Icon Infrastrukturdaten für neue Geschäftsmodelle

Praxisbeispiel und aktuelle Herausforderungen

  • Netzinfrastrukturen im Energiebereich gehören zu den kritischen Infrastrukturen. Kritische Infrastrukturen sind solche, die die Daseinsversorgung sicherstellen. Sie bilden die Nervenstränge unserer modernen Gesellschaft. Aufgrund ihrer Bedeutung für das Zusammenspiel aller gesellschaftlichen Segmente benötigen diese Infrastrukturen einen besonderen Schutz. Das gilt auch für die Daten etwa in der Energieversorgung, deren Missbrauch einen großen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Schaden anrichten könnte. Deshalb dürfen die gewonnenen Daten nur sachbezogen genutzt und weiterverarbeitet werden.
  • Gleichzeitig ist auch die Digitalisierung in der Energiewirtschaft angekommen. Sie treibt den mit der Energiewende eingeleiteten Prozess des Umbaus des Energiesystems in Form von effizienteren Prozessen und neuen Geschäftsmodellen voran. Mehrere hundert Energie-Start-ups versorgen die Energiewende in Deutschland bereits jetzt mit Innovationen wie etwa virtuellen Kraftwerken, also physischen Kraftwerken, die über eine Plattform zusammengeschaltet werden. Ein „eigenes Drehkreuz“ bringt ihnen jetzt noch mehr Unterstützung.1 Geschäftsmodelle, die die Energiewende vorantreiben, können und sollen auch mit Hilfe von Infrastrukturdaten umgesetzt werden.
  • Die Herausforderung besteht darin, die Ziele und Grundsätze der Nutzung von Daten aus kritischen Infrastrukturen sowie die Notwendigkeit der Nutzung von Daten für neue Geschäftsmodelle miteinander zu vereinbaren. Dazu sind auch regulatorische Fragen zu adressieren: Werden alle Daten als kritisch eingestuft oder gibt es eine Differenzierung? Wenn ja, darf für die Verarbeitung nur ein bestimmter Typ von zum Beispiel BSI-zertifizierten Rechenzentren genutzt werden? Welche Marktakteure hätten Zugang zu den Daten, die sie nutzen könnten, um Wertschöpfungsketten zu transformieren? Wie wird dann Datensouveränität gewährleistet?
  • Kurzum: Die Bereitstellung und sichere Nutzung von Infrastrukturdaten muss eindeutig geregelt werden. Eine Option könnte sein, nur digitale Datenzwillinge zu verwenden, wie dies der vorliegende Use Case vorschlägt. Dann wäre es auch für Energieversorger oder Dritte möglich, neue Geschäftsmodelle auf dieser Datenbasis zu entwickeln. Einzelne Betreiber kritischer Informationen stellen bereits jetzt solche Datenzwillinge bereit, die von anderen für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden können. So könnten bei „stromausfall.de“ auch Dritte auf die Daten zugreifen.
Infografik: Infrastrukturdaten für neue Geschäftsmodelle

Welchen Mehrwert bietet das „Projekt GAIA-X“?

  • GAIA-X erlaubt die Ablage von entsprechend sensiblen Daten, die der KRITIS-Verordnung un-terliegen, an entsprechenden Speicherorten, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. GAIA-X ermöglicht zugleich die Zusammenführung von sensiblen und weniger sensiblen Daten dort, wo die sensiblen Daten liegen und schafft damit Möglichkeiten, eine rechtskonforme Cloud-Umgebung bereitzustellen.
  • GAIA-X ermöglicht vollständige Transparenz und Nachvollziehbarkeit über den Zweck und die Verwendung der Daten und gewährleistet damit die geforderte Datensouveränität. Zugleich schafft GAIA-X eine einheitliche technologische Basis in Form eines einheitlichen Identity- und Access-Managements sowie Möglichkeiten zur Zertifizierung und der Einhaltung von Sicher-heitsstufen.
  • GAIA-X schafft so die technische Grundlage für digitale Geschäftsmodelle im Energiebereich, die überdies skalierbar sind, weil gerade im GAIA-X-Ökosystem viele Anwenderinnen und Anwender, auch in weiteren Domänen, gewonnen werden können.

Pate

  • Prof. Dr.-Ing. Michael Laskowski – innogy SE


1 Vgl. www.bmwi-energiewende.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2020/04/Meldung/topthema.html