Artikel - Außenwirtschaftsrecht

Investitionsprüfung

Einleitung

Umschlagshalle für Pakete

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Deutschland ist ein attraktiver Standort für Investitionen und eine der offensten Volkswirtschaften der Welt. Zu einer funktionierenden Sozialen Marktwirtschaft gehört aber auch Achtsamkeit. Zur Vermeidung von Sicherheitsgefahren kann das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) den Erwerb inländischer Unternehmen durch ausländische Käufer im Einzelfall überprüfen. Grundlage dafür sind das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und die Außenwirtschaftsverordnung (AWV).

Im Jahr 2018 wurden 78 Übernahmen inländischer Unternehmen durch ausländische Investoren geprüft. Soweit dabei relevante Sicherheitsrisiken festgestellt wurden, konnte diesen in nahezu allen Fällen durch vertragliche Vereinbarungen abgeholfen werden. Die formelle Untersagung eines Erwerbs war bislang noch nicht erforderlich.

Investitionsprüfverfahren

Im Regelfall findet das so genannte sektorübergreifende Investitionsprüfverfahren Anwendung (§§ 4 Abs. 1 Nr. 4, 5 Abs. 2 AWG, §§ 55 bis 59 AWV). Es gilt prinzipiell für alle Branchen, unabhängig von der Größe der am Erwerb beteiligten Unternehmen. Abweichende Sonderregeln gelten für den Erwerb bestimmter Rüstungs- bzw. IT-Sicherheitsunternehmen (sogenannte sektorspezifische Investitionsprüfung, §§ 4 Abs. 1 Nr. 1, 5 Abs. 3 AWG, §§ 60 bis 62 AWV).

Prüfung von Unternehmenserwerben Bild vergrößern

Prüfung von Unternehmenserwerben

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Geprüft werden können grundsätzlich alle Unternehmenskäufe, durch die Investoren mit Sitz außerhalb der Europäischen Union (EU) beziehungsweise des EFTA-Raums mindestens 25 Prozent der Stimmrechte an einem in Deutschland ansässigen Unternehmen erlangen. Betreibt das inländische Unternehmen eine kritische Infrastruktur im Sinne des Gesetzes über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik oder erbringt es andere besonders sicherheitsrelevante Leistungen im Sinne des § 55 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 bis 6 AWV, ist die Prüfung bereits ab einem Erwerb von mindestens 10 Prozent der Stimmrechte möglich. Ist der unmittelbare Erwerber unionsansässig, kommt es darauf an, ob Anzeichen für eine missbräuchliche Gestaltung oder ein Umgehungsgeschäft vorliegen (§ 55 Abs. 2 AWV).

Prüfmaßstab ist, ob der konkrete Erwerb die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährdet, das heißt, ob eine tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung vorliegt, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt. Der Gesetzestext verweist insofern ausdrücklich auf das EU-Recht und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Der EuGH hat eine mögliche Betroffenheit der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit bisher bei Fragen der Sicherstellung der Versorgung im Krisenfall, in den Bereichen Telekommunikation und Elektrizität oder bei der Gewährleistung von Dienstleistungen von strategischer Bedeutung anerkannt.

  • Prüfverfahren

    Erwerbe, durch die der Investor mindestens 10 Prozent der Stimmrechte an einem Unternehmen erlangt, das eine näher definierte Kritische Infrastruktur betreibt oder bestimmte besonders sicherheitsrelevante Leistungen insbesondere im Zusammenhang mit dem Betrieb einer solchen Infrastruktur erbringt, sind dem BMWi zu melden (§ 55 Abs. 4 AWV i.V.m. § 55 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 bis 6 AWV). Im Übrigen bestehen keine Genehmigungs- bzw. Anmeldepflicht für Investoren. Das BMWi kann jedoch innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis vom Abschluss des Erwerbsvertrages von Amts wegen eine Prüfung einleiten (§ 55 Abs. 3 AWV).

    Um frühzeitig Rechtssicherheit zu erlangen, kann der Investor unabhängig davon auch schon im Vorfeld des Erwerbs eine rechtlich verbindliche Unbedenklichkeitsbescheinigung (PDF, 56KB) beim BMWi beantragen (§ 58 AWV). Diese bestätigt, dass dem Erwerb keine Bedenken im Hinblick auf die öffentliche Ordnung oder Sicherheit entgegenstehen. In dem schriftlichen Antrag sind der geplante Erwerb, der Erwerber, das zu erwerbende inländische Unternehmen und die jeweiligen Geschäftsfelder in den Grundzügen darzustellen.

Eröffnet das BMWi binnen zwei Monaten nach Eingang des schriftlichen Antrags des Erwerbers auf Erteilung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung kein Prüfverfahren, gilt die Bescheinigung als erteilt (§ 58 Abs. 2 AWV).

Im Falle der Eröffnung eines Prüfverfahrens ist der Erwerber verpflichtet, dem BMWi alle für die Prüfung relevanten Unterlagen vorzulegen. Einzelheiten dazu wurden per Allgemeinverfügung (PDF, 278KB) am 11. April 2019 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Darüber hinaus kann das BMWi für die Prüfung weitere Unterlagen anfordern. Nach Vorlage der vollständigen Unterlagen kann der Erwerb nur innerhalb von vier Monaten beschränkt oder untersagt werden.

