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Praxisbeispiel und aktuelle Herausforderungen

  • Auf den Arzt- oder Krankenhausrechnungen sind verschiedene Leistungen aufgeführt. Diese Rechnungen werden dann oft einzeln bezahlt und erst dann den Versicherungsgesellschaften vorgelegt. Es gibt dann eine Auswahl von Leistungen, die von der Versicherung übernommen werden, und andere, bei denen dies ganz oder teilweise nicht geschieht. Der Prozess dauert manchmal sehr lange. Daten, die für die Erfüllung der jeweiligen Tätigkeit, wie zum Beispiel die Bezahlung eines Versicherungsanspruchs, benötigt werden, werden in einem Einweg-Kommunikationssystem versendet, sodass viele wertvolle Datenpunkte, wie zum Beispiel ambulante Pflegedaten oder Patientenrückmeldungen, in Datensilos verborgen bleiben. Ein weiteres Problem ist, dass der einzelne Patient und das gesunde Mitglied nur eine passive Rolle in diesem Prozess spielt und wenig Kontrolle über seine eigenen Daten hat.
  • Die Finanzierung des Gesundheitswesens könnte durch geeignete Datenverbindungen und Zwei-Wege-Kommunikationssysteme zwischen allen Beteiligten viel transparenter und reibungsloser funktionieren. Allerdings befindet sich insbesondere das gesetzliche Gesundheitssystem der EU derzeit in einem siloartigen Zustand. Die Daten sind entsprechend dem geltenden Recht in einem vollständig vertikalen System organisiert. Der Datenaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren ist sehr kompliziert. Kostenträger, Entscheidungsträger und Begünstigte müssen sich miteinander abstimmen, um den für die Genehmigung von Ansprüchen notwendigen Zugang zu Kundendaten zu erhalten.
  • Eine Möglichkeit zur Verbesserung des Datenaustauschs und der Abrechnung und Regulierung der empfangenen Leistungen ist eine öffentlichprivate Plattform oder „nationale Pflegebank", auf der Daten und Zahlungen effizient und sicher ausgetauscht werden können. Die Plattform verbindet Versicherer, Kliniken/ Krankenhäuser, Dritte und Teilnehmer. Jeder Teilnehmer ist über eine mobile Gesundheitsbrieftasche mit der Plattform verbunden, wodurch ein mobiler Zugang zur Gesundheitsfinanzierung und die volle Kontrolle über die gesammelten Daten ermöglicht wird. Frühere Datensilos, einschließlich der Daten aus der ambulanten Versorgung, sind mit verwandten Datenpools verbunden, die dem Rechtsstaatsprinzip unterliegen. Jeder Beteiligte kann in einem Zwei-Wege-Kommunikationssystem direkt mit dem Individuum interagieren; die daraus resultierende Transparenz über die Gesundheit der Bevölkerung und die Finanzierung ist für die Interessen der öffentlichen Gesundheit von großem Nutzen, während die Daten des Einzelnen geschützt sind.
  • Darüber hinaus sind Zwei-Wege-Kommunikationssysteme und die damit verbundenen Datenseen kritische Elemente für die erfolgreiche Bekämpfung von Epidemien, wie das aktuelle Coronavirus deutlich macht.
  • Eine solche Plattform wurde in Afrika mit Unterstützung der niederländischen Regierung bereits erfolgreich zusätzlich zu mobilem Geld eingeführt (siehe www.carepay.com). In Kenia wurde sie 2016 mit mehr als 4 Millionen Teilnehmern, 3.100 Kliniken/ Krankenhäusern und 185 öffentlichen und privaten Krankenversicherungsprogrammen ins Leben gerufen. Darüber hinaus wurde diese Plattform 2019 in Nigeria ins Leben gerufen. Die Plattform ist in Europa anwendbar, da die Gesundheitsfinanzierung weltweit den gleichen Kernprozessschritten folgt.
  • Das Potenzial mobiler Brieftaschen im Gesundheitswesen ist transformativ und erste Diskussionen wurden in den Niederlanden und in Europa begonnen.
Infografik: CarePay

Welchen Mehrwert bietet das „Projekt GAIA-X“?

  • Europa ist weltweit führend in der sozialen Infrastruktur und der universellen Gesundheitsversorgung. Ungefähr 1/3 der Wirtschaft wird dafür vorbezahlt und vorkontrahiert. GAIA-X schafft ein Umfeld für die gemeinsame Zusammenarbeit, um diese Infrastruktur in die Zukunft zu führen. Unsere europäische Stärke wird zu einem Motor für Daten, Algorithmen und KI-gestützte Dienstleistungen und wird eine Plattform bilden, die mit datengesteuerten Unter-nehmen aus den USA und China konkurrieren kann. Dies kann in einem Modell geschehen, in dem der Datenaustausch rechtsstaatlich erfolgt und die Erträge im Interesse der Gesellschaft liegen, anstatt an private Aktionäre verteilt zu werden.
  • Gesundheitsfinanzierungsprozesse können standardisiert werden und die damit verbundenen Datenströme von Gesunden und Kranken, Kliniken und Versicherern fließen in einer „nationa-en Versorgungsbank" zusammen. Der Austausch der Datenströme erfolgt rechtsstaatlich und im öffentlichen Interesse. Algorithmen können gemeinsam genutzt und KI-gestützte Lösungen gemeinsam entwickelt werden. Wenn wir die europäischen Standards für die Gesundheitsfinanzierung auf eine mobile Plattform übertragen, kann dies weltweit die gleichen Auswirkungen haben, wie es damals die DSGVO hatte.
  • GAIA-X schafft Transparenz im Cloud-Markt und ermöglicht das „Hosten" von Plattformen unter Wahrung der gesetzlichen Anforderungen an die Datenhoheit im Gesundheitswesen.
  • GAIA-X dient als Grundlage für eine Plattform, die ihre Daten aus verschiedenen Quellen und Nutzen direkt aus dem offenen digitalen Ökosystem bezieht. Ein Kernnutzen ist die Sicherheit, dass die Daten unter Einhaltung definierter Standards übertragen werden, was wiederum zu einer erhöhten Akzeptanz im Markt führt.
  • GAIA-X schafft ein Umfeld, um gemeinsam standardisierte Schnittstellen für die soziale Infrastruktur zu entwickeln. Dies erleichtert die Zusammenarbeit von treuhänderisch eingeschränkten Zahlern, wie zum Beispiel Versicherern, an verschiedenen geographischen Standorten und garantiert Sicherheit im Datenaustausch.
  • Die Leitprinzipien von GAIA-X – Modularität und Interoperabilität – ermöglichen es auch, die Abhängigkeit von einzelnen Cloud-Anbietern zu reduzieren und die verschiedenen Funktionalitäten der Plattform bei verschiedenen Anbietern zu hosten.

Paten

  • Jan-Willem Scheijgrond – Royal Philips
  • Onno Schellekens – CarePay International