Glossar GAIA-X

In diesem Glossar finden Sie die wichtigsten Begriffe und Themen rund um GAIA-X kurz und knapp erklärt.

C

Unter Cloud Computing verstehen wir das dynamisch an den Bedarf angepasste Anbieten, Nutzen und Abrechnen von IT-Dienstleistungen über ein Netz. Die Spannbreite der im Rahmen von Cloud Computing angebotenen Dienstleistungen umfasst das komplette Spektrum der Informationstechnik und beinhaltet unter anderem Infrastruktur (zum Beispiel Rechenleistung, Speicherplatz), Plattformen und Software. Dank der Nutzung von Cloud-Diensten, die nur im Bedarfsfall zur weiteren Bearbeitung auf die Endgeräte des Kunden geladen werden, reduzieren sich bei diesem die Kosten von Investitionen, Bereitstellung, Betrieb und Abrechnung dieser Dienste. Angebot und Nutzung von Cloud-Diensten erfolgen dabei ausschließlich durch technische Schnittstellen und Protokolle.

D

Unter Dateninfrastruktur verstehen wir eine vernetzte technische Infrastruktur aus Komponenten und Diensten, die den Zugang zu Daten sowie deren Speicherung, Austausch und Nutzung gemäß vordefinierten Regeln ermöglicht.

Unter einem digitalen Ökosystem verstehen wir das Netzwerk aus Entwicklern, Anbietern und Anwendern digitaler Produkte und Services in Verbindung mit Transparenz, breitem Zugang und vitalem Austausch. Es stellt somit eine entscheidende Grundlage für europäisches Wachstum, digitale Innovationen und neue Geschäftsmodelle dar.

Unter digitaler Souveränität verstehen wir, im Einklang mit der Begriffsbestimmung der Fokusgruppe „Digitale Souveränität in einer vernetzten Wirtschaft“ des Digital-Gipfels, die „Möglichkeit zur unabhängigen Selbstbestimmung von Staat und Organisationen“ in Bezug auf die „Nutzung und Gestaltung digitaler Systeme selbst, der darin erzeugten und gespeicherten Daten sowie der damit abgebildeten Prozesse“. Mit unserem Projekt adressieren wir vornehmlich den in dieser Begriffsbestimmung enthaltenen Aspekt der Souveränität über Daten, das heißt die „vollständige Kontrolle über gespeicherte und verarbeitete Daten sowie die unabhängige Entscheidung darüber, wer darauf zugreifen darf“.

Im Kontext von GAIA-X verstehen wir Domäne als Synonym für eine Branche/einen Sektor und als Bezeichnung von Anwendern (Unternehmen, Organisationen, Verbände, Forschungseinrichtungen, etc.), die einem gemeinsamen Themenbereich zugeordnet werden können.

Die Bedarfsbeispiele (sogenannte Use Cases) entstammen unterschiedlichen Domänen und illustrieren den Bedarf und den Mehrwert einer souveränen, europäischen Dateninfrastruktur. Die Zusammenstellung hat exemplarischen Charakter und deckt aktuell die Domänen „Industrie 4.0/KMU“, „Gesundheitswesen“, „Finanzwesen“, „Öffentlicher Sektor“ und „Smart Living“ ab. Die Beispiele sollen Potenziale der Dateninfrastruktur anhand von Anwendungsmustern aufzeigen, die grundsätzlich auch in anderen Domänen von Relevanz sein können. Das Projekt ist offen für weitere Bedarfsbeispiele. Die Ergänzung um weitere Domänen ist willkommen.

E

Unter Edge verstehen wir ein dezentrales Datenarchitekturprinzip. Beim Edge Computing werden Daten nicht allein in einer Cloud, sondern weltweit dort verarbeitet, wo sie anfallen, das heißt nahe an den Produktionsprozessen – auch mit Cloud-Technologien. Von großer Relevanz ist das für Echtzeitanwendungen, bei denen es auf wenige Millisekunden Reaktionszeit (Latenzen) ankommt und damit eine Verarbeitung in der Cloud zeitlich nicht möglich ist. Eine anschließende Weiterverarbeitung in der Cloud wird durch diesen Ansatz gewährleistet und sollte möglich sein.

I

Die International Data Spaces Association bietet eine von über 100 Partnern getragene Referenzarchitektur, die ein Ökosystem für den souveränen Austausch von Daten mit klar definierten Nutzungsrechten ermöglicht und damit eine Komponente der vom „Projekt GAIA-X“ angestrebten vernetzten, offenen Dateninfrastruktur beschreibt. Die Referenzarchitektur der International Data Spaces Association definiert eine technische Infrastruktur und ein semantisches Regelwerk für den Datenaustausch und die Datennutzung in Ökosystemen. Technisch unterbindet bzw. erlaubt eine Software-Komponente, der IDS Connector, Datenverknüpfungen und -analysen zwischen verschiedenen Mitgliedern eines Ökosystems. Damit lassen sich bestehende und neue Cloud-Dienste in eine interoperable Digitalwirtschaft unter Wahrung der Datensouveränität einbetten.

L

Lock-in-Effekte entstehen zwischen Kunden und Anbietern von Cloud-Diensten, wenn der Wechsel zu einem alternativen Lösungs- oder Dienstanbieter wegen entstehender Wechselkosten und Wechselbarrieren erschwert bis unmöglich gemacht wird. Wechselbarrieren können technisch-funktionaler Natur (Abhängigkeit von den spezifischen Features bestimmter Anbieter) sein, sich aus vertraglichen Vereinbarungen (zum Beispiel Lizenzmodelle und Strafkosten) ergeben, aber auch durch einen hohen kundenspezifischen Personalisierungsgrad, durch Gewöhnungseffekte oder durch das schiere zu migrierende Datenvolumen entstehen.