Während des Prüfzeitraums bleibt das der Investition zugrunde liegenden Rechtsgeschäft wirksam. Der Erwerb steht aber unter der auflösenden Bedingung einer Untersagung (§ 15 Abs. 2 AWG).

Zuständig für die Durchführung des Prüfverfahrens ist das BMWi. Es beteiligt die anderen im konkreten Einzelfall betroffenen Ministerien im Rahmen ihrer Zuständigkeiten. Anordnungen oder Untersagungen bedürfen der Zustimmung der gesamten Bundesregierung. Diese Regelung unterstreicht den Ausnahmecharakter von Beschränkungen oder Untersagungen ausländischer Investitionen.

Besondere Investitionsprüfungsregeln gelten für den Erwerb von Unternehmen, die in besonders sicherheitssensiblen Bereichen tätig sind. Dazu zählen Hersteller oder Entwickler von Kriegswaffen und anderen militärischen Schlüsseltechnologien, von besonders konstruierten Motoren oder Getrieben für gepanzerte militärische Kettenfahrzeuge und von Produkten mit IT-Sicherheitsfunktionen, die für die Verarbeitung staatlicher Verschlusssachen genutzt werden. Entsprechende Sonderreglungen gelten auch für den Erwerb eines Unternehmens, das ein hochwertiges Erdfernerkundungssystem betreibt (§ 10 SatDSiG).

Geprüft werden kann jeder Unternehmenskauf, durch den ausländische Investoren mindestens 10 Prozent der Stimmrechte an einem in Deutschland ansässigen Unternehmen erlangen. Prüfungsmaßstab ist, ob der konkrete Erwerb wesentliche Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland gefährdet. Dabei sind das einschlägige EU-Recht und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu berücksichtigen.

  • Prüfverfahren
    Erwerbe, die der sektorspezifischen Investitionsprüfung unterfallen, sind meldepflichtig (§ 60 Abs. 2 AWV). In der schriftlichen Meldung sind der geplante Erwerb, der Erwerber, das zu erwerbende inländische Unternehmen und die jeweiligen Geschäftsfelder in den Grundzügen darzustellen. Leitet das BMWi nicht binnen drei Monaten nach Eingang der schriftlichen Meldung ein förmliches Prüfverfahren ein, gilt der Erwerb als freigegeben (§ 61 AWV).

    Im Falle der Eröffnung eines Prüfverfahrens ist der Erwerber verpflichtet, weitere Unterlagen vorzulegen. Einzelheiten dazu wurden per Allgemeinverfügung (PDF, 279KB) am 11. April 2019 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Darüber hinaus kann das BMWi für die Prüfung weitere Unterlagen anfordern. Nach Vorlage der vollständigen Unterlagen kann der Erwerb nur innerhalb von drei Monaten beschränkt oder untersagt werden (§ 62 AWV).

    Das dem Erwerb zugrunde liegenden Rechtsgeschäft ist solange schwebend unwirksam, bis das BMWi innerhalb der oben genannten Fristen ausdrücklich oder stillschweigend die Freigabe erteilt (§ 15 Abs. 3 AWG). Zuständig für die Durchführung des Prüfverfahrens ist das BMWi. Es beteiligt die anderen im konkreten Einzelfall betroffenen Ministerien im Rahmen ihrer Zuständigkeiten. Anordnungen oder Untersagungen werden im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium der Verteidigung sowie – im IT-Bereich – mit dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat getroffen.

Am 19. Dezember 2018 hat das Bundeskabinett neue Vorschriften zur Investitionsprüfung beschlossen. Sie erlauben es der Bundesregierung, den Erwerb von deutschen Unternehmen durch ausländische Investoren in sensiblen Bereichen besser zu prüfen. Die Novellierung trat am 29. Dezember 2018 in Kraft.

Während es grundsätzlich weiterhin bei der allgemeinen Prüfeintrittsschwelle von 25 Prozent bleibt, werden sicherheits- und verteidigungsrelevante Infrastrukturen und Unternehmen besonders geschützt. Hier liegt die Prüfschwelle nun bereits bei 10 Prozent.

Wegen der Bedeutung der Medien für eine gut funktionierende Demokratie werden auch Medienunternehmen in diesen Kreis einbezogen. Die neue Regelung ermöglicht es der Bundesregierung, frühzeitiger herauszufinden, ob durch den Erwerb relevante Sicherheitsinteressen betroffen sind.

Auf europäischer Ebene setzt sich die Bundesregierung dafür ein, strategische Direktinvestitionen von Nicht-EU-Investoren in sicherheitskritische europäische Hochtechnologieunternehmen stärker in den Blick zu nehmen. Insbesondere sollen die Transparenz hinsichtlich unionsfremder Direktinvestitionen in der Europäischen Union (EU) und den damit verfolgten drittstaatlichen Strategien erhöht, die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Prüfung unionsfremder Direktinvestitionen verbessert und die Eingriffsbefugnisse der Mitgliedstaaten gestärkt werden.

Die Europäische Kommission hat im September 2017 einen entsprechenden Verordnungsvorschlag vorgelegt, auf dessen Grundlage sich Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments Ende 2018 auf einen einheitlichen Rahmen für die Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen in der EU verständigt haben. Die einschlägige Verordnung soll im Frühjahr 2019 von Rat und Europäischem Parlament verabschiedet werden.

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