Frau mit Schutzbrille füllt ein Reagenzglas, symbolisiert chemische Industrie und Pharmazie; Quelle: istockphoto.com/zilli

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Branchenskizze

Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist der drittgrößte Industriezweig nach dem Fahrzeug- und Maschinenbau. Sie ist eine Vorleistungsgüter produzierende Branche. Rund 26 Prozent der chemischen Produkte (Lacke, Farben, Klebstoffe, Düngemittel, Körperpflegemittel etc.) gehen direkt an den Endverbraucher. Ca. 70 Prozent werden innerhalb der Industrie weiterverarbeitet. Wichtige Abnehmer sind Kunststoffverarbeiter, Maschinenbau, Auto-, Verpackungs-, Bauindustrie als auch Textilwirtschaft. Der restliche Anteil geht an Dienstleister bzw. in die gewerbliche Nutzung. Gemessen am Umsatz steht die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie in Europa auf Platz eins und weltweit an vierter Stelle hinter China, USA und Japan. Außerdem ist sie Exportweltmeister sowie drittgrößter Importeur. Europa ist neben den USA der wichtigste Absatzmarkt.

Die pharmazeutische Industrie ist ein wichtiger Teil der chemischen Industrie. Über 20 Prozent der gesamten Chemieproduktion entfallen auf pharmazeutische Erzeugnisse. Die Pharmaindustrie gehört zu den produktivsten und forschungsintensivsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Die Forschungsausgaben betragen durchschnittlich mehr als 10 Prozent des Umsatzes.

Eckdaten der deutschen chemischen Industrie

(einschließlich Pharmaindustrie)

 20192020
Beschäftigte (in Tausend)464,0464,0
Gesamtumsatz (in Milliarden Euro)198,3189,6
Produktion (gegenüber dem Vorjahr in %)- 2,3– 0,8
Exporte (in Milliarden Euro)202,1199,7
Importe (in Milliarden Euro)145,9143,2

FuE- Aufwendungen (in Milliarden Euro)

davon
Chemische Industrie
Pharmazeutische Industrie

13,0

4,9

8,1

k. A.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Verband der Chemischen Industrie

Aktuelle Entwicklungen 2020

Das Jahr 2020 war für die chemisch-pharmazeutische Industrie von einem kräftigen Auf und Ab geprägt. Die Branche war robust in das Jahr 2020 gestartet. Von den unterschiedlich stark Corona-bedingten Rückgängen der einzelnen Sparten im I. Halbjahr konnte sich die Branche im III. Quartal wieder leicht erholen. Auch wenn im IV. Quartal kräftige Zuwächse in Produktion und Umsatz erzielt werden konnten, reichten diese unter dem Strich nicht aus, um die Jahresbilanz 2020 wieder ins Plus führen zu können. So sank die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 0,8 Prozent. Ohne Pharma verbuchte die Chemieindustrie ein Produktionsminus von insgesamt 1,0 Prozent.

Erzeugerpreise 2020

Die Preise für chemische Erzeugnisse waren 1,8 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Umsatz 2020

Der Gesamtumsatz der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie lag 2020 mit 189,6 Milliarden Euro um 4,4 Prozent unter dem des Vorjahres. Sowohl In- und Auslandsumsatz lagen niedriger als ein Jahr zuvor. Der Inlandsumsatz sank um 2,3 Prozent und der Umsatz auf den Auslandsmärkten sogar um 5,6 Prozent.

Beschäftigung 2020

Knapp 2.200 Unternehmen gehören in Deutschland zur chemisch-pharmazeutischen Industrie. Davon sind mehr als 90 Prozent kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten. Trotz Corona-Krise konnten die Chemie- und Pharmaunternehmen ihre Belegschaft 2020 halten. Sie beschäftigen aktuell 464.000 Frauen und Männer. Seit Frühjahr 2020 sind ca. 70.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Betroffen sind insbesondere Betriebe in der Zuliefererkette der Automobilindustrie.

Prognose für das Gesamtjahr 2021

Für das Gesamtjahr 2021 wird mit einem Produktionsplus von 3 Prozent gerechnet. Bei anziehenden Erzeugerpreisen (+2 Prozent) wird erwartet, dass der Branchenumsatz um gut 5 Prozent von 189,6 Milliarden Euro auf rund 200 Milliarden Euro steigt.

Was macht das BMWi für die Chemie- und Pharmaindustrie?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ...

  • setzt sich für wettbewerbsfähige und stabile Rahmenbedingungen für die Chemie- und Pharmaindustrie ein. Nach diesem Selbstverständnis ist es primäre Aufgabe, innerhalb der Bundesregierung dafür zu sorgen, dass auf allen Ebenen – national, europäisch, international – eine Rahmengesetzgebung erfolgt, die die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nachhaltig stärkt. Wichtigste Randbedingung ist dabei, dass wir im Vergleich mit anderen Industrieländern dieser Welt soweit wie möglich gleiche Wettbewerbsbedingungen (level-playing-field) herstellen, die eine nachhaltige wettbewerbsfähige produzierende Industrie ermöglichen.
  • betreut in diesem Zusammenhang insbesondere nationale und europäische Gesetzesvorhaben zu Chemikaliensicherheit, Bioziden, Kosmetika, Pflanzenschutz-, Dünge- und Arzneimitteln mit dem Ziel, wirtschaftsverträgliche und unbürokratische Lösungen zu finden und Innovationen zu fördern,
  • arbeitet mit an der Fortentwicklung internationaler Vereinbarungen zum Handel und zur Herstellung und Verwendung von Chemikalien sowie deren Umsetzung in europäisches Recht, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden,
  • begleitet die Entscheidung über handelspolitische Maßnahmen mit dem Ziel, wettbewerbswidriges Verhalten zu unterbinden und damit auch langfristig einen ausgewogenen Branchenmix innerhalb Europas zu erhalten.

Informationen zu aktuellen Themen

  • Als Ergebnis des Spitzengespräches im Rahmen der BMWi-Branchendialoge haben der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in einer gemeinsamen Vereinbarung (PDF: 4 MB) die prioritären Handlungsfelder und Maßnahmen identifiziert, die die Zukunftsperspektiven für die Chemieindustrie und den Standort Deutschland verbessern sollen. Es wurde ein Arbeitsprozess zur Umsetzung der gemeinsamen Vereinbarung etabliert, um die erreichten Fortschritte in Monitoringberichten festzuhalten und zeitnah Handlungsnotwendigkeiten zu erkennen. Die Monitoringberichte werden regelmäßig in Spitzengesprächen der Dialogpartner verabschiedet.
  • Unter Leitung des Bundeswirtschaftsministeriums wurde im November 2020 zusammen mit den Spitzen der chemisch-pharmazeutischen Industrie, dem Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) der Zukunftsdialog Chemie und Pharma gestartet. Ziel ist die Erarbeitung eines „Handlungskonzeptes Chemie- und Pharmaindustrie“ bis Mitte des zweiten Quartals 2021. Das Konzept soll notwendige Rahmenbedingungen zur Gewährleistung einer leistungs- und international wettbewerbsfähigen, klimaneutralen Chemieproduktion in Deutschland identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen aufführt.
  • Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums wurde auf europäischer Ebene eine eigene Gruppe bei der Kommission angesiedelt (EPG-REACH/CLP), die gleichberechtigt zu anderen beratenden Körperschaften aus dem Umweltbereich die Kommission und die ECHA berät. Eng verknüpft damit ist der im entsprechenden Fachreferat angesiedelte "Beraterkreis REACH/CLP", der regelmäßig insbesondere die der chemischen Industrie nachgeschalteten industriellen Anwender mit allen aktuellen Informationen aus den relevanten EU-Gremien versorgt und bespricht, so dass die Meinung der Industrie auch zurückgetragen wird in diese Gremien.