Sicherheitskamera an einem Flughafen; Quelle: iStock.com/GeorgHanf

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Der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie kommt sowohl unter sicherheitspolitischen als auch unter technologie- und wirtschaftspolitischen Aspekten eine strategische Bedeutung zu. Die Unternehmen spielen insbesondere bei der Ausstattung der zivilen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie der Bundeswehr eine zentrale Rolle und leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und Europa. Sie ist damit eine Branche von nationalem Interesse. Beide Industriezweige sind eng miteinander verzahnt und profitieren von wechselseitigem Wissens- und Erfahrungsaustausch. Die Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zählen aufgrund kontinuierlich hoher Investitionen in Forschung und Entwicklung zur deutschen Hochtechnologiebranche. Sie sind eng in die Wertschöpfungsstrukturen am Standort Deutschland eingebunden und leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung hochqualifizierter Beschäftigung.

Branchenskizze

Die zivile Sicherheitsindustrie ist eine heterogene und überwiegend durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) charakterisierte Branche. Sie entwickelt und verkauft Produkte, Technologien und technische Dienstleistungen, die insbesondere bei der Erfüllung ziviler Sicherheitsfunktionen Verwendung finden. Dies beinhaltet Bereiche vom Grenzschutz und der Katastrophenvorsorge über die Absicherung von öffentlichen Infrastruktureinrichtungen und den Schutz gesellschaftlicher Großereignisse bis hin zu IT-Sicherheit und der Bekämpfung von organisierter Kriminalität und Terrorismus. Die Entwicklung der zivilen Sicherheitsindustrie verläuft seit Jahren sehr positiv und ist durch gute Wachstumsraten und -perspektiven gekennzeichnet.

Die Verteidigungsindustrie ist auf Produkte, Verfahren und technische Dienstleistungen spezialisiert, die für militärische Zwecke konstruiert oder angepasst sind. Einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Auftrag gegebenen Studie zur strukturellen Lage der deutschen Verteidigungsindustrie zufolge beschäftigt die Branche direkt und indirekt etwa 112.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland bei einem Jahresumsatz von knapp über 21 Milliarden Euro. Sie ist im Gegensatz zur Sicherheitsindustrie von Großunternehmen (sogenannten Systemhäusern) geprägt.

Studie zur Analyse der strukturellen Lage der Verteidigungsindustrie in Deutschland

Zur Analyse der strukturellen Lage der Verteidigungsindustrie in Deutschland hat das BMWi 2015 eine Studie in Auftrag gegeben. Nach einer Definition und mit wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen unterlegten Skizzierung des Industriezweigs konzentriert sich die Studie auf eine Untersuchung der Teilbranchen und Strukturen sowie der Produkte und Märkte der deutschen Verteidigungsindustrie. Abschließend gibt die Studie einen Ausblick auf die Perspektiven und Chancen der Branche.
Die Kurzfassung der Studie finden sie hier.

Strategiepapier zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie

Zur Stärkung der Sicherheits-und Verteidigungsindustrie hat die Bundesregierung im Februar 2020 ein neues Strategiepapier beschlossen. Industrielle Kernfähigkeiten und strategisch relevante Entwicklungskapazitäten sollen am Standort Deutschland und EU erhalten und gefördert werden.

Das Strategiepapier dient als Leitbild für die Politik der Bundesregierung hinsichtlich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie

Es geht darum, durch Maßnahmen in fünf Bereichen

  • Forschung, Entwicklung und Innovationen zu stärken,
  • Rahmenbedingungen für eine effiziente Produktion zu setzen,
  • das Beschaffungswesen zu optimieren,
  • Exporte politisch zu flankieren und verantwortungsvoll zu kontrollieren,
  • und den Schutz von Sicherheitsinteressen sicherzustellen.

Des Weiteren werden das sicherheits- und verteidigungspolitische Umfeld mit seinen Hauptherausforderungen dargestellt und daraus die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Industrie abgeleitet sowie nationale sicherheits- und verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologien festgelegt.

Zudem werden die Lage und die Besonderheiten des Sektors thematisiert sowie bestehende und geplante Dialogformate mit Industrie, Verbänden, Gewerkschaften und weiteren Stakeholdern dargestellt.

Exportinitiative: Auslandsmärkte für deutsche Sicherheitstechnologie erschließen

Mit der Exportinitiative „Zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen“ als Bestandteil des KMU-Markterschließungsprogramms will das BMWi die internationale Wettbewerbs- und Leitungsfähigkeit der deutschen Sicherheitsbranche stärken. Insbesondere kleine und mittlere Sicherheitsunternehmen sollen bei der Erschließung von Auslandsmärkten unterstützt und der internationale Bekanntheitsgrad deutscher Sicherheitstechnik und -dienstleistungen erhöht werden.

Die Auswahl der Zielmärkte trägt neben dem Marktpotenzial insbesondere auch sicherheitspolitischen Erwägungen Rechnung. Deutsche Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen können einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der regionalen Sicherheitslage leisten. Bei der Bestimmung von Zielländern finden zudem projektbezogene Aktivitäten wie Infrastrukturbaumaßnahmen (bspw. Bau von Flughäfen, Häfen, Eisenbahnen oder Energieversorgungsanlagen) und gesellschaftliche Großereignisse (bspw. Sportturniere) Berücksichtigung, die häufig eine erhebliche Systemintegrationsfähigkeit erfordern.

Weiterführende Informationen zur Exportinitiative Zivile Sicherheitstechnologien und –dienstleistungen, sowie allgemein zum KMU-Markterschließungsprogramm des BMWi finden Sie hier.