Junge und alte Hände zum Branchenfokus Pflegewirtschaft; Quelle: istockphoto.com/guvendemir

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Pflege ist ein Wirtschaftsfaktor

Das Marktvolumen des ambulanten und stationären Pflegemarktes betrug 2016 fast 49 Milliarden Euro (ambulant: 18,0 Milliarden Euro; stationär: 30,9 Milliarden Euro). Damit rangiert die Pflege im Gesundheitswesen an 3. Stelle hinter Krankenhäusern (92,5 Milliarden Euro) und Arztpraxen (53,0 Milliarden Euro).

Pflege ist ein Jobmotor

In Deutschland gab es Ende 2017 insgesamt 14.480 Pflegeheime mit mehr als 765.000 Beschäftigten (siehe Pflegestatistik 2017). Außerdem betreuen 14.050 ambulante Pflegedienste mit 390.300 Beschäftigten die Pflegebedürftigen. In beiden Bereichen arbeitet die Mehrzahl der Beschäftigten in Teilzeit: In den Pflegeheimen sind es 63 Prozent, im ambulanten Bereich sind es 69 Prozent. Im Vergleich zu 2015 ist die Beschäftigtenzahl um 4,7 Prozent in Pflegeheimen und um 9,8 Prozent bei ambulanten Pflegediensten gestiegen.

Mit knapp 1,2 Million Beschäftigten haben ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen zwar nur einen relativ kleinen Anteil von etwa 3,6 Prozent an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Es ist aber ein Bereich, der zuletzt stark gewachsen ist und der demografisch bedingt auch künftig wachsen wird. Allein in den letzten 10 Jahren weist die Pflegewirtschaft einen Beschäftigtenzuwachs von mehr als 40 Prozent auf. Nach dem Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit 2017 verzeichnete der Wirtschaftszweig Pflege und Soziales im Vergleich zum Vorjahr mit zusätzlich 85.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit den höchsten Beschäftigtenanstieg aller Wirtschaftszweige.

Struktur des Pflegemarktes

Im stationären Bereich dominieren die freigemeinnützigen Träger mit rund 53 Prozent. Private Träger haben einen Anteil von 43 Prozent, bei öffentlichen Trägern sind es rund 4 Prozent. Im ambulanten Bereich wird die Dienstleistung in der Hauptsache von gewerblichen Trägern angeboten, das sind 66 Prozent. Freigemeinnützige Anbieter haben einen Anteil von 33 Prozent, bei öffentlichen Trägern ist es 1 Prozent (Pflegestatistik 2017).

Pflegeunternehmen sind mittelständisch

Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sind überwiegend mittelständische Unternehmen tätig. Im stationären Bereich machen Unternehmen mit 10 bis zu 249 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über drei Viertel aller Unternehmen aus. Dabei liegt der Hauptanteil mit zwei Dritteln bei Unternehmen bis zu 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Wie die Bevölkerung altert, wächst auch der Pflegemarkt

Allein aus der demografischen Entwicklung ergibt sich bis zum Jahr 2030 ein zusätzlicher Bedarf an Pflegeplätzen und an Pflegepersonal:

  • In der stationären Pflege werden rund 150.000 zusätzliche Plätze benötigt.
  • In der stationären Pflege werden rund 146.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht, davon 55.000 Pflegefachkräfte.
  • In der ambulanten Pflege besteht Bedarf an 62.000 zusätzlichen Pflegekräften, davon 36.000 Pflegefachkräften.

(Forschungsergebnisse der Institute IEGUS/RWI 2015)

Pflege ist eine Investition in die Zukunft

Neue Pflegeplätze in der stationären Pflege haben einen Kapitalbedarf von etwa 80.000 Euro pro Platz. (IEGUS/RWI 2015). Die prognostizierten 150.000 neuen Pflegeplätze bis zum Jahr 2030 würden demnach rund 12 Milliarden Euro an Investitionen bedeuten. Wenn zudem jährlich bis zu 2,5 Prozent des Bestandes an stationären Pflegeplätzen (2013: 903.000) erneuert werden muss, ergibt sich bis zum Jahr 2030 ein Investitionsbedarf in Höhe von weiteren rund 30 Milliarden Euro. Insgesamt wären Investitionen in Höhe von geschätzt 42 Milliarden Euro erforderlich, um die nötigen Pflegeplätze bereitzustellen.

Der altersgerechte Umbau einer Wohnung kostet knapp 16.000 Euro. In den letzten Jahren wurde im Durchschnitt knapp 1 Prozent der zur Sanierung stehenden Privatwohnungen altersgerecht umgebaut. Legt man diese Rate zugrunde, entstehen bis 2030 Kosten in Höhe von rund 10 Milliarden Euro. Diese Sanierungskosten für private Haushalte sind zugleich Aufträge für die Unternehmen, die Sanierungsarbeiten ausführen, insbesondere für KMU (IEGUS/RWI 2015).

Pflege braucht mehr Fachkräfte

Bereits jetzt besteht in der Pflegewirtschaft Fachkräftemangel. In der Altenpflege sogar bundesweit. Er wird sich durch die demografische Entwicklung verschärfen.

Als eine mögliche Strategie zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft erprobt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in einem von der GIZ umgesetzten Pilotvorhaben seit April 2016 die Ausbildung von jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen zu Krankenpflegekräften in Deutschland. Das Krankenpflegeprojekt knüpft an das erfolgreiche Modellprojekt des BMWi zur Ausbildung von Fachkräften in der Altenpflege an. Wie bei dem Modellprojekt Altenpflege sollen auch die Ergebnisse des Krankenpflegeprojektes von Pflegeeinrichtungen als Blaupause genutzt werden. Den deutschen Pflegeeinrichtungen soll mit dem Modellprojekt ein Weg aufgezeigt werden, in Zukunft möglichst autonom eigene Kooperationen mit vietnamesischen Partnereinrichtungen einzugehen. Dazu bietet die Publikation "Handlungsempfehlung für die Fachkräftegewinnung in der Altenpflege" Unterstützung.

Die aktuelle Zuwanderungsdynamik bietet ein großes Fachkräftepotential und damit zugleich eine große Chance auch für die Pflegewirtschaft. Zur Erschließung dieses Potentials und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts gilt es, eine zügige Integration der Zugewanderten zu unterstützen. Das schließt die Integration in den Arbeitsmarkt ein. Zur Information für Arbeitgeber dient die Publikation "Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen in der Altenpflege".

Demografische Fakten zur Pflegewirtschaft

  • In Deutschland waren Ende 2017 gut 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig (Pflegestatistik 2017). Im Vergleich zu 2015 ist die Anzahl im Zuge der Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zum 01.01.2017 um knapp 20 Prozent angestiegen.
  • Etwa zwei Drittel (63 Prozent) der Pflegebedürftigen sind Frauen. 81 Prozent der Pflegebedürftigen sind 65 Jahre und älter. Der Anteil der über 85-jährigen beträgt 35 Prozent.
  • Gut drei Viertel (76 Prozent) der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, das sind fast 2,6 Millionen.
  • Die häusliche Pflege von 1,8 Millionen Pflegebedürftigen übernehmen ausschließlich Angehörige, weitere 830.000 Menschen werden zu Hause zusammen mit oder vollständig von ambulanten Pflegediensten versorgt.
  • 818.000 Pflegebedürftige (rund 24 Prozent) werden in Heimen vollstationär betreut (im Schnitt 64 Pflegebedürftige pro Pflegeheim).