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Branchenskizze

Die Bahnindustrie in Deutschland deckt mit einem Umsatz von 11,7 Milliarden Euro und 53.700 direkt Beschäftigten (Stand 2019) das gesamte Spektrum an bahntechnischem Zubehör bis hin zu vollständigen Bahnsystemen ab. Große Systemhäuser arbeiten dabei Hand in Hand mit einer breit aufgestellten, mittelständisch strukturierten Zuliefer- und Systemindustrie. Die Branche leistet einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr.

Die Bahnindustrie ist tief in der deutschen Industrielandschaft verwurzelt. Durch Fusionen von Unternehmen der Elektronikbranche mit Firmen des Waggon- und Lokomotivenbaus haben sich Anbieter kompletter Bahnsysteme, sogenannte Systemhersteller, am Markt etabliert. Dieser Strukturwandel wird von einem weltweiten Konzentrationsprozess begleitet.

Neben den großen Systemanbietern sind mehr als 150 überwiegend mittelständische Zulieferunternehmen in der Bahnindustrie in Deutschland tätig. Diese lassen sich unterteilen in Infrastrukturunternehmen (beispielsweise Leit- und Sicherungstechnik, Gleisbau), Komponenten- und Subsystemhersteller (unter anderem Motoren und Getriebe), Ingenieurdienstleister (beispielsweise Planung, Produktentwicklung) und Servicedienstleister (Wartung, Ersatzteile und ähnliches).

Die Bahntechnik- und Systemhersteller in Deutschland bieten ausgereifte Produkte auf einem sehr hohen technischen Niveau an, die weltweit nachgefragt werden. Etwa 40 Prozent der Aufträge kamen im Jahr 2019 aus dem Ausland (2018: 42 Prozent). Der Umsatz belief sich im selben Jahr auf ein Gesamtvolumen von rund 11,7 Milliarden Euro (2018: 12,0 Mrd. Euro, -2,5 Prozent). Dabei entfielen rund 70 Prozent auf Fahrzeug- und 30 Prozent auf Infrastrukturprojekte (2018: 77 Prozent beziehungsweise 23 Prozent).

Eckdaten der deutschen Bahnindustrie (gerundet)

20152016201720182019Differenz in v.H.
Umsatz (in Mrd. Euro)12,311,811,012,011,7- 2,5 %
davon Inlandsumsatz (in Mrd. Euro)6,55,76,37,67,6+/- 0 %
davon Auslandsumsatz (in Mrd. Euro)5,86,14,74,44,1- 6,8 %
Auftragseingang (in Mrd. Euro)15,011,513,114,314,1- 1,4 %
davon Inlandsaufträge (in Mrd. Euro)7,87,07,68,38,5+ 2,4 %
davon Auslandsaufträge (in Mrd. Euro)7,24,55,56,05,6- 6,7 %
Beschäftigte in Tsd.52,050,551,152,153,7+ 3,1 %

Quelle: Verband der Bahnindustrie in Deutschland e.V.

Branchenkonjunktur

Die Hersteller der Bahnindustrie verzeichneten im Jahr 2019 bei den Auftragseingängen mit minus 1,4 Prozent zwar einen leichten Rückgang, allerdings bewegen sie sich im Zeitvergleich weiterhin auf einem hohen Niveau. Der leichte Rückgang ist demnach nicht besorgniserregend, da das Bahnindustriegeschäft von mehrjährigen Großprojekten geprägt ist. Lösungen der Bahnindustrie „Made in Germany“ sind weltweit gefragt. Insgesamt kann man von einer wirtschaftlichen Lage mit einer sehr guten Perspektive für die Zukunft sprechen. Auch die Beschäftigtenzahlen stiegen im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr leicht an. Die Bahnindustrie bleibt damit einer der größeren industriellen Arbeitgeber in Deutschland. Allerdings wird die Corona-Krise nicht spurlos an der Branche vorbeiziehen. In den folgenden Jahren ist vor allem im Exportgeschäft mit geringerer Aktivität zu rechnen.

Die deutschen Bahntechnikhersteller müssen sich in einem internationalen und sehr dynamischen Wettbewerb am Markt behaupten. Entsprechend hoch sind ihre Investitionen in Zukunftstechnologien. Sowohl die Digitalisierung in Produktion und Fertigung als auch die Entwicklung neuer Antriebstechniken und autonomer Mobilitätskonzepte, einschließlich der wachsenden Bedeutung von Cyber-sicherheit, sind Schlüsselfaktoren für eine steigende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bahnindustrie.

