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Branchenskizze

I. Die moderne Biotechnologie

Die überwiegende Zahl der Biotech-Unternehmen ist in der medizinischen Biotechnologie aktiv. Ohne Biotechnologie ist heute keine moderne Arzneimittelforschung und -entwicklung (zum Beispiel Medikamente gegen Krebs, Alzheimer, Parkinson oder Diabetes) mehr denkbar. Nach Angaben des Wirtschaftsverbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) wuchsen die Umsätze mit gentechnisch veränderten Medikamenten (Biopharmazeutika) in Deutschland 2019 gegenüber 2018 um 13 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro.

Die überwiegende Zahl der deutschen Biotech-Unternehmen arbeitet an neuen Arzneimitteln (Medikamente, Diagnostika, Impfstoffe) oder bietet Dienstleistungen in diesen Bereichen an. Der Anteil von Biopharmazeutika am gesamten deutschen Pharmamarkt in 2019 stieg von 27,1 auf 28,7 Prozent.

Im Bereich der industriellen Biotechnologie liegt ein Schwerpunkt auf umweltfreundlicheren Verfahren und Produkten, zum Beispiel durch Entwicklung von Biochemikalien, Ersatz von konventionellen Kunststoffen oder Einsatz von Enzymen und Mikroorganismen bei der Produktion oder zum Schadstoffabbau. Mit Hilfe der industriellen Biotechnologie können beispielsweise aus Biomasse gewonnene Stärke, Zellulose und Öle als Ausgangssubstanzen für die Produktion von Energie, Kraftstoffen und biobasierten Produkten dienen.

Auch in nahezu allen anderen Branchen – zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Kosmetik-, Papier-, Bau-, Automobil- oder Textilindustrie – ergeben sich sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile.

Biotechnologie als Querschnittstechnologie spielt daher eine zentrale Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigen (Kreislauf-)Wirtschaft. Eine solche wissensbasierte Bioökonomie, die praktisch alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und ihre dazugehörigen Dienstleistungen, die biologischen Ressourcen (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen), aber auch Rest- und Abfallstoffe produzieren, ver- oder bearbeiten oder in irgendeiner Form nutzen, verfolgt den Ansatz, erneuerbare Ressourcen effizient und nachhaltig zu nutzen. Hierbei müssen alle Anwendungsbereiche der Biotechnologie miteinander verknüpft werden.

Die Pflanzenbiotechnologie kann einen wichtigen Beitrag zur Ernährung, Energieerzeugung oder zur Herstellung biobasierter Produkte leisten. Handlungsbedarf besteht hinsichtlich einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz der Pflanzenbiotechnologie.

II. Aktuelle Entwicklung/Perspektive

Mit 668 Unternehmen belegt Deutschland innerhalb Europas nach der Anzahl der Unternehmen seit Jahren einen Spitzenplatz. In punkto Größe der Firmen, Umsatz, Produkte und Marktkapitalisierung gibt es allerdings Nachholbedarf gegenüber Großbritannien und dem Weltmarktführer USA.

Die Kennzahlen für die deutsche Biotechnologiebranche haben sich insofern geändert, als dass die Zahlen für die Biotechnologiebranche seit der Erhebung für 2015 durch Ernst & Young gemeinsam mit dem Biotechnologieverband BIO Deutschland erhoben werden.

Die Überwindung von Engpässen in der Finanzierung gehört nach wie vor zu den größten Herausforderungen für die Branche. Aufgrund von hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung besteht verglichen mit anderen Sektoren ein hoher Kapitalbedarf.

Eckdaten

Entwicklung von deutschen Unternehmen mit Hauptgeschäftszweck Biotechnologie *)

20152016201720182019
Allgemeine Kennzahlen
Anzahl Unternehmen591641647649668
- davon börsennotiert1820212123
Beschäftigte17.89923.11425.92728.99133.706
Finanzdaten (Mio. €)
Umsatz3.4013.7044.0144.4424.870
F&E-Aufwand1.0461.2171.1851.4801.792

 Quelle: Ernst & Young Biotechnologie-Report Deutschland 2018 BIO Deutschland

*) Hauptgeschäftszweck Kommerzialisierung der modernen Biotechnologie (u. a. Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen auf der Basis der modernen Biotechnologie). Unternehmen, die sich nicht ausschließlich mit der modernen Biotechnologie beschäftigen, sind hier nicht erfasst.

Was macht das BMWi für die Biotech-Industrie?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie setzt sich national, EU-weit und international für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, fördert ein innovationsfreundliches Klima in Deutschland und stärkt die gesellschaftliche Akzeptanz für neue Technologien.

Mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) werden Kooperations- und Netzwerkprojekte sowie Einzelprojekte gefördert. Darüber hinaus hilft das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gezielt Finanzierungslücken für innovative Unternehmen zu schließen. Für junge Unternehmen aus dem Biotechnologie-Bereich sind u.a. der Ko-Investitionsfonds Coparion und der High-Tech Gründerfonds III, der ERP/EIF Dachfonds von besonderem Interesse. Mit dem Invest-Zuschuss für Wagniskapital wird die Kapitalausstattung junger innovativer Unternehmen verbessert, indem Investitionen von privaten Investoren in Startups bezuschusst werden.

Darüber hinaus hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2018 mit der KfW Capital eine neue Beteiligungstochter gegründet. Ziel der gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Bundesministeriums der Finanzen und der KfW ist es, die VC- und VD-Fondslandschaft in Deutschland und Europa zu stärken, um den Zugang zu Kapital für junge innovative, schnell wachsende Technologieunternehmen in Deutschland in der Startup- und Wachstumsphase zu verbessern.

Zudem beteiligt sich das vom Bundeswirtschaftsministerium verwaltete ERP-Sondervermögen in Kooperation mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) über weitere Programme an der Finanzierung von jungen, innovativen Unternehmen und Start-ups auch aus der Biotech-Industrie.

Zur besseren Anrechenbarkeit von Verlustvorträgen wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine Regelung beschlossen, das rückwirkend zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist.Zusätzlich wurden mit dem Jahressteuergesetz 2018 weitere Erleichterungen eingeführt.

Mit der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft trägt das Bundeswirtschaftsministerium dazu bei, Produkte der medizinischen Biotechnologie weltweit erfolgreich zu machen.

In einer Studie wird derzeit untersucht, wie das Fortschreiten der Bioökonomie messbar und sichtbar gemacht werden kann.In einer Ex-Ante-Evaluation werden derzeit die Grundlagen für die Erstellung eines Förderprogramms „Industrielle Bioökonomie“ geschaffen. Dabei werden auch die Erkenntnisse mit berücksichtigt, die sich bisher aus den Arbeitsgruppen der 2018 initiierten Dialogplattform „Industrielle Bioökonomie“ ergeben haben, mit berücksichtigt.