Die Lage in der Seeschifffahrt wurde in den vergangenen Jahren maßgeblich durch ein Überangebot an Schiffsraum geprägt. Die hohe Zahl an Schiffsneubauten hat die Schifffahrtsmärkte zusätzlich belastet.

Die weltweite Containerschiffsflotte ist 2018 auf 5.286 Vollcontainerschiffe angewachsen (2017: 5.186 Schiffe). Bei den neu auf den Markt gekommenen Schiffen handelt es sich überwiegend um sehr große Containerschiffe, wohingegen vor allem kleinere Einheiten verschrottet werden. Dadurch ist die Tragfähigkeit der weltweiten Containerflotte auf knapp 22,2 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit; Zwanzig-Fuß-Standardcontainer) gewachsen. Die derzeit größte Kapazität für die Aufnahme von Containern besitzt die HMM Algeciras, welche 23.964 TEU laden kann.

Die deutsche Handelsflotte besteht aus 1.942 Schiffe (Stand 30.06.2020). Davon fahren 305 Schiffe unter deutscher Flagge.

Im Bereich Containerschifffahrt verfügt Deutschland über rund 14,4 Prozent der weltweiten Containerschifffahrtskapazitäten nach TEU und liegt damit auf Platz zwei. Aufgrund der Überkapazitäten, vor allem bei Containerschiffen, stagnieren die Fracht- und Charterraten in den meisten Bereichen auf einem niedrigen Niveau.

Die Zurückhaltung wichtiger Banken in der Schiffsfinanzierung und der daraus resultierende Mangel an Fremdkapital hat die Lage insbesondere für kleine und mittlere Charterreedereien in Deutschland zusätzlich verschärft.

Gemeinsam mit den Bundesländern hat die Bundesregierung im Jahr 2016 mit einem Gesamtpaket Rahmenbedingungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Flagge geschaffen. Dazu gehören 100 Prozent Lohnsteuer-Einbehalt, eine passgenaue Erstattung der Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Sozialversicherung und eine Anpassung der Nationalitätenvorgaben in der Schiffsbesetzungsverordnung. Darüber hinaus werden Ausbildungszuschüsse für Schiffsmechanikerinnen und -mechaniker (32.000 Euro), Nautische Offiziersassistentinnen und -assistenten (16.000 Euro) sowie Technische Offiziersassistentinnen und -assistenten (21.000 Euro) gezahlt. Das Gesamtpaket ist geprägt von dem Gedanken, qualitativ hochwertige Ausbildung und Beschäftigung am deutschen Schifffahrtsstandort zu erhalten und damit maritimes Know-how in Deutschland zu sichern.

Mittelfristig sind die Aussichten für die Seeschifffahrt trotz der bestehenden Herausforderungen gut. Der steigende Welt- und Weltseehandel und das künftig deutlich abgeschwächte Flottenwachstum dürften zu einer Annäherung von Angebot und Nachfrage nach Schiffsraum und einer sukzessiven Markterholung führen.