Die deutsche Stahlindustrie hat als Basisindustrie eine besondere Bedeutung für die industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland. Sie erwirtschaftet einen Umsatz von rund 32,8 Milliarden Euro (2019) und beschäftigt rund 84.000 Menschen. Die gesamte Rohstahlproduktion lag 2019 bei 39,6 Millionen Tonnen. Rund 20 Millionen Tonnen an Walzstahl wurde 2019 exportiert. Zu den größten Stahlproduzenten in Deutschland zählen die thyssenkrupp Steel Europe AG mit einer Produktion von rund 12 Millionen Tonnen, die ArcelorMittal Germany Holding GmbH mit rund 8 Millionen Tonnen und die Salzgitter AG mit rund 6,6 Millionen Tonnen Rohstahl. In Deutschland ist Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von rund 40 Prozent das Bundesland mit der größten Stahlerzeugung [5].

Deutschland ist der siebtgrößte Rohstahlhersteller weltweit hinter China, Japan, Indien, den USA, Russland und Südkorea sowie der größte Stahlproduzent der EU-27 vor Italien, Frankreich und Spanien. China ist mit einem Anteil von rund 50 Prozent an der globalen Produktion mit Abstand weltgrößter Produzent [6].

Etwa zwei Drittel des Stahls werden in Deutschland in integrierten Hüttenwerken (überwiegender Einsatz von Eisenerz; so genannte Hochofenroute) erschmolzen. Das verbleibende Drittel wird über die Elektrostahlroute (Einsatz von Stahlschrott) erzeugt. Den Werkstoff Stahl zeichnet aus, dass er nahezu vollständig recycelbar ist. Damit können natürliche Ressourcen in erheblichem Umfang eingespart werden.

Die Innovationen der Stahlbranche tragen aufgrund der engen Verflechtung mit anderen Industriebranchen zu den Erfolgen etwa der Automobilindustrie oder des Maschinenbaus bei. Zugleich werden eine Vielzahl umweltrelevanter Produkte aus innovativen Stählen hergestellt, beispielsweise Windkraftanlagen, hocheffiziente Turbinen zur Energieerzeugung oder leichtere Automobilkarosserien.

Die Stimmung auf dem Weltstahlmarkt ist aktuell durchwachsen. Die weltweiten Produktionskapazitäten von Rohstahl sind nach den jüngsten OECD Schätzungen erstmalig seit 2015 wieder auf rund 2,3 Milliarden Tonnen angestiegen. Dies führte auch zu einem Anstieg der weltweiten Überkapazitäten auf rund 440 Millionen Tonnen, da die Stahlnachfrage nicht in gleichem Maße angestiegen ist und sich die ohnehin bestehende Lücke zwischen Kapazität und tatsächlicher Produktion noch weiter vergrößert hat. Die Covid19-Pandemie verschärft diese Situation.

Insgesamt zeichnet sich der Weltstahlmarkt durch eine ausgeprägte internationale Wettbewerbsintensität aus, die sich negativ auf die erzielbaren Preise auswirkt. Insbesondere die chinesische Stahlproduktion und chinesische Stahlexporte haben den Weltstahlmarkt in den vergangenen Jahren erheblich beeinträchtigt. Die in China erkennbaren Sättigungstendenzen und daraus resultierende nachlassende Dynamik der Stahlnachfrage im Inland bleiben ohne ausreichende Anpassung der Kapazitäten.

In Folge agiert die deutsche Stahlindustrie weiterhin in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld.

Internationaler Wettbewerb

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt die Forderung, weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, um bestehende Marktungleichgewichte abzubauen. Maßgeblich sind in diesem Kontext insbesondere Maßnahmen auf Ebene der Europäischen Union und im G20-Kontext.

Die Europäische Kommission hat im März 2016 ein Maßnahmenbündel vorgeschlagen, um faire Handelsbedingungen herzustellen. Dazu gehören die Einführung einer vorherigen Überwachung von Stahlimporten ("prior surveillance system") sowie eine Modernisierung der handelspolitischen Schutzinstrumente (Neuregelung seit 08. Juni 2018 in Kraft).

Für die Stahlindustrie von großer Bedeutung ist zudem die europäische Anti-Dumping-Grundverordnung (Neuregelung seit 20. Dezember 2017 in Kraft). Diese sieht eine Methodologie zur Berechnung des Dumpings bei Vorliegen nicht marktwirtschaftlicher Verhältnisse vor. Damit steht ein wirksames und effektives handelspolitisches Schutzinstrumentarium zur Abwehr unfairer Handelspraktiken zur Verfügung.

Seit dem 1. Juni 2018 erheben die USA einen Zoll in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte Stahlimporte aus der EU. Gestützt wird diese Maßnahme auf die seit langer Zeit nicht genutzte Section 232 Trade Expansion Act of 1962, die Importbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit ermöglicht. Für die deutsche Stahlindustrie sind die USA der wichtigste Exportmarkt außerhalb der EU. Mit einem Anteil der US-Exporte von ca. 4 Prozent an den gesamten deutschen Stahlexporten ist die direkte Abhängigkeit vom US-Markt allerdings begrenzt. Größere Risiken für die deutsche Stahlindustrie bestehen in potentiellen Handelsumlenkungen aus Drittländern in den EU-Markt, ausgelöst durch die Entscheidung der USA. Die EU-Kommission hat daher nach einer mehrmonatigen Überprüfung der Handelsströme für Stahlprodukte zunächst vorläufige Schutzmaßnahmen und am 2. Februar 2019 endgültigen Schutzmaßnahmen für insgesamt 26 Stahlproduktfamilien erlassen.

Überkapazitäten im Stahlsektor im Rahmen der G20 abbauen

Das Thema Überkapazitäten im Stahlsektor steht seit Dezember 2016 und der Gründung des „Global Forum on Steel Excess Capacity“ regelmäßig auf der Agenda der G20. Die beteiligten Staaten wollen im Rahmen dieses Zusammenschlusses gemeinsam Lösungen für die globale Herausforderung der Stahlüberkapazitäten erarbeiten. Es sollen Wege zum Abbau von Subventionen und Beihilfen gefunden werden, die für die Entstehung von Überkapazitäten verantwortlich sind. Ziel ist eine Reduzierung bestehender Produktionskapazitäten weltweit.

Branchenkonjunktur

 20142015201620172018

Produktion (Mio. t) Rohstahl [6]

Warmgewalzte Stahlerzeugnisse [6]

Stahlrohre [8]

42,9

36,4

2,7

42,1

36,6

2,6

42,1

36,6

2,6

43,3

37,5

3,3

42,4

36,6

3,1

Umsatz (Mrd. Euro) [1] [7]40,137,835,142,144,1
Anzahl Betriebe [1] [7]180177175142140
Anzahl Beschäftigte [1] [7]98.59298.29796.95795.77296.464
Import von Stahlerzeugnissen [2] [4] [7] (Mio. t)25,626,026,828,527,8
Export von Stahlerzeugnissen [2] [4] [7] (Mio. t)25,125,525,627,326,4

[1] Die Branche umfasst hier die Positionen 24.1 und 24.2 der nationalen Wirtschaftszweigklassifikation WZ 2008 (die Position 24.3 ist dem BMWi-Branchenfokus "Stahl- und Metallverarbeitung" zugeordnet);
[2] wie [1], ohne Roheisen, Ferrolegierungen, Abfälle und Schrott, Körner und Pulver;
[3] vorläufige Angaben
Quellen:
[4] Statistisches Bundesamt;
[5] Wirtschaftsvereinigung Stahl;
[6] Worldsteel Association;
[7] Statistisches Bundesamt, ausgewertet von Wirtschaftsvereinigung Stahl;
[8] Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre