Was machen Kanalbauer/-innen?

In früheren Jahrhunderten wurde Abwasser aller Art einfach auf die Straße geschüttet. Es gab weder Wasserleitungen noch Abwasserkanäle. Die Folge war, dass sich immer wieder Seuchen, wie Cholera oder Typhus unter der Stadtbevölkerung verbreiteten oder die Erde durch chemische Abwasser verseucht wurden. Erst vor 150 Jahren begann man in den Städten mit dem Bau der Kanalisationen, die das Abwasser heute in Kläranlagen leiten. Doch auf dem Lande ist der Ausbau längst noch nicht abgeschlossen. Und für viele Städte und Industrieanlagen wird es Zeit, ihre immer wieder schadhaften Kanäle und Leitungen zu prüfen und zu reparieren. Mit dem Bau, der Sanierung und Modernisierung von Kanalsystemen trägt der Kanalbauer dazu bei, dass Abwasser umweltgerecht beseitigt wird und der Lebensraum von Mensch und Tier erhalten bleibt. Besonders das Grundwasser, dass wir als Trinkwasser brauchen, muss vor verschmutztem Abwasser geschützt werden.

Kanalbauer ...

  • führen Erdaushub- und Schachtarbeiten durch
  • verbauen Baugruben, -gräben (Sicherung gegen abrutschende Erde) und legen Böschungen an
  • betreiben offene Wasserhaltung, entfernen also für die Arbeit das Oberflächen-, Sicker- und Grundwasser mittels Pumpen aus den Baugruben
  • verrohren Wassergräben (damit das Wasser durch die Rohre fließt)
  • bauen Abwasserleitungen aus Mauerwerk und vorgefertigten Rohren
  • vermauern und verlegen Rohre aus Ton, Beton, Kunststoff und faserverstärkten Zementstoffen
  • bauen Schachtbauwerke aus Fertigteilen, Stahlbeton und Mauerwerk
  • prüfen die Rohre und Schächte auf Dichtheit
  • schützen sie vor chemischer Verwitterung und Zersetzung
  • stellen Abwasserleitungen unterirdisch, in Tunnelbauweise, mit modernen Maschinen her
  • sanieren kleinformatige Kanäle, die schwer zugänglich sind mit ferngelenkten Spezialmaschinen
  • verfüllen und verdichten den Boden (auffüllen von Sand oder lockerer Erde) nach Beendigung der Kanalbauarbeiten
  • führen die Arbeiten anhand von Plänen und Arbeitsaufträgen im Team durch
  • beachten die Sicherheit, den Gesundheitsschutz und den Umweltschutz auf den Baustellen
  • prüfen fortlaufend die Qualität ihrer Arbeit, dokumentieren die Arbeitsergebnisse, fertigen das Aufmass an (stellen den Umfang ihrer Leistung fest)

Für wen ist der Job geeignet?

Bewerber sollten ...

  • körperlich belastbar sein
  • "mit Köpfchen" arbeiten
  • sich für Gewässer- bzw. Umweltschutz interessieren
  • technisches und handwerkliches Verständnis und Geschick haben
  • gerne im Team arbeiten

Nicht geeignet ist die Ausbildung ...

  • bei Rückenbeschwerden
  • bei Empfindlichkeit oder Allergien gegenüber Nässe, Gerüchen, Zementstaub oder chemischen Stoffen
  • bei Problemen mit engen Räumen

Was ist besonders gut?

  • die abwechslungsreiche Arbeit mit modernen Maschinen
  • einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten
  • die Aufgaben anderer Fachberufe kennen zu lernen
  • der je nach Leistung schnell steigende Arbeitslohn

Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Zugangsvoraussetzung

Grundsätzlich ist keine bestimmte Vorbildung für den Lehrbeginn vorgeschrieben. Die meisten Betriebe erwarten aber einen Hauptschulabschluss, manche auch Fachoberschulreife (Mittlere Reife). Die Ausbildung besteht aus zwei Stufen: Nach einer zweijährigen Ausbildung für "Tiefbaufacharbeiter/-in" folgt ein weiteres Ausbildungsjahr mit dem Abschluss "Kanalbauer" oder "Kanalbauerin".

Verwandte Tiefbauberufe, von denen auch Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, sind Straßenbauer/-in, Rohrleitungsbauer/-in, Brunnenbauer/-in, Spezialtiefbauer/-in und Gleisbauer/-in.

Ausbildungsvergütung

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist je nach Wirtschaftsbereich und Region, manchmal sogar je nach Unternehmen sehr unterschiedlich. Die jeweiligen Tarifpartner, also die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, vereinbaren, wie viel Sie während und nach Ihrer Ausbildung verdienen. Sie können Ihnen genaue Auskünfte geben. Welcher Arbeitgeberverband bzw. welche Gewerkschaft für Ihren Ausbildungsberuf zuständig ist, erfahren Sie zum Beispiel bei Ihrer Industrie- und Handelskammer, beim Berufsverband oder auch Ihre Arbeitsagentur vor Ort.

Was kann ich aus dem Beruf später einmal machen?

Eine berufliche Ausbildung zum Baufacharbeiter (hier Kanalbauer/-in) ist der erste Schritt ins Berufsleben. Danach geht's weiter, beispielsweise als Polier, Techniker oder auch Diplom-Ingenieur. Ziel kann natürlich auch die berufliche Selbständigkeit sein. Klar ist jedenfalls: Wer heutzutage gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bzw. als selbständiger Unternehmer haben will, muss flexibel sein und sich regelmäßig weiterbilden. Unter bestimmten Voraussetzungen, z.B. mehrjähriger Berufserfahrung, sind verschiedene Fort- und Weiterbildungen möglich.

  • Geprüfte/r Polier/-in, Schachtmeister/-in
  • Werkpolier/-in
  • Techniker/-in
  • Ausbilder/-in

Durch den Besuch einer Fachschule können auch weiterführende Berufe erlernt werden:

  • Industriebetriebswirt/-in Bautechnik
  • Techniker/-in für Betriebswissenschaft

Nach dem Besuch einer Fachoberschule ist das Studium an einer Fachhochschule (FH) möglich:

  • Fachrichtung Diplom-Ingenieur/-in Bauingenieurwesen

Kurzinfo

Kanalbauer/-innen

... bauen Abwasserleitungssysteme aus Mauerwerk oder vorgefertigten Rohren.

Besonders gut ist ...

... die abwechslungsreiche Arbeit, die Aufgaben anderer Gewerke kennen zu lernen, Teamarbeit sowie der je nach Leistung schnell steigende Arbeitslohn.

Bewerber/-innen sollten ...

körperlich belastbar sein, eine rasche Auffassungsgabe haben, technisches Verständnis und handwerkliches Geschick besitzen.

Bewerber/-innen sollten Spaß haben ...

... an der Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, an der Arbeit mit Maschinen und Werkzeugen, an körperlicher Arbeit im Freien.

Wer bildet aus?

Kanalbaufirmen des Baugewerbes und der Bauindustrie, örtliche und regionale Abwasserentsorgungsunternehmen und Stadtwerke.

Dauer der Ausbildung?

3 Jahre

Verdienst während der Ausbildung?

Auskünfte dazu geben Kammer, Arbeitsagentur, Berufsverband, Arbeitgeberverband und Gewerkschaft.

Anfangsgehalt im Beruf?

Auskünfte dazu geben Kammer, Arbeitsagentur, Berufsverband, Arbeitgeberverband und Gewerkschaft.

Berufliche Aufstiegschancen?

Meister/-in, Polier/-in, Techniker/-in, Dipl.-Ingeneur/-in,