Icon Smart Infrastructure Management

Praxisbeispiel und aktuelle Herausforderungen

  • Im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte haben Planungs- und Genehmigungsverfahren einen außerordentlichen Komplexitätsgrad erreicht. Die Anforderungen für die Handelnden in Planungsbüros, Behörden, Verbänden und Gerichten sind zunehmend schwerer zu erfüllen.1
  • Seit einigen Jahren unternimmt der Staat Maßnahmen, um die Planung und Genehmigung von Infrastrukturprojekten zu beschleunigen. Erst im Februar 2020 wurden zwei Gesetzesvorhaben zur Planungsbeschleunigung verabschiedet. Dabei geht es um insgesamt 14 Infrastrukturprojekte, die vor allem die Schienen- und die Wasserverkehrsinfrastruktur betreffen.2
  • Beim Bau einer Straße muss in der Planung eine Vielzahl von Interessen berücksichtigt werden. Deshalb müssen verschiedene Behörden und weitere Stakeholder eingebunden werden. Dazu zählen etwa Grundstückseigentümer, Straßenbauverwaltungen, Verkehrsministerien, Vermessungsämter, Umweltschutzbehörden oder andere involvierte Parteien wie Bauträger, Energieversorger und die Öffentlichkeit.
  • Derzeit werden alle Stakeholder nacheinander befasst. Ursache ist, dass die Behörden derzeit nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, in einer gemeinsamen IT-Umgebung kooperativ zusammen zu arbeiten. Einerseits gibt es unterschiedliche Restriktionen hinsichtlich Zweck und Nutzung von Daten sowie auf Grund der Zuständigkeit. Andererseits scheitert ein Zusammenführen der relevanten Daten häufig an Silos (Technik, Zuständigkeit) oder nicht verfügbaren Verfahren zur gegenseitigen Datenbereitstellung in angemessener Zeit. Eine einheitliche Plattform zur Kollaboration und zur sicheren Bereitstellung der Daten mit den notwendigen Funktionalitäten, Zugriffs- und Nutzungsrechten existiert gegenwärtig nicht. Folglich beschränken sich derzeitige Nutzungsprozesse meist auf einfache Datenbereitstellung und lassen Vorteile, wie eine flexible und zweckorientierte Datennutzung, die sich aus einer Echtzeitkooperation ergeben, ungenutzt. Darüber hinaus werden Einwände der Bevölkerungen und Verbände oftmals noch nicht in der Planungsphase berücksichtigt. Im Ergebnis verzögern sich die Planungen. Es entstehen Risiken bezüglich der Qualität von Plänen und der Nachverfolgbarkeit von Änderungen, was in zusätzliche Projektkosten für die Planer mündet.
  • Das Projekt „Smart Infrastructure Management“ ist die Grundlage für die Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit in planerischen Aufgabenstellungen und gewährleistet die durchgehende Datenverfügbarkeit über Organisations- und Behördengrenzen hinweg. Planungsverfahren werden dadurch nicht nur beschleunigt – auch ganzheitliche Sichten auf Planungsprozesse werden realisiert. Diese Lösung ist bereits im europäischen Ausland implementiert.
Infografik: Smart Infrastructure Management

Welchen Mehrwert bietet das „Projekt GAIA-X“?

  • Der Mehrwert von GAIA-X ist, dass zusätzliche bereits existierende Lösungen oder Datenbanken eingebunden werden können. So könnte etwa bei Infrastrukturprojekten eine intermodale Verknüpfung mit Kartierungsdaten des Umwelt- und Artenschutzes erfolgen. Zudem wird eine durchgängige Datenerfassung, -verarbeitung und -vernetzung ermöglicht.
  • GAIA-X trägt dazu bei, dass der cloudbasierte Informationsraum jederzeit zugänglich ist – bei gleichzeitiger Gewährleistung von Informationssicherheit und Datenschutz.
  • Neben der Beschleunigung von Verfahrensabläufen kann gleichzeitig sichergestellt werden, dass die Raumdaten, wie sie bspw. für Building Information Modeling (BIM) benötigt werden, einheitlich sind, es also bei unterschiedlichen Bauabschnitten nicht zu Ad-hoc-Anpassungen kommen muss. Das hat wiederum einen positiven Effekt auf die Qualitätssicherung von Planung und Projektierung. Dies ist besonders relevant für Projekte, die über Zuständigkeiten oder Landesgrenzen hinweg geplant werden.
  • Eine sichere und vertrauenswürdige Cloud kann auch mittelständischen Unternehmen, die nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, die Teilnahme an der Wertschöpfungskette von Geodaten ermöglichen.

Pate

  • Hon. Prof. Dr.-Ing. habil. Gerd Buziek – Esri Deutschland GmbH
  • Dipl.-Ing. Michael Mundt – Esri Deutschland GmbH


1 Vgl. www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/innovationsforum-planungsbeschleunigung-abschlussbericht.pdf?__blob=publicationFile, S. 9.
2 Vgl. www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Infrastrukturplanung-Investitionen/Planungsbeschleunigung/planungsbeschleunigung.html