Frau mit Schutzbrille füllt ein Reagenzglas, symbolisiert chemische Industrie und Pharmazie; Quelle: istockphoto.com/zilli

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Branchenskizze

Die chemische Industrie ist eine Vorleistungsgüter produzierende Branche. Nur 15 Prozent der Produkte der chemischen Industrie kann der Verbraucher direkt kaufen, wie zum Beispiel Lacke, Farben oder Körperpflegemittel. Der Großteil der Produktion wird an industrielle Weiterverarbeiter geliefert, vor allem in den Maschinenbau, die Textilwirtschaft, die Bauwirtschaft, die Verpackungsindustrie und in den Fahrzeugbau. Unter den Branchen des verarbeitenden Gewerbes gehört die chemische Industrie zu den drei innovativsten und forschungsintensivsten Sektoren; jährlich werden über 10 Milliarden Euro für die Forschung und Entwicklung ausgegeben. Gemessen am Umsatz steht die deutsche Chemieindustrie weltweit an vierter Stelle hinter den USA, Japan und China. Sie ist außerdem einer der bedeutendsten Exporteure der Welt.

Die pharmazeutische Industrie ist ein wichtiger Zweig der chemischen Industrie. Über 20 Prozent der gesamten Chemieproduktion entfallen auf pharmazeutische Erzeugnisse. Mit einer Nettowertschöpfung von fast 100.000 Euro je Beschäftigten gehört die pharmazeutische Industrie zu den produktivsten Wirtschaftszweigen in Deutschland und ist dazu besonders forschungsintensiv. Die Forschungsausgaben betragen durchschnittlich mehr als 10 Prozent des Umsatzes.

Eckdaten der deutschen chemischen Industrie

(einschließlich Pharmaindustrie)

 20182019
Beschäftigte (in Tausend)462,0464,0
Gesamtumsatz (in Milliarden Euro)204,3198,3
Produktion (gegenüber dem Vorjahr in %)3,6– 2,3
Exporte (in Milliarden Euro)202,2202,1
Importe (in Milliarden Euro)146,5145,9
FuE- Aufwendungen (in Milliarden Euro)11,011,8

Quellen: Statistisches Bundesamt; Verband der Chemischen Industrie

Aktuelle Entwicklungen

Das Jahr 2019 war für die chemisch-pharmazeutische Industrie wegen des weltweiten Abschwung der Konjunktur und den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA schwierig. Gleichzeitig sank auch im Inland die Nachfrage.

Die Produktion chemisch-pharmazeutischer Erzeugnisse sank im Verhältnis zum Vorjahr um 7,4 Prozent. Dieses ist stark auf einen statistischen Sondereffekt in der Pharmasparte (minus 16,5 Prozent) zurückzuführen. Die Chemiesparte ohne Pharmazeutika verbuchte dennoch ein Produktionsminus von 2,5 Prozent. Trotz sinkender Ölpreise konnten Preissteigerungen für Erzeugerpreise im Gesamtjahr 2019 von 1 Prozent erzielt werden. Der Umsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie musste 2019 ein deutliches Minus von 2,3 Prozent hinnehmen und sank auf 198,2 Milliarden Euro.

Die Inlandnachfrage nach Chemieprodukten aus anderen Industriezweigen lag im Gesamtjahr 2019 3,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, der Auslandsumsatz .sank um 1,7 Prozent. Die deutsche Chemieindustrie konnte ihre Beschäftigung um ca. 0,5 Prozent ausbauen. Aktuell zählt die Branche durchschnittlich rund 464.000 Mitarbeiter.

Bereits vor der Corona-Krise blickten die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie wenig optimistisch in das Jahr 2020 und erwarteten nur geringe Produktions- und Umsatzsteigerungen. Im ersten Quartal waren die Auswirkungen der Pandemie auf die Branche noch nicht im vollem Umfang spürbar.

Vor diesem Hintergrund wird für das Jahr 2020 mit einem deutlichen Produktions- und Umsatzrückgang in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland gerechnet. Eine genauere Prognose wird er erst nach dem zweiten Quartal möglich sein.

Was macht das BMWi für die Chemie- und Pharmaindustrie?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ...

  • setzt sich für wettbewerbsfähige und stabile Rahmenbedingungen für die Chemie- und Pharmaindustrie ein. Nach diesem Selbstverständnis ist es primäre Aufgabe, innerhalb der Bundesregierung dafür zu sorgen, dass auf allen Ebenen – national, europäisch, international – eine Rahmengesetzgebung erfolgt, die die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nachhaltig stärkt. Wichtigste Randbedingung ist dabei, dass wir im Vergleich mit anderen Industrieländern dieser Welt soweit wie möglich gleiche Wettbewerbsbedingungen (level-playing-field) herstellen, die eine nachhaltige wettbewerbsfähige produzierende Industrie ermöglichen.
  • betreut in diesem Zusammenhang insbesondere nationale und europäische Gesetzesvorhaben zu Chemikaliensicherheit, Bioziden, Kosmetika, Pflanzenschutz-, Dünge- und Arzneimitteln mit dem Ziel, wirtschaftsverträgliche und unbürokratische Lösungen zu finden und Innovationen zu fördern,
  • arbeitet mit an der Fortentwicklung internationaler Vereinbarungen zum Handel und zur Herstellung und Verwendung von Chemikalien sowie deren Umsetzung in europäisches Recht, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden,
  • begleitet die Entscheidung über handelspolitische Maßnahmen mit dem Ziel, wettbewerbswidriges Verhalten zu unterbinden und damit auch langfristig einen ausgewogenen Branchenmix innerhalb Europas zu erhalten.

Informationen zu aktuellen Themen

  • Als Ergebnis des Spitzengespräches im Rahmen der BMWi-Branchendialoge haben der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in einer gemeinsamen Vereinbarung (PDF: 4 MB) die prioritären Handlungsfelder und Maßnahmen identifiziert, die die Zukunftsperspektiven für die Chemieindustrie und den Standort Deutschland verbessern sollen. Es wurde ein Arbeitsprozess zur Umsetzung der gemeinsamen Vereinbarung etabliert, um die erreichten Fortschritte in Monitoringberichten festzuhalten und zeitnah Handlungsnotwendigkeiten zu erkennen. Die Monitoringberichte werden regelmäßig in Spitzengesprächen der Dialogpartner verabschiedet.
  • Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums wurde auf europäischer Ebene eine eigene Gruppe bei der Kommission angesiedelt (EPG-REACH/CLP), die gleichberechtigt zu anderen beratenden Körperschaften aus dem Umweltbereich die Kommission und die ECHA berät. Eng verknüpft damit ist der im entsprechenden Fachreferat angesiedelte "Beraterkreis REACH/CLP", der regelmäßig insbesondere die der chemischen Industrie nachgeschalteten industriellen Anwender mit allen aktuellen Informationen aus den relevanten EU-Gremien versorgt und bespricht, so dass die Meinung der Industrie auch zurückgetragen wird in diese Gremien.