Mehrere E-Bikes in Reihe zum Thema Zweiradindustrie

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Branchenskizze

Die Branche der motorisierten und nicht motorisierten Zweiräder profitiert mehr denn je von einem veränderten Mobilitätsverhalten sowie der anhaltenden Diskussion über Ökologie und Klimaschutz. Besonders im städtischen und stadtnahen Individualverkehr bekommen Zweiräder eine immer größere Bedeutung. Sie tragen deutlich zur Entlastung des urbanen Straßenverkehrs bei und bieten eine flexible Alternative gegenüber herkömmlichen Verkehrsmitteln.

Die deutsche Fahrrad- und Fahrradteileindustrie ist geprägt von mittelständischen Unternehmen, die größtenteils inhabergeführt sind. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes e.V. (ZIV) sind in der Fahrradbranche (Fahrrad- und Fahrradteileindustrie einschließlich Handel) insgesamt rund 50.000 Menschen beschäftigt. Der jährliche Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes, sowie der Absatz mit Zubehör, Ersatzteilen und Werkstattservice liegt bei ca. 5 Mrd. Euro.

Das Fahrrad wird aktuell nicht mehr nur als kostengünstiges "Zero-Emission-Fahrzeug" wahrgenommen. Es rückt immer mehr in den Fokus gesundheitsbewusster Menschen, die dem alltäglichen Bewegungsmangel entgegenwirken wollen oder den Fahrradtourismus für sich entdeckt haben. Speziell Elektrofahrräder werden mehr denn je nachgefragt. E-Bikes bzw. Pedelecs (Pedal Electric Cycle) haben in den letzten Jahren einen erheblichen Anteil am Markt dazu gewonnen. Das Pedelec ist ein Fahrrad, bei dem die Pedalkraft durch einen Elektromotor unterstützt wird. Im Gegensatz zum Elektrofahrrad gibt der Pedelec-Motor ohne Treten (Kurbelbewegung) keine Leistung ab.

Ein positiver Trend zeigt sich auch bei den motorisierten Zweirädern, die ebenfalls eine ressourcenschonende und individuelle Mobilität bieten. Insbesondere bei den Leichtkrafträdern stieg die Nachfrage im Jahr 2016 erneut und lag damit deutlich höher als im Vorjahr. Folglich stieg die Zahl der Zulassungen von Motor- und Leichtkrafträdern im Jahr 2016 gegenüber dem vorherigen Jahr wieder an. Nach Angaben des Industrieverbandes Motorrad Deutschland e.V. (IVM) erwirtschaften die Unternehmen der Motorradbranche im letzten Jahr einen Umsatz von rund 7,3 Mrd. Euro. Darin enthalten sind neben der Herstellung auch der Handel und die Reparatur von Motorrädern und Rollern sowie Herstellung und Handel von Motorradteilen und -zubehör.

Eckdaten der deutschen Zweiradindustrie

Fahrräder und E-Bikes (in 1000 Stück)

20152016Diff. in %
Import3.2803.157- 3,75
Export 1.1601.153- 0,6
Produktion 2.1901.970- 10
Absatz 4.3504.050- 6,9

(Quelle: Zweirad-Industrie-Verband e.V.)

Die meisten Fahrräder wurden im Jahr 2016 aus Kambodscha (23 Prozent der Importe), Polen (13 Prozent), Bulgarien (13 Prozent) und Taiwan (8 Prozent) nach Deutschland eingeführt. Der Großteil der deutschen Fahrradexporte ging dabei in die Niederlande (23 Prozent), Österreich (11 Prozent), Polen (7 Prozent) Prozent sowie Frankreich (8 Prozent).

Der Trend zu einem hochwertigeren Fahrrad sowie zum Elektrofahrrad bzw. Pedelec führte zu einer Steigerung des Durchschnittspreises pro Fahrrad von 559 Euro in 2015 auf 643 Euro in 2016. Das Trekking-Rad macht dabei mit 32 Prozent den größten Marktanteil aus, gefolgt vom Cityrad mit 20 Prozent. Dahinter Reihen sich die Pedelecs und Elektrofahrräder mit einem steigenden Marktanteil von 15 Prozent ein.

Motorisierte Zweiräder

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 172.846 Motorräder und -roller über 50 Kubikzentimeter (ccm) Leistung neu zugelassen. Gegenüber 2015 entspricht dieser Wert insgesamt einem deutlichen Zuwachs von 14,8 Prozent. Der Absatz von Krafträdern stieg um 15,01 Prozent, der von Leichtkrafträdern sogar um 23,82 Prozent. Bei den Leichtkraftrollern wurde ein Zuwachs von 8,19 Prozent erreicht, die Zulassungen bei Kraftrollern stiegen um Prozent 7,82 Prozent.

Hinsichtlich der Gesamtmarktanteile bei den Motorrädern über 50 ccm Leistung hat sich 2016 in Deutschland die Marke BMW mit einem Marktanteil von 19,9 Prozent an der Spitze behauptet und dabei seinen Marktanteil gegenüber 2015 um 3,76 Prozent gesteigert. Auf BMW folgen die Hersteller Yamaha mit 12,09 Prozent und Harley Davidson mit 11,14 Prozent.

Branchenkonjunktur

Nach Angaben der Verbände hält der Trend zur Fortbewegung auf zwei Rädern auch im Jahr 2017 weiter an. Die Aussichten für nicht-motorisierte und motorisiere Zweiräder ist daher grundsätzlich positiv.

Im Fahrradbereich ruhen die positiven Erwartungen auf dem kontinuierlich steigenden Absatz von Elektrofahrrädern und Pedelecs. Sie sind ein wesentlicher Treiber der anhaltenden Steigerung des Durchschnittspreises pro verkauftem Fahrrad in den vergangenen Jahren. Dank einer rasant zunehmenden Modellvielfalt sowie durch Weiterentwicklungen in Design und Antriebs- und Batterietechnologie oder neuen Geschäftsmodellen (zum Beispiel Leasing oder Cargobikes) gewinnen Elektrofahrräder und Pedelecs immer mehr an Beliebtheit, auch unter jüngeren Zielgruppen. Außerdem erfordern sie ein umfangreicheres Serviceangebot im Hinblick auf die Kundenberatung sowie in der Pflege, Wartung und Reparatur der Fahrzeuge.