Junge und alte Hände zum Branchenfokus Pflegewirtschaft; Quelle: istockphoto.com/guvendemir

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Pflege ist ein Wirtschaftsfaktor

Die Pflegewirtschaft ist wie die Gesundheitswirtschaft auch eine Querschnittsbranche. Wichtige Bereiche sind die ambulante und die (teil-)stationäre Pflege. Mit der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung (GGR) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) kann auch der Beitrag der Pflege zu Bruttowertschöpfung und Erwerbstätigenentwicklung bemessen werden:

Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen erzeugten im Jahr 2019 eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 43 Milliarden Euro (ambulant: 18,9 Milliarden Euro; stationär: 24,2 Milliarden Euro). Damit rangiert die Pflege im Gesundheitswesen an 3. Stelle hinter Krankenhäusern (69,5 Milliarden Euro) und Arztpraxen (65,6 Milliarden Euro).

Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen haben einen Anteil von 21,6 Prozent an der Bruttowertschöpfung der medizinischen Versorgung. Jeder fünfte Euro der Bruttowertschöpfung wird in der Pflege erbracht.

Bruttowertschöpfung der (teil­)stationären und ambulanten Pflege

Bruttowertschöpfung der (teil­)stationären und ambulanten Pflege Bild vergrößern

© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi); Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR), Ausgabe 2019; Berechnungen: WifOR.

Infografik als PDF in der Publikation "Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen", Ausgabe 2019, S. 34

Die Bruttowertschöpfung in der Pflege ist insgesamt stark gestiegen. Vor allem in der ambulanten Pflege ist die Entwicklung rasant. Seit 2010 hat sich die Wertschöpfung auf 18,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Mit einem Wachstum von durchschnittlich 8,3 Prozent pro Jahr in den letzten 10 Jahren ist die ambulante Pflege der Bereich mit dem höchsten Wachstum in der Gesundheitswirtschaft und liegt sogar weit über dem Wachstum der Gesundheitswirtschaft selbst (4,1 Prozent).

Die wirtschaftliche Aktivität der ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sorgt für positive Ausstrahleffekte in der deutschen Gesamtwirtschaft. Durch die Verflechtung mit Akteuren aus anderen Wirtschaftsbereichen entstehen (durch indirekte und induzierte Effekte) gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfungseffekte von insgesamt rund 81 Milliarden Euro. Vereinfacht gesprochen: Mit jedem Euro Bruttowertschöpfung in ambulanten Pflegeeinrichtungen gehen 0,98 Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung in der Gesamtwirtschaft einher. Bei den stationären Einrichtungen sind es zusätzliche 0,81 Euro je produziertem Euro Bruttowertschöpfung.

Durch Dienstleistungen in der ambulanten Pflege entsteht ein ökonomischer Fußabdruck von 37 Milliarden Euro Bild vergrößern

© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi); Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR), Ausgabe 2019; Berechnungen: WifOR.

Infografik als PDF in der Publikation "Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen, Sonderthema Medizinische Versorgung", Ausgabe 2019, S. 63

Durch Dienstleistungen in der (teil-)stationären Pflege entsteht ein ökonomischer Fußabdruck von 44 Mrd. Euro Bild vergrößern

© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi); Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR), Ausgabe 2019; Berechnungen: WifOR

Infografik als PDF in der Publikation "Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen, Sonderthema Medizinische Versorgung", Ausgabe 2019, S. 35

Pflege ist ein Jobmotor

Mit 1,7 Millionen Beschäftigten haben ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen einen Anteil von fast 23 Prozent an allen Erwerbstätigen der Gesundheitswirtschaft. Jeder 4. Erwerbstätige arbeitet somit in der Pflege. Gemessen an der medizinischen Versorgung beträgt der Anteil sogar 36,2 Prozent. Es ist ein Bereich, der zuletzt stark gewachsen ist und der demografisch bedingt auch künftig wachsen wird.

Erwerbstätige in der (teil­)stationären und ambulanten Pflege**

Erwerbstätige in der (teil­)stationären und ambulanten Pflege Bild vergrößern

**Anmerkung: Als Erwerbstätige in der ambulanten Pflege berücksichtigt die GGR zusätzlich zu den nach SGB XI berücksichtigten Erbringern von ambulanten Leistungen auch die Erbringer von Leistungen des Rettungsdienstes (inkl. durch die GKV gezahlter Taxifahrten) sowie die Personen, welche Leistungen in den sonstigen Einrichtungen nach dem Konzept der GAR erbringen.

© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi); Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR), Ausgabe 2019; Berechnungen: WifOR

Infografik als PDF in der Publikation "Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen", Ausgabe 2019, S. 35

Auch bei den Erwerbstätigen in der Pflege zeigt sich, dass der ambulante Teil¬bereich innerhalb der Gesundheitswirtschaft mit durchschnittlich 3,6 Prozent über einen Prozentpunkt stärker gewachsen ist als die (teil-)stationäre Pflege. Gegenüber dem Jahr 2010 sind in der ambulanten Pflege somit rund 3-mal so viele neue Arbeitsplätze entstanden wie in der (teil-)stationären Pflege. Sowohl ambulante also auch die stationäre Pflege liegen mit ihrem durchschnittlichen Wachstum deutlich über dem Erwerbstätigen-Wachstum in der Gesundheitswirtschaft insgesamt (2,0 Prozent).

Struktur des Pflegemarktes

In Deutschland gab es Ende 2017 insgesamt 14.480 Pflegeheime. und 14.050 ambulante Pflegedienste (siehe Pflegestatistik 2017). In beiden Bereichen arbeitet die Mehrzahl der Beschäftigten in Teilzeit: In den Pflegeheimen sind es 63 Prozent, im ambulanten Bereich sind es 69 Prozent. Im Vergleich zu 2015 ist die Beschäftigtenzahl um 4,7 Prozent in Pflegeheimen und um 9,8 Prozent bei ambulanten Pflegediensten gestiegen.

Im stationären Bereich dominieren die freigemeinnützigen Träger mit rund 53 Prozent. Private Träger haben einen Anteil von 43 Prozent, bei öffentlichen Trägern sind es rund 4 Prozent. Dabei ist die Anzahl der privaten Pflegeheime seit 2007 um über 40 Prozent gestiegen. Im ambulanten Bereich wird die Dienstleistung in der Hauptsache von gewerblichen Trägern angeboten, das sind 66 Prozent. Freigemeinnützige Anbieter haben einen Anteil von 33 Prozent, bei öffentlichen Trägern ist es 1 Prozent (Pflegestatistik 2017).

Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sind überwiegend mittelständische Unternehmen tätig. Im stationären Bereich machen Unternehmen mit 10 bis zu 249 Beschäftigten über drei Viertel aller Unternehmen aus. Dabei liegt der Hauptanteil mit zwei Dritteln bei Unternehmen bis zu 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Pflegewirtschaft in den Bundesländern

Gemessen an der Bruttowertschöpfung sind ambulante und stationäre Pflege unterschiedlich auf die Bundesländer verteilt. Die ambulante Pflege entfaltet insbesondere in den östlichen Bundesländern eine große Bedeutung für die medizinische Versorgung. Die medizinische Versorgung in den Bundesländern Bremen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist in besonderem Maße von der Wertschöpfung durch Dienstleistungen der ambulanten Pflege geprägt.

Bruttowertschöpfungsanteil der ambulanten Pflege an der medizinischen Versorgung (in Prozent)

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Betrachtungszeitraum: 2018 (Prognose); Werte in jeweiligen Preisen.

© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi); Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR), Ausgabe 2019; Berechnungen: WifOR

Infografik als PDF in der Publikation "Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen", Ausgabe 2019, S. 70

In der (teil-)stationären Versorgung zeigt sich im Vergleich zur ambulanten Versorgung ein anderes Bild. Dort haben die Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die höchsten Anteile an der medizinischen Versorgung.

Bruttowertschöpfungsanteil der (teil-)stationären Pflege an der medizinischen Versorgung (in Prozent)

Bruttowertschöpfungsanteil der (teil-)stationären Pflege an der medizinischen Versorgung (in Prozent) Bild vergrößern

Betrachtungszeitraum: 2018 (Prognose); Werte in jeweiligen Preisen.

© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi); Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR), Ausgabe 2019; Berechnungen: WifOR .

Pflege braucht mehr Fachkräfte

Bereits jetzt besteht in der Pflegewirtschaft Fachkräftemangel. In der Altenpflege sogar bundesweit. Er wird sich durch die demografische Entwicklung verschärfen. Die Gewinnung von Auszubildenden aus Drittstaaten ist daher eine Möglichkeit – neben der Aktivierung des inländischen Potenzials und der Gewinnung von bereits qualifizierten Pflegekräften über das Anerkennungsverfahren – um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken.

Das BMWi hat im Rahmen von zwei Pilotvorhaben „Ausbildung von Arbeitskräften aus Vietnam zu Pflegefachkräften“ (2012 -2016 Altenpflege, 2016-2019 Krankenpflege) die Chancen einer fundierten Pflegefachausbildung für junge Menschen aus Drittstaaten in Deutschland erprobt. Ziel der Vorhaben war es, dass der deutsche Pflegesektor ausländische Beschäftigte gewinnt, die nach inländischen Standards ausgebildet werden, um den immer größer werdende Fachkräftemangel in der Pflege langfristig zu reduzieren. Den deutschen Pflegeeinrichtungen sollte mit dem Modellprojekt ein Weg aufgezeigt werden, in Zukunft möglichst autonom eigene Kooperationen mit vietnamesischen Partnereinrichtungen einzugehen. Die Evaluationsberichte (2016 Evaluation Altenpflege und 2020 Krankenpflege) sowie ein Leitfaden für Pflegeeinrichtungen (2020) sind das Ergebnis der wissenschaftlichen Evaluation der Erfahrungen in beiden Modellprojekten. Das BMWi-Modellprojekt gilt heute als zukunftsweisend für die Pflegebranche, weil es einen Weg aufzeigt, ausländisches Personal anzuwerben. Faire Fachkräftegewinnung – insbesondere aus Sicht der Auszubildenden – trägt auch dazu bei, dass die ausgebildeten Pflegekräfte gerne in Deutschland bleiben und dort ihre Entwicklungsmöglichkeiten nutzen. Inzwischen wird das BMWi-Modellprojekt erfolgreich in Nachfolgeprojekten umgesetzt.

Die Zuwanderungsdynamik der vergangenen Jahre bietet ein großes Fachkräftepotential und damit zugleich eine große Chance auch für die Pflegewirtschaft. Zur Erschließung dieses Potentials und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts gilt es, eine zügige Integration der Zugewanderten zu unterstützen. Das schließt die Integration in den Arbeitsmarkt ein. Zur Information für Arbeitgeber dient die Publikation "Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen in der Altenpflege".

Demografische Fakten zur Pflegewirtschaft (Pflegestatistik 2017)

  • Nach der Pflegestatistik waren in Deutschland Ende 2017 gut 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Nach Angaben des BMG betrug die Zahl der Pflegebedürftigen 2018 bereits 3,9 Millionen. Das ist ein Anstieg von 34 Prozent im Vergleich zu 2015, also vor Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zum 01.01.2017.
  • Etwa zwei Drittel (63 Prozent) der Pflegebedürftigen sind Frauen. 81 Prozent der Pflegebedürftigen sind 65 Jahre und älter. Der Anteil der über 85-jährigen beträgt 35 Prozent.
  • Gut drei Viertel (76 Prozent) der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, das sind fast 2,6 Millionen.
  • Die häusliche Pflege von 1,8 Millionen Pflegebedürftigen übernehmen ausschließlich Angehörige, weitere 830.000 Menschen werden zu Hause zusammen mit oder vollständig von ambulanten Pflegediensten versorgt.
  • 818.000 Pflegebedürftige (rund 24 Prozent) werden in Heimen vollstationär betreut (im Schnitt 64 Pflegebedürftige pro Pflegeheim).