System zur automatisierten Zertifizierung von erneuerbarer Energie und Verwaltung von Zertifikaten

Praxisbeispiel und aktuelle Herausforderungen

  • Der Klimawandel und die Notwendigkeit zur Vermeidung von Emissionen erfordern Handeln. Seit Jahren etablierte Prozesse und Industrien verändern sich und lernen neu zu denken. So lässt sich im Energiebereich ein Wandel hin zu nachhaltigerer Energieerzeugung beobachten. Endkunden fordern vermehrt, dass verbrauchte Energie oder konsumierte Güter nachhaltig erzeugt werden. Deswegen besteht der Bedarf nach einer Möglichkeit zum Nachweis der Erzeugungsart.
  • Aktuell gibt es kein einheitliches System zum Nachweis der Herkunft von Energie. Es gibt lediglich energiespezifische, individuelle Einzellösungen (z.B. Guarantee of Origin (GO), Herkunftsnachweisregister (HKN), Ökostromlabel, Grün Gas Zertifikat). Diese Einzellösungen basieren auf unterschiedlichen Standards und weisen einen unterschiedlichen Fokus in Bezug auf die Nachhaltigkeitskriterien (z.B. Effizienz, Wirkungsgrad, Emissionen) auf. Sie sind nicht kombinierbar und genügen deshalb nicht dem zukünftigen Anspruch eines ganzheitlichen, Ende-zu-Ende Energiesystems. Energieversorger müssen die Möglichkeit haben, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, so dass sich die Investitionen in eine „zero carbon economy“ refinanzieren können. Um das zu ermöglichen bedarf es verlässliche Herkunftsnachweise als Grundlage für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.
  • Auf Basis einer dezentralen (mittels der Distributed Ledger Technologie (DLT, „Blockchain“) realisierten), digitalen Infrastruktur kann ein neues Zertifizierungssystem für den Herkunftsnachweis von Energie umgesetzt werden, welches die Schwächen der derzeitigen Systeme ausgleicht. Neben dem Nachweis über die Erzeugungsart von Strom ist eine Ausweitung über die komplette Wertschöpfungskette bis zum Endverbrauch möglich. Des Weiteren können auch Parameter, wie Wirkungsgrad und Emissionen, entlang der gesamten Kette identifiziert und berücksichtigt werden.
  • Konkret bietet die DLT die Möglichkeit, Zertifizierungsprozesse auf Basis einer dezentralen digitalen Infrastruktur sicher, automatisiert und nicht manipulierbar umzusetzen. Ziel ist es, ein technisches System zur automatisierten Zertifizierung von erneuerbarer Energie und zur Verwaltung der Zertifikate zu entwickeln und dieses innerhalb eines Reallabors zu erproben.
  • Durch die Prozessautomatisierung erfolgt eine Reduktion von Kosten und Aufwand. Durch die Verwendung der DLT erhält das automatisierte System zusätzlich Fälschungssicherheit und Transparenz. Dadurch entsteht Vertrauen zwischen den im System agierenden Akteuren.

Infografik: System zur automatisierten Zertifizierung von erneuerbarer Energie und Verwaltung von Zertifikaten

Welchen Mehrwert bietet das „Projekt GAIA-X“?

  • Gaia-X ermöglicht den Aufbau eines Partner-Ökosystems für die Erstellung von europaweit geltenden, automatisierten Nachhaltigkeitszertifikaten. Die Zertifikate werden branchenübergreifend entlang der gesamten Wertschöpfungskette (z.B. vom Windrad bis hin zum Wasserstoff zum grünen Transport mit erneuerbaren Kraftstoffen) vergeben.
  • Mithilfe von Gaia-X können europäische Standards für die digitale Zusammenarbeit innerhalb des Partner-Ökosystems für die Zertifizierung der Herkunft von Energie geschaffen werden.
  • Gaia-X erhöht die Ende-zu-Ende Sicherheit für den Transfer von Daten zwischen fremden Assets und Anwendungen.
  • Gaia-X liefert ein sicheres, transparentes und DSGVO-konformes Ökosystem, das die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Akteuren inner- und außerhalb der Energiebranche ermöglicht.
  • Gaia-X gewährleistet die Entwicklung, Implementierung und Erprobung der beschriebenen Lösung in einem internationalen Rahmen.

Paten

  • Prof. Dr. Michael Laskowski – E.ON
  • Prof. Dr. Monika Sturm – Siemens
  • Dr. Andreas Breuer – Westnetz