So stehen derzeit unter anderem Antriebsysteme mit Brennstoffzellen und Batterien im Fokus, die während der Fahrt unter Oberleitungen aufgeladen werden und nicht elektrifizierte Teilstrecken im elektrischen Betrieb überbrücken können. Hier ist das Ziel, wasserstoffbetriebene beziehungsweise batterieelektrische Züge auch auf nicht elektrifizierten Strecken im Regionalverkehr einzusetzen. Dafür müssen diese innovativen Technologien noch energieeffizienter und kostengünstiger werden. Derzeit verkehren zwei Testzüge mit Brennstoffzellenantrieb (Wasserstoff) im Probebetrieb auf einer Referenzstrecke in Niedersachsen. Die Beschaffung weiterer Züge mit dieser Antriebstechnik ist geplant. Der Einsatz von batterieelektrischen Zügen ist noch in der Erprobungsphase. Batteriezüge können bereits heute bis zu 100 Kilometer ohne Oberleitungen zurücklegen.

Der Green Deal der EU-Kommission zur Klimaneutralität bis 2050 bedarf auch eines Beitrages der Bahnindustrie. Im Rahmen dessen wird an einer Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität gearbeitet. Hierbei soll die digitale und klimaschonende Schiene eine große Rolle spielen. Um den Verkehrszielen des Green Deals näher zu kommen, deklariert die EU-Kommission das Jahr 2021 zum „European Year of Rail“ – dem Jahr der Schiene. Dadurch soll die Sichtbarkeit des Bahnsektors weiter gesteigert werden.

Bahnindustrie in der Covid-19-Krise

Die deutsche Bahnindustrie zeigt sich in der Covid-19-Krise resilienter als andere Branchen. Das ist zum einen mit langen Auftragszyklen und einem langfristig wachsenden Markt begründet. Mit einem Umsatz von 6,4 Milliarden Euro erzielte sie im ersten Halbjahr 2020 sogar einen Höchstwert. Mittelfristige Herausforderungen ergeben sich jedoch aus der Betrachtung der Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2020. Während der inländische Auftragseingang um 18 Prozent steigt, bricht der Auslandsauftragseingang um 36 Prozent ein. Da die Bahnindustrie von mehrjährigen Großprojekten geprägt ist, werden die Auswirkungen der Krise vor allem in den folgenden Jahren auch in diesem Sektor spürbar sein.

Unterstützung der Bahnindustrie durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie plant, zwei Milliarden Euro für die Jahre 2020-2024 zusätzlich für Zukunftsinvestitionen in der Fahrzeugindustrie zur Verfügung zu stellen, die auch der Bahnindustrie zu Gute kommen sollen. Mit diesen Mitteln wollen wir eine nachhaltige, schnelle und technologieoffene Transformation der Fahrzeugbranche in Gang setzen. Hierfür sind Investitionen in neue Konzepte und Verfahren, neue Produkte, Qualifizierung und Produktionsanlagen notwendig.

Das Förderkonzept greift diese Punkte auf und sieht derzeit drei Fördermodule vor:

  1. Modernisierung der Produktion als Schub für Produktivität und Resilienz
  2. Neue, innovative Produkte als Schlüssel für Fahrzeuge und Mobilität der Zukunft
  3. Gemeinsame Lösungen finden, regionale Innovationscluster aufbauen

Weitere Informationen sowie Kontaktinformationen zu diesem Förderprogramm finden Sie unter www.kopa35c.de.

Weitere Themen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für die Bahnindustrie

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist außerdem Ansprechpartner bei:

  • Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der Bahnindustrie am Standort Deutschland
  • Schaffung von Investitions- und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen
  • Flankieren von Auslandsaktivitäten
  • Unterstützung für mittelständische Unternehmen und Existenzgründer
  • Unterstützung bei der Digitalisierung
  • Zusammenarbeit mit anderen Ministerien und der EU-Kommission zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Bahnindustrie.

Europäische Bahnindustrie

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vertritt die Bundesregierung in der Expertengruppe der Europäischen Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit der Bahnindustrie. Deren Aufgaben umfassen unter anderem:

  1. Bewertung der Herausforderungen, denen sich die europäische Bahnindustrie auf internationaler Ebene gegenübersieht,
  2. Diskussion von Maßnahmen, um die globale Führungsposition der europäischen Bahnindustrie aufrechtzuerhalten,
  3. sowie Analyse der Bereiche Forschung und Innovation, Digitalisierung, Investitionen, Zugang zu Finanzmitteln und Qualifikation.

Das Jahr 2021 ist nach Entscheidung der europäischen Kommission das European Year of Rail, was gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden mit Fach- und Publikumsveranstaltungen begleitet werden wird.