Was machen Orgelbauer?

Sie gilt immer noch als die Königin der Instrumente: die Kirchenorgel. Wenn beim Konzert sämtliche Register gezogen werden, herrscht auf jeden Fall festliche Stimmung. Dabei handelt es sich um ein Instrument mit viel(en) Geschichte(n). Alle Register ihres handwerklichen Könnens müssen auch Orgelbauer ziehen: sorgfältige Holz-, Metall- und Kunststoffverarbeitung gehören dazu und gute Kenntnisse in Elektrik und Pneumatik. Schon bei der Planung der neuen Instrumente sollte die Akustik des Raums berücksichtigt werden, damit sich der Klang auch richtig entfalten kann. Orgelbauer bauen nicht nur neue Instrumente, sondern restaurieren auch alte, kunstvoll gebaute Orgeln. Sie brauchen natürlich ein gutes Gehör, um die wertvollen Instrumente zu stimmen. Mit Inkrafttreten der neuen Ausbildungsordnung am 1. August 2019 ist der „Harmoniumbau“ aus der Bezeichnung des Ausbildungsberufs weggefallen, da immer weniger Harmonien hergestellt werden.

Die Ausbildung erfolgt in einer der beiden Fachrichtungen

  • Orgelbau
  • Pfeifenbau

Orgelbauer ...

  • stellen Orgeln her
  • be- und verarbeiten Holz, Metalle und Kunststoffe
  • intonieren (stimmen) Pfeifen- und Harmoniumzungen
  • pflegen, reparieren und restaurieren Orgeln und Harmonien

Orgelbauer der Fachrichtung Orgelbau ...

  • bauen Windladen, also die Kästen, in denen durch Ventile die Zufuhr der Druckluft zu den Pfeifen gesteuert wird
  • stellen Spieltischteile her
  • bauen das Orgelgehäuse
  • fertigen Trakturteile (Vorrichtung, die den Tastendruck von Manual oder Pedal weiterleitet) an
  • montieren Orgeln vor Ort

Orgelbauer der Fachrichtung Pfeifenbau ...

  • stellen Platten für Metallpfeifen her
  • stellen labiale Holz- und Metallpfeifen (Ton entsteht durch Reibung des Luftstroms am Labium. Das Labium begrenzt die Öffnung, an der die Luft austritt)
  • stellen linguale Pfeifen her (Pfeife, bei der ein schwingendes Metallblättchen (Zunge) den Luftstrom unterbricht) und setzen sie zusammen

Orgelbauer arbeiten für ...

  • handwerkliche und industrielle Orgel- und Harmoniumhersteller
  • Restaurierungswerkstätten
  • Musikinstrumentenmuseen

Dort werden sie in der Regel auch ausgebildet.

Für wen ist der Job geeignet?

Bewerber sollten ...

  • Spaß an der Arbeit mit Holz, Metall und "Tönen" haben
  • ein sehr gutes Gehör haben
  • sich für mechanisch-technische Zusammenhänge interessieren
  • Klavierspielen oder besser noch Orgelspielen können

Was ist besonders gut?

  • Handwerk und Musik: eine besondere Kombination
  • an besonderen Arbeitsorten, wie zum Beispiel Kirchen zu arbeiten
  • eine anspruchsvolle und vielseitige Tätigkeit

Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Zugangsvoraussetzung

Grundsätzlich ist keine bestimmte Vorbildung für den Lehrbeginn vorgeschrieben. Die meisten Betriebe erwarten aber mindestens den Hauptschulabschluss. Manche auch die Fachoberschulreife (Mittlere Reife). Nach dem zweiten Ausbildungsjahr findet eine Zwischenprüfung statt. Die Ausbildung endet nach dreieinhalb Jahren mit bestandener Gesellen- beziehungsweise Abschlussprüfung.

Ausbildungsvergütung

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist je nach Wirtschaftsbereich und Region, manchmal sogar je nach Unternehmen sehr unterschiedlich. Die jeweiligen Tarifpartner, also die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, vereinbaren, wie viel Sie während und nach Ihrer Ausbildung verdienen. Sie können Ihnen genaue Auskünfte geben. Welcher Arbeitgeberverband bzw. welche Gewerkschaft für Ihren Ausbildungsberuf zuständig ist, erfahren Sie zum Beispiel bei Ihrer Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, beim Berufsverband oder auch bei der Arbeitsagentur vor Ort.

Was kann ich aus dem Beruf später einmal machen?

Eine berufliche Ausbildung ist der erste Schritt ins Berufsleben. Danach geht es weiter, beispielsweise als Orgelrestaurator. Ziel kann natürlich auch die berufliche Selbständigkeit sein. Klar ist: Keiner muss sein Leben lang immer im gleichen Job dasselbe tun. Im Gegenteil: Wer heutzutage gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bzw. als selbständiger Unternehmer haben will, muss flexibel sein und sich regelmäßig weiterbilden. Es gibt jede Menge Lehrgänge, Kurse oder Seminare, um sich zu spezialisieren, zum Beispiel

  • Holzoberflächenbehandlung
  • Holzbe- und -verarbeitung
  • Holzschutz

Unter bestimmten Voraussetzungen, z. B. mehrjähriger Berufserfahrung, sind verschiedene Fort- und Weiterbildungen möglich, unter anderem:

  • Ausbilder/-in (verantwortlich für die Ausbildung von Azubis)
  • Orgel- und Harmoniumbauermeister/-in
  • Industriemeister/-in Fachrichtung Holz/Metall
  • Restaurator/-in
  • Techniker/-in für Betriebswissenschaft

Nach dem Besuch einer Fachoberschule ist das Studium an einer Fachhochschule (FH) möglich, unter anderem:

  • Dipl.-Ingenieur/-in

Kurzinfo

Orgelbauer ...

... stellen Orgeln her, be- und verarbeiten Holz, Metalle und Kunststoffe, intonieren (stimmen) Pfeifen und Harmoniumzungen, pflegen und reparieren Orgeln und Harmonien

Besonders gut ist ...

... die besondere Kombination: Handwerk und Musik, an besonderen Arbeitsorten, wie zum Beispiel Kirchen zu arbeiten und dass es eine anspruchsvolle und vielseitige Tätigkeit ist

Bewerber/-innen sollten ...

... Spaß an der Arbeit mit Holz, Metall und "Tönen" haben, ein sehr gutes Gehör haben, sich für mechanisch-technische Zusammenhänge interessieren, Klavierspielen oder besser noch Orgelspielen können

Dauer der Ausbildung?

3,5 Jahre

Wer bildet aus?

Orgel- und Harmoniumhersteller, Restaurierungswerkstätten, Musikinstrumentenmuseen

Verdienst während der Ausbildung und im Beruf?

Auskünfte dazu geben Kammer, Arbeitsagentur, Berufsverband, Arbeitgeberverband und Gewerkschaft

Berufliche Aufstiegschancen?

zum Beispiel: Ausbilder/-in (verantwortlich für die Ausbildung von Azubis), Spezialisierung, Orgel- und Harmoniumbauermeister/-in, Industriemeister/-in Fachrichtung Holz/Metall, Restaurator/-in, Techniker/-in Holztechnik, Studium des Musikinstrumentenbaus