie in deutsches Recht

In Deutschland wurde die EU-Rahmenrichtlinie zur Energieverbrauchskennzeichnung von Produkten mit der Neufassung des Energieverbrauchskennzeichnungsgesetzes (EnVKG) und mit der Novellierung der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVKV) umgesetzt. Beide Vorschriften sind am 17. Mai 2012 in Kraft getreten (BGBl. I S. 1070).

Ziel dieser beiden Umsetzungsakte ist es, die Marktüberwachung der Produktkennzeichnung zu verbessern. Dies geschieht durch die Erweiterung der Vollzugsbefugnisse und -pflichten der Länder in der Marktüberwachung in Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 765/2008. Eine gut funktionierende Marktüberwachung sichert die Wettbewerbsgleichheit zwischen den Unternehmen und sorgt für korrekte Verbraucherinformationen.

Für welche konkreten Produktgruppen das EU-Effizienzlabel gilt, ergibt sich aus den produktspezifischen Rechtsakten der EU-Kommission. Hier ist auch festgelegt, ab wann für die einzelnen Produktgruppen die Pflichten für Hersteller und Händler greifen und welche Übergangsbestimmungen gelten.

Gestaltung des EU-Energielabels

Das EU-Effizienzlabel (PDF: 240 KB) ist meist auf sieben Energieeffizienzklassen (A bis G) beschränkt. Oberhalb der Skala A (sehr effizient) können bei entsprechendem, technischem Fortschritt eines Gerätes noch drei weitere Klassen (A+, A++, A+++) ergänzt werden.

Das Energieeffizienzlabel gilt europaweit einheitlich und ist sprachenneutral. Neben der Energieeffizienzklasse enthält es z.T. auch Informationen über den jährlichen Energieverbrauch des Gerätes und weitere produktspezifische Daten (beispielsweise den Wasserverbrauch und die Schleuderwirkung von Waschmaschinen).

Produktspezifische Rechtsakte auf europäischer Ebene

Auf Basis der EU-Rahmenrichtlinie werden produktspezifische EU-Verordnungen erlassen. Diese Verordnungen der Europäischen Kommission sind unmittelbar gültig und für die jeweiligen Händler und Hersteller in der EU verbindlich. Derzeit sind Verordnungen für 16 Produktgruppen von klassischen Haushaltsgeräten über Fernseher bis hin zu Heizkesseln in Kraft. Einen Überblick über diese sowie die Gesamtzahl der im Verfahren der Europäischen Kommission befindlichen Produktgruppen kann auf der Seite der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) abgerufen werden. Als neueste Produktgruppen wurden Festbrennstoffkessel und Einzelraumheizgeräte nach Heizgeräten und Warmwasserbereitern in Verordnungen geregelt.

Novellierung der EU-Energielabel-Verordnung

Die Effizienzfortschritte in einigen Produktgruppen (zum Beispiel bei Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kühl-/Gefriergeräten) haben eine Reform der EU-Energielabel-Verordnung notwendig gemacht. Viele Produktgruppen haben bereits die höchste Effizienzklasse von "A+++" erreicht.

Um die Wirksamkeit des EU-Energielabels auch in Zukunft sicherzustellen, hat sich Deutschland im Rahmen der Novellierung erfolgreich dafür eingesetzt, dass das EU-Energielabel zu klaren Effizienzklassen von A bis G zurückkehrt. Die energieeffizientesten Geräte sollen nach der Novelle höchstens mit "B" ausgezeichnet werden. Beim Start des neuen Labels sollen die Effizienzklasse A und bei besonders dynamischen Produkten Klasse A und B frei bleiben, damit wieder Spielraum für Fortschritte entsteht. Mit der neuen Label-Verordnung werden das Verfahren und feste Fristen festgelegt, wie der schrittweise Übergang vom A+++-Label zum neuen A-G-Label erreicht werden kann.

Darüber hinaus wird ab 2019 für alle gelabelten Produkte eine Produktdatenbank eingeführt. Die Datenbank hilft den Verbrauchern Produkte nach Energieeffizienz zu vergleichen und erleichtert den Marktüberwachungsbehörden die Überprüfung der Labelanforderungen.

Nach der Einigung über die neuen Energielabels am 21. März 2017 und den Beschlüssen des Europäischen Parlaments und des Rates im Juni wird die EU-Energielabel-Verordnung am 1. August 2017 in Kraft treten.

EU-Energielabel für Heizgeräte und Warmwasserbereiter

Der Effizienzkennzeichnung von Heizgeräten und Warmwasserbereitern kommt eine besondere Bedeutung zu. Je nach Geräteeffizienz können Heizen und Warmwasserbereitung einen besonders großen Energieverbrauch verursachen und erheblich zur Emission von Treibhausgasen beitragen. Um dem vorzubeugen, werden seit dem 26. September 2015 über das EU-Energielabel die Effizienzklassen von neuen Raumheizgeräten und Warmwasserbereitern ausgewiesen. So können Verbraucher mit der Wahl eines effizienten Neugerätes nicht nur den Energieverbrauch entscheidend reduzieren, sondern auch Geld sparen.

Die Labels sind mit der bekannten, farbigen Balkenskala von A++ bis G bedruckt und müssen die Effizienzklassen folgender Geräte ausweisen:

  • Raumheizgeräte, die Raumwärme für die Zentralheizung erzeugen - zum Beispiel Gaskessel, Wärmepumpen und Blockheizkraftwerke,
  • alle Kombiheizgeräte, die zusätzlich Wasser erwärmen, sowie
  • Warmwasserbereiter, also Durchlauferhitzer und Boiler.
  • Darüber hinaus gilt die neue Kennzeichnungspflicht auch für Warmwasserspeicher mit bis zu 500 Litern Fassungsvermögen.

Auf dem Label ist auch die Nennleistung beziehungsweise der Energieverbrauch pro Jahr und die Geräuschentwicklung (in Dezibel) verzeichnet, bei Warmwasserspeichern sind die Warmhalteverluste mit angegeben. Die Klassifizierung macht die Geräte vergleichbar und hilft beim Kauf, energieeffiziente Geräte zu erkennen. Kaufentscheidungen werden in Zukunft auch von der Energieeffizienz der Geräte bestimmt, was auf Herstellerseite den Wettbewerb verschärft. Dadurch kann der Energieverbrauch in Europa deutlich gesenkt werden. Für zusätzliche Energieeffizienz werden alte Heizgeräte und Warmwasserbereiter in Deutschland seit dem 1. Januar 2016 auch mit dem Nationalen Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen gekennzeichnet. Das Label wird kostenfrei durch den Schornsteinfeger angebracht.

Nationales Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen

Das Nationale Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen soll Verbraucherinnen und Verbraucher über den Zustand ihres Heizkessels informieren und zum Austausch ihres alten Kessels motivieren. Das Label informiert nicht nur über die Effizienz des Heizkessels: Bei der Vergabe erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher weiterführende Informationen zu Energieberatungen wie die Vor-Ort-Beratung und zu Fördermöglichkeiